Ausgabe 
11.5.1926
 
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Gießener Kmilienblatter

Unterhaltungsbeilage zum (Siebener Anzeiger

Jahrgang 1926 "" Dienstag,-rn 11. Mai Nummer Z8

Furchen.

Don Leo Sternberg.

Dm: jeder Furche, dte dein Antlitz Pflügt, ttietf) ich die Not, die sie gefügt O, das) wir uns zerstören, wenn wir uns tief gehören!

Klebt nicht an allem Schweiß und Blut, was mir dein Herz zuliebe tut? Laß doch, es macht mir Freude! Vergeude mich, vergeude!

And werden meine zarten Hande rauh und meine Wädchenzöpfe grau Tod kann nicht davon kommen, da Liebe mirs genommen."

Am Herdfeuer der Posada.

Von E. v. An gern-Stern berg.

:n tragen auf kastilischem m auch nicht unsere traute

Wie in den Märchen aller Länder, so begegnen wir auch in den spanischen Märchen Königen, Prinzen und verwünschten Prinzessinnen, Hexen und Zauberern, bösen Schwiegermüttern und lachen über den dummen Teufel, der sich vom schlauen Bauern überlisten läßt. Es sind dieselben Gestalten, die unsere Kindheit grüßten die uns allen bekannt sind und die wir liebgewonnen haben. Alle diese Könige und Prinzen tragen auf kastilischem Boden ein fremdes Gewand und sprechen auch nicht unsere traute Heimatsprache, aber wir freuen uns doch, wenn wir ihnen oe» aegnen und sie in ihrem Zauberreich besuchen dürfen. Das Land der spanischen Märchen liegt in der Einsamkeit der Berge, versteckt am Wegrande stiller Gehöfte. .

Maultiertreiber ziehen über die Landstraße dahin. DieDunkel- heit dämmert aus dem Täte hinauf, webt graue Schleier, ver­mengt sich mit dem Staube, kriecht die Hügel entlang, verwscht die bunten Farben am Himmel und bildet dann ein schwarzes Zelt, durch das nur die Sterne herunterblinken können. Die Maultiere schnaufen und die Treiber schreiten müde dahin. Alle Amrisse sind undeutlich geworben. Die Wolken, die von den hohen Bergen herunterschweben, verdecken mit Rlesenschatten das Licht der Sterne und Haschen mit Nebelfingern nach der Erde. Die alten Eichen am Wegrande knarren, in deren Aesten immer» schlaftrunken Eulen nisten. Der Wind summt fern eintöniges Lied, und trotzdem die Posada, die Herberge, nicht mehr weit ist, so scheint die Straße doch endlos lang. Sie gleicht dem Menschenw^e, der aus dem Dunkel kommt, hier die Erde streift und dann wieder über die Berge zum Sternenftaub führt, mitten durch den un- erineWchen Daum, bis seine Spuren hinter hklen Grenzen ver- wehen Die Menschen komnren aus dem Anaber?Häubchen da­hinten. werden auf der Landstraße sichtbar, schreiten mühsam dahin, haben Hoffnung und Glauben als Weggenossen ruhen cmi Herde aus, und ziehen Wecker bergan bis sie der Eide

entf'@dt%ngan8 finster geworden, als sich die Treiber «d Maulst tieve der Posada nähern, die sich wie ein klobiger Steinhaufen hinter der Wegwendung erhebt. Fackeln leuchten am Gebäude auf. Hunde bellen und heulen, und di- Maulesel stampfen ui^eduld^ vor der niedrigen Tür. Im großen Ofen flackert ein helles Feuer und durch den weiten Schlot fahren blitzende sunken in den Nachthimmel empor, aus dein di« Sterne mit kalten ^Augen heraubschauen, da ihnen schon lange alle Dinge im Weltraum der ^^rdfeMr^steU dte Wirtin und bäckt einen großen Sier» kuchen ln dem Speckstücke aus dem Rauchfang schmEn. Die Männer ruhen auf den Bänken, wärmen sich die steifgefrorenen Hände und schauen nachdenklich in die sprühenden Nammen. Sn &er Erde um das Kohlenbecken, unter der ewigen Lams^ vor dem Muttergvttesbilde, drängen sich die Kinder, ustdbie Groß­mutter die den Hanf langsam durch die Singer gleiten laßt,

ißnen Märchen. Ihre welke Hand deutet habet zuerst auf iie Ruinen am Hügel, die als Luginsland durch lange -^ahr- hunderte^im Sonnenlicht und in der Finsternis stehen und zedes- mal mit dem Dahinschwinden eines Menschengeschlechtes nur ""'n»

Dort hatte vor vielen Jahren ein frommer Eremit gehaust. Da w^r es chnmal geschehen, daß einschwerer Derbr^ch-r an seiner Klause vorüber an den Galgen geführt wurde. Anstatt den An glücklichen auf seinem letzt«, Gang zu sd«r urch ru tros^> Watts

daß die Gerechtigkeit ihn ereilt hätke. Bisher hatte der Allgütig« dem Eremiten täglich einen Engel gesandt, um ihn mit opelfe und Trank zu versorgen. Nun aber blieb der Engel plötzlich aus. Als ihn der Hunger immer mehr zu quälen begann, zog der Ein- siedler aus, um den Engel zu suchen und ihn an seine Pflicht zu mahnen. Er fand ihn am Galgen zu Füßen des Gehenkten, um die bösen Geister der Hölle zu vertreiben, die von der Seele des Gerichteten Besitz zu ergreifen versuchte». Der Engel warf dem Eremiten seine Hartherzigkeit vor. Am die Vergebung Gotte» zu erlangen, müsse er schwere Buße tun. Er müsse fortan das Kerbholz des Galgens auf seinem Rücken tragen, es nachts als Kopfkiffen benutzen, durch die Welt wandern unb warten, bis das tote Holz von neuem zu knospen beginnen werde. Erst dann werde ihm Gott seine Sünde vergeben haben.

Lange zog der Einsiedler als Büßer durch die Lande und trug seinen Fluch geduldig auf dem Rücken, aber das Galgenholz blieb hart und kalt. Gr kehrte in Räuberhöhlen ein, predigte das Evangelium, ließ sich schlagen und verspotten und segnete seine Peiniger, doch seine Sünde blieb ihm unvergeben. Traurig kehrte seiner früheren Klause zurück. Es war eine eiskalte Winter- Schneeflocken fegten über den Weg, er aber hatte nichts.

er zu feiner früheren sriaui nacht. Schneeflocken fegten -----

um sich damit zu bedecken. Wie immer legte er _

unter seinen Kopf, betete, bis ihn die Müdigkeit übermannte... und schlief in das ewige Leben hinüber. Wanderer fanden am anderen Morgen seinen erstarrten Leichnam, über dem der Engel Gottes wachste. Auf der weißen Schneedecke aber lag das Galgen­holz. aus dem wunderbare Rosen hervorblühten.

Run wird die Geschichte von der unglücklichen Braut erzählt, die von ihrer Freundin verleumdet wurde. Der Bräutigam glaubte die Lügen des bösen Mädchens und zog. ohne Abschied zu nehniem in die Welt hinaus. Die verlassene Braut welkte dahin mid starb bald an gebrochenem Herzen. Run bereute die böse Freundin bitter ihre Verleumdung und konnte keine Ruhe ftn«n, bis es sie endlich zur Deichte trieb und sie dem Priester ihre Sande gestand. Der Beichtvater legte ihr eine schwere Ponitenz auf Sie sollte zu Fuß nach Rom pilgern, in allen Kirchen oeten und in jeder eine Nacht verbringen. _ ,

Als sie nun in Rom auf einer stembank vor emer Kapelle aus ruhte und auf die Dunkelheit wartete, redete sie ein öatrtftan an und teilte ihr mit, daß jede Nacht der Geist einer verstorbenen Jungfrau im Tempel erscheine und laute Klage vor dein Altar führe. Das Mädchen erschrak, denn sw wußte, daß nun für he die Stunde der Abrechnung kommen werde. Mit Angsttm Serjan schlich sie in die Kirche und kniete auf den kalten Fließen nieder. Es dauerte gar nicht lange, so stand bte. von ihr VerleumdÄte vor ihr und blickte sie straff an, dann winkte sie ihr zu folgen und führte sie zum Weihwasserbecken.Schlitteba» a&a-fer au» . beiabl der Geist Zitternd gehorchte das Mädchen.And NUN sammle es Är in das Ä zurück', sprach die Verstorbene streng. Das Mädchen weinte und sagte, daß sie das nicht.tun könne. ..Ebenso unmöglich ist es. mir meinen gutenju? zurück- zugeben, den du mir genommen hast und darum mußt du mir beine rtunae «einen. Als nun das unglückliche Mädchen ihre Zunge^herausstL. berührte sie das Gespenst mit feurigen Fingern und brannte ihr ein tiefes Loch hinein. Dann erst ver schwand es, nachdem es der Büßerin vergeben.

Jetzt erzählt die Großmutter das Märchen vom Migen Wann, der auszog, sein Glück zu suchen. Im Walde begegnete t^m em strahlender Reiter, der ihm ein wunderbares Maultier senkte Was immer der Glückssucher begehrte, sofort wat es zur Stelte. sobald das Maultier mit den Hufen zu scharren begann. Aber der junge Mann wollte sich nicht allem nnt irdischen Glncks- aütern begnügen, er wollte schauen und den Sinn des Lebens nfasten, deshalb schentte er den Maulesel feinem armen, alten Vater, der mühsam in einer Hütte dahinlebte. Der ^l stampfte auf den Boden, und sofort hatte der Vater einen herrlichen Palast und alles, was er brauchte. Dann bat er um den batet lieben Segen und zog wieder hinaus in die Ferne. Er kam bald auf eine bbüh-nde Wiese, auf der vtele Tiere weidetemAber trotz des fetten Futters waren alle Rinder so mager, dich dte Knochen durchschienen. Dann gelangte er an einen breiten Strom aus Blut, den er durchwaten mußte. Auf einem D?Al g-wa^e er ein schönes Schloß, auf dessen Altan eine wunderyolde Frau weinte und klagte. Hinter dem ersten Palasterhobsicheni zweiter, in dessen Sälen alle Bewohner miteinander stritten. sich ^gen und gegenseitig verwundeten. Am weiter zu kommen, nmßte ei über eine ganz schmale Brücke gehen, dann kam er aufeine sandige Fläche aus der die weidenden Rinder, trotzdem su nichts als Sand fraßen, dick und fett waren. Hinter der Fläche erhob