hingen und Einflüsse in dem Jungen hinterließen, ob, wie wto wann sie früher oder später in seinem Werk m Erscheinung traten. Das Gebilde des kölnischen Kurstaates, das sich ihm zeigte, fegte wohl den Grund zu seinen ersten ungefähren Politischen Bor- stellungen, aus denen die Auffassungen und Anschauungen d-S Jünglings erwuchsen und von denen sich später, auch der Wann, der in der österreichischen Kaiserstadt eine zweite Heimat sand, nicht lösen konnte. Mit der Bevölkerung seiner Geburtsstadt kam er schön srüh in nahe Berührung, auf den Wanderfahrten auch mit Leuten anderer rheinischer Gegenden des kurkölmschen Landes Was an rheinischem Wesen in seinem Blut lag, verschmolz mit dem, was ihm aus der Familie, von den Menschen der engeren und weiteren ^Umgebung zufloh. Wie er in Mundart und Sitte fick assimilierte, so wirkte auf ihn auch ihr Fühlen und Emp- sinden. Die in ihm liegenden Keime eines kurkolmschen Rhetn- ländertums erstarkten und verknüpften ihn dadurch nur noch enger mit dem Bolksstamm, in dem er seine Jugend verbrachte. Wir finden einen Widerhall später nicht nur in Aeuherungen tote jener zu dem Gartendireftor Lennee: „Dich versteh ich, du sprichst bönnisch. Du muht Sonntags immer mein Gast sein im weißen Schwan in der Kärthnerstrahe." In dem eigentümlichen Humor, der starken Lebensfreudigkeit, manchem Genrebild seiner Werke gelangte er künstlerisch immer wieder zum Durchbruch, wenn er auch nur eine Komponente ihrer Gefühls- und Gestaftungskomfuexe darstellt. Bedeutungsvoll waren die Einflüsse, die ton der Kultur des Hofes, dem geistigen und künstlerischen Leben der Residenz ausgingen. Die repräsentative Haltung, die geistige Bewegtheit, die Fülle der Anregungen erfaßte ihn, er empfing bereits Eindrücke von Kirchen-, Orchester- und Kammermusik, ton Sinfonie und Oper, von älteren und neueren Stilrichtungen. Er vermochte sich mit der Vielheit und Mannigfaltigkeit ihrer Formen,, Inhalte und Wesenseigentümlichkeiten wohl noch kaum einigermahcn intensiver auseinanderzusetzen, aber einzelne charakteristische Züge zogen ihn doch wohl bereits in ihren Bann und lockerten das Erdreich für die Einwirkungen, denen sich bald der Jüngling hingab. Wir wissen nicht, welchen Grad und äkmfang diese Eindrücke bereits annahmen, aber aus den Stücken, mit denen der Junge bald seine Produktion vor der Oefsentrichkert begann und sie in den folgenden Jahren fortfetzte, dürfen wir immerhin auf ein nicht ganz geringes Mah innerer AnteftnahE und Empfangsbereitschaft schließen. Konnte er sich in diese Welt nach einem eigenen Wollen und Empsinden hineinleben, konnte er dabei abwehren, was in ihm keine sympathische Satte berührte, so sah er sich in Schule und Hausunterricht dem Zwang gegenüber, er muhte sich emsig auch mit dem beschäftigen, was ihm innerlich vielleicht widerstrebte. Er hatte nicht die fvete Wahl, kein feinfühliger Erzieher regelte den Arbeitsstoff, es vblang ihm einfach die Pflicht, zu gehorchen und sich dem schon früh emsetzenden Zick- zackkurs 'des Baters zu unterwerfen. Die Schule konnte kernen tieferen Einsluh auf ihn ausüben, es ist aber wahrscheinlich, daß sie seinen Lerneifer eher förderte als hemmte, wie sie auch für die weniger aus mangechafter Schulung als aus Eigenwilligkeit entspringenden Merkwürdigkeiten von Beethovens spaterer Handschrift und feinem sprachlichen Ausdruck kaum torantwortlich ^ macht werden darf. Sm Elternhause mochte ihn die berufliche Leistung des Vaters mit Achtung, dessen Unberechenbarkeit imt Llnbehagen und Scheu erfüllen, sem Herz schlug far dle Mutt«, ihr brachte er feine ganze rührende Liebe entgegen. So fchmergl^ auch häutig die Nötigung zu harter, oft wenig zusagender Arbeit von ihm ' empfunden wurde, sie trug doch dazu bei, eine komplizierte Natur vor Zersplitterung und Schwächung bet Willenskraft zu bewahren. Wenn sich später Beethoven auch noch als aufstrebender, erfolgreicher Künstler immer wieder auf Schulbank setzte, an feinen Werken jahrelang feilte, so ist me L ihm steckende Äranlage zu dieser Tatigk^ wohl
dadurch schon damals entwickelt und gefordert worden. Aus chr erwuchs bei Beethoven allmählich die Erkenntnis, dah d« Künstler, mag er auch mit den stärksten Lllentm ' J ’
nicht der angestrengtesten Arbeit entbehren kami. Zeitigte dw väterliche Erziehung bei alten gefahrvollen Vchattenlmten für die Entwicklung des jungen Musikers doch auch em ®ute$. 1® muhte die besänftigende Liebe der Mutttobei^^Gegensiitz rur »eitweiliaen Härte und Launenhaftigkeit des -varers auj tßn um so stärkere Wirkungen ausüben. Dah sich die Mutter ferner Mnahm unb seinen seelisc^n Nöten ^tändnfs entgegenbrachte, lernte er schon früh in besonderem Mähe schätzen. IN seiner« späteren Werken spüren wir, dah für ihn Liebe und Treue auherhalb des Bezirkes alltäglicher, kimventioneller Gefühlsäußerungen tagen und ihm als göttliche Segnungen galten.
Die römische Kaiserresidenz Trier.
Von Curt Hotzel.
Im allgemeinen verbindet sich auch für den gebildeten Deutschen mit der Vorstellung des römischen Trier nur eine Erinnerung an die Porta Nigra - bestenfalls ist er durch das wundertolle Gedicht Stefan Georges über dieses beinahe mhthisäM Bauwerk . noch einmal auf die anttke Bedeutung der Stadt hnigewwsmi worden. Das ist bei dem überwältigenden Rsichtumder lomt scheu Denkmäler in und bei Trier um so Verwunderlichei, als sich , ;a Nefc Stadt und Gegend eines so guten Rufes als Rat.linchön- , 'heft Freut von der Köstlichkeit des Moselweines gar nicht zu ■ reden!
««mutieren soll". Noch ein weiteres Erlebnis grub unverwisch- 1 bare Spuren In die Seele des jungen Menschen. Wenn er „sich 1
.nri-n beschäftigen muhte, nahm er eine weit ganz andere .
Äafjung an... (Das) waren ihm die glücklichsten Stunden, wenn « von seinen Eltern, ihren Gefellschasten befreit war . die Semigen alle heraus waren, dah er sich dann altem befand 3n diesen Stunden des Alleinseins regten sich die ersten Flugel- schläge seines musikalischen Schaffensdranges und erweckten m ffitnMe innere Befestigung, die schon die Ahnung schöpferischer Kraft Dertetijt. Und wenn er dann aus eigenem Antrieb zur Kämmerzeit frühmorgens oder am späten Nachmittag in Den Kirchen vor dem Orgeltisch sah und die Tone m das geheimnisvolle Halbdunkel hinausdrangen, dann mag vor 'hm all. das Schwere und Harte verflogen fein, an das er ""alltäglichen Leben stieh. Bei diesen Anläsfen tauchten greifbare Spuren fruh- vroduktitor Fähigkeit auf, wir dürfen bereits leise Regungen dneS romantisch gerichteten, ins Uebersinnliche schweifenden, von Sehnsucht und Ahnungen ergriffenen Geistes tormuten, wie er schon bald seine freien Klavierphantasien und Werke erfaßte und ihren Gefühlskreis bestimmte.
In diesen 'jungen Jahren setzten auch die Eindrücke, Einwirkungen und Einflüsse ein, die von Territorium und Volks- stamm, von Residenzstadt und Familienhaus, von Leben und Kunst, von den Menschen des weiteren und engeren Verkehrs ausgingen. Der Junge wuchs heran in dem historisch gewordene Gebilde des kurkölnischen Kirchenstaats, inmitten einer Bevölkerung die einen Bestandteil der allgemein rheinischmi bedeutete und autochthone Besonderheiten auswies, in einem Milieu, dem Hof und (Staatsregierung das Gepräge gaben, m emep Familie, die nicht die bis ins einzelne geordneten, stabilen Berhaltinise, aber auch nicht die zuweilen bis an Verengung und Abstumpfung reichende Geradlinigkeit und Behaglichkeit des normalen Durger- standes kannte. Das Elternhaus bot kein harmonisch abgestimmtes, sonniges Heim, das den Kindern als ein Paradies erschien, wir dürfen dabei nicht an das Elternhaus Mozarts oder Goethes denken, aber es war auch keineswegs der von spateren Biographen anschaulich gezeichnete Kerker, in dem der Vater Johann als brutaler Zuchtmeister tobte und herrschte. Was die materiellen Verhältnisse an Sorgen und Schwierigkeiten, die Stimmungen und Launen des Vaters an Lleberschwenglichkeck, Änruhe und Unfrieden in die Familie hineintrugen, das vermochte die aus- gleich,ende Art, die Milde und Güte der Mutter b« den Kindern doch auch wieder zu verscheuchen und gut zu machen. Hl^ ließ sich für einen Jungen immerhin leben, stellten sich auch Schwankungen und Trübungen ein, welche innerhalb der Familienraume die leuchtenden Bilder eines himmelhochjauchzenden Jugenü- traums nicht aufkommen ließen. Nicht die feine Geistigkeit, tote sie das Haus eines an den zeitgenössischen Strömungen uvter- effierten kurkölnischen Geheimrats auszeichnete, umfloß den Jungen, solchen Ansprüchen konnte das Beethovensche Haus m$.t genügen, aber es drang doch auch em Hauch des Geisteslebens der Residenz herein, Männer der Regierung, des Theaters und der Hofmusik verkehrten hier nicht nur zum Austausch ton Stadt- neuiakeiten, und begreiflicherweise fand besonders die Musik eine Eifrige Pflege. Bei dieser häuslichen Musikübung tarnen von den Werken, die am Hofe zur Ausführung gelangten, zweffellto die einen oder anderen Teile zu Gehör und wurden auch die Notenmaterialien, die in den Donner Familien im Gebrauch waren, auf die Pulte gelegt, stlnd außerhalb des Elternhaus^ geriet der Junge einerseits in den Dunstkreis der Bürgerstadt, andererseits strömte ihm Luft und Licht der Residenz zu. Rheinisches Alltagsleben mit seinen Aeuherungen und Besonderheiten konstrastierte zum Glanz, zur Hochkultur.unb 2tet>raftotatton bea kurkölnischen Hofes, von der Enge, Kleinheit und Begrenztheit stach ab die Weite, die Bewegtheit, die Hingabe an geiftige unö künstlerische Ziele. Wie der Junge die engen Stuben und Laden der Bürger und Handwerker betrat, deren Sinnen und Trachten auf Erwerb, Unterhalt und Vergnügen gerichtet war, so durchschritt er auch, was das Kurfürstentum im Laufe der Jahrzehnte an machtvollen Bauten geschaffen hatte. In Kirche, Koiyert und Theater mochte vor ihm erklingen, was er tedtoeife schon aus den Proben im Elternhause kannte. Wahrend der Junge diese Wahrnehmungen und Eindrücke nach seiner inneren Disposition und seinem eigenem Ermessen aufnehmen konnte, war er beim Unterricht, in den er durch das väterliche Machtwort hinein- gestellt wurde, an eine vorgeschriebene Route gebunden. In Trivialschule und Tirocinium saß er mit den Aftersgenoffen, die individuelle Begabung mußte sich dem auf die Allgemeinheit zugeschnittenen Schema beugen, das die regelrechten, elemerrtateii Schulkenntnisse vermittelte. Und auch in der häuslichen Wusik- «ziehung konnte er sich dem Befehle des Vaters und den Wun- scheu der Lehrer nicht entziehen. Verzichtete schon die Schule unter den damaligen Verhältnissen ost auf einen Mematischen Unterricht, so trat vor allem bei der muiikasischen Ausbildung an Stelle des allmählichen, auf gesunde GrundlagM, sich stutzenden Aufbaus die Experimentiersucht, welche die verschiedenartigsten Helfer herbeirief, der sich der Junge aber teilweise schon bald zu entziehen wußte, um aus eigene Faust feine Orgelstudiei z betreiben. So leicht es dem Vater gelang, mit seinen Schulern aus Adels- und Bürgerkreisen fertig zu werden, so wenig vermochte er als Lehrer mit dem eigenen Sohiw anzufangen. Es erhebt sich die Frage, welche Spuren diese Eindrücke, Emwir-


