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Leraniwortlich: Dr. Hans Lhhrivt. - Druck der Brühl'schen Äniversitäts°Buch. und Steindruüerei. A. Lange, Gtetzen.
bringen in die Atomlehre gelungen, Leuchtfarben ^zustellendie ouck bei Taue in ähnlichen Farben erscheinen, wie sie Mi Dunkeln leuchten. Man hat nachgewiesen daß die einzrinen Atome Og Kristall nach ganz bestimmten Gesetzen geordnet sind. Im Schwefel
m einem der hauptsächlichsten Zusätze der leuchtenden Farben, liegen sie' etwa wie? die Knoten sehr dichter und eng nebenemander befindlicher Maschennetze. Gelangen nun zwischen diese Maschen Atome eines anderen Stosses, am besten einesschweren Metalle», so bilden sich Stellen, die wie eine photographische Platte lichtcmp- sMdlick sind Während eine Belichtung aber bei der photographischen Matte^eine Zersetzung oder Verbrennung der Stoffe hervorrust, losen sich in dem Maschennetz durch Einwirkung des Lichtes Elektronen also kleinste Teilchen der Elektrizität ab. Emen ahusichen Fall haben wir bei den Röntgenröhren, insbesondere den Gluhkathoden- röbren in denen ebenfalls durch Hitze Elektronen von der glühenden Kathode fortqeschleudert werden. Hört die Belichtung aus, so kehren die Elektronen an ihren Ausgangspunkt zurück, und die er umgekehrte Vorgang löst das Leuchten aus, das solange dauert, bis alle Elektronen ihre alte Lage eingenommen haben.
Hieran knüpsen sich nun wichtige Folgerungen. Zunächst wird das Leuchten in den ersten Augenblicken, in denen sich alle Elektronen in der Rückwärtsbewegung befinden, am stärksten sem und nach und nach abklingen. Da ferner die Bewegungen und Mengen bei verschiedener Stofszufammensetzung auch verschieden so wird eine Leuchtfarbe schneller, eine andere spater erblassen. Man konnte nachweisen, daß sich die Elektronenbewegung am günstigsten auswirkt, wenn die erregende Lichtquelle sehr kurze Wellen hat. Auch die Röntgenstrahlen mit ihren außerordentlich kurzen Wellen haben bekanntlich eine große Durchdrmgungsfahigkeit. Die Farbe violett hat nun sehr kurze Wellen, und man wird daher zur Belichtung entweder Tageslicht, Magnesiumlicht °der das Licht emer Bogen- oder Quecksilberdampflampe wählen weil dieses Licht eben reich an violetten Strahlen ist. Andere Lichtarten sind wemaer günstig. Eine Ausnahme machen nur die Farben rot und orange, bei denen man auch Glühlicht oder Petroleum- und Kerzenlicht zur Be-
Di? Aussichten für die Verwendung solcher leuchtenden Farben sind sehr günstig, denn für die Belichtung ist nur eme Zeit von wenigen Sekunden bis zu einer Minute erforderlich, wahrend sich das Abklingen des Selbstleuchtens auf eine Stunde bis 12 Stunden erstreckt.
Besuch im norwegischen MsmeerMno.
Von Fritz Löwe.
T r o m s ö , im November.
In Amerika sagt man, Filme seien konzentrierte Gefühlsäußerungen die, in Blechbüchsen verpackt, ihren Weg um die ganze Weit machen. Und in der Tat, ein Riesensilmband umspannt den Erdball vom Aequator bis fast zum Nordpol. Von der Wanderung des Films bis in die entlegensten Orte des hohen Nordens soll
Die^ Forischrsite, die die Filmindustrie ständig macht, dringen über den Polarkreis bis an die Grenzen der Zivilisation. Nirgends in der Welt kommt die Zauberlaterne des Films mehr zur Geltung n15 habe das Nordlmcki durchstreift, die Kinos von Narvik bis zur finnischen Grenze studiert In Tromsö, der Pforte zum Eismeer m Hammerfest, dem Nordkapstädtchen, im tranduftenden Bardo und Vadsö und der neu entstandenen Erzstadt Kirkenas sah ich inmitten eines Publikums, dessen ganzes Leben unausgesetzten Kampf mit den entfesselten Elementen bedeutet. Der Landessprache mächtig, war es für mich von hohem Interesse, die Ansicht dieser Schifser- und Fischereibevölkerung über die empfangenen Eindrücke zu Horen.
In den Weltstädten, den großen und kleinen Proomzialstadten, auf den verschiedenen Kontinenten dient der Film >n erster Linie dem Vergnügen. Anders im hohen Norden. Hier bietet sich dem Film ein weit umfassenderes Betätigungsfeld. Liegen doch diese kleinen Orte des Nordlandes viele Tagreisen entfernt von leder größeren Stadt. Keine Bahn, keine Luftverkehrslinie verbindet sie mit der Außenwelt. Nur das Postschiff kämpft sich zur Winterszeit mühselig durch Sturm und Eis und bringt die von der ganzen Bevölkerung so sehnlich erwarteten neuen Filme.
Schwere Seen fegen über d,e Hafenstraße von Tromfo. Riesen- wogen werfen sich in" schneeweißen Schaumbergen auf die zerrissenen Felsen. Turmhoch steigen Fontänen kochender Gischt.
Wenn draußen aus dem Eismeere der Sturm sein schauriges Lied singt, Eisberge krachend zerschellen, der ewig rieselnde Schnee in den Straßen zu Bergen steigt, sitzt die Einwohnerschaft des kleinen Städtchens wohlgeborgen im behaglich durchwärmten Lichtspieltheater. Das städtische Kino von Tromsö ist das reine Schmuck- kästchen.den $Bäiü)ro FemäHx hervorragender Künstler. In bunter Farbenpracht Darstellungen aus dem nordischen Märchenreich. Das Kino schwimmt in einem Meer von Licht. Es braucht dies nicht wunder zu nehmen. Die Wasserfälle der Umgebung, in elektrische Kraftquellen verwandelt, spenden Licht zu lächerlich billigem Preise. Griegs herrliche Lieder durchbrausen den Raum. Das Orchester klein, aber ausgezeichnet. .
Soweit ich die Welt durchstreifte, nirgends sah ich em so erwartungsfreudiges Publikum. Seine Zusammensetzung ist hochinter
essant. Neben schick gekleideten jungen Damen sitzen Matrosen, Arbeiter, Eismeerschiffer, Lotsen usw. Die eigenartigsten Besucher aber find Lappen in ihrer bunten Tracht. Allerdings findet man unter ihnen im Theater nur jüngere, aufgeklärte Leute. Aeltere Lappen besuchen das Kino nie. Die Gründe hierfür sind religiöser Natur. Sie befolgen genau die Worte der Bibel „Du sollst dir kein Bildnis machen". Aus demselben Grunde gestatten sie auch nicht, daß man sie photographiert. Aber die jüngeren Lappen kommen von ihren verschneiten Bergen herab und staunen wie fröhliche Kinder die bunte Welt des Films an, von der sie sich in ihrer Wildnis niemals träumen ließen.
Man empfindet es lebhaft. Im grauen Einerlei des schweren und so gefährlichen Lebens an der Felsenküste des Eismeeres lebt in den Bewohnern dieser entlegenen Städtchen die Sehnsucht nach der Ferne. Als Retter in der Not ist der Zauberer „Film" mit seiner geheimnisvollen Wunderiampe erschienen. In seinem Zauberspiegel zeigt er ihnen die lachende, lockende Welt da draußen. Freigebig schüttet er aus seinem Wunderhorn alles, was einsame Menschen ersehenen und erträumen. Ein Bilderbuch entrollt er vor ihnen, so bunt und vielseitig, daß sie nicht müde werden, darin zu blättern. Ohne vieles Kopfzerbrechen genießen sie die flimmernde Mannigfaltigkeit des Lebens. Sie sehen, daß in weiten Fernen die Menschen gleich ihnen ringen, kämpfen, lieben und leiden.
Auch in Norwegen hat ein förmliches Wettrennen der verschiedenen europäischen und amerikanischen Filmgesellschaften eingesetzt, die sich gegenseitig überbieten, um den skandinavischen Markt zu erobern. Sich die Sympathie des Publikums an der norwegischen Küste zu erringen, ist aber durchaus nicht so einfach. In Hammer- fest Tromsö, Vardö, wie überhaupt in fast allen norwegischen Städten, gehören die Kinos der Stadtverwaltung. Bei der verschiedenartigen Zusammensetzung des Stadtrats findet eine sorgfältige Auslese der angebotenen Films statt. Die Lebensanschauungen der rn den einsamen Küstenorten des Atlantischen Ozeans und des Eismeeres wohnenden und ständig in hartem Kampf mit den Naturgewalten liegenden Bevölkerung sind naturgemäß in vielen Beziehungen von den unseren grundverschieden. Filme, die nur aus Aufreizung der Sinne eingestellt sind, sind wenig beliebt Solche mit hervorragenden Sportleistungen hingegen desto mehr. Diel Erfolg haben auch Filme, die verblüffende Sensationen enthalten, moderne Gesellschasisfilme und vor allem fröhliche, übermütige Lustspiele.
Man glaube ja nicht, daß man in den Kinos der kleinen Städtchen des hohen Nordens irgendwie minderwertige Filme zu Gesicht bekommt. Das Beste ist gerade gut genug. Das Publikum dort oben will sich nicht nur unterhalten, es will lernen, sogar sehr viel lernen. Vor allem will es genau unterrichtet werden, was draußen in der weiten Welt vorgeht. , , ,
Die Damenwelt der Küstenplätze ist, was neue Moden anbelangt, die im Film gezeigt werden, recht kritisch eingestellt. In -vromso, Hammerfest und in anderen Küstenplätzen gibt es noch keine Vorführungen mit Mannequins, und Modenzeitungen kommen nur vereinzelt hinauf. Allo mutz auch hier der Film, der Allerweltshelfer, einspringen. Mit großen Augen verschlingen die lungen und älteren Damen die neuesten Modeschöpfungen der Gesell chafts- filme. Kleider, Hüte, Schuhe, Strümpfe sind Gegenstände eifrigster Konversation während der Pausen.
Wel)e den Kausleuten der Städtchen, die es wagen würden, ihren Kundinnen irgendwelche Ladenhüter anzudrehen. Durch flei- tzigen Besuch der Kinos wissen die Damen mit den letzten Neuheiten der Saison nur zu genau Bescheid. Andererseits sind die Kaufleute Stammkunden des Kinos, um stets über jede neuauftauchende Mode beizeiten unterrichtet zu fein. Und wehe, dreimal wehe, über me Geschäftsreisenden, die, der Aufklärungsarbeit des Films nicht Rechnung tragend, ihrer Kundschaft Altertümer verflossener Saisons anzubieten versuchten.
Wenn ein Seestück gezeigt wird, ober ein Film, in dem Dampfen, Segler, Fischerboote, Häfen, Leuchttürme usw. aus der Leinwand erscheinen, sitzen gleichfalls erfahrene Kritiker im Parkett Kritiker, die mehr von der Sache verstehen als die erfahrensten Filmregisseur«. Diese Seebären wissen genau Bescheid im Labyrinth der Bojen und Baken, der schwimmenden und feststehenden Seezeichen, die zur Bezeichnung des Fahrwassers dienen. Wenn in der Takelage eines Seglers der geringste Fehler vorhanden, merken sie es sofvri. Der gewiegteste Regisseur kann diesen Seeleuten nicht rote Landratten ein $ für ein U machen. Sie kennen sich aus in den verschiedenen Schisssiypen. Wissen ein Vollschiss sehr genau von emer Bark einen Schoner von einem Kutter zu unterscheiden. Sie ernennen sofort, ob in den Filmen die richtigen Leuchtfeuer verwendet sind. Wenn der Regisieur feststehende Feuer, Blink- und Blitzfeuer verwechselt hat, ober wenn bei der Anordnung der Segel Bocke geschossen sind, klingt lautes Gemurmel oder herzliches Lachen durch ^^“‘sinos jenseits des Polarkreises haben es sicher nicht leicht. Sie müssen stets mit unvorhergesehenen Störungen des Programms rechnen Wenn auf dem Eismeer der Sturm heult, bas Schiff, bas die neuen Filme an Bord hat, mit Verspätung eintrifft, kann unter Umständen das ganze Programm über den Haufen geworfen werden.
Wie oft steht der Direktor des Kinos am Hafen und späht unruhig in die Nacht hinaus, ob das so sehnsüchtig erwartete Schiff nicht halb in Sicht kommt. Um so größer ist bann tue Freude, wenn die' Filme doch noch rechtzeitig eintresfen. _


