Ausgabe 
9.10.1926
 
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den Leitern der Kgl. preußischen Münzen in Verbindung, für die er anfangs Stempel, später auch kleine Walzen lieferte. Der englische Gußstahl war für diese Zwecke im ganzen zu spröde, der deutsche Schweihstahl zu weich befunden worden; Krupps Gußstahl hielt an­scheinend in glücklicher Weise die Mitte, und nach einigen Lieferungen, die befriedigten, kam es zwischen ihm und den Leitern der Berliner und Düsseldorfer Münze zu näheren Beziehungen, die für die Ent­wicklung der Fabrik von den glücklichsten Folgen wurden.

Bon Natur Optimist, sah Friedrich Krupp nunmehr die Schwie­rigkeiten des Anfangs als überwunden an und richtete sich bald auf eine Fabrikation in größerem Umfange ein. In den Jahren 1818 bis 1819 baute er vor den Toren Effens einen neuen Schmelzbau mit besseren Einrichtungen und trug sich auch mit dem Gedanken, zum Ersatz des ebenfalls unzulänglichen Hammerwerks auf der Walkmühle ein neues mit stärkerer Wasserkraft anzulegen. Zur Ausführung dieses Planes aber kam es nicht mehr. Der Bau der Fabrik bei Esse», für den Krupp vergeblich die Unterstützung der preußischen Regierung zu erlangen suchte, überstieg bei weitem seine Mittel und konnte nur durch Aufnahme neuer Schulden vollendet werden. Das Geschäft, welches soeben eine bescheidene Ausdehnung erreicht hatte, ging zurück unter dem Einfluß einer Reihe von ungleichmäßigen Lieferungen, die ihren Grund teils darin hatten, daß Krupp, ganz mit dem Neubau und der Regelung feiner finanziellen Schwierigkeiten beschäftigt, es zeitweilig an der Aufsicht beim Schmelzen und Recken des Stahls fehlen ließ, teils darin, daß er wegen des Verfügens feines Kredits feine alten, zu­verlässigen Rohstoffquellen wechseln mußte und zu geringerem Eisen, auch vielfach zu Abfällen, seine Zuflucht nahm. So wurde der kaum begründete Ruf der Fabrik rasch wieder in Frage gestellt, und wenn auch die Münzen, besonders die preußischen, treu zu ihm hielten, so dehnte sich doch die Privatkundschaft nicht in dem er­wünschten Maße aus. In manchen Jahren betrug der Absatz in Stempeln oder Stempelstahl für Münzen zwei Drittel des gesamten, immer noch recht kleinen Umsatzes der Fabrik; im ganzen betrugen die Lieferungen an die Münzen bis zum Tode Friedrich Krupps 27 Prozent der gesamten Produktion.

Mäßigen Erfolgen der neuen Fabrik folgten Jahre des Nieder­ganges. Wenige taufend Taler nur betrug der jährliche Umsatz. Das Unternehmen geriet immer wieder in Schwierigkeiten. Betriebs­mittel und Kredit waren längst erschöpft. Mit feiner Familie mußte Friedrich Krupp im November 1824 in einer kleinen Aufseher­wohnung dem jetzigen Stammhause Zuflucht suchen. Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich immer mehr. Er war ein einsamer Mann geworden. Freunde und Kameraden der Jugendzeit waren gestorben, mit vielen anderen hatte er sich entzweit. An einem Sonntage, am 8. Oktober 1826, erlag Friedrich Krupp als tragisches Opfer des Erfindergeistes feinem Leiden, das als Brust- wafferfucht bezeichnet wurde. Drei Tage später erfolgte die Bei­setzung aus dem evangelischen Friedhöfe. Kein Stein bezeichnet die Stätte, wo der Gründer der Gußstahlfabrik die letzte Ruhe fand. Kein Bild zeigt uns die Züge dieses rastlosen, vom Schicksal schwer gebeugten Mannes. Aber fein Andenken wird nie erlöschen.

Aus den Anfängen der Krupp-Werke.

Die folgenden Abschnitte entstammen dem im Jahre 1915 im Auftrage der Firma Friedr. Krupp-A.-G. von Wilhelm Berdrow herausgegebenen WerkFriedrich Krupp, der Gründer der Gußstahlfabrik, in Briefen und Urkunden", Verlag G. D. Baedecker, Essen a. d. Ruhr.

Die Dokumente, die interessante Einblicke in die bescheidenen Anfänge eines Weltwerkes und in die Sturm- und Drang-Jahre eines genialen Kaufmannes gestatten, übrigens auch kulturhistorisch nicht ohne einigen Reiz sein dürften, sind chronologisch geordnet und sollen sich in großen Zügen an die oben veröffentlichte Dar­stellung von Ku: ast illustrierend anschließen. Wir beginnen mit einem Schriftstück, das die wichtigsten Abmachungen beim Ver­kauf der Gutehoffnungshütte sestlegt.

Essen, den 14. 9. 1808.

Zwischen der Frau Witwe Krupp der älteren in Essen seit­herigen Eigentümerin der im Herzogtum Cleve zu Starkrath ge­legenen EisenhütteGute Hoffnung" an einer und dem Herrn Heinrich Huyssen in Essen als Ankäufer an anderer und den Herrn Gebrüder Gerhard und Franz Haniel in Ruhrort und Herrn Gott­lieb Jacobie auf der St. Antony-Hütte als Expromittenten und werdende Gesellschafter des Herrn Huyssen an dritter Seite ist fol­gender Erb-Verkauf, resp. Ankaufs-Vertrag beendet und ab­geschlossen.

1. Verkauft ged. Witwe Krupp dem Heinrich Huyssen die von iljr seither zu freiem Eigentum besessene Gutehoffnungshütte.

2. Verkäuferin überliefert alle auf diese Eisenhütte sprechenden Urkunden, Briefschaften.

3. Lasten und Abgaben gehen auf Ankäufer über.

4. Verkäuferin garantiert das Vorhandensein von mindestens 1926 Faß Holzkohlen, 4124 Faß Eisenstein, 120 Faß Kalkstein und Koaks.

7. Es werden vom 14. 9. 1810 bis 14. 9. 1818 zehn Zahlungs­termine festgesetzt (Sa. 37 800 Rthlr.).

10. Die Gebrüder Haniel und Jacobie haben bereits mit H. Huyssen mündlich einen Societätsvertrag verabredet, den sie erster Tage errichten werden; daher verbinden sich sämtliche der Verkäuferin zu haften.

Die beiden folgenden Briefe stammen aus dem Jahre 1809, der Zeit der Kontinentalsperre und des Kruppschen Kolonialwaren- handels.

Fr. H e ck i n g an Krupp.

Ich zeige Ihnen hiermit an, daß ich gestern für Ihre w. R. wieder 500 Pfd. Secunda Fab. ä 554 in Münz verkauft habe. Ich sende Ihnen deshalb einen Expressen, um Sie auf die Ueberfenbung der Maaren und wegen dem (Kaffee Aufschlag aufmerksam zu machen. Es ist sehr nötig, daß Sie Coffee absenden . . .

. . . Ferner dürfen Sie vor allen Dingen mit dem Versand des Restes Ihrer Candise nicht säumen, daß diese nach Frankfurt kommen, denn wenn mir noch länger zögern, so mögten wir am Preise Schaden leyden. Ich denke in 6 Tagen kann Kessel nach Frankfurt abgehen, er ist dann mit den Candisen da.

Caffee wird jetzt wieder Haupt Speculakion. In Elberfeld und Duisburg kauft man ziemlich stark auf, und vom Oberland gehen starke Bestellungen in Holland ein. Es muß am politischen Horizont wieder etwas im Werke seyn, und ich vermute, mir haben den Caffee in 4 ä 5 Wochen auf einer enormen Höhe.

Wollen Sie Ihre Frau Mutter daher bey Carp & S. für ge­meinschaftliche Rechn. 10 Ballen Fad. oder noch besser Cher. Caffäe bestellen lassen. Ich hätte heute selbst an Carp geschrieben wenn ich gewußt hätte wo die 10 Ballen hingesandt werden sollten. Ich hoffe jedoch es ist mit der heutigen Post noch Zeit daß Sie schreiben können denn nächsten Postag müssen wir vielleicht 1 mehr in Amster­dam anlegen.

In Melis ist hier ein ungeheurer Mangel und was deucht Ihnen, da auch keiner zu erwarten ist, wenn wir auch 2 Fässer Melis, wenn sie gefahren werden können, bestellten. Es wird doch wohl noch zu 38 s 39 für eine schöne Waare zurecht zu kommen seyn . . .

So eben kommt eine Karre Waare von Ihnen an. Schreiben Sie mir durch Booten über ein und anderes Ihre Meynung.

Winkers, Menfinck & So. an Krupp.

Wehrter Freund!

Hierneben erhalten Sie Copia der Factura über den Candis van Carp & Söhne, die Güter sind bereife in Winterswyk «»gekommen, und mit der Durchdringung werden wir nun eilen.

Wir haben an Hr. Carp 8- S. 12 Ballen Fabrik (Kaffe bestellt, wollen Sie dadey intreßiren ober sollen wir sie allein behalten? Die Berechnung von Candis und (Kaffe des nähern können erst nach Durchdringung berechnen.

Hoffentlich werden Sie gute Preise machen, im Königreich Westphalen ober einige sagen bey Meppen, haben bie zusammen postirten Duanen von Bremen 8- Hamburg einen gewaltigen Coup gemacht, und dadurch eine Sperrung des Comerses in dasiger Gegend verursacht.

Hier ist die Linie durch 8 Duanen versterkt, Kerls wie Hunde, haben aber bis nun noch nicht gebissen.

Von Ostfriesland ist noch keine Antwort an Sehr, dieses ge­gangen.

Das Schreiben des Gußstahlfabrikanten Krupp an Hermann Sünnes in Mülheim a. d. Ruhr ist vom Sommer 1811 datiert und läßt übrigens an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig.

Einl. überreiche» wir Ihnen Rechnung über die von uns er­haltenen Grußkolen im Betrag von R. 777. zur gefl. Notiz.

Unser Schichtmeister, der vor einigen Tagen hier war, sagte uns, Ihr Vorgänger habe ihm vor 14 Tagen die feste Zusicherung ge­geben, daß Sie uns unverzüglich auf Abschlag der Rechnung einen Wechsel von 400. R. zuschicken würden. Da aber dieser Wechsel zu unserem größten Befremden bisher »och nicht angetommen ist, so machen wir Ihnen die Bemerkung, daß wir ihn, sowie auch unser übriges Guthaben umgehend bestimmt erwarten, da wir sonst genöthigt sind, Ihnen die fernere Abholung von Kohlen, sogar bie des zuletzt angegriffenen Haufens, zu verweigern. Wir hoffen indeßen, daß Sie unsere oftmalige Nachricht nicht misten»en und uns Ihre Rimessen umgehend zuverlässig machen werde». Es stehe» Ihnen alsdann so viel Kohlen, als Ihnen beliebt, aufs Neue gern zu Diensten.

*

Essen, de» 20. 11. 1811 ist der Gesellschaftsvertrag zwischen Friedrich Krupp und den Gebrüdern von K e ch e 1 datiert, aus dem wir die wichtigsten Punkte wiedergeben.

Vor mir im Großherzogthum Berg für das (Kanton und Arron­dissement Esse» angeftelten, und zu Essen im Rheindepartement wohnenden Notar der zweiten Klasse Theodor Schaumburg und den beiden nachgenannte» Zeugen:

Erschien der für das Jahr achtzehnhundert Eilf Unter Nr. zwei und fünfzig patentifirte Kaufmann Herr Friedrich Krupp wohnhaft zu Essen Mairie idem im Rheindepartement einerseits, und die Herren Georg Karl Gottfried von Kechel, und Wilhelm Georg Ludwig von Kechel, beyde Stahl Fabrikanten und wohnhaft zu Anspach andererseits, welche erklärten, unter sich eine Gesellschaft wegen Etablirung einer Stahl Fabrik errichten zu wollen, und die Puncte» und Bedingungen der Gesellschaft auf folgende Art fest­zusetzen, verabredet zu haben.

Art. 1.

Die Gesellschafter sind darin» übereingefommen, hier zu Essen eine gemeinschaftliche Fabrik zur Verfertigung des Englischen Guß­stahls, und aller daraus resultirenden Fabrikaten anzulegen.

Art. 3.

Das Capital ober ber nöthige Fonb zur Betreibung dieser Fabric wird von dem Herrn Kaufmann Friedrich Krupp gegen vier