Ausgabe 
9.1.1926
 
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hohen Sockeln aber blickt«: die Kaiser feieÄich und schweigend auf das ungeheuere Getümniel zu ihr«: Füßen. Die Ä^tove des Janusternpels war«: geschlossen, dem: Friede herrschte auf Erden. Am Senatspalafte vorbei erreichte die Sänfte das Transitorium Nervas, eine weite Prachtstrahe von Säulenreihen, eingefaßt mit dem zierlichen Minervatempel, als Schätzerin des gewerblichen Lebens, und dem Dogen des Janus Quadrifons, der den Der- kehr nach allen vier Himmelsrichtui:gen verkörperte. Im Süden schloß sich das Forum Despasians an mit dem Tempel des Frie­dens, in welchem die Schätze Jerusalems aufgespeichert lagen, nach Norden aber gelangte man durch ein Triumphtor auf das Forum des Augustus, das, von einer 30 Meter hohen Peperin- mauer umschlossen, gegen Feuersgefahr geschützt war. Hier standen in weiten Säulengängen die Ries«rbildsäulen aller römischen Feldherren, die im Triumph aufs Kapitol gezogen waren, die letzte war dem Cornelius Pulina, der unter Trajan Arabien er­obert hatte, gesetzt worden. Aus dieser Llmvahmung heraus er­hob sich di« Front des Mars-Llltor-Dempels mit feinem acht- fäuligen Peripteros. Am Eingang standen zwei Bildsäulen, die einst Las Zelt Alexanders des Großen getragen hatten, eine gold- ÄfenbÄnerne Athene des Skopas und ein Viergespann mit der Inschrift Patri Patriae, welche der Senat den: Augustus ge­widmet hatte.

In diesem T«:chel," erzählte Silo feinem Begleiter,werden di« römischen Feldzeichen, welche der Partherkönig an Augustus »urückgeben urutzte, aufbewahrt, unb die mündig gewordenen kaiserlichen Prinzen müssen hier die Toga anziehen." EU: anderer Triumphbogen, gÄrönt von vier bronzenen Pfeiden. leitete auf das glänz«che Kaiserforum, das Apvllvdoros v. Damaskus unter Trajan erbaut hatte. 1200 Säulen, 13 Tempel, 3 Basiliken, 8 Triunchhbogen, 1000 lebensgroße Bronze- und Marmorstand­bilder füllten eS aus. Lieber «ms Weile dehnte sich der Säulen- gang, ti: welchen: sich die feinsten Luxuslädei: der Hauptstadt ausbreitetM. In der Mitte des Platzes erhob sich das Reiterbild des großen Kaisers, zwischen dem Flügelbau der Lllpiamfchen Bibliothek aber reckte sich seine Säule hoch in di« blaue Luft, gekrönt von der goldenen Statue Srajmt5, während seine Asche in der Basis ruhte.Die Säule," erklärte Silo dem Athener, ist 140 Fuß hoch und zeigt die Mhe des ehemaligen Ausläufers Vos Quirinals. 24 Millionen Kubikfuß Erde mußten abgetragen werden, wti> die Kosten der ganzen Anlage betrugen damals etwa 240 Millionen Sesterzien."

Der Ritter befahl, denselben Weg zurückzunchmei: und beim Friedenstempel in den Dicus Pullius einzubiegen. Bon dort ging es in die engen Quartteve der Suburra mit ihrem Kleinhandel. Die Gassen waren sehr enge, viele Stockwerk hohe MietÄaserneu säumten sie ein, riesige Lcüänrschilder, bemalt mit Schinken, Kuchen. Gemüsen ccher Geflügel, Hingei: vor den Geschäftsläden, viele Schuster« unb Darbierstuben gab «S hier, übelriechende Garküchen, imb ein Plakat, auf welchem eine Matrone und drei Grazien ge­malt waren, hing vor einem Freudeühaus. Endlich war das Quar­tier verlassen, und die Sänfte hielt vor dem Riesenbau der Tra- jansbäder, ein anderes Meisterwerk des großen Apvllodoros, der es auf den Grundmauern des Golden«: Hauses errichtet hatte. Durch das große Mitteltor schritt der Ritt« mit Demo- Phon in eine Wandelbahn, die mit echtem Nilsand bestreut war. umrahmt von schattig«: Bogenhallen, an deren Wänden die Anzeigen der Rennen und Theatervorstellung«: angemalt waren wn& welche von Neugierigen dicht umdvängt wurden; in der Mitte warf ein großer Springbrmm«: seine Wasser in di« Höhe. Der Türhüter nahm den: Ritter zwei QuadraM ab und führte beide in das Atrium, eine prächtige Säulenhalle zum Abkühlen, die herrliche Gruppe des Laokovn (1506 gefunden, jetzt im Vatikan) war dort ausgestellt. Shrische Tänzerftmen in durchsichtigen Gaze­schleiern tanzten hi«' beim Klappern der Kastagnetten zur Linier» Haltung der Badegäste. Durch lange Gänge führte der Weg ins Apodytaion, ein prachtvolles Tonnengewölbe, magisch erleuchtet durch große, durchsichtige Steine in den Wänden. Hier legte man die Kleidung ab, und der CapsariuS nahm die Kostbarkeiten tn sein« Verwahrung. Wohlgefällig musterte Demophon die kost­baren musivischen Wandmalereien, di« Pracht der ungebrochenen Farben der Glaspaste: Leda und der Schwan, Zeus und Gany­med, Eros und die Grazien. Herrliche ausländische Gewächs« waren Um das Becken angepflmizt, aus welchem das warn:« Wasser in Duftstrahlen in die Höhe schoß. In weiche Bademäntel gehüllt, ging es ins Schwitzbad, das mit heißen Dämpfen, di« aus dem Boden emporströmten, gesättigt war. Es gab keinen Gtandesunterschied in den öffentlich«: Bädern, der Senator so gut wie der Soldat wurde auf den marmornen Ruhebänken ge­knetet. Eine Sanduhr zeigt« die Zeit an. Vom Schwitzbad begab man sich erst in das kalte Bad und darauf in das Eleiothesioi:, wo die Salber ihre Handfertigkeit zeigten und die Körper mit duftendem Oelen einrieben. Dann eilten die Friseure herbei, Dadeknaben hielten groß« silberne Spiegel und kräuselten Dart- und Haupthaare mit der Dremrschere. Gleichzeitig bedienten Pedikür«: die Füße. Dies« Toilettenkünfller verbreitet«: den Stadtllcrtsch und übertrieben alle Neuigkeiten, die st« von den Tausend«: von (Säften zu hör«: bekamen.

Die Sonne hatte schon die Mittagshöhe überschritten, als der Ritter wieder die Sänfte mit seinem Sekretär bestieg. So schnell die Träger konnten, eilten sie an bei: Titusbädern, wo nur Frauen baden durften, vorbei, die große Treppe hinab gitm KolosseumS­

platz, durch den Dicus Caput Africae zum Clivus Publicus. Die Türhüter reiß«: die Gartenpforte auf und können kaum di« Freude der epirotisch«: Doggen zügeln, welche laut bellen, als sie ihren Herrn Wiedeverkennen. Durch wohlgepflegte Rosen- und Deilchenbeete schreitend, wird di« Sänfte vor d«n Haustov niedergesetzt, vor welchem der Hofmeister mit dem wohlgeordneten Dienstpersonal dem Hausherrn nach langer Abwesenheit begrüßt.

Wie Christen eine Frau gewinnt.

Vom Jeremias Gvtthelf

(Fortsetzung.)

Der Colonel lachte nicht wenig unb sehr herzhaft und meinte, das sei wahr, weder im Holland noch in Frankreich sei ihm ein solcher Fisch vorgekommen; die Wirtin sah kichernd der Betrübnis zu. mit welcher der Amtsschreiber seine Parücke be­trachtete, meinte aber, es gehe gerne so, wenn man Sachen machen wolle, die man nicht könne.Können oder nicht können!" sagte der Amtsschreiber und griff aufs neue nach dem Dährll. Nit, mit!" sagte di« Wirttn,so geht man nicht mit den Fischen in einem Tröge um, sonst hat man sie morgen alle tot. Seh, gebt mir das Dährli, vielleicht gerät es mir jetzt." Lind richtig, in einem Griff hatte die Wirtin der groß«: Fische einen ge­fangen, rief aber sogleich Llersi und sagte:Nimm die aus, während ich dis andern fürs Back«: fange, sonst werden wir heute nicht fertig."Aber, Frau Wirttn, mid den andern?" sagte der Amtsschreiber,Ihr habt erst einen."Sieben große Fische und ihrer zwei," sagte die Wirttn,und dann noch zwei Dutzend gebackene darauf,es dunkt mich, ihr könnet es machen. Habt ihr dann nicht genug, so sind schnell noch andere zweg; aber zu viel auf einmal trögt nichts ab."

find sie hatte ihren Willen, die Frau Wirtin, trotz Amts- schveiber uird Colonel, mit sieben Fischen mußten sie sich begnügen. Sie waren aber auch gut, die Soße kräftig und eben recht, daß der Colonel selbst sagen mußte, die seien recht passabel, er hätte es wirklich nicht geglaubt. Auch die gebackenen waren sehr gut trotz dem Zorne der Wirtin, die mit jeder Minute zorniger ward, weil in jeder Minute ihre Neugierde wuchs, toen Grit meine, während sie dieselbe nicht befriedigen konnte, denn in der Küche ließen solch« Verhandlungen sich nicht forisetzen. I« zorniger sie ward, desto besser gerieten die Fische, und, je mehr die Wirttn über die Donnstigs Fveßhüng pulverte, desto besser lebt«: diese, bis endlich der Oberst sagte:Ma koi, Amtsschreiber, ich mache Euch mein Kompliment, es ist wahrhaftig keine Kleinigkeit, ein solches Wirtshaus in der Nähe zu haben, ich habe wirklich, solange ich heim bin, noch nie so gut gelebt, und auch der Wein läßt sich trink«:, es ist vom besten." Der Amtsschreiber ward ganz glücklich. Sag doch der Wirttn. daß sie gleich hereinkomme!" rief er dem aufwartenden Mädchen zu.Ihr köimt," wandte er fich zum Oberst,ihr es selbst sagen, wie gut Ihr Essen und Trinken findet, es wird 'sie freuen, sie nimmt das auf di« Ehre, von wegen die Leute sind reich und wirten eigentlich mehr der Ehr« als ixs Geldes wegen. (Man sieht, der Amtsschreiber verstand sich wahrscheinlich auf Kontrakt« besser als auf die Wirtschaft.)

Aber di« Wirtin kam nicht; was das Mädchen für eine Ant­wort erhielt, sagte es nicht, sondern bloß, sie hätte zu tun und nicht wohl Zeit. Aber der Herr Amtsschreiber ließ sich nicht so abferttgen, und was ihm mit den: Fisch nicht gelang, versuchte er an der Wirttn; er ging in eigener Person in die Küche, um ihrer habhaft zu werden. Lind wie sie sich sperrt«, bald das Fürtuch, bald die Hände vorschützte, sie mußte in die Sttrbe und war in einem Zorn, daß sie hätte verspritzen mögen, und mußte ihn doch verwevchen, denn an einen: Amtsschreiber und an eines Landvogts Bruder den Zorn auszulass«:, ist einer Wirtin nicht zu raten, und damals war es noch weit gefährlicher als jetzt. Sie mußte sich sogar neben den Herrn Amtsschreiber setzen, mußte sich ein Glas Neuenburger einschenken lass«:, mutzte dem Cölonei Bericht geben, woher sie den Neuenburger biogen, und wie fle die Fische fingen,; nrutzte da sitzen, und drauhen satz Grit und wußte etwas, das die Wirtin noch nicht wußte, und was sie zehntausendmal mehr interessierte, als was der Amtsschreiber und der Colonel zu­sammen zu sagen wußten, oder was sie ihnen sagen mußte. Lind gäb wie eS sie an allen Haaren zog, mußte sie da sitzen, bis end­lich der Colonel nach der Llerti (Zechs) fragte und von Auf­brechen sprach

Leicht ward es ihr ums Herz, als sie die Llerti machen konnte, obgleich sie keine leichte machte; indessen die Herren waren glück­lich hatten einmal wohlgelebt, sanden sie sehr billig, gaben sogar sechs Kreuzer in die Küche und zogen nach freundlichem MMed in glücklichem Bewußtsein von dannen, wie di« guten Leute jetzt von ihnen reden und weg«: der Ehr« und der Frermdlichkeit und den sechs Kreuzern ihres Lobes voll sein würden.Ma koi, es ist nichts leichter, als mit diesen Leuten nachzukommen, aber man muß sie zu nehmen wissen, cest la chose, sagte der Colonel. Hinter ihnen sagt« die Wirtin:Was ich doch froh bin, daß die beiden alten Stürm ine endlich fort sind; mein Lebtag habe ich die Herren nirgends lieber gesehen als im Rücken. W«m sie einem das Haus zunteroben gekehrt und am Ende drei Kreuzer Trinkgeld gegeben, so meinen sie, was sie g«nacht, auf den Knien sollte man ihnen dafür danken und sein Lebtag dankbar sein für die Ehre rmd die drei Kreuzer. Es ist gut, mutz man sie nicht alle Tage