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für einen tragischen und unglücksschwangeren Tag gehalten. Mehrere Qliale vor seinem Tode habe er gefragt, der wievielste Tag im März heute wäre, und der Zufall habe es gewollt, daß er an demselben Tage, in derselben Stunde starb wie vor drei­zehn Jahren fein vieljähriger Freund und Amtsgefährte, der Minister Ehr. G. von Voigt.

Völlig inkommensurabel muß uns das Walten des Schick­sals in den folgenden Begebenheiten dünken. Don der einen er­halten wir durch den Hamburger Domherrn Friedrich Johann Lorenz Meyer in fernen Fragmenten aus Paris im vierten Jahre der französischen Republik" Kenntnis. Eine der Hof­damen von Marie Antoinette ist es, die das Opfer eines merk­würdigen Verhängnisses wird.Die begleitete am 10. August 1792 die königliche Familie in die Nationalversammlung. Als der König &en Saal verlassen muhte und nach dem Tempel ge­bracht ward, forderte die Königin beim Abschiede von Me d'Oyä ihre Goldbörse, weil sie, zur Bestreitung einiger Ausgaben selbst kein Geld bei sich hatte. Die Taschen der Königin wurden bei ihrer Ankunft im Tempel durchsucht, und sie bat die Mumzipal- beamten, den Deutel mit dem nichtgebrauchten Gelde feiner Eigentümerin wieder zu geben; Anlatz genug, um diese in das Schicksal der Königin zu verwickeln. Doch lieh man sie eine lange Zeit ihr Landhaus in der Gegend von Paris ruhig bewohnen. Als nun das schreckliche Revolutionstribunal unter Robespierres Diktatur auch alle dem Hose verwandt gewesenen Personen aussuchte, sie verhaften und hinrichten ließ, erklärte Me d'Oyä ihrer Schwester (aus deren Munde der Berichterstatter von dem Dorgefallenen erfuhr) oft, sie werde die Vollziehung eines gegen sie gerichteten Arrestbefehls nicht erwarten, sondern sei ent- fchlosfen, zu sterben, ehe sie in die Hände ihrer Henker fiele und das Blutgerüst bestiege... Bald daraus, in den ersten Tagen des Thermidor 1794 erschienen die Satelliten des Wohlfahrts­ausschusses vor den: Landhause, um Me d'Ohä ins Gefängnis 3u führen. Ihr Entschluß bleibt fest; ihren Mördern zuvoreilend, erreicht sie das oberste Stockwerk, stürzt sich von dem Dctlkoni des Hauses herab imb ward tot aus gehoben. Als man den Körper zu Grabe brachte, imrtzte der Leichenwagen in eine Neben- gaffe biegen, um dem Henkerskarren, woraus Robespierre zum Blutgerüst fuhr, auszuweichen."

Don dem preußischen Kammerherrn Gustav Graf Schlabren- dorss, der als Anhänger der Girondisten auf Antrag Robe- spierres eingekerkert worden war, weiß Fontane zu berichten: An dem Tage, wo der Karren vorführ, um ihn und andere Derurteilte zum Schafott abzuholen, fehlten ihm feine Stiefel, woraufhin er erklärte, er forme doch am Ende verlangen, in Stiefeln guillotiniert zu werden. Es hatte das seine Wirkung, und der Scherge, der infolge dieser Bemerkung in eine gute Laune gekommen war, antwortete:Eh bien; demain matin." Am andern Morgen aber, wo des Grafen Name nicht mehr aus der Liste stand, wurde, er vergessen und bald danach, nach dem inzwischen erfolgten Sturze Robespierres, in Freiheit gesetzt."

Im November 1831, so lesen wir in Levin Schückings Lebenserinnerungsn",hatte ich den Schmerz, meine gute Mutter zu verlieren; es kam danach ein Gefühl über mich, als fei dis Welt um mich her ein mich weiter nicht berührendes Schauspiel geworden, ein Gebilde aus unwesentlichen Schattengestalten, die für mich ihre Bedeutung und ihr Leben verloren hatten. So dacht' ich auch nicht daran, andere Menschen... zu sehen. . Annette von Droste sandte mir jedoch eine dringende Aufforde­rung, zu ihr herauszukommen, der ich mich nicht entziehen komite. Ich ging zu ihr, um bei ihr die Ausdrücke einer tief gerührten. Teilnahme zu finden. Sie selbst fühlte sich eigentümlich durch die Tatsache erschüttert, daß sie, eben im Begriff, meiner Mutter zu schreiben, sich eine Zeitung zur Unterlage dabei genommen und, ihre Gedanken zum Schreiben ordnend, absichtslos auf diese Unterlage blickend, darin zu ihrem Schrecken die Todesanzeige meiner Mutter gelesen. Sie sagte mir später oft, daß ich ihr von diesem Augenblick an tote ein Vermächtnis meiner Mutter gewesen."

Wer an Gott glaubt, für den kamt es keinen Zufall geben. Und wer an deit Zufall glaubt, der negiert Gott," hatte Zwba einst zu Rudolf Lothar gesagt, und als dieser im September 1902, aus Anlaß der Aufführung seines MaskenspielsKönig Harlefin" nach Paris gekommen war, wollte er auch besonders um feine Frau mit dem Dichter bekannt zu machen, Zola besuchen. Auf feine Anfrage erhielt er am 28. September durch die Post auf einer Visitenkarte die Antwort:Emilie Zola würde sich sehr freuen, lieber Freund, Sie Montag um 12 Uhr mit Ihrer Eben Frau zum Dejeuner bei sich zu sehen."Am Montag," so lassen wir Rudolf Lothar weiter erzählen,es war ein Machtvoller, sonniger Herbsttag, stand ich um halb elf mit Berthold Frischauer vor dem Grand Hotel. Er stellte mir tote seine Art war, für die Premiere Me düsterste Prognose. ®tn deutscher Autor am zweiten französischen Staatstheater, das wurden mir die Kollegen nie verzeihen. Und zwischendurch erzählte er mir den neuesten Pariser Klatsch, und ich erzählte thm die letzten Wiener Witze. Aber ich zog Me Uhr, es war elf. Lieber Freund,' sagte ich,ich muh Ihnen AMeu sagen und meine srau aus dem Hotel abholen. Wir dinieren um zwölf ?**. Zola. Im Augenblick, da ich den Namen Zola aussprach, legte sich eine Hand auf meinen Arm. Ein Herr war stehen ae- baeben und sagte:Zola ist soeben gestorben." Wir fuhren zn-

sainmen, als hätte uns der Blitz gerührt.Ich bin ein Arzt und tOTn^-r ia<v> Leiche" .. Ich habe seit jenem 2S. Sep-

wniber 1802 oft un& oft an diesen merkwürdigen Zttiall gedacht. Der einzige Mensch rn dem riesigen Paris, der um Zolas Tod Rla äussprach^ Augenblick vorbei, als ich den Namen W rätselhaften Lebens, vor denen auch Me Phcmtasie der Dichter Mühe hat, zu bestehen' Jetzt

Novalis, wenn er sa^t:Der Dichter betet OUfUll Ult,

Mn Besuch im Rom der Kaiserzeit.

Don F. L. Dunbar von Kalchreuth").

In Ostia dessen Hafen schon Kaiser Claudius für die riesigen Kornflotten welche ehrlich 80 Millionen Scheffel aus Aegypten Sizilien, Spanien, Britannien und Afrika bringen mußten aus- gebaut hatte, wahrend Trajan den 200 Fuß hohen Leuchttunn 2uAacht Gorgo, welche den Ritter Am- Tagen von Karthago bis Italien gebracht hatte, gelandet. Silo bestieg sofort seinen Reisewagen, setzte sich im Ototfen R?Hmen öUvecht, damit er die Sonne

A-ZEu bu"«. <m Swlle der Toga war er mit dem bequemen befahl Me Vorhänge zurückzubinden und begwrn bann seinem Stenographen, der mit Schreibtafel und Griffe, elngechegen, kurze Reisenotizen zu Mktieren. Die kräftigen gallichen Pferde, von numidischen Reitern angetrieben, setzten

*** schnell auf dem Pflaster der ver- kehrsreichen Dia Ostiensts mit seinen vergoldeten Radspricheit gen Rom dahrnrollte.

<S<^Tt hielt der Wagen bei der Pyramide des Cestius; Silo und der Stenograph fliegen aus und ließen sich auf einer Sanfte Nieder, welche durch Vorreiter bestellt worben f** tassuber fern Wagen in Me Stadt fahren durfte. Den phry gischen Tvagern in feuerroten Gewändern befahl der Herr t&n zu den Badern des Trajan zu tragen.Damit du gleich etwas vom goldenen Rom zu sehen bekommst," wandte er sich an De­mophon, den Silo sich aus Athen als Sekretär mitgebracht hatte. Sie kamen art der Villa, die Hadrian vor seiner Thronbesteigung Mwohnt hatte und Me in schattigen Gärten lag, vorbei, an der Kaserne der IV^ Kohorte vorüber und bogen in den Elivus Pu- bltcus (heute Via S. Prisca) ein, der wichtigsten Verkehrsader des Aventin. Das dort ist meine Villa," sagte der Ritter, als sie an einem säulengeschmückten Paläste vorbeigetragen wurden. Der Cttvius mündete an der Westseite des langgestreckten Zirkus MaximiE in dessen unteren Bogenhallen Kaufleute ihre Läden hatten. Blumenhändler und Bettwr drängten sich an die Sänfte OIL cilißfi in t>cn QMcuS £it8cii3 eutfriyg, too ftd) eürt laöen «n den andeven veihte. «Das Belabrum ist ein häßliches, Mges Quartier, erläuterte der Ritter,und doch müssen alle Triumphzuge seit Romulus diesen Weg nehmen." Dor dem Buch- laSeu der Sosier, der Verleger von Horaz usw., ließ er halten»; sofort drängte!» Magister heran, die marktschreierisch sich anboten, alle Schriften zu erklären. Silo lieh sich eine kleine Prachtausgabe Vvn ArriansGnchiridion" in Me Sänfte reichen, warf den Magistern einige Silberstücke zu, dann ging es weiter am Tempel und &er Bibliothek des vergötterten Augustus vorbei, bis die enge Straße in das Forum mündete.

Da staunte mm doch der junge Athener, und dem Ritter schwoll das Herz vor Stolz, als Mefe Pracht sich vor ihren Augen entfaltete. Hell leuchtete Me Sonne auf einen Wald bunter Mar­morsäulen, goldener Dächer, mit einem Viergespann gekrönter Reihen der Ehrensäulen. Das Menschengewühl, das sie aufnahm, war fabelhaft, es war Me BörfeNstunde, wenn von den Stufen des Castortempels die Geldkurse im Reiche aus gerufen wurden, alles drängte sich hin und her, Neuigkeiten aus aller Welt machten Me Runde, das Schreien und Summen schwoll zu einem mächtigen Crescendo an. Unabsehbar erging sich die Stutzerwelt unter den Bogengängen der Aemilianischen und Jütischen Basi- lica, viele fa&en auf den Treppen des Tempels des Julius Cäsar und fütterten die auf- und niederflatternden Taubenscharen, von der Rostra hielten Dolksredner deklamatorische Vorträge, zwischen den verworrenen Gruppen drängte sich die Schutzpolizei, die für Me Ordnung sorgen mutzte. Wahrsager und Traumdeuter gesti­kulierten heftig, SchlangenbänMger suchten Me Aufmerksamkeit zu erregen, chaldäische Magier mit schwarzen Bärten standen feierlich umher und warteten auf Kundschaft. Ue&er dem Meer von Köpfen kreuzten Sänften hin und her. Jsisprozessionen unter dem Schall der ägyptischen Sambuka (Harfe) zogen mit klirren­den Schellenstäben daher und begegneten Priesterzügen der Khbele, welche goldene Reisbüschel in den Händen hielten. Alle Völker des Erdkreises, alle Sprachen: von China bis Marokko, von Schottlaich bis zum Sudan waren vertreten. Obstverkäufer standen an den Ecken, neben ihnen boten Händler Seltenheiten feil, Wein mit Feigensaft wurde Durstigen angeboten. Von ihren

*) Diese glänzende Schilderung entnehmen wir dem kürzlich erschienenen PrachtwerkeDreitausend Jahre Rom", das in farbigen Gemälden Me jahrtausendalte Geschichte der Stadt vor unseren Augen vorüberzieh«! läßt. Verlag von Quelle u. Meyer in Leipzig. I» Leinenband 16 Mk.