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und hinter dein Dom steht das bescheidene Kans, in dem der Domsekretär Gleim lebte und dichtete, sein „Freundschaststempel".
Blankenburg ist die einzige der Lärzer Randstädte, die nicht am Ausgang eines Flußtales liegt. Sie zieht sich den Berg hinan, von dem das Schloß — die zweite Residenz Braunschweigs — herunter- qrüßt. Die älteste Siedelung fand in den Kämpfen zwischen Barbarossa und Leinrich dem Löwen ihr Ende. Seit 1690 war Blankenburg Residenz und hat bis 1731 manchen Tag des Glanzes gesehen. Maria Theresia hat einen Teil ihrer Kinderjahre auf dem Schloß zugebracht, das von 1796- 1798 dem späteren König Ludwig XVIII. und vielen Emigranten Obdach bot. 3
flnweit von Blankenburg steht die Rume des Klosters Michaelstein. dessen letzter fürstlicher Abt der unter dem Namen des „tollen Christian" bekannte Leerführer des 30jährigen Krieges war. Dieser Lerzog von Braünfchweig-Wvlfenbüttel war auch einige Jahre evangelischer Bischof — Administrator — von Lalberstadt.
Südwestlich von Blankenburg am Oberlauf der Bode werden bei Rübeland die beiden berühmten Tropfsteinhöhlen, die Baumanns- und die Lermannshöhle, gezeigt. Wunderbar sind diese prächtig gewölbten unterirdischen Räume, in denendie Natur die merkwürdigsten und anmutigsten Gebilde geschaffen hat.
Von dem bald darauf erreichten Dreiannen-Lohne führt der Weg durch endlose Wälder erst allmählich, dann stärker steigend in das Brockengebiet, bis endlich der Gipfel erreicht ist. Wenn die Sonne über die 'Wolken siegt, dann kann der Blick weit hinausschweifen über das ganze Larzgebiet; ja bei völlig klarem Limmel sieht man die Türme von Lannover, von Leipzig, das Gothaer Schloß und die Wartburg, die Löbenzüge der Rhön und des Westerwaldes. Aber— das muß gesagt werden— den meisten Besuchern wird es gehen, wie König Friedrich Wilhelm III. und seiner Gemahlin am 31. Mai 1805: sie werden den Rückzug antreten, „ohne etwas gesehen zu haben". Der Abstieg auf dem „Goetheweg" nach dem Torfhaus fiihrt durch das ausgedehnte Gebiet der Lochmoore, die vergleichbar den Gletschern die zahllosen Bücke undFlüßchen speisen, die vom Brocken herabeilen. Der Weg ist ein wirres Klivpenseld zwischen knorrigen Fichten; immer wieder muß der Fuß sich im Sprung eine Unterlage ^>hen, und, so romantisch das Brockenfeld hier auch ist — man ist dvm froh, wieder einen ebenen, festen Weg erreicht zu haben.
Bon der Siedelung Torfhaus führt die Straße am Radaufall vorüber nach Bad Larzburg, von dessen berühmter, zuerst 1074 von Kaiser Leinrich IV. erbauten Burg, nur noch wenige Reste erhalten sind. Lieber die Käste geht es in das Okertal hinab und weiter nach Goslar, der alten Kaiserstadt, die reich an Kunstdenkmälern der verschiedenen Bauzeiten ist. In gotischen, Stil sind außer dem Rathaus, den Gildebäusern u. a. etwa 50 private Fachwerkbauten, ein besonderer Schmuck der Stadt, erhalten. Aus der Renaiffancezeit stammen das Brusttuch und viele andere Fachwerkhäuser. In der ältesten, der romanischen Bauperiode entstand neben den meisten Kirchen das bemerkenswerteste Gebäude Goslars, der in Deutschland einzigartige Bau des Kaiserhauses, „in dessen Thronsaale einst der Sachsen, Salier »md Staufer ruhmreicher Schild hing, das als ein Wahrzeichen der Einigung unseres Volkes hoch und stolz auf die alte Stadt herabblickt, und'in dessen 48 Meter langen großartigen Reichssaale wieder der auf vier steinernen Kugeln ruhende metallene Kaiser- stuhl prangt". Das Kaiserhaus stammt aus dem Anfang des 11 .Jahrhunderts und war von 1000—1250 Pfalz- und Kaiserresidenz. Leinrich II. begann den Bau und Leinrich IV. vollendete ihn. Der Laupkbau umfaßt im wesentlichen den Reichssaal, den sieben große ehemals offene Fenster erhellen. An Stelle der Lolzständertrugen einst Steinsäulen die flache Balkendecke. In diesein ehrwürdigen Bau haben KaiserundFürsten geweilt, erroavein„clarissimum regni domicilium" sogar einen Papst, Viktor II., nahm er auf, und Barbarossa hielt 1173 seinen glanzvollsten Reichstag in ihm ab. Damit war der Löhepunkt seiner geschichtlichen Bedeutung erreicht, er verschwindet aus der deutschen Geschichte, bis der Gründer des neuen Deutschlands, Kaiser Wilhelm L, die Wiederherstellung des Kaiserhauses durch- führte. Der Reichssaal ist von Prof. Wislicenus mit Wandgemälden geschmückt worden, die Entstehen, Werden, Vergehen und Wieder- aufleben des deutschen Kaisertums darstellen. In lebensvollen Bildern zieht die glänzende mittelalterliche Kaiserzeit von Leinrich II. bis zu Barbarossa und dem Tode Konradins, des Letzten der Lohen- staufen, vorüber; das größte Gemälde über dem Kaiserstuhl zeigt die Wiederaufrichtung des Reiches durch Wilhelm 1. — Von dem unweit des Kaiserhauses stehenden Dom, der 1050 durch Papst Victor II. geweiht und 1819 auf Abbruch versteigert wurde, ist nur noch die Domkapelle von 1270 erhalten.
Lieber Larzburg und das lieblich gelegene Ilsenburg fährt die Bahn zurück nach Wernigerode. Inmitten schöner Parkanlagen erhebt sich — 120 Meter über der Stadt — das Schloß des Fürsten Stolberg-Wernigerode. Die Terrasse gewährt einen herrlichen Rundblick. Die ältesten Teile des Schlosses stammen aus dem 12. Jahrhundert, im Ganzen wurde es in der zweiten Lälfte des 19. Jahrhunderts in gotischen Stil umgestaltet. Die Stadt selber, am Kreuzungspunkt zweier alter Straßen — von Goslar nach Quedlinburg und von Braunschweig nach Nordhausen — liegend, dürfte schon im 9. Jahrhundert entstanden sein; 1121 war sie züm erstenmal in der Geschichte erwähnt; 1229 erhielt sie das Stadtrecht. Das Rathaus — es trägt die Inschrift über der Tür: „Einer acht's, der andere betracht's, der dritte veriacht's, was macht's" — wurde 1427 vom Grafen geschenkt; sein Westanbau von 1514 stellt einen der ältesten Fachwerkbauten Norddeutschlands dar. Beachtenswert wegen ihres
Alters und ihrer künstlerischen Ausführung siltd noch eine Anzahl Prtvathäuser. Von der StadkbcfestigUng ist nichts mehr erhalten als das innere Westerntor. Vier große Brände — 1455, 1528, 1751 und 1847 — haben manches wertvolle Bauwerk zerstört, aber noch immer bietet die Stadt eine Menge Schönes und geschichtlich Interessantes.
Nur wenige Stunden braucht die Larz-Qu.erbahn zu der Fahrt von Wernigerode am Brockengebiet vorbei nach Nordhausen, wo aus Südosten die Löhen des Kyffhäuser-Gebirges herüdergrüßen. Auf dieser südlichen Vorwacht des Lärzes haben die deutschen Kriegcrvereinc in der Nähe der alten Burg .Kyffhäuser 1896 zum Andenken an Kaiser Wilhelm 1. das bekannte 69 Meter hohe Denkmal errichtet. Die Figur Ba'rbarossas und das Standbild Wilhelms !, versinnbildlichen die Idee'des deutschen Kaisertums. Von der Zinne des Turmes schweift der Blick weit hinaus über die Goldene Aue und noch einmal grüßen die Löhen des Karzes, allen voran das Massiv des Brockens.
Das kommende RieseMuftschiff.
Von De. Peter Eilers.
Bor kurzen» ist der Zeppelin-Lustschiffwerft in Friedrichshafen aus dem Ergebnis der Zeppclin-Eckener-Spend'e die zweite Rate überwiesen worden und der Bau des neuen Riesenluftkreuzers kam» nunnlehr, da die Vorarbeiten abgeschlossen sind, in Angriff genommen werden. In der zweite»'. Septemberhälfte wurde, wie vielleicht noch erinnerlich, aus Madrid ein Telegramin nach Friedrichshafen gesandt, worin der Geschäftsführer der zur Durchführung der Transatlantik-Flüge gebildeten Gesellschaft „Colon" mit- teilte, daß die spanische Regierung der genannten Gesellschaft die Konzesstor, für eine Luftschifflinie Sevilla—Buenos Aires erteilt und gleichzeitig auf die Dauer von fünf Jahren nach erfolgter Betriebseröffnung eine Subvention von insgesamt 30 Millionen Pesetas (etwa 19 Millionen Goldmark) bewilligt habe.
Damit hat das Projekt einer Luftschiffverbindung zwischen Spanien und Südamerika, das nicht nur für Spanien, sondern für ganz Europa von größter Bedeutung ist, greifbare Gestalt gewonnen. In Spaniel» hatte schon im Jahr 1920 ein Vortrag, den Dr. Eckener in Madrid hielt, in weiten Kreisen für den Plan einer Luftlinie nach Süvainerika lebhaftes Interesse erweckt und man hakte erkannt, welche wirtschaftliche Bedeutung die Verwirklichung dieses Planes haben könne, wenn es gelänge, Spante»» den Vorsprung vor anderen europäische»» Staaten zu sichern. Bereits im Jahr 1921 .wurde eine Studiengesellschaft ins Leben gerufen und zugleich wurde ein meteorologische Kommission gebildet, die den Auftrag erhielt, die klimatischen und atmosphärischen Verhältnisse auf den, südlichen Atlantik zu ersorscheir. Ferner sollte sie eine Entscheidung darüber herbeiführen, ob Sevilla und Buenos Aires für die Anlage von Luftschiffhäfen geeignet seien. Der weitere Auftrag ging dahin, festzustellen, ob Sevilla (als spanischer Ausgangshafen der Transatlantiklinie) sich in den europäischen Luftverkehr einordnen läßt, da für einen solchen Transatlantikhafen die Zubringerlinien ausschlaggebende Bedeutung besitzen.
Die Strecke Sevilla—Buenos Aires ist etwa 10000 Kilometer lang und es besteht die Absicht, jährlich zwölf Lin- und zwölf Rückflüge durchzuführen. Bei der für fiinf Jahre geltenden Subvention von 30 Millionen Pesetas bedeutet das, daß jährlich 6 Millionen und für jeden einzelne»» Flug 500000 Pesetas als Zuschuß bewilligt werden. Die Dauer der Fahrt voi» Spanien nach Argentinien würde 4(4 Tage beanspruchen, während ein Ozeandampfer für diese Strecke etwa 20 Tage braucht.
Nach bei» Plänen der Zeppelin-Gesellschaft soll das neue Luftschiff („L. Z. 127") 135000 Kubikmeter fassen, also etiva doppelt so groß sein »vie „I. R. III", der bekanntlich 70000 Kubikmeter groß »»ar. Die Eröffnung des Betriebes soll im Lerbst 1929 erfolgen. Zunächst wird ein kleineres Luftschiff („L. Z. 126"), das nur 105000 Kubikmeter Rauminhalt aufweist, verwendet werden, da es gegemvärtig schon im Bau ist. Der neue Lustkreuzer, dessen Konstruktion von dem bewährten Mitarbeiter des Grafen Zeppelin Chefingenieur De. Dürr, entworfen ist, wird folgende Maße auf- weisen? Länge 230 Meter, Breite 31 Meter, Löhe 35 Meter. Er wird sechs Motorengondeln erhalten und von annähernd 3000 P.S. angetrieben werden. Die Reichweite der.Funkstation soll so groß fein, daß das Luftschiff ständig mit den Kontinenten die Verbindung aufrechterhalte»» ka»»n.
Eine der Vorbedingungen für die Ausnahme der Transatlantikflüge ist, daß Spanien in das mitteleuropäische Luftverkehrsnetz einbezogen wird. Zun» diesem Zweck soll im Jahr 1927 eine Luftverkehrslinie über Stuttgart, Basel, Genf, Marseille und Barcelona nach Madrid gelegt werden. Auf dieser Strecke werden sowohl Junkers-Großflugzeuge als auch Dornier-Wal-Flugboote den Verkehr vermitteln.
Da die Frage einer Lustverbindung mit Ostasien vor der Verwirklichung steht, so besteht die Möglichkeit, einen durchgehenden Luftdienst von Ostasien durch ganz Europa bis nach Südamerika zu schaffen. Es würde also nur noch einer Luftverbindung von Südamerika über den Stillen Ozean nach Ostasien bedürfen, um den Ring zu schließe»» nnt> bie Möglichkeit zu schaffen, den ganzen Erdball zu umfliegen. Zu diesem Ziel, das in erreichbarer Nähe liegt, ist die Luftverbindung zivischen Spanien und Südamerika nur eine Etappe.
Veramworklich: Dr. Hans Thyriot. — Druck der Brühl'schen Aniversstäts-Duch» und Stemdrucker^i. R. Lange, Gießen.


