Ausgabe 
7.9.1926
 
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^"e jedoch dos Städtchen Lißberg zu

tJr^ bn»;,n8TO,2®»P tmber nachmittags kam ein Kommando Mi- 1l?un r?ian" stark, von Usenborn aus vor Lißberg an und be- « Quartier für dm General im Schloß nebst 400 Reitern. Die

Ort VD e-en J!d) zusammen, liehen das Kommando nicht in Ort, verweigerten die Einquartierung und zeigten sich zum !R ffb erhferhf/^h10^m es,- war es der Amtskeller Reiber selbst der die Einquartierung abschlug und die Bevölke- Widerstände reizte"), trotz des bestimmtesten Verbots seitens des ^lmtmanns, sich zur Wehr zu setzen gegen etwaige Requisitionen der Franzosen. Das Kommando ritt nach Ortenberg am ledoch "ach zwei Stunden auf 21 Mann verstärkt wieder, jngfe gezogenen Sabeln den Berg hinaiif und hieb und feuerte nach den Bewohnern. Da wurde die Sturmglocke gezogen, die Männer ^^astneten sich und rotteten sich zusammen. Die Franzosen wurden MUr« nnlm» 311T Orte hinausgedrängt,- der Sohn des Amts- 9teJbef- gab selbst einen Schuß auf einen fran- zoslscyen Ofsiziei ab, wie uns em Augenzeuge berichtet. Die Reiter »..rfmrn n" i)inab bi.5 die Seipels Mühle (fetzt Mühlhof) verfolgt. Um sich gegen weiteren Angriff zu schützen, beschlossen die Bewohner, eine Wagenburg zu errichten. Als die Nacht heran- , s^'Eser «ohn des Amtmanns von Nidda war der spätere beifi« Me Finanzminister August Konrad Freiherr von Hofmann hnrrh m'fL nÄ"9 D0" be.m Aufreizen der Bevölkerung durch Reiber hat sich b,s zum heutigen Tage in Lißberg erhalten. W Dieffenbach (Arch. f. Hess. Geschichte. Bd. V, XIII, 14) meldet die- Pi6hern ubi lv Mitteilung älterer Leute. Dieser besuchte

Litzvecg uni die Mitte der vierziger Jahre.

Durchmarsch der französischen Armee, unter dem Kommando des vbergenerals Jourdan und des Dioistonsgenerales Le Fevre durch dies Amt und deren unmenschliche Gräueltaten betr." (bat. Nidda 14. September 1796) entnehmen. Dieser Bericht beginnt also: Unsere Nachkommenschaft wird sich nicht überzeugen können, daß in der Gestalt von Menschen Geschöpfe auf dem Erdboden uor= bmiöen gewesen, die alles Menschengefühl ausgezogen und Thaten verübt haben, dergleichen m den ältesten und rohesten Zeiten nicht verubr worden, und wahrscheinlich, so lange die Welt steht, nicht erlebt werden. Ich bin bei meinem erlittenen großen Ungemach dermalen nicht ,m Stand, den tausendsten Theil von allem an- znfuhren, was den Amtsiinterthanen begegnet ist, und behalte mir nothigenfalls vor, bei ruhigeren Zeiten Nachträge zu machen." Am a. und b. September passierten, wie Hofmann weiter berichtet, Heinere Haufen von zersprengten französischen Truppen maJt ' blc ^^Edoch aus Furcht, bei etwaigen Exzessen von den Untertanen gezüchtigt zu werden, gut betrugen und ihre Verpflegung sbn »r bezahlten. 'Am 7. September nachmittags 5 Uhr Hli Ifrl Vism ____<< , , 7 "eb|t einer Anzahl von Kom-

Mlssaren em Dieselben me beten, daß binnen 24 Stunden das Heer ®erer5*.ls nebst dem Hauptquartier eintreffen würde,

ölefer Seit 40 000 Rationen Brot ä 14 Pfund 109 Ochsen, 8000 Pinten Branntwein und SO Transportwagen neben den notigen Bedürfnissen an Hafer, Heu, Stroh, Fleisch und Wem zu beschaffen seien. Schon abends 7 Uhr rückte jedoch die Ä "s Lager em Vergebens wurde den Kommissären vor- 9°E,baßeine derartige Lieferung zu leisten unmöglich wäre, oisonde.s bei der Ausdehnung des Amtes, da einzelne Orte 6 bis betten iTnfwferht!, l«-". Trotzdem bemühte sich der Amtmann nach nmi, m rt £' b - Forderung nachzukomnien. Es wurden sofort die Amt.-"'nb Ortschaften abgesandt. Hofmann schickte

mitten m b-e m^ dtschreiber, sogar seinen eigenen Sohn noch 'E" m der Nacht ans die auswärtigen Ortschaften. Dem Sohne-) gab der General LEspagne eine Bedeckung von 7 Reitern mit für beren Sicherheit uer Amtmann mit dem Kopfe hasten sollte Die Burger von Nidda selbst taten ihr Möglichstes. Jeder gab alles willig alle ffnHmnfhm,Ü0en Bedürfnisse zu decken. Vergeblich aber waren 100 ^/rscbastliche Fruchtboden, worin über

-00 dichtet (1 Achtel 2 Zentner) Hafer lagen, wurde aufqesprenat

Ser Oberbefehlshaber Jourdan und der Generck- kommissar -Lu Breton, die mit den übrigen höheren Offizieren das hrutnn,«11« mnehatten, setzten ihre ungestümen Forderungen und ihr brutalls Benehmen fort. Am 8. September, nachmittags 3 Uhr brock ba^ -9Wuptquariier auf. Als Dank «für die aufgewandte vielfältige Muhe und die reichliche Bewirtung wurde dem Amtmanne und dein Bürgermeister Kirchhof von Nidda von dem Adjutanten Jour- roürben 9hoC hi Uetr^fa- !elen unb aIs Geiseln mitgenommen «mtmann6nbh h^r &n-9 Lselerungen nicht geleistet seien. Der Amtmann und der Bürgermeister wurden in das Hauptquartier Z k b « ch geschleppt, wo sie um 10 Uhr abends an- kamen. Die französische Armee selbst bezog ein Lager bei Mün­ze n b e rg. Mit vieler Mühe bewirkte der Sohn des Amtmanns hu '!""8er Kindesliebe feinem Vater bis Butzbach gefolgt roar^ bte Befreiung der Geiseln. Ebenso erlitten die übrigen Ortschaften di^e Dörfer Misslichsten Drangsale. Völlig ausgeplündert wurden La chelnau, Glashütten, Ober- und Unter-

Ke M Unterfchmitten, O b e r f ch m i 1t e n ,

G b 'si ° > dda, W a l l e rn h a I! f e n , Bellmuth, Fauer- b",ch- Ouie große Anzahl der Bewohner verlor das Leben. Viele Ge- bb® wurden verbrannt. Die Ortschaft Glashütten sollte ganz ein- zu^ntten mCrben" 'Scborf Solang es, das Dorf bis auf drei 'Hofreiten

') Philipp Iak 0 b Koch war feit dem 26. März 1762 Pfarrer von Lißberg. Er erreichte ein Lebensalter von 65 Jahren, 10 Monaten und 12 Tagen. Eine Tochter von ihm heiratete einen Pfarrer Thum zu Selters. Im Besitze von dessen Urenkelin zu Laubach befindet sich eine Silhouette des gemordeten Pfarrers. Der gemordete Pfarrer war ein Sohn des Elias Koch aus Alsfeld, der 17211741 zuerst als Adjunkt, dann als Pfarrer in Ulrich­stein wirkte.

,,)Erzählungen aus dem Heffenlande" von O. Glaubrecht. Zweite 'Auflage. Frankfurt a. M. und Erlangen. 1860. VII.Eine Mauer um uns baue." S. 99. Auf dieses Unglück Lißbergs bezieht sich auch ein Gedicht von Julius Sturm:O Lißberg, armer Flecken!"

6) Ein Liedervers von Paul Gerhardt aus:Nun ruhen alle Wälder."

hr»?nm>en er^len wieder ein Kommando, wovon jedoch nur br,(* Mann naher kamen. Reiber berichtet, er habe sich mit den- felben verständigen wollen, um Entschuldigung für das Vorgefallene gebeten uni) sich erboten, dem General die nötige Aufklärung zu der "'""do aber [ei weggeritten unter der Androhung

b^ Aache des Generals. Trotzdem glaubte man die Sache abgetan; ?*P kommenden Morgen wurde die Wagenburg entfernt. Plötzlich minnn CrS 0 k» .1,0 Uhr rückte ein Detachement von 5600 S Fußvolk und Reiterei von der Division Lefebvres unerwartet schnell von Ortenberg aus heran unb umstellte bas Stäbtchen. Hier- fluL9r;£ nJ?el( den Ort unb begann das Werk der Zerstörung. Wer sich nicht mehr m das Freie retten ober im Orte verbergen fflÄLTi fürchterlichsten Wut preisgegeben. Weber Alter noch Geschlecht würbe geschont. Sie Häuser würben geplünbert unb fobann angezundet. Lllle Bitten um Schonung waren vergeblich. Bis 1 Uhr bauerte bas Werk der Zerstörung. Als bis geflüchteten Be- w°h"«r zuruckzukehren wagten, fanben sie ihren Heimatsort bis auf ^,«"00 abgebrannt; insgesamt waren 58 Hofreiten eingeäschert. Sen Bemühungen bes Amtskellers war es gelungen, die Schloß- hnHaoUb!' ro°Htn sich selbst mit seiner Familie versteckt gehalten

3h- ebenso war die Kirche erhalten geblieben. Groß waren bie Verluste an Menschenleben. 15 Personen waren getötet, außerdem achtzehn schwer verwundet. Einem Schmiede (Jost H i l ß) ^>?,'b,''"ke Hand abgehauen worden. Ein Familienvater L,rourbe rltebft ?emen drei Söhnen in seinem Hause qe- ^det. Auch zwei »rauen wurden getötet. Ebenso befand sich unter L?? ber «Le Pfarrer Philipp Jakob Koch, ber unter» yaUe, den »ranzosen entgegenzugehen und für seine Ge- 3" bitten. Die Franzosen hielten ihn für den Amtskeller Aeiber, horten ihn nicht an und brachten ihn sofort um') wurde mit Säbelhieben zerfetzt und bann totgeschoffen. Seine r rS NtuHeichen von 60 Jahren, würbe dermaßen miß- handelt, daß sie lange zwischen Tob unb Leben schwebte. Sie blieb zulebens gelahmt. Außerdem verlor sie ihr ganzes Vermögen und kam m bitterste Rot. Die abgebrannten Häuser waren bei der Brand» "520 Gulden versichert gewesen; der gesamte Schaden mit ben oerbrannten Fruchten unb Effekten betrug 43 341 Gulden. Die bitterste ^"w>l>en des Ortes waren verarmt und gerieten in die O dem Hefsenlanb" berichtet auch

0;, ® ""b recht ) (Rudols Oefer) einiges von ber Zerstörung Lisibergs. ©r rügt seiner Erzählung noch folgende Episobe bei. Etwas abseits vom Dorse nach dem Wiesentale zu stand ein kleines Häus- dem sich eine junge Mutter mit ihrem kranken Kinde befand.

PW»"") .rourbe die Tur eingestoßen, unb mit gefälltem Bajonette Clnm","jenb8r Franzose hinein. Da legt bie zum Tobe er­schrockene Mutter ihre Hände über das Kind unb betet mit der Stimme der Verzweiflung:

Breit' aus die Flügel beide, O Jefu, meine Freude, Unb nimm dein Küchlein ein! Will Satan es verschlingen, Sa laß bie Engel fingen : Dies Kinb soll unverletzet fein!"6)

Da senkt ber Solbat die Tobeswaffe, legt feine Hand auf des Minbes Haupt, reicht fobann mit Tränen im Auge ber Mutter bie Hand unb geht jchweigenb davon. Ms bie Frau nach einiger Zeit 3um yenfter hniausschaut, sieht sie den Franzosen, mit dem Gewehr mt Arm, der Tur gegenüber unter einem Birnbaum stehen unb Wach« vor dem Hause halten. Erst als seine beutebeladenen Kame­raden abgezogen sind, verläßt auch er feinen Posten.

mt dieser Form ist die erzählte Episode in Lißberg gänzlich um hetannt, rote ich aus eigener Nachforschung erfuhr, unb wie mir audj ber frühere bortige Pfarrer Weber (später Dekan in Lanq- gons) au? Grunb vielfacher Nachfragen 1896 bestätigte. Jebensalls also hat Glaubrecht eine Begebenheit novellistisch behanbelt unb notjer ausgesihmuckt; jedoch liegt seiner Erzählung ein historischer r 1 3u9i"t,"be, den wir in folgender Mitteilung erkennen zu dürfen £allbe!1m,..,l.ne .achtunbachtzigjährige, jedoch noch völlig geistesfrische A,rau (Phiiipplne S e 1 p e l Witwe, geb. Mann) erzählte mir nach Mitteilung ihres Vaters, ber als zwanzigjähriger Bursche jene Kata- trophe erlebt unb selbst mit knapper Not dem Tobe entronnen war, bas folgende. In ber etwas abseits im Wiesengrunbe gelegenen sog. Herrenmuhle" (letztRingshausens Mühle") stand ihr Großvater (Heinrich Beltz) m ber Haustür.

Plötzlich stürmten die Franzosen heran, schossen ihn nieder und feuerten auch in die Küche, wo sich seine Frau mit drei Kin-