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Jahrgang (926
Samstag, den 7. August
Nummer 65
so hat man bas Meer leuchtenden
Wie überall, Gebirge oder an Madrid glüht in
Madrid, im Juli.
auch in Spanien die Wahl, ins in die Sommerfrische zu gehen. Sonnenstrahlen, auch die Nächte
bringen nur wenig Kühlung, und so packt denn jeder, dem es vergönnt ist, seine Koffer und pilgert zum Aordbahnhof hinaus. Der Guadarrama liegt so nah mit seinen schönen Hotels in Escorial und in der königlichen Residenz von La Granja bei Segovia, wo es immer kühl ist und wo sich vornehme Kurgäste versammeln. Wer einfacher leben will, geht nach San Raphael mit seinen fast nordischen Wäldern und mit der schönen Derg- landschast. Alle diese Orte können in kurzer Bahnfahrt erreicht werden. Weiter hinaus gibt es schöne Städte, wie z. B. Leon oder Burgos, die sich gut zur Sommerfrische eignen, da die Temperatur in ihnen auch im Hochsommer erträglich bleibt.
Burgos ist durch seine Kathedrale berühmt, ein Kunstwerk der Spätgotik, des deutschen Meister Hans aus Köln. Mit dem Bau wurde etwa um das Jahr 1400 begonnen, damals, als die reine Linie schon mit allerlei Schmuck und Stuck geschmückt wurde. Der Stein ist überall zierlich behauen, so daß man bisweilen glaubt, daß er aus Gips sei. Meister Hans, der jedenfalls die Baupläne der Kathedralen in Freiburg und in Köln kannte, wollte den Spaniern die gotischste Kathedrale der Welt erbauen, eine gewaltige Kirche, der>n Türme aus femgefloch- tenen Fäden in den Himmel greifen und in die die Sonne durch riesige, strahlende Farbenfenster in das Schiff hineinflutet, so daß den Andächtigen die Kathedrale wie ein Haus aus Licht, wie ein Haus des Himmels, erscheinen sollte, in dem die Orgel und die Choräle lobsingen. Aber der Baumeister vergaß, daß Sonne und Witterung hier anders auf den Stein als in der rheinischen Heimat wirken. Durch das Filigran der Türme pfeift der eisige Wind von den Pyrenäen, kriecht die Gluthitze der kastilischen Wüste, und beide nagen am Netzwerk der Fundamente. Die feinen Türme haben sich leicht gesenkt und drohen mit dem Einsturz. In dem steinernen Dröckelwerk hängen bronzene Glocken, von denen jede Hunderte von Zentnern schwer sein mag, und es scheint fast, als ob die Glocken die Türme allzusehr belasten und ihren Zusammenbruch beschleunigen könnten. 2luf Veranlassung des Herzogs von Alba ist ein Untersuchungsausschuß zusammengetreten, um die Türme aus ihre Baufälligkeit zu prüfen. Lind wirklich ist in der blauen Höhe- ein Dalken- gerüst angebracht worden, das gleichsam als Ausguck dient, aber mit den Ausbesserungsbauten ist noch nicht begonnen worden. .Untersuchungen pflegen in Spanien lange zu dauern.
Abgesehen von der Kathedrale ist Burgos eine freundliche Kleinstadt, mit Kleinstadtgebahren und Getue. Man interessiert sich dafür, mit wem der Herr General spazieren geht, und Werdas Cafe Candela besucht, und wenn man als Ausländer durch die Straßen geht, so hört der Barbier in seiner Arbeit auf und schaut dem Fremden nach. Im Pavillon pflegt eine Kapelle zu spielen: da geht die seine Welt spazieren, und die Damen kritisieren gegenseitig ihre Toiletten und unterhalten sich über den
lieben 2tächsten, was in Spanien, ebenso wie sonstwo, einen beliebten Gesprächsstoff abgibt. Die Stadt ist im übrigen schön und wohnlich und hat am Flußufer eine hübsch gepflegte Promenade. Die Sommergäste können sich billig einrichten und freundliche Wirtinnen sorgen für ihre Behaglichkeit. Zwar darf man nicht große Anforderungen stellen, denn in den spanischen Familienpensionen pflegt immer etwas kaputt zu sein, die Tische schaukeln, der Kleiderschrank ist unverschließbar, di« Stühle haben angeleimte Beine usw. Auch auf die Bemerkung, daß man leider ein Paar Wanzen bemerkt habe, meint die Wirtin entschuldigen-, daß jetzt ihre Saison, etwa ebenso unvermeidlich wie die Saison der Pfirsiche, gekommen sei. Die Abende sind herrlich, ruhevoll und kühl, die Leute freundlich, und da nimmt man denn schon manche Llnbequemlichkeit, als vom Schicksal bestimmt, mit in den Kauf.
2iicht weit von Burgos liegt das 2ionnenkloster von Huelgas. in dem die Könige Alfonso VII. und Alfonso VIII. begraben liegen. Um Alfonso VIII. spielt die Erzählung von der Jüdin von Toledo. Als er zu Besuch beim Maurenfürsten von Toledo weilte, verliebte er sich in di« schöne Rahel und begann mit ihr ein Verhältnis. Die Geistlichkeit hielt dem katholischen Könige seine Sünde vor, sich mit einer Jüdin einzulassen, und verurteilte ihn zu einer schweren Buße. Der König begann, wie es heißt, seine Kasteiung damit, daß er die Jüdin und das von ihr geborene Kind auf dem Scheiterhaufen verbrennen ließ und die englische Prinzessin Leonore heiratete. Wenn man ihr Bild im Kloster betrachtet, so möchte man fast glauben, daß die Buße des Königs wirklich mit der Hochzeit begonnen hatte.
Der Weg nach San-Sebastian, der Sommerresidenz des Königs mit dem schönen Strand der Concha, führt über Burgos, aber viele Spanier ziehen die prächtigen Badeorte in 2lsturien und Galizien, etwa Santander oder La Coruna, dem teuren Luxus in San-Sebastian vor. Wie käst alle Städte in Spanien, so hat auch La Coruna eine Geschichte, die in die Jahrtausende der Vergangenheit reicht. Der Leuchtrurm des Herkules, der sein Licht weit über den Ozean hinauswirft, wurde bereits von den Phöniziern erbaut.. Römische Wachtposten schauten von feiner Spitze über das Meer hinaus, bis im 18. Jahrhundert unter König Carl III. sich der Phönizierbau in einen Leuchtturin verwandelte, der heute, modern ausgestaltet, den gewaltigen Ozeandampfern den Weg weist. — 2luch die Gründung der Stadt La Coruna selbst verliert sich in den Urzeiten. Sicher ist, daß Kelten, Phönizier und Griechen in ihr gehaust haben, Claudius Ptolomäus schuf bereits vor ihren Toren einen großen Hafen, aber der Verfall des Römerreiches beeinträchtigte auch die Bedeutung La Corunas. Im Mittelalter schlugen sich die feudalen Herren vor ihren Toren. Besonders bekannt ist der Kampf des Erzbischofs von Santiago de Compostela mit dem Herzog von Lancaster, der die Stadt erobern wollte, um Pedro dem Grausigen Unterstützung zu leihen. In den Hasen von Coruna kehrten die Reste der von den Elementen zerstörten Flotte zurück, die Philipp II. gegen England ausgesandt hatte. 2lber in La Coruna geschah es auch, daß Spanier wenige Monate darauf ihr« Revanche erlangten. Mit 142 Kriegsschiffen, bemannt mit 14 000 Soldaten, lagerte sich die Flotte des Admirals Drake vor dem Hafen, um die Stadt zu stürmen. Die Garnison unter dem Befehl des Marquis von Verralbo glaubte jeden Widerstand aufgeben zu müssen und war bereit, sich zurückzuziehen. Da erstand auch für Spanien eine Jungfrau von Orleans in der Gestalt von Mayor Fernandes de la Camera h Pita, vom Volk kurz Maria Pita genannt und unter diesem Namen in Hunderten von Liedern und Erzählungen verherrlicht. Sie stellt sich den Truppen in den Weg und beschwor sie, ihr gegen die Engländer zu folgen. Die Attacke kam dem englischen Admiral so unerwartet, daß die Engländer sich nach kurzem Kampf zur Flucht wandten. Philipp II. verlieh Maria Pita Offizierrang und ein lebenslängliches Gehalt. — 1808 zeichnete sich La Coruna im spanischen Freiheitskampf gegen den Marschall Soult aus und half die Franzosen vertreiben.
Heute ist La Coruna einer der schönsten und gepflegtesten Badeorte 2kordspaniens. Ein Hafen, in den die Ozeanriesen aus Deutschland, England, Holland und Frankreich auf ihrem Weg« nach Südamerika oder Mexiko einzulaufen lieben, da es gleichzeitig der Hauptauswandererplatz der Spanier ist, die mit Vorliebe die deutschen Schiffe wählen. 2luf der schönen Promenade sind hübsche Palmen gepflanzt, die der Stadt einen südlichen Anschein verleihen. Gute und nicht allzuteure Hotels nehmen den Reisenden auf, schöne Damen gehen in den prächtigen Gärten von Mendez Nunez spazicLM oder m der Calle Real, Strand-
Aus einer Reise.
Von Hermann Hesse.
Heimat haben ist gut,
Süß der Schlummer unter eigenen« Dach, Kinder, Garten und Hund. Aber ach, Kaum hast bu vom letzten Wandern geruht, Geht dir die Ferne mit neuer Verlockung nach. Besser ist Heimweh leiden
Und unter den hohen Sternen allein Mit seiner Sehnsucht sein.
Haben und rasten kann nur der, Dessen Herz gelassen schlägt.
Während der Wandrer Mühsal und Reisebeschwer In immer getäuschter Hoffnung trägt.
Leichter wahrlich ist alle Wanderqual, Leichter als Friede finden im Heimattal, Wo in heimischer Freuden und Sorgen Kreis Rur der Weise sein Glück zu bauen weiß. Mir ist besser, zu suchen und nie zu finden, Statt mich eng und warm an das Nahe zu binden, Denn auch ini Glücke kann ich auf Erden Doch nur ein Gast und niemals ein Bürger werden.
In der
Von
spanischen Sommerfrische
E. v. Ll n g e r n - S t e r n b e r g.
Gietzener jamilienblStter
Unterhaltungsbeilage znm Siebener Anzeiger


