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neb’ schon und Ihr werdet von mir erfahren, Mamsell MnStk. Unb bu, sag', wo ist denn dein Vater? Sag' du ^.umpenp^n^e^ie Kind ins blasse Gesicht.
Da ereignete sich etwas Seltsames. ~s„r.„_
Der «nabe tat keinen Laut, sondern fuhr mit geballten Fausten Auf w ffirfinfte los. das Kindergesicht von Wut entstellt, griff an ihr
geben, da zum mindesten die in der Strahlrichtung liegenden Emp» fänger die Sendung aufnehmen können, mag der Sireuungsgrad auch noch fo gering fein.
Der Meine Herzog.
Von Hermann Stegemann.
(Schluß.,
In der Schule saß der kleine Herzog still im Bänklein, und wenn sie heimtrollten, ging er mit festen kleinen Schritten wie ein Älter feines Weges. , < . , ~ «.___
Im Hof aber ergötzten sich die zwischen zehn und vierzehn Jahren an dem sich abseits Haltenden, der fein wildes Wesen vertauscht harte. Nur wenn sie ihn fragten, was er seit Jahren auf allen Gassen und in allen Kuchen gefragt wurde, brannte er seine Antwort los wie
auf die Erboste los, das Kindergesicht von Wut
m die Höhe und pcicfte sie an der Halskraufe. , r .. «yx • Ich bring' Euch um, wenn Ähr das noch einmal Jagt! Mein iff fö|rt Lump, und ich bin auch kem LumpenprinA!
Hilfe er ist drückt!" schrie die Geängstigte und das Nettele »srrte an'dem Knaben, faßte ihn voller Verzweiflung um den Leib und trua schleifteihn in die Schlafkammer, indem es iammerte: Kästele was machst du, Güstele, mach' uns Nicht unglücklich!
" Ms Madame Tfchiember sich befreit sah, stieß sie einen schweren Seufzer aus, schüttelte die Faust gegen die Näherin und schob sich nur Tür hinaus und mit lautem Lamento die Treppe hinunter.
3 rfintf eine Weile wie erstarrt an der Tur, dagegen
gestemmt als mußte sie der Wirtin und hundert anderen den Ein- fritt m^ren Aber in ihrem Kopf hämmerten aufgepeitschte ®e* danken und'durch die versperrte Tü/drangen immer neue herein
Endlich richtete sie sich auf und ging mit schleppenden Schritten ins Nebenzimmer^ Die Dunkelheit war hereingebrochen, nur das Bett stach weiß aus der Kammer.
'^"/ckluchzte etwas wild und weh im Dunkel, und »hüstelest' riet di« Mutter noch einmal und tastete vorwärts. Und
risch und schrie im weinenden Weh. „Der Herr "yrer yar » i », er ist kein Lump, und ich darf's mmmer sagen, daß er dem Teufel zu niemand! Mein Vater ist kein Lump, und ich auch nicht! Sage, Mütterle, sag's, daß ich kein Lump bin!
Gerichtete Kurzwellen.
Von Rolf Braun.
Mit den üblichen drahüosen Sendestellen, soweit sie nicht dem Rundfunk dienen, ist es genau so wie mit dem wackeren Jägersmann, der eine Kanone auffuhr, um damit einen Spatzen zu schießen, too'eei er wahllos nach allen Himmelsrichtungen knallte. Welche ungeheuren Kräfte in den Sendestellen für Ueberfeeverkehr aufgebracht werden müssen, um eine Nachricht sicher zum Empfangsort zu befördern, davon können sich die wenigsten ein Bild machen. So hat z. B. die kürzlich eröffnete Sendestelle Buenos Aires eine Maschinenleistung von 800 Kilowatt, während die englische Postsendestelle in Rugby sogar 1000 Kilowatt verwendet. Mit dieser Energie konnte man etwa 40 000 Glühlampen zu 25 Kerzen betreiben.
Der größte Teil der in der Sendestelle aufgewendeten Energie wird nutzlos in den Aether gestrahlt, und nur ein ganz kleiner Bruchteil gelangt in gerader Richtung zum Empfänger. Wenn es nun gelingt, die Ausstrahlung der Sendeantenne nur nach einer einzigen Richtung gelangen zu kaffen, fo daß beispielsweise nur ein Kegel von zehn Grad Streuung entsteht, so ist es ohne weiteres klar, daß man nur einen geringen Bruchteil der Energie aufzuwenden brauajt, die bei ungerichteter Ausstrahlung notwendig ist, um das Ziel zu er
reichen. , .
Es ist das Verdienst Marconis, hier einen Weg gesunden zu haben, der der drahtlosen Telegraphie und Fernsprecherei neue Möglichkeiten eröffnet. Die Lösung der Aufgabe wurde von ihm bereits vor etwa 10 Jahren in Angriff genommen; die Erfolge sind so groß, daß das britische Weltreich sein drahtloses Nachrichtennetz nach den neuen Plänen Marconis ausbauen will.
Die Richtbarkeit der elektrischen Wellen nimmt immer mehr zu, je kürzer die Wellenlänge wird. Der große deutsche Entdecker der drahtlosen Wellen, Heinrich Hertz, fand die Richtungsicchigkett der von ihm benutzten sehr kurzen Wellen. Er konnte sie jedoch nur als gedämpfte Schwingungen, also nicht im fortlaufenden Wellenzuge, "erzeugen. Es gelang ihm aber trotzdem, mit metallischen Hohlspiegeln die erzeugten Wellen, ähnlich wie den Lichtkegel eines Scheinwerfers, in eine bestimmte Richtung zu lenken und sie durch gegenubergestellte Hohlspiegel zurückzuwerfen. Mit Hilfe des von ihm erfundenen „Resonators" konnte er sogar die Wellenbäuche und Wellenknoten sicht-
Das^oon Heinrich Hertz angegebene Richtversahren mit Strahl- ipiegeln wurde von Marconi für ungedämpfte Wellen von größeren Längen als den von Hertz verwendeten weiter ausgebaut. Als Spiegel werden nicht mehr zusammenhängende Metallflächen verwendet, sondern einzelne senkrecht aufgehängte Drahte, die im Grundriß einer Parabel angeordnet sind, in ,deren Brennpunkt die Sendeantenne hängt. Es hat sich als zweckmäßig herausgestellt, die Spiegeldrähte auf die Wellenlänge des Senders abzustimmen: Die Strahlwirkung wird dadurch wesentlich erhöht. Theoretisch lassen sich auch längere Wellen richten, die Spiegeldrähte würden jedoch dazu solckie Abmessungen erhalten müssen, daß die ganze Anlage aus geldlichen Gründen undurchführbar wäre. Bei einer gegebenen, Strayl- feqetöffmmq wächst nämlich die Größe der Spiegelantenne im 2ua- drat mit der verwendeten Wellenlänge. Man ist daher praktisch auf Wellenlängen unter 150 Meter beschränkt.
Die Marconigesellschaft hat zwischen England und Canada umfangreiche Versuche mit gerichteter Kurzwellentelegraphie vorgenommen, und in Drummondville in der Nähe von Montreal in Canada eine eigene Sendestelle und 25 Meilen nördlich in Yamachiche eine eigene Empfangsstelle errichtet, die mit einer entsprechenden englischen Gegenstelle arbeiten. Es gelang dabei gleichzeitig :n jeher Richtung während durchschnittlich 18 Stunden am Tag mit einer Geschwindigkeit von 100 Worten zu je fünf Buchstaben'm der Mumie zu verkehren. Das ist bedeutend mehr, als zur Zeit mit den üblichen Langwellensendern erreichbar ist; man hofft sogar, daß es möglich werden wird, die ganze Tagesleistung einer gewöhnlichen «endesteile in zwei Stunden abzuwickeln. .
Aus Grund der günstigen Ergebnisse sind zwei gliche Richtstellen in Australien im Bau, die mit London und Montreal verkehren werden. Ferner bestehen Plane zur Aufstellung von Richt- seiidestellen in Indien und Afrika, die die Verbindung mit London Herstellen sollen. Die Vorteile solcher Anlagen liegen auf der Hand. Die Kosten für die Errichtung und Unterhaltung stnd bedeu end geringer, die Uebermittlungszeiten für das einzelne Wort kurzer. Der Verkehr wird störungsfreier, da auch die Empfangsstellenmiti richtenden Spiegelantennen arbeiten, und die gleichen Wellenlängen kömien zwischen verschiedenen Stellen gebraucht werden, °hue daß sie sich gegenseitig stören. Die Streuung betragt zur Zeit höchstens 30 Grad, praktisch kommt man aber 1^°" auf bedeutend S^mgere Werte Es liegt durchaus im Bereich der Möglichkeit, die strahlen- bündel noch enger zusammenzufassen, so daß man mit ganz genügen Energiemengen die größten Entfernungen überbrücken kann.
Die Richtwellen sind übngens auch schon als Wegweiser für Schiffe verwendet worden; dazu hat man die.^^tmteiinen um bie Sendeantenne drehbar gemacht. Der ausgesendete Wellenkegel lauft also wie ein Leuchtfeuer um und bestreicht, wett über den Horizont hinaus die See. Dabei werden für jede Himmelsrichtung besondere Zeichengruppen ausgesendet, die den Schiffen ohne weiteres die Richtung angeben, unter der der Funkleuchtturm liegt.
Wir stehen noch am Anfang der Entwicklung der drahtlosen Richt- tele^ravbie- schon die nächste Zeit kann weitere bedeutende Fort- schritle^bringen. Es erscheint jedoch trügerisch, nungen bezüglich der Unabhörbarkeit durch fremde Stellen hinzu-
Es ging auf den Winter. Güstele war acht Jahre alt geworden, und wer ihn auf sein Alter ansah, hielt ihn für neun. .
Eines «Tages brachte er eine Beule heim, beinahe o groß wie ein Hühnerei, und aus dem blaffen Gesicht funttten seine blauen A^Jesiis Maria, Mach 'was hafs gegeben?" zeterte das Mitterle und fuhr ihm mit dem Boden eines Wasferglafes auf die Geschwulst, um sie hineinzudrücken. „ .
Er ließ den grausamen Eingriff geschehen, ohne zu murren. Auch was sich zugetragen, erfuhr Nannette nicht. Bis des Abends die Wirtin „Zum Kanonier'1 erschien und ihr die Kundschaft aufsagte.
„Höret, Mamsell Nannette, eine rechte Näherin seid Ihr, aber daß mir Euer Fiston meinen Gaston wegen dem darf zusammendreschen, wie einen Aepfelputzen - ?a — jamaisl s Nasenbein hat . er ihm schier frakturiert, und der Doktor hat ihm müssen einen Tarn- von einlegen daß ihm ’s Blut nicht davonrennt rote Bachwasser! WE Ihr ihn nicht Mores lehrt, hernach geht er denselben Weg wie [ein Vater!" ,
Madame!" fuhr das Nettele m die .Hohe.
Eh bien, quoi donc?“ warf ihr die Wirtin hochmütig entgegen.
Da drückte'das Nettele hinunter, was es gewürgt hatte, und sprach leise: „Fragt sich, was gegangen ist und roer angefangen hat.
Wer? Der bar schrie bie Wirtin „Zum Kanonier und stieß dem' Buden, der schweigend, mit zusammengebifsenen Lippen tm Winkel stand, den dicken Zeigefinger beinahe durch die Bru t.
Red' Güstele, sag' die Wahrheit! sprach ine Mutter, und ihre Stimme 'klang heiser vor Aufregung. Aus ihren Wangen brannten zwei Flecken.
schweigt. Was wahr ist, darf er nicht sagen, und —
Und an einem Lug tat er ersticken, cest ?a! fiel ihr Nannette bebenb ins Wort und sah stolz auf die rundliche Frau. .....
’ Tiens, ttais, Mamsell Nannette, Ihr helft ihm, -rh, so habt Ihr Euch! Und das mit dem vaurien da und in Eurer Pofttton.
$?luf einmal atmete die ganz beleibte Gestalt der W.rttn „Zum Kanonier" die lautere Verachtung und Ehrbarkeit. ..
„Bon soir, Madame Tschiember, entgegnete das Nettele mit tonloser Stimme und öffnete die Zimmertür.
Dieser Wink trieb der Mutter Gastons das dunkelste Blut ms


