Ausgabe 
6.3.1926
 
Einzelbild herunterladen

Es wird vielleicht für manchem von Interesse sein. Sah Friedrich Ludwig Knapp im Juli des Jahres 1849 gemein­schaftlich mit Justus Liebig sich in Ortenberg einfand, wo auch Liebigs Mutter aus Darmstadt und Elise Knapp zur Pflege der kränklichen Tochter bzw. Schwester sich aufhielten, und datz sie die am Fuhr der jetzigen Domäne Konradsdorf gelegene, von Alters her bekannte SolquelleKlosterbrunnen" einer Besichti­gung unterzogen wegen etwaiger gewerblicher Verwertbarkeit. Heber das Ergebnis der chemischen Analyse, die damals zweifel­los hinterher vorgenommen wurde, ist mir nichts bekannt ge­worben. Dis zur Erbohrung der nicht sehr weit vomKloster­brunnen" entfernten Selterser Quelle vergingen, wie bekannt, einige Jahrzehnte. Auch bis zur Eröffnung desBades Selters" ist noch mancher Tropfen Wasser durchs Aiddertal geflossen. Jedenfalls war es in den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts nicht möglich, das Kapital zur Gründung eine» Bades zusammenzubringen.

Der Goldkäfer.

Von Edgar Allan Poe.

t Schluß.)

Aber wie hast du das fertiggebracht?"

Ich überlegte, dah der Schreiber dies sicher mit Absicht so gemacht habe, um das Verstehen, noch zu erschweren. Aun wird jeder nicht Allzuscharfsichtige bei solcher Gelegenheit die Sache übertreiben, wie zum Beispiel hier, an einer Stelle, wo eine Jnterpunttion notwendig wäre, die Zeichen besonders dicht zusammendrängen. Prüfe unser Manuskript genau und du wirst fünf solche Stellen finden, wo die Zeichen in besonders dicht- gedrängten Gruppen beieinander stehen. Auf diese Beobachtung hin machte ich folgende Einteilung:

Ein gutes GlaS im Dischofshotel in des Teufels Sitz ein- undvierzig Grad und dreizehn Minuten nordöstlich und nörd­lich - Hauptast, siebenter Ast Ostseite schieße von dem linken Auge des Totenkopfes eine kerzengerade Linie von dem Baume durch den Schutz fünfzig Futz hinaus."

Aber," sagte ich,durch diese Einteilung tappe ich auch noch immer im Dunkel."

Auch ich tappte noch einige Tage im Dunkel." antwortete mir Legrand,während welcher ich eifrige Aachforschungen in der Nachbarschaft von Sullivans-Jnsel, nach einem Gebäude Bischofshotel" genannt, trieb. Ms ich jedoch nicht das ge­ringste in Erfahrung bringen konnte, war ich schon nahe daran, meine Nachforschungen weiter auszüdehnen, als mir noch gerade rechtzeitig einfiel, der Name könnte mit einer alten Familie Namens Bessop in Zusammenhang stehen, deren Vor­fahren ein großes Farmhaus ungefähr vier Meilen nördlich auf der Insel besessen hatten. Ich ging auf die Plantage hinüber und fragte bei den alten Negern herum, die dort arbeiteten. End­lich sagte mir eine der ältesten Frauen, daß sie Wohl mal etwas von einem Dischofs- oder Dessopskastell gehört habe und mich gern dahin führen wolle, doch sei es weder ein Schloß noch ein Wirtshaus, sondern ein hoher Felsen.

Ich versprach ihr eine gute Entschädigung für ihre Mühen, und nach einiger Zeit willigte sie auch ein, mich dorthin zu führen. Wir fanden den Ort ohne jede Schwierigkeit und nachdem ich sie entlassen hatte, begann ich die Gegend in ge­naueren Augenschein zu nehmen. Das Kastell bestand aus un­regelmäßig aufe inanb erg e türmten Felsblöcken, von denen der eine sowohl durch seine Höhe als auch durch seine beinahe künstliche Form auffiel. Ich erkletterte seine höchste Spitze und wußte nun nicht recht, was ich anfangen sollte.

Während ich noch überlegte, fiel mir em schmaler Vor­sprung. an der Ostseite des Felsens, ungefähr eine Elle unter dem Felsen, auf dem ich mich befand, auf. Dieser Vorsprung stand etwa achtzehn Zoll vom Felsen ab, war nicht mehr als ein Futz breit und sine Nische gerade über ihm machte ihn einem jener Armstühle mit hohler Rückenlehne ähnlich, wie sie bei unseren Vorfahren beliebt waren. Ich zweifelte nicht, dah dies hier der Teufelssitz des Manuskriptes fei, und schien nun die Lösung des ganzen Rätsels in Händen zu haben.

Dasgute Glas", wußte ich, konnte nur ein Teleskop be­deuten; denn das Wort Glas wird von Seeleuten kaum je in einem anderen Sinne angewendet. Ich mußte mir nun ein gutes Teleskop verschaffen und dann einen Standpunkt für meine Beobachtungen ausfindig zu nrachen, der keinerlei Veränderung unterlag. Auch zweifelte ich nicht im geringsten, datz die Be­zeichnungeinundvierzig Grad und dreizehn Minuten" und nordöstlich und nördlich" die Richtung angaben, in der ich mein Fernglas einzustellen hatte. Durch diese Entdeckungen äußerst erregt, lief ich heim, holte mein Glas und kehrte so­fort wieder zum Felsen zurück.

Ich ließ nach sofort auf den Vorsprung unter mir nieder und mußte dabei feststellen, datz man nur in einer einzigen Stellung absolut sicher darauf sitzen konnte. Diese Tatsache

bestärkt« mich nur in meiner vorgefaßten Meinung. Nun nahm ich das Glas. Natürlich konnten dieeinundvierzig Grad und dreizehn Minuten" sich nur auf die Einstellung der Höhe über den sichtbaren Horizont beziehen, da ja die wagrechte Lage durchnordöstlich und nördlich" genau angegeben war. Diese Richtung stellte ich durch meinen Taschenkvmpaß fest, stellte daS Fernglas, so gut ich es nach Augenmaß konnte, auf einen Winkel von einundvierzig Grad ein und bewegte es dann be» huffam auf und ab, bis meine Aufmerksamkeit durch den kreisrunden Ausschnitt im Laubwerk eines Baumes, der alle seine Nachbarn überragte, gefesselt wurde. Im Mittelpunkt dieser Oeffirung gewahre ich einen weihen Punkt, konnte aber zuerst nicht unterscheiden, was es war. Ich verschärfte das Teleskops schaute wieder und fmmte jetzt deutlich einen menschlichen Schädel erkennen.

Nach dieser Entdeckung hielt ich in meiner Begeisterung das ganze Rätsel schon für gelöst; dann die WorteHauptast, siebenter Äst, Ostseite" konnten sich nur au? die Lage des Schädels auf dem Baume beziehen, und die weitere Bemerkung schieß von dem linken Auge des Totenkopfes" ließ doch nur die eine Auslegung zu, daß sie den Versteck des Schatzes bezeichnen mußte. Ich entnahm den Worten, datz aus dem linken Auge Schädels eine Kugel hinabgelassen oder hinab­geschossen werden sollte, und einekerzengerade Linie" von dem nächsten Punkte des Baumes durch den Punkt oderSchuß", auf den die Kugel fiel, gezogen und bis auf fünfzig Schritt verlängert werden müsse, um den Platz zu finden, wo meiner Meinung nach höchstwahrscheinlich Gegenstände von Wert ver­graben liegen mußten."

All dies ist sehr klar," sagte ich,sinnreich und doch ein­fach. Was tatest du dann, als du das Dischofskastell verließest?"

Nachdem ich mir den Baum genau gemerkt hatte, ging ich nach Hause. Im Augenblick aber, als ich vom Teufelssitz her­unterstieg, verschwand der Ausschnitt im Daum, ich konnte nicht das geringste mehr davon sehen, wie ich mich auch wendete und Drehte. Was mir als das Genialste an der ganzen Sache erscheint, ist, daß, wie mich Wiederhalte Versuche überzeugt haben, sie tatsächlich einzig und allein von dem schmalen Fels­vorsprung vorne an dem Felsen ans sichtbar ist.

Auf diesem Ausflug nach dem Dischofshotel hatte mich auch Jupiter begleitet, dem natürlich meine Zerstreutheit und Nach­denklichkeit während der letzten Wochen aufgefällen war, und der besonders darauf bedacht war, mich nicht allein zu lassen. Am nächsten Morgen aber wachte ich so früh auf, daß eS mir gelang, ihm zu entwischen, ich ging sofort in die Berge, den! Baum zu suchen. Nach vielen Mühen fand ich ihn endlich Ms ich am Abend nach Hause kam, wollte mich mein Diener ver­prügeln. Der Rest der Geschichte dürfte dir ebenso bekannt sein wie mir."

Ich vermute, wir verfehlten beim ersten Llmgraben die Stells durch Jupiters Dunnnheit, der den Käser durch das recht« Auge des Schädels statt durch das linke hinabgelassen hatte."

Ganz recht. Dieser Irrtum verlegte den Schutz um zwei­einhalb Zoll, das heißt den Punkt, wo der Pfahl nächst des Baumes eingeschlagen worden war. Wäre der Schatz direkt unter demSchuh" gelegen, so hätte der Irrtum nicht viel geschadet. Da nun aber der Schuß und der nächstliegends Punkt des Baumes nur eine Andeutung der weiteren Richtung waren, bei deren Verlängerung wir von der richtigen Stells immer weiter abrücktsn, mußten wir in einer Entfernung von fünfzig Fuß dann die Spur ganz und gar verlieren. Wäre ich nicht so felsenfest überzeugt gewesen, daß der Schatz hier irgendwo vergraben sein mußte, so wäre unsere ganze Arbeit umsonst gewesen."

Aber was sollte dein vieles Gerede und das Herumschwingen des Käfers bezwecken? Ich dachte sicher, du wärst verrückt geworden. Warum bestandest du darauf, daß der Käfer und nicht etwas anderes durch den Schädel hinuntergeworfen werde?"

Am die Wahrheit zu gestehen, war ich durch dein so offen­sichtliches Mißtrauen gegen meinen gesunden Verstand doch etwas beleidigt und hatte beschlossen, dich auf meine Art, durch Mystifikafion stillvergnügt zu bestrafen. Deshalb schwang ich 'den Käfer hin und her, und deshalb ließ ich gerade ihn vom Baume herunterwerfen. Deine Bemerkung über sein Ge­wicht hat mich auf diesen letzten Gedanken gebracht."

Nun wird mir alles klar! Nur noch eine Frage: Was be­deuten Die Skelette in der Grube?"

Diese Frage kann ich ebensowenig beantworte wie du selbst. Dafür gibt es jedoch anscheinend nur eine Erklärung und doch fällt es mir schwer, an eine solche Grausam­keit zu glauben, wie sie mir vorschwebt. Es ist sicher, dah Kidd wenn «S wirllich Kidd war, der den Schatz vergrabsn hat was ich nicht bezweifle baß Kidd Helfershelfer bei seiner Arbeit hatte. Nachdem aber die Arbeit vollbracht war, mochte er es für ratsam halten, keine Mitwisser seines Ge­heimnisses zu haben. Vielleicht genügten einige Schläge mit Der Hacke, während feine Kameraden noch ahnungslos bei der Arbeit in der Grube waren, vielleicht waren auch einige Dutzend nötig wer kann das totff en?

vchristleitung: Dr. Frisör. Wich. Lange. Druck und Verlag der Brühl'schen Aniv.-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.