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des Textes übernehmen wollte, so entschied das Los, und es traf Weber. So kam folgende Kantate zustande, deren Text unter dem Titel „Dem Großherzoglich hessischen Geistlichen Geheimen Nathe, Grosikreuz des Ludwigs Verdienst-Ordens etc. Abbö Vogler Ihrem theuersten Lehrer zu seinem Geburtsfeste den 15. Juni 1810. Seine Schiller Carl Maria von Weber. Johann Gänsbacher. Meyer Beer.'* gedruckt wurde und lautete:
Chor.
conrponirt von Beer.
Wtllkoinmen, theurer Vater, hie» In Deiner Kinder Reihen, Wo alle engvereinigt Dir Die wärmste Liebe weihen, Von einem Wunsche nur beseelt, Dasi dieser Tag sich mehre And oft mit neuer Kraft gestählt Verherrlicht Wiederkehre!
Solo.
componirt von Gänsbacher.
Gebannt an Deinen Namen steht Der Ruhm auf ew'ge Zeiten. Wenn Deine Asche längst verweht Wird hoch er sich verbreiten. Vor Dir verband sich so noch nie Das Wissen mit dem Genius; Denn Harmonie und Melodie Eint sich bei Dir zu gleichem Guss. And mehr als alles dieß vereint Der Mensch der in dem Künstler wohnt. And der als Vater! Lehrer! Freund! Loch auf in jedem Herzen thront; Der keinen, der Ihm liebend naht. Mit Stolz von sich verscheucht. Der gern sein Wissen ftüh und spat Dem Wißbegier'gen reicht.
Terzett, componirt von Beer.
O möchte Gott es doch verleih'». Daß uns die Kraft gegeben. Dereinst als würd'ge Schüler Dein Zu Deinem Ruhm zu leben
Soli.
Die Dankbarkeit nur thut es kund Dies kleine Lied der Liebe, And froh ertönet Aller Mund, Erfüllt von diesem Triebe.
Chor.
Willkonnnen theurer Vater hier In Deiner Kinder Reihen; Wo alle eng vereinigt Dir Die wärmste Liebe weihen. Von einem Wunsche nur beseelt. Daß dieser Tag sich mehre And oft mit neuer Kraft gestählt Verherrlicht Wiederkehre!
C. M. v. W^er.
Meyerbeers Komposition wurde nachgerühmt, daß er nie etwas mit mehr Wärme und tiefer, einfacher Innigkeit geschrieben habe. An der Aufführung wirkten mit die Lofsängerin Luise Janitsch, Meyerbeers Schwester Therese Beer, hertling — wohl ein Sohn des am 27. Juli 1810 zu Aschaffenburg verstorbenen Geheimen Rats Philipp Freiherrn von hertling, des Großvaters des nachmaligen Reichskanzlers Grafen Georg von hertling —, Meyerbeer, Weber und einige ausgewählte Herren und Damen der Stadt. In Voglers Salon war die Büste des Gefeierten mit einem Kranze geschmückt, die Bilder und Türen mit Girlanden umgeben, und an die Auf- Mrung schloß sich ein feierliches Mahl, an das Gänsbacher und Weber ihre letzten sauer verdienten Gulden wendeten.
Von Webers Darmstädter Aufenthalt unterrichten einige Briefe, die Weber an seinen Freund Gottfried Weber und an Gänsbacher bei seiner' Abwesenheit von Darmstadt oder nach dessen Abreise von dort richtete, die wohl im Juli 1810 erfolgt war, denn in einem Briefe von» 24. September schreibt ihm Weber: „Ich sitze ruhig beim Großpapa in dem ledernen Darmstadt und habe Ihnen diesen ganzen Vormittag gewidmet, um nach einem Tagebuch vom Augenblick unsrer Trennung (d. h. dem Tage der Abreise Webers, dem 14. Juli) an erzählen zu können. Später heißt es in demselben Briefe: „Den 15. (August) kehrte ich nach Mannheim zurück und den 18. reffte ich von da mit schwerem Herzen ab, indem ich wohl kaum Hoffnung habe, meine Lieben wiederzusehen und Darmstadt ohne Sie im Auge hatte, hier erhielt ich Ihr liebes Briefchen von Franzenbrunn unferm 28. Juli und erfuhr daraus, daß Sie glücklich angelangt sind.
Aeber Webers Tätigkeit in Darmstadt gibt ein Brief an Gänsbacher vom 9. Oktober 1810 Aufschluß: „Zu Ende Oktober", heißt es dort, „gebe ich ein Konzert in Frankfurt. Unterdessen arbeite ich hier wie ein Vieh. Besonders genieren mich sechs kleine Sonaten für Andre, von denen ich aber schon drei fertig habe. Auch am
Künstlerleben (einem Roman) arbeite ich fleißig und auch Papas Biographie ist angefangen. Letzteres ist nun freilich ein Werk, an dessen Beendigung ich jetzt nicht denken kann, aber doch tue ich so viel nur möglich ist". In einem Briefe vom 7. Dezember fährt er in der Erzählung fort: „Die sechs kleinen Sonaten für Andre hatte ich endlich fertig und schickte sie ihm nebst dem Konzert etc. oen 18. Oktober. Ich hatte so lange mit meinem zu gebenden Konzert in Frankfurt gewartet, um die kältere Jahreszeit abzuwarten, nun war ein glücklicher Zeitpunkt da; meine Bekanntschaften, der Am° stand, daß lange kein Konzert gewesen war, alles versprach mir eme gute Einnahme. Den 22. fuhr ich daher von Darmstadt nach Frankfurt, stelle Dir meinen Schrecken vor, als mit mir zugleich die Franzosen einrückten und alle Kolonialwaren in Beschlag nahmen. Die Bestürzung und der allgemeine Jammer war so groß, daß an durchaus kein Konzert geben zu denken war; ich blieb noch einige Tage in Frankfurt." „Ging den 24. nach Offenbach," so schreibt er am 1. November an Gottfried Weber, „um mit Andre zu sprechen wegen denen verfluchten sechs Sonaten, die ich ibn, endlich im Schweiße meines Angesichts fertig gemacht und den achtzehnten geschickt hatte, — und traf ihn nicht, denn er war verreist. In Frank- furt trreb ich mich langweilig herum. ... Den 29. ging ich nochmals U Andrö und hatte die Gelegenheit, mich weidlich zu ärgern. Der Kerl hatte mir meine Sonaten zurückgeschickt unter dem vortrefflichen Grunde, — sie feien zu gut, das müßte viel platter fein, die Violine nicht oblrgat etc., kurz wie die von Demar, — nun so was Schlechtes gibt's gar nicht mehr auf der Welt, als diese sind; ich erklärte ihm kurz und bündig, daß ich solchen Dreck nicht schreiben könnte, nie schreiben würde, und somit gingen wir ziemlich verdrießlich aus- emander." Aber auch eine erfreuliche Episode ist uns von diesem Offenbacher Aufenthalt Webers überliefert. Johann Anton Andrö (1775—1842), der Inhaber des Offenbacher Muflkverlages, der im Jahre 1799 von Mozarts Witwe dessen sämtliche Original- manuskrrpte und Abschriften erworben hatte, führte Weber, der noch nie eine Landschrift des von ihm aufs höchste verehrten Meisters gesehen hatte, an den Schrank, worin Mozarts Landschristen verwahrt wurden, nahm eine davon heraus und gab sie Weber feierlich in die Land. „Was ist das?" fragte Weber erstaunt, „was soll ich nut der blassen Abschrift von dieser Mozartschen Sonate?" — „Kerne Abschrift!" rief Andre, „Mozarts eigne Schrift!" — Da durchzuckte es Weber wie ein jäher Schreck, er legte die Noten sorgsam auf den Tisch, drückte gebeugten Knies Lippen und Stirn darauf, befrachtete sie mit feuchten Augen und gab sie dann Andrö mit den Worten zurück: „Wie glücklich ist das Pavier, auf dem ferne Land gelegen hat!"
Ans Ende von Webers Darmstädter Aufenthalt fällt die Vollendung des „Abu Lassan", den er am 1. November 1810 in Darmstadt begonnen und im wesentlichen in Mannheim in der Wohnung setnes Freundes Gottfried Weber und an dessen Schreibtisch in der Seit vom 4. bis 13. November 1810 niedergeschrieben hatte. Die letzte Land legte er in Darmstadt an das Werk. Am 18. Januar 1811 sKretbt er darüber an Gottfried Weber: „Ich werde den „Abu «assan dem Großherzog dedizieren, vielleicht speit er etwas Ordent- »ches. Deswegen arbeite ich auch an der Ouvertüre über Kopf ww Lals. Acht Tage später, am 15. Januar, meldete er ihm die Ausführung dtefes Planes mit den Worten: „Der Ab» Lassan nebst Ouvertüre ist fix und fertig, und habe ich den Kerl gestern, m säubern roten Saffian gebunden, dem Großherzog dediziert und überschtckt. Was er dazu sagen wird, das weiß man nicht, ich wünsche aber, er möchte sagen: „Musse, je tien bocup de ce!" (Mein Lerr, tch halte vtel davon!)
Webers Wunsch ging in Erfüllung, wie fein Brief vom 27. Februar an Gänsbacher zeigt, worin es heißt: „Den 14. überfchickte ich den Abu Lassan dem Großherzog, und einige Tage war alles ganz still davon, doch endlich fagte mir (der Konzertmeister Georg) Mangold (1767—1835), der Großherzog hätte Freude daran gehabt, und nun würde es gewiß auch gut mit meinem Konzert gehen."
Dte hier erwähnte Partitur des „Abu Lassan", die 120 Seiten zahlt und bis auf den Titel und die Widmung von Weber selbst geschrieben ist, wird in der hessischen Landesbibliothek aufbewahrt. Sie befand sich lange Zeit in der Musikbibliothek Ludewigs L, dann wurde sie auf Anordnung des Großherzogs Ludwig III. im Staatsarchiv aufbewahrt, bis sie im Juli 1873 auf Befehl desselben Fürsten an die damalige Lofbibliotbek, die heutige Landesbibliothek, abgegeben wurde. Der Bries, der die Aeberreichung des Werkes an den Großherzog Ludewig I., den Großvater Ludwigs Illi begleitete, hat folgenden Wortlaut:
„Durchlauchtigster Großherzog! Gnädigster Fürst und Lerxl Die Dauer meines Aufenthalts zu Darmstadt hat mir so häufig Gelegenheit gegeben, in Euer Königlichen Loheit einen eben fo großen Kenner als Beschützer der schönen Künste zu bewunden- unter dessen zarter Pflege eine schon so viel leistende Kunst Anstalt chnell erblühte, — daß ich es im Vertrauen auf die allbekannt» Nachsicht Euer Königlichen Loheit wage, Löchstdenenselben ein Werk meines Fleißes zu Füßen zu legen, das — größtentheils in Darmstadt entstanden, — dadurch eine Art von Entschuldigung ür sich zu haben glaubt, wenn es sich Euer Königlichen Loheit naht. Der ich in tiefster Ehrfurcht ersterbe. Euer Königlichen Loheit, meines Durchlauchtigsten Großherzogs allerunterthänigster Diener Carl Maria Fhr. von Weber. Darmstadt d. 14. Januar 1811."
(Fortsetzung folgt.)
kchri-tleitung: Dr. Friede. Wich. Lange. — Druck und Verlag der Brühl'schen Äniv.-Buch» und Steindruckerei. A. Lange, Giessen.


