Romantik
Don Reinho l D B rau n.
Es. gibt noch> selige Derwunschenheiten, an denen weit der Strom vorüberschäumt da sich! wie Teppiche die Rosen breiten und eine Nixe überm Bronnen träumt.
Da der Romantik dunkle Abendgeige aus einem alten Schlosse singt und durch die manöesblauen Steige das Märchen wandelt und dir winkt. Doch! mußt du durch die Pforte treten mit Augen, die voll Heimweh sind und dich; in alle Wunder beten und gläubig wie ein Weihnachiskind.
„Silvanar", wobei er seine spätere Gemahlin, die Sängerin Karollne Brandt, kennenlernte (27. August, 6. bis 16. und 26. September) und durch ein geplantes Konzert, das infolge des Einrückens der alle Kolonialwaren beschlagnahmenden Franzosen vereitelt wurde (20. bis 30. Oktober) sowie endlich ein zweiter Aufenthalt in Mannheim (vom 8. November 1810 bis 6. Januar 1811), während dessen er die am 2. November in Darmstadt begonnene Oper „Abu Hassan bis auf die Ouvertüre, die vom 9. bis 11. Januar in Darmstadt entstand, vollendete. Webers Aufenthalt diente dem Studium bei dem seit 1807 daselbst wohnhaften Abt Vogler, der hier auch am 6. Mai 1814 fein Leben beschloß. Webers Studiengenossen waren der später unter dem Namen Giacomo Meyerbeer berühmt gewordene Jakob Liebmann Beer cküs Berlin (geb. 5. September 1791, gest. 2. Mai 1864 zu Paris) und der Tiroler Schullehrersohn Johann Baptist Gänsbacher (geb. 8. Mai 1778 zu Sterzing), der am 13. Juni 1844 als Kapellmeister zu Wien starb. Im Jahre 1803 hatte ihn Weber in Wien gleichzeitig wie den Abt Vogler kennen gelernt, als der mit der goldenen Medaille ausgezeichnete junge Offizier die Reihen der Tiroler freiwilligen Jäger verlassen hatte, um fich der Tonkunst zu widmen.
Am 4. April 1810 traf, wie erwähnt, Weber in Darmstadt ein. Er kam von Mannheim und hatte dort mit dem damals einunddreißigjährigen Ftskalprokurator Gottfried Weber (geb. 1. März 1779 zu Freinsheim, gest. 21. September 1839 zu Kreuznach) einen namhaften Musiktheoretiker und auch Tonseher kennengelernt, der später (1814) Tribunalrichter in Mainz und 1819 Lofgerichtsrat in Darmstadt wurde, und zuletzt Generalstaatsprokurator war.
Carl Maria von Webers Ankunft in Darmstadt hat das „Darmstädtische Frag- und Anzeigeblatt" (Nr. 15 vom 9. April 1810) registriert, das ihn unter den zwischen dem 31. März und 7. Aprll l810 in dem „Darmstädter Hof" (in der Rheinstraße) abgestiegenen Fremden aufführt. In der Zeit vom 14. bis 18. April waren ,chie beiden Herrn Gebrüder Beer von Berlin" in Darmstadt eingetroffen und „in der Traube" abgestiegen (Frag- und Anzeigeblatt Nr.16 vom 16. April) und wohnten noch bis Ende des Monats daselbst (ebd. Nr. 18 vom 30. April), dann war Meyerbeer zu dem Abt Vogler in den Btrngarten, die heutige Alexanderflraße, übergefiedelt. Vogler bewohnte damals das Haus Nr. 4, das der hochfürstliche Kapellmeister Wolfgang Briegel von 1671 bis zu seinem Tode tm Jahre 1712 (begraben 21. November) bewohnt hatte. Als es am 1. Juli 1810 an den großherzoglichen Leibarzt Freiherrn Georg von Wedekind (1761—1831) verkauft wurde, erwarb Vogler das Äert- lingsche Haus (Mathildenplatz 1) und bezog es im August.
Weber selbst wohnte bei dem Ochsenmetzger Leonhard Klein in der Kleinen Ochsengasse B 40, heute Nr. 14, in dem Haufe, das zu Webers hundertstem Geburtstage (1886) mit einer Gedenktafel versehen wurde. In dem nämlichen Lause wohnte nach dem Darnv städter Polizeiakten auch der um dieselbe Zeit wie Meyerbeer nach Darmstadt gekommene „Kompositeur" Johann Gänsbacher.
Diese oder Voglers Wohnung bildete den hauptsächlichen Aufenthaltsort Webers in Darmstadt, außerdem verkehrte er auch bei dem damaligen Hofkammerrate August Hofmann, der am 28. April 1776 zu Darmstadt geboren war, 1816 Oberappellaüons- rat, 1820 Geheimer Staatsrat und 1829 Finanzminister wurde, nachdem er 1827 in den Freiherrnstand erhoben worden war. Er wohnte in dem Lause Rheinstraße 65 (F 92), heute Nr. 39, und j starb am 9. August 1841. Zu ihm ließ fich Weber auch Sendungen adresfieren (vgl. Ludwig Nohl, Mussker-Brrefe. Leipzig 1867,
S. 179).
In so engen Grenzen bewegte fich Webers Verkehr in Darmstadt. Seine ersten Darmstädter Eindrücke spiegelt ein Brief von, 15. April 1810 an Gottfried Weber wieder: „Längst hätte ich D,r geschrieben, wenn nicht zwei kleine Ursachen mich bis jetzt davon abgehalten hätten. Erstens habe ich nichts zu schreiben, denn der ganze Stoff wäre auf das Thema — ich ennuyire mich — reduziert gewesen, zweitens war ich zu verstimmt und drittens sind mir und ergo auch Dir verstimmte Saiten und Briefe zuwider. Damit Du aber mcht etwa denkst, daß ich auch zu der Rasse gehöre, die, aus den Augen, aus dem Sinn, im Schilde als Motto führt, so greife ich nach einem langweiligen Gänsekiel, um Dir in dem langweiligen Darmstadt langweilig zu erzählen, daß ich Langeweile habe".
Besuche der Mannheimer und Leidelberger Freundein Darmstadt bildeten goldene Tage für die „Darmstädter auf W^er und Brot gesetzten Musikanten". Im gewöhnlichen füllten den Tag aus musikalische Hebungen und Arbeiten, oft m Voglers Wohnung auf dessen guten, Instrumente und unter seinen Ratschlagen aus- geführt. Weibestunden waren es, wenn Vogler vor „seinen drei lieben Jüngern" in der Kirche „in Engelstimnien und Donnerworten der Orael" wirkte. Im übrigen waren dre drei Freunde von der ausgelassensten Munterkeit. Weber hatte seinen Lund Mamsell genannt und, wenn schöne Bürgerstöchter an ihm vorubergingen, rief er den Lund bei diesem Namen, und die sich betroffen umschauen- den jungen Schönen mußten enttäuscht feststellen, daß der Ruf nicht ihnen sondern nur einem Hündchen gegolten habe. Ein andermal sah man die drei Freunde zur Kirschenzeit an dem belebten Spazierweg vor dem Rheintor sitzen, jeden mit einer großen Tüte Kirschen in der Land und in größter Last den Inhalt leerend. In der Mitte zwischen ihnen befand sich eine noch größere Tüte Kirschen, der Siegespreis für den, der mit seinen Kirschen zuerst fertig war und seinen Gewinn in Gemütsruhe verzehren durfte. , , , „
Zum einundsechzigsten Geburtstag (15. jun, 1810) bei-stossen sie, ihren „Papa" oder „Großpapa", wie sie ihren Lehrer nannten, durch eine Komposition zu überraschen. Da keiner die De. eitigung
gessHowl" meiste sich spöttisch um£> ging ihres Steges gewiss mit Mädchenfchritten zur offenen Tür, die ste leise hinter sich zuzog.
So waren ste nur noch zu dreien im Saal, der alte Herr Unt> das Paar; aber die Luft war noch so dick von dem Abend- gewitter, dass keiner zu atmen mehr froh war. „Ste reiten alle auf Pferden!" versuchte der alte Herr noch einmal zu scherzen, gr aber sogleich wieder aus, und fast schien es so, als käme
Zorn über ihn, tote über die anderen: „Das kann ja nicht t!" rief er mit riingenden Händen und wollte zur Sür,_ um dennoch zu bleiben, und endlich, auf einen Stuhl stickend, wieder an seinem anfänglichen Platz genau so mit aufgestützten Armen zu sitzen, tote er sein Spiel an dem Abend begann.
Wir wollen gehen! winkten die Augen des Herrn im Frack seiner schönen Frau; und sie schritten leise zur Tür. Da hob sich der andere gegen sie auf und hatte die Haltung wiedergefunden. „Ach, möchten Sie nicht noch einen Augenblick bleiben!" sagte er höflich und sah das erstaunte Wenschenpaar an mit einem Blick, darin ein kleiner Galgenhumor gegen sein Missgeschick kämsffte: „Da keiner mich anhören mochte, so hören doch wenigstens Sie, ehe Sie gehen, dass ich nur Dank sagen wollte für meine Freude. Weil ich der Baier des Dichters bin, durste ich doch wohl ein wenig gerührt sein!" .
„Der Staatsrat Körner?" staunte der Herr im Frack und griff nach dem schönen Arm seiner Frau, sich daran zu halten: „Der Staatsrat Körner ist hier?" Lind nun war es an ihm, nach Worten zu würgen: „Ich nämlich", begann er und sand nichts mehr als eine tiefe Verbeugung, bis er sich hilfesuchend an seine Frau wandte und ihr mehr ins Ohr als dem Staatsrat ins Angesicht sagte: dass er hingegen der Musiker wäre, der den Ähmasernkranz tote das Lützotolied komponiert habe.
Da wiederum war es am Staatsrat, zu staunen: „Earl Maria von Weber?" sagte er gänzlich verdonnert. Dann war endlich die Luft in Dem Saal still und entspannt; 6i8 zwei Männer, der alte zuerst und der junge danach, so herzliche zu lachen begannen, als mühten sie alles zerlachen, was sich als Spuk des Lebens hier breitgemacht hatte. Lind merkten es gar picht, dass sie dabei ihre Hände gefasst hielten, als wären sie beide allein aus dem Spuk übriggeblieben.
Dis die Tür leise ging, und Carl Maria von Weber da feine Frau fortgehen sah. „Wohin, Karoline?" fragte er mehr mit den Augen als mit der Stimme. Aber sie lächelte ihm mit dem schimmernden Weiss ihrer Zähne zu und traf seinen fragenden Blick mit einer Schelmerei ihrer Augen, die noch lächelnder war: „Ich gehe auf Lützows wilde verwegene Jagd, uns den Sänger zu holen, der versehentlich sortlief!" sagte sie lustig; und die schöne gefeierte Frau knickste dem alten Herrn zu wie je auf der Bühne, bevor sie die Tür hinter sich zumachte.
Carl Maria von Webers Beziehungen zu Hessen.
Von Professor vr jur. et phil. Karl Esselborn.
Von den jetzt zu Kessen-Darmstadt gehörenden Städten haben vier Beziehungen zu Carl Maria von Weber, der durch feinen ewigjungen Freischütz stets ein Lebendiger geblieben ist: Darmstadt, Mainz, Offenbach und Gießen. Am wichtigsten und längsten waren die Beziehungen zu Darmstadt, die der Geheime Geistliche Rat Abt Georg Vogler, ein zu seiner Zeit höchst angesehener und allgemein bekannter, aber heute vollkommen vergessener Tonmeister, her von 1807 bis zu feinem Tode daselbst lebte, vermittelt hatte. In Gießen gab Weber zwei denkwürdige Konzerte in den Jahren 1811 und 1817, in Mainz weilte er im Jahre 1810 auf einem musikalischen Ausflug mit Vogler. H Jahre 1817 sechs Tage bei feinem Freunde Gottfried Weber m "5 auf Reise von Bad Ems nach Darmstadt, in Offenbach b- er im Oktober 1810 den Musik- verleger Anton ‘2htbre.
In Darmstadt hatte Weber einmal, wenn auch nur auf kurze Zeit, seinen Wohnsitz. Das war in der Zeit vorn 4. April 1810 bis zum 14. Februar 1811, doch unterbrachen diesen Aufenthalt mehrere Abwesenheiten von verschiedener Dauer: eine Reise, die ihn von Mannbeim nach Karlsruhe, Rastatt und Heidelberg führte (14. Juli bis 18. August), vier Aufenthalte in Frankfurt, veranlaßt durch die : Vorbereitung und die beiden ersten Aufführungen seiner Oper


