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Alle diese Himmelskugeln jedoch waren nur auf ihrer Außenfläche zu betrachten. Sie konnten also nicht die Illusion des Auf- und Niederganges der Gestirne Waffen. Es war einem deutschen Fürsten und einem an seinem Hofe lebenden deutschen Gelehrten vorbehalten, eine Himmelskugel zu bauen, die den Sternhimmel an ihrer Jnnenwölbung darstellte. Am Hofe des Herzogs Friedrich III. von Holstein-Gottorp lebte seit 1633 als Bibliothekar und Anti- quarius Adam Giedrius. Er war um 1600 zu Aschersleben geboren, studierte in Leizig, ward dort Assessor der philosophischen Fakultät und trat 1633 in die Dienste des Herzogs zur Anknüpfung von direkten Handelsbeziehungen mit Persien an den Zaren Michael Feodorowitsch geschickten Gesandtschaft zugewiesen. 1635 zurückgekehrt, schloß er sich der zweiten Hauptexpedition an, an der auch Paul Flemming teilnahm. Obwohl er nicht Führer dieser Gesandtschaft^ war, sind deren letzten Endes doch befriedigender Ausgang und ihre Bedeutung für die Erweiterung vielfacher geographischer und naturwissenschaftlicher Kenntnisse ihm zu verdanken. Olearius blieb auch nach der Rückkehr 1639 in den Diensten des Herzogs. 1647 veröffentlichte er seine „oft begehrte Beschreibung der Neuen Orientalischen Reise, so durch Gelegenheit einer holsteinischen Legation an den König in Persien geschehen", eine in wissenschaft- licher wie schriftstellerischer Hinsicht für jene Zeit mustergültige Leistung. Olearius, der seit 1651 auch Mitglied der „Fruchtbringenden .Gesellschaft" mit dem Namen „Der Vielbemühte" war, führte bis zu seinem Tode in Gottorp, 23. Februar 1671, das Leben eines vielseitigen, angesehenen Gelehrten, das ihn, die Beinamen „Holsteinischer Plinius" und „gotterfischsr Ullysaes" brachte.
Es ist wahrscheinlich, daß die Erzählung von dem oben erwähnten gläsernen Himmelsglobus, die er auch in seiner Reisebeschreibung erwähnt, Olearius die Anregung gegeben hat, dem Herzog Friedrich den Bau der beiden großen Globen aus Kupfer „Automato-Aftronomico-Cosmographia", vorzufchkagen, deren einer die Erd- und Himmelskugel zugleich darstellte, um die elf Fuß lange Achse drehbar war, während der andere, bedeutend kleinere, ein Bild des capernikanischen Planetensystems gewährte. Als Gehilfen standen ihm bei diesen, unter seiner Leitung von 1656—64 währenden Bau der Mechaniker 'Andreas Busch aus Limburg, sowie für die Inschriften die Brüder Rothgieher aus Husum zur Seite. Dieser „Gottorpschc Globus", der 1714 durch Peter den Großen nach St. Petersburg gebracht wurde, wo sich 1904 in Zarkoje Selo noch Fragmente davon befanden, sollte gleichmäßig den Zwecken der Erd- und Himmelskunde dienen und trug deshalb auf seiner Außenseite die Umrisse der Länder und Meere, auf seiner Innenseite die Sterne und Sternenbilder. Die Gestirns sind durch kleine Löcher dargestellt, die in den Mantel von Kupferblech gebohrt waren. Der große Globus Ijatte. bei seinem Clf-Fuß-Durch- messer ein Gewicht von ca. 65 Zentnern. Ein verschließbares Türchen gestattete einem Dutzend Personen in das Innere einzutreten. Diese konnten dann auf einer kleinen, an der eisernen Drehungsachse befestigten Plattform Platz nehmen, worauf der Mechanismus in Gang gesetzt war, und die Rotation der scheinbaren Himmelskugel begann. Eine Galerie vertrat den Horizont, so daß man also den Auf- und Niedergang der einzelnen Gestirne deutlich zu verfolgen vermochte. Natürlich war eine zweite Art der Bewegung bei solchem Koloß nicht wohl denkbar, und so blieb der Globus ein für allemal auf die Polhöhe von 54t Grad eingestellt, so das; der Einfluß der Jahreszeiten auf die Bewegung des Fixsternhimmels nicht zur Darstellung gelangte, lieber den Antrieb dieses riesigen Globus schreibt Olearius selbst in, 28. Kapitel des S. Buches in der 3. Ausgabe (1663) seiner Reisebeschreibung: „Des- seibigen Globi-Bewegung, geschieht nach der Bewegung des Himmels durch künstliche große Räder, welche von einer vom Berge laufenden Wasserquelle nach gewissem Maße getrieben werden." lieber das Schicksal des kleineren Globus, der das Bild des koperni- kanischen Planetensystems gab, sowie über dessen Einrichtung, ist nichts näheres überliefert.
Ein Himmelsglobus, den König Christian V. von Dänemark 1696 bei Erhard Weigel, dem berühmten Jenenser Professor bestellte, bestand ebenfalls aus Kupfer und hatte einen Durchmesser von 10 Fuß, war aus ähnlich wie der holsteinsche für die Aufnahme von zehn Personen eingerichtet, innen waren neben den Fixsternen auch die Planeten angebracht. Die im Zentrum befindliche kleine Erdkugel stand still oder bewegte sich, je nachdem das ptolemäischs tychonische oder das kopernikanische System veranschaulicht werden sollte. Weigel hatte übrigens die seltsame Idee, die überlieferten Sternbilder vom Firmamente zu verdrängen und durch die Wappen der europäischen Herrscherfamilien am Himmel zu ersetzen. Er wollte „daß statt der mehrenteils abscheulichen und fabulosen Bilder, womit die Poeten den sonst reinen Himmel beschmutzt und der abgeschmackten, sogar garstigen Possen, Gottes und der klugen Menschen Werke, Ordnungen und Taten am Himmel betrachtet würden". So wurde aus dem großen Bären der dänische Elefant, aus dem Orion der österreichische Doppeladler, und nur der Adler mit dem Antonius durfte als brandenburgischer Adler seine Stelle behalten. Diese Neuerung hatte allerdings ihren Vorläufer in den Bemühungen um „christliche" Sternenbilder. So ärgerte sich Julius Schiller (1580—1627), Rechtsgelehrter und Scholarch in Augs- burg, über die heidnischen Sternbilder, und verband sich mit seinem Freunde Joh. Bayer, einen solchen „christlichen" Sternhimmel zu entwerfen. Die zwölf Tierkreiszeichen sollten den für die zwölf Stämme Israels stehenden Aposteln, der Perseus dem Heidenapostel Paulus weichen — die Stelle des großen Bären sollte dem Schiffe Petri, diejenige vom Argo navis der Arche Noah gegeben
werden — der Schlangenträger wurde durch den Papst Benedikt ersetzt, der Pegasus durch den Erzengel Gabriel, der Fuhrmann durch den heiligen Hyronimus, — Herkules war durch die hl. drei Könige verdrängt, Kassiopeia durch Maria-Magdalena, der Centaur durch den Erzvater Abraham, der Paradiesvogel durch Eva, der Orion durch den hl. Joseph, der große Hund durch den König Damd — usw., wobei natürlich nur selten der Umfang der alten Bilder eingehalten werden konnte. Alle diese Vorschläge fanden kaum Anklang, und Globen und Himmelsatlanten, z. T. in schönster Ausführung, mit „heraldischen" und „christlichen" Sternbildern werden als Kuriositäten von den Musen bewahrt. Im Gegensatz hierzu haben die schönen Sternbilder, die Albrecht Dürer für den Himmelsatlas seines Freundes Konrad Heynfogel in Holzschnitt gezeichnet hat, den Karten und damit auch den Verfertigern von Himmelsgloben der folgenden Jahrhunderte fast ausschließlich zum Vorbild gedient.
Im 18. Jahrhundert begegnen wir keinen neuen Versuchen, mit den Mitteln der verbesserten Mechanik und durch die Hewtonsche Gravitationslehre vertieften Kenntnis von der Bewegung der Himmelskörper, Himmelsgloben im Sinne von Olearius und Weigel herzustellen. Das Interesse beginnt sich ausschließlich der mathematischen Theorie astronomischer Größen zuzuwenden, während die Mechaniker ihre Erfolge durch Herstellung spielerischer Automaten suchen. Vielleicht wäre sonst dieser Zeit die Schaffung eines Planetariums im Sinne der ursprünglichen Idee Oscar von Mtllers bereits gelungen.
Blut rrnd Eisen.
Von Max C y t h.
(Sortierung.)
Achmeds Augen funkelten. „Jnschallah!" rief er inbrünstig und küßte meine Hand. Die Kunde verbreitete sich wie durch Zauberei nach der Lokomotive am andern Ende des Feldes, die ungeheißen, in plumpem Eifer, über den halbfertigen Acker uns entgegengehumpelt kam. Eine Haide Stunde später hatten beide Maschinen ihre Drahtseile aufgewickelt, den Pflug zum Transport angehängt und dampften auf dem breiten Damm neben dem Hauptbewässe- ningskanal des Gutes hinter mir her gegen Schubra.
Run ist der Boden Aegyptens auch in der trockensten Jahreszeit, wenn er steinhart zu sein scheint, für Straßenkolomotiven ein gefährlich Ding, namentlich in der Nähe eines Bewässerungsgrabens. Ein Mausloch in der Böschung, eine Wurzel, die durstend dem Wasser zuwuchs, kann diesem den Weg in den Untergrund bahnen und ihn auf weite Strecken in seinen alten Nilschlamm verwandeln, wovon die Hartgebackene Oberfläche nichts verrät. Wenn dann eine englische Straßenlokomotive mit ihrem Gewicht von dreihundert Zentnern ahnungslos über die Stelle fährt, so setzt sie sich großen Ueberraschungen aus. Einige Jahre später wußten wir dies alles sehr genau und waren besser auf unsrer Hut, als an jenem verhängnisvollen Abend.
Das plötzlich unregelmäßige Pusten der Hinteren Maschine veranlaßte mich, nach rückwärts zu sehen. Ihr Schornstein, aus dem dichter schwarzer Rauch in angstvollen Stößen in den Abendhimmel hinauswirbelte, stand etwas schief. Noch ein Ruck, und er neigte sich um zwanzig Grad gegen Süden. Ich sprang vom Esel, der sich nicht schnell genug drehen konnte, und der Uglücksstätte zu. Das rechte Hinterrad war trotz seiner Riesenbreite von dreiviertel Meter bis halb an die Achse eingesunken. Der Kessel stand auf dem Aschenkasten der Feuerbüchse statt auf seinen Rädern und schien am liebsten in deut zwei Schritte entfernten Kanal versinken zu wollen, aus dem uns das dicke gelbe Nilwasser gurgelnd entgegenkam.
Neu war die Sachlage nicht. Meine Leute hatten sie in der ersten Zeit ägyptischer Dampfkultur in den verschiedensten Varianten erlebt. Achmed galoppierte nach einer halben Minute auf meinem Esel nach Schubra, um Winden, einen Wagen Holz, Palmstämme, Faschinen Bauholz — was er erwischen konnte — und ein Dutzend Fellachin herbeizuholen. Dies kostete qualvolle drei Viertelstunden, in denen nichts zu tun war, als den Wasserstand in dem immer tiefer sinkenden Kessel zu beobachten, den zischend abblasenden Dampf zu regeln und einen prachtvollen Sonnenuntergang zu genießen, aus dessen Glut die ferne Cheopspyramide wie aus einer stillen, kaum mehr irdischen Welt jenseits aller Not und Angst herüberstrahlte. Wie hatte Cheops es so gut — das heißt, wenn er noch in seinem Porphyrfarkophag läge, was bekanntlich nicht der Fall ist.
In sinkender Nacht ging es ans Schrauben, Hebe», Unterbauen. Die zwölf Fellachin hingen, laut nach Allah rufend, an einen Palmstamm, der als Riesenhebel vortreffliche Dienste leistete, bis er krachend zusammenbrach und die ganze Gesellschaft heulend, ober wohlbehalten, am Boden lag. Ein zweiter Baum, der einem benachbarten Fellahhäuschen entrissen wurde, half weiter. Das Geschrei der Hausbewohner, die sich schon zur Ruhe begeben hatten und ihr Dach verschwinden sahen, förderten die Arbeit mehr, als sie es störte. Der Mond stand zum Glück strahlend am Himmel, Hunde und Grillen hatten ihr Abendlied angestimmt, die ganze Natur um uns her atmete den etwas lärmenden Frieden einer orientalischen Nacht. Nur um meine Maschine knarrte, krachte, stöhnte und schrie es weiter. Aber der tiefgeneigte Schornstein richtete sich mehr und mehr auf; ein kurzer Knüppeldamm war über die gefährlichste Stelle gelegt. Weitere fünf Minuten waren erforderlich, nm den gesunkenen Dampf wieder in Ordnung z» bringen. Dann schickte Achmed einen gellenden


