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Saufrerlanfr plusterte sich mehr als je in feinem Leben auf, zog die Schultern über den Kopf hinaus und krächzte: „Warum? Warum?"
Wisse er nicht, gab Gawrila Iwanowitsch Golowkin zur Antwort. Gehe ihn auch nichts an; Er habe den Befehl seiner allergnädigsten Herrin auszuführen. Der aber laute unmißver-- Wndlich: „Saufrerlanfr ausstopfen!" Der Bankier möge feine Aechnrrng mit dem Himinel begleichen. -Und zwar ohne Säumen. Denn noch: vor Nacht müsse er ihn, solle ihm selber nicht als Strafe das gleiche geschehe:,, ausgestopft der Kaiserin über- kiefern.
Graf Golowkin lieh den Gardisten als Wache vor der Kerker-- zelle Sauderlands zurück, begab sich zu einem Kürschnermeister, der sich mit dem Aussiopsen von Jagdtrophäen befaßte, und übermittelte ihm den Auftrag Katharinens. Als Anteil an dem einträglichen Geschäft sprach er sich einen kostbaren Frauenpelz zu, den er, ohne nach dem Preise zu fragen, sogleich mitnahm.
Ser Kürschnermeister kratzte sich lange hinter den Ohren. Sann aber — der unbezahlte Pelz wollte wieder eingebracht sein, und schließlich: ein Balg ist ein Balg! — dann machte er sich auf den Weg, um den Befehl der Kaiserin auszuführen. Doch als er sah, daß Sauderland noch lebte, erklärte er dem Zitternden: Er habe ein unentbehrliches Werkzeug vergessen, lief nach Hause, erzählte alles seinem Gesellen und zeterte: Ausstopson? Gerne! Aber man müsse ihm Sauderland so liefern, wie er es nach dem Brauch seines ehrsamen Handwerks verlangen könne. Lebendiges umbringen, sei nicht ihr Gewerbe, sondern Ämge- brachtes so Herrichten, daß es für lebendig gelten könne. Kürschner wären keine Henker!
Es gehe, ohne daß man Hand an das Leben des Auszu-- stopfenden lege, erwiderte der Geselle. Ob er es machen solle? Wieviel er von dem Geld der Kaiserin abkriege? Die Hälfte?
Ein Biertel! wimmerte der Kürschner, indem er immerfort auf den Pelz hinwies, den Graf Golowkin unbezahlt mitgenommen hatte.
Man einigte sich auf ein Drittel, und statt des Meisters ging der Geselle, Sauderland auszustopsen. Als er im Gefängnis angenommen war, ließ er sich das Terzerol des Gardisten geben, betrat die Zelle und eröffnete dem Bankier: Damit habe er sich binnen zehn Minuten, während er draußen mit freut Gardisten schwätzen werde, totzuschießen. Er meine es gut mit ihm. Sei sicher angenehmer, es zu tun, als es getan zu kriegen. Denjn falls man es selber täte, könne man sich die bequemste Stelle aussuchen. Also nicht länger gefackelt! Wenns in zehn Minuten nicht geschafft fei, müsse — so leid es ihm täte — er ihn hinmachen. Zehn Minuten! Keinen Schnaufer länger!
Ob er denn eine Ähr habe? forschte Sauderland.
Nein,' mußte der Kürschnergefelle zugeben. Doch mit der Zeit kenne er sich trotzdem aus.
Aber er, stieß Sauderland vor, er habe eine Ähr. Eine aus Silber. Da! Änd diese silberne Sackuhr gehöre ihm, wenn er ihn zur Kaiserin Katharina gehen ließe. Es müsse ein Irrtum vorliegen. Seine gnädige Freundin könne solches iricht befohlen haben. Wenn es aber doch, der Fall wäre, dann wolle er nicht länger auf der Welt bleiben. Freiwillig werde er zurückkehren! und sich freudig töten, damit der Auftrag der Zarin ausgeführt werden könne.
Das Wiederkommen, Sauderlands machte dem Kürfchnerge- feiten, dem die silberne Sackuhr mit ihrem Blinken immerfort in die Augen stach, weniger Sorge als Sauderlands Fortkommen. Er hätte nichts gegen das Geschäft, knurrte er. Aber draußen stände einer, ohne freit es gültig nicht abgeschlossen werden könne. Für freu, krähte Sauderland, die Arme schon zum Fluge lüpfend, werde ficfj auch noch Hinreichend zum Lohn sinden.
Der Gardist wurde hereingerusen. Sauderland leerte alle Taschen. Darin war soviel an Geld und Gelfreswert, fraß von dem Haufen des Soldaten itoch etwas zu der Sackuhr des Ge- fellen hinübergeschoben werden muhte. Als Sauderland erklärte, mit der Goldwage daheim könne er die Teilung nicht genauer vornehmen, raffte jeder der Gierigen das feinige an sich, linier dem Schutz des Gardisten verlieh Sauderkand das Gefängnis. Draußen machten sich die beiden Bestochenen ohne Handschlag und schönen Dank auf Nimmerwiedersehen aus freut Staube.
Sauderland aber schoß zur Kaiserin Katharina. Gnade! wimmerte er zu ihren Füßen. Katharina begriff nicht. Was er verbrochen habe? Katharina verstand noch weniger. Warum er getötet werden solle?
„Getötet?" stieß Katharina hervor.
„Wenn man ausgestopft werden soll, muß man vorher wohl oder übel getötet werden!" kreischte Sauderland.
., Ausgestopft?" — die Kaiserin Begriff. Änd mit dem Begreifen stieg ein Lachen in ihr auf, das ihren riesigen Körper durch.schütterte, als wolle es ihn sprengen.
Nun begriff Sauderland nicht.
Plötzlich.wurde Katharina stille. Änd, indessen Tränen in ihre Augen traten, wies sie zum Ösen. Dort lag die Dogge, alle Biere ausgestreckt. Sauderland glaubte, sie schliefe und. begriff noch immer nicht. Dann ging er auf Geheiß der Kaiserin zu dem Hunde. Da sah Sauderland, daß Sauderland tot war, und begriff.
Als der Bankier der kaiserlichen Freundin feine Kümmernisse erzählt hatte, riß Katharina so heftig an dem wunden Klingelzikg, daß er schreiend seinen Geist ausgab.
Gros Gawrila Iwanowitsch Golowkin war wenige Minuten zuvor von feinem „dienstlichen Gange" aus den Gemächern seiner Geliebten zurückgekehrt. Hatte er des Mittags seinen Ohren nicht getraut, so mißtraute er nun, da er Sauderland im Zimmer der Kaiserin sah, seinen Augen.
Der erboste Bankier hüpfte auf den Verdutztem zu: „Aus- stopsen? Sauderland ausstopfen? Jawohl, Herr Graf: Saufrev- land, den Hund. Den toten Hund da, deut Unsere gnädige Gebieterin meinen Namen zu geben geruhte."
Als der Bankier endlich: doch außer Atem kam, befahl die Kaiserin Katharina von Rußland, der Kammerherr Gras Gawrila Iwanowitsch Golowkin habe sich für ein Jahr bei dem Kürschnermeister in die Lehre zu begeben, dem er den Unsinnigen Austrag gegeben habe, Sauderland auszustopfen. Damit er begriffe, was es mit dem Ausstopfen auf sich habe.
Sauderland aber, bat Katharina um die Gnade, daß er die Strafe bestimmen dürfe. Änd als die Kaiserin eingewilligt hatte, befahl er Bem fprachlosen Sünder: Er solle die tote Dogge ohne jemandes Hilfe zum Kürschner tragen.
So ging denn bald darauf frer buntbetretzte Kammerherr Graf Gawrila Iwanowitsch: Golowkin mitten durch die menschen- Überflutetsten Straften von Petersburg. Aus seinen Schultern — so wie Schlächter ein gemehgiertes Kalb tragen, denn die Dogge war schwer — Sauderland: neben sich — frön Anteil überschlagend, den er dem Kürschner für das Kaiserliche Geschäft abnehmen könne — Sauderland; vor sich, hinter sich — da der Handel, frer fast einem Menschen das Leben gekostet hätte, fchnell ruchbar geworden war — unermüdliches Gelächter.
WorMmser Des PlaneLarmms.
Von A. Rosar.
Die Projektionsplanetarien, von denen schon eine ganze Reihe den Wissendurstigen Belehrung über die erhabene Welt der Gestirne täglich vermittelt, ermöglichen durch die in ihnen zusammengefaßte Erfahrung moderner Optik und Feinmechanik eine fast restlos genaue Wiedergabe der scheinbaren Wege der Himmelskörper. Das Prinzip, einzelne Gestirne durch Projektion eines Lichtstrahles gegen das neutrale, den nächtlichen Himmel nachgebildete Kuppelgewölbe des Vorführungsraumes aufleuchten zu lassen, ist erst später gewählt worden. Die ursprüngliche Absicht des geistigen Urhebers der heutigen Planetarien, des greifen Oskar von Miller, war eine andere: Er wollte ein drehbares Kuppelgewölbe schaffen, an dessen Rundung die Gestirne in Form von befestigten Glühbirnen erscheinen und durch Drehung der Kuppel, in Verbindung mit komplizierteren Bewegungsmechanismen für die Sterne des Sonnensystems, ihren Kreislauf ausführen sollten. Dieser Gedanke erwies sich zwar, wenn die geforderte Genauigkeit der Wiedergabe der Ge- ftirnsbewegung erzielt werden sollte, als nicht durchführbar; er ist jedoch grundsätzlich zutreffend. Denn auch die Versuche früherer Jahrhunderte, die Schönheit des gestirnten Himmels und die Großartigkeit der Bewegung des Universums darzustellen, sind vom gleichen Gedanken wie der Schöpfer des Deutschen Museums aus- gegangen.
Wir besitzen Nachrichten aus dem Altertum über Himmelsgloben des Hi pparch, und auch von Archimedes wissen wir, daß er eine durch hydraulischen Mechanismus in Bewegung zu fetzende Himmelskugel gefchaffen hat. Im Mittelatter gab es überall dort, wo die Himmelskunde der Araber gelehrt wurde, für den Unterricht größere oder kleinere Himmelsgloben. Ein persischer Schah im 12. Jahrhundert, soll einen Himmelsglobus- in Form einer gläsernen Kugel besessen haben, in deren Innern ein bis zwei Personen Platz finden konnten, und die dann in Drehung versetzt mürbe. Aber erst im 17. Jahrhundert wurden von verschiedenen europäischen Fürsten Aufträge für den Bau von Himmelskugeln erteilt, die als Vorläufer unserer modernen Planetarien angesehen werden muffen.
Von Gottfried Bartsch, einem Vetter des bekannteren Jakob Bartsch (1600—33), der als Keplers Schwiegersohn letzterem bei verschiedenen Untersuchungen mit feiner großen mechanischen Fertigkeit zur Hand ging, wissen wir, daß er um 1670 als Verfertiger von Erd- und Himmelsgloben in einigem Ansehen stand. Bon dem großen Himmelsglobus, den 1683 ein Augsburger Mechaniker namens Treffler hergestellt haben soll, sind wir nur durch eine Notiz in einem gleichzeitigen Buch Über die Herstellung von Glo- ben unterrichtet. Bei weitem wurde ihr beiderseitiger Ruhm überstrahlt durch den des gleichzeitig lebenden Venetianers Marco Vincenzo C o r o n e 11 i (geft. 1718), der sich zuerst als Landkartenzeichner hervorgetan hatte, und nachher in der Ausführung gigantischer ©loben, die freilich mehr den Charakter von Schaustücken als von wissenschafUichen Objekten an sich trugen, es zu hoher Meisterschaft brachte. Der Kardinal D'Eströes überbrachte ihm die Aufforderung für den König Ludwig XVI. ein paar Riesengloben von je 15 Fuß zu konstruieren. Es geschah dies denn auch schon im Jahre 1683, aber erst 1704 wurden die beiden Kugeln endgültig in dem königlichen Lustschlosss Marly bei Pans aufgeftellt. Es wurde gerühmt, daß der Mechanismus, welcher mit den ©loben, von denen der eine die Erd-, der andere die Himmelskugel dar- fteilte, verbunden war, mit äußerster Leichtigkeit funktionierte, so daß ein leichter Fingerdruck hinreichte, um beide in Umdrehung zu fetzen.


