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seelen."

Der Hirschwirt spitzte die Ohren.

Also her gaben die Vierlings von ihrem Geld da könnte man ja am Ende er brauchte es nötig genug.

Aber ehe er sich einen dauerhaften Gelegenheitsfaden ange­sponnen hatte, schickte seine Frau eine bissige Anfrage: ob sie alle Arbeit alleine tun solle? und er trollte sich gehorsam nach Hause. , r

Frau Jettchen war schon voryer davongerannt, aber leer wurde es nicht bei den reichen Seilten: der Agent vom Morgen kam wieder, ein zweiter, der sich Vermittler nannte, stellte sich vor; alle Ladenbesitzer guckten ein und empfahlen sich der Kund­schaft. die Goldene Gans sang das Lob der Fleischergasfe.

Am Abend dieses lebhaften Tages hatte Schuster Knüttchen 5000 Mark: der Großvater feinen Schuldschein zum Aebers-Bett- Hängen: der Nachbar Deller zu viel Geld für fein Häuschen: der Maurer an der Ecke den Auftrag, im oberen Stock durchzubrechen: der Vermittler die Erlaubnis, einen Laden ausfindig zu machen fürJulius Vierling und Kompanie, Herrentailleurgeschäft". Dem Gastwirt war eine Hypothek versprochen, das Semmel- Wrbchen war leer, und der Witwe Peterlein war Fehde un­gesagt für immer und ewige Feiten.

Was recht und billig ist und seh« verdient."

man auswärts die Dauherrnprüfung machen lassen, dann war er auf eigene Hand ein großer Herr, und Lisbeth muhte einen reichen Mann heiraten, der nichts weiter dazu brauchte. Wenn sie nur erst ausgeheult hatte, dann würde sie's schon einfehsn.

Aber bis dahin ging man ihr aus dem Wege

Mit seidenem Amtlichen, Federhut und Marktkorb geschmückt, verlangte sie vom Großvater Geld.

Der Alte stieg vom Tritt, schloß den Tischkasten auf, schloß ihn wieder zu und stteg wieder hinauf.

Als aber die Schwiegertochter hinaus war, sagte er.Juliuhs, das wird mir zu anstrengend. Wir wollen das Geld in den Wandschrank schließen: wenn bloß das für den täglichen Ge­brauch im Tischkasten liegt, kann er offen bleiben uns leder herausnehmen, was er mag. Willsten du auffchreiben, was wir seit gestern verdebst haben?"

T?ee Vater", antwortete Julius, wahrend er beim ahn» räumen des Geldes half.Das will ich nicht. Wenn ich so, bei kleinem damit hausieren soll, macht mir's ganze Geld kernen Spaß. - Hundertfünfzigtaufend Mark! Ree, Vater, das schreioen wir höchstens hunderterweise auf.

Sie füllten das leere Semmelkörbchen mit Geldstücken und stellten es in den offenen Tischkasten, das andere fchlossen die in den Wandschrank. Dann setzte sich der Alte wieder auf den Tritt und flickte weiter, obwohl Julius meinte: heute müsse jeder Vierling Feiertag machen.

Aber Großvater wollte auch als reicher Mann fern Wort halten, der Herr Verweser kriegte seine versprochene Hausioppe. Als jedoch dann Konrektors Franzel nach des Vaters Schulrock kam mußte Herr Jule ihn leer davongehen lassen.

Sag' deinem Vater, er möchte sich noch gedulden, wrr hätten das große Los gewonnen."

Aach einer Viertelstunde kam der Junge wieder.Euren Gruß vom Vater, und's große Los könne er nicht anziehen, und ich solle den Rock wieder mitbringen."

Verständnisloses Volk! Ra ja, die Schullehrer.

Dafür hatten andere desto mehr Einsehen. Der Hirschwirt zum Beispiel. Der kam nachmittag, setzte sich bei Kaffee und Kuchen fest, fand alles recht und gerecht, was Vierlings an» gegeben hatten, und machte vielerlei Vorschläge, wie einer auf angenehme Weise sein Geld unterbringen und durchbringen

und kurz entschlossen platzte sie mit der Frage heraus:mu, tote wird's denn?"

Ach so" sagte die Schwägerin,deshalb kommst du!

"Ach so", sagte die Schwägerin lachend,deshalb kommst &u!"

Jule lachte mit und Onkel Ede lachte. Großvater aber ant­wortete bedächtig:Ihr kriegt's, gegen einen ordentlichen Schuld­schein kriegt chr's. Ich geb's euch von meinem Teil. Die ersten drei Jahre will ich keinen Zins, und nachher drei vom Hundert, mehr nehm' ich nich von den Kindern, un das is halb geschenkt, und's Wiederkriegen wird wohl auch erst am Nimmermehrstag fein aber dafür is dein Wann auch ein Großmaul, un mich freut's, daß er was von uns bitten kommt, von den Schneider-

Merkte er daß Vierlings anderer Meinung waren, zog er die feine schnell zurück ;merkte er, daß er den richtigen Don an- das lieblichste in den Ohren klang.

geschlagen hatte, dann lieh er ihn anschwellen, bis er allen auf

'Er schalt mit auf die Witwe Peterlein, obgleich ste bie einzige Waschfrau war, die seit zwanzig Jahren 6er zänkischen Hirschwirtin die Treue gehalten hatte: er lobte sogar seine Neben­buhlerin von der Goldenen Gans, obgleich er die ründe, freund­liche Frau am liebsten ausgemietet hätte.

Sich allo angenehm machend, saß er noch, als Frau Knütt­chen kam. Angeblich holte sie Heringe zum Abendbrot, in Wahr­heit ließ ihr die Geschichte mit den 5000 Mark keine Ruhe.

Sie kriegte Kaffee und Kuchen, aber es schmeckte ihr nicht, entschlossen platzte sie mit der Frage heraus:Nu,

Denn Sprichwörter sind nicht jedermanns Freude, und tote kann einer zum Grattckieren kommen mit weisen Redensarten:

älnd all das Geld und all das Gut,

Gewährt zwar schöne Sachen, Gesundheit, Schlaf und guten Mut Kanns aber doch nicht machen.

Also wünsch ich den lieben Nachbarn die Dreie noch oben­drein."

Das redete der Neid daher.

Als dann Vater Jule von den Hausverschönermrgen sprach, warnte sie:

Es ist das Glück ein seltner Gast,

Drum halt zusammen, was du hast."

Mochte sie sich doch mit ihrer Weisheit den eignen Beutel füllen!

Und als Frau Vierling, die Hände im Schoß gefaltet, feierlich zur Antwort gab:An einer Gottesgabe soll man nicht mäkeln und knausern", da antwortete die Wäscherin:Gott gibt keinen Linnen, Flachs nur zrmr Spinnen".

Was eine boshafte Empfehlung der Arbeitsamkeit war, über die sich die Vierling gewaltig erboste, denn sonst hatte sie allezeit etwas geschafft, und wer nicht einsah, daß es jetzt anders fein mutzte und Reichtum andere Pflichten auferlegte, der hatte bösen Willen und war kein Umgang für wohlhabende Leute.

Das wurde Frau Peterlein rund heraus erklärt, und da fte8 zunächst mit heiterer Freundlichkeit als eine Redensart hinnahm, die nicht so gemeint sei, wurde es ihr gröblich wiederholt, bis sie aufstand und die Haustür von außen zumachte.

Der Lisbeth aber wurde aller und jeder Verkehr mit den Nachbarn bei Todesstrafe und Enterbung verboten.

Der Erfolg dieser gräßlichen Drohung war, daß sie eine Stunde später draußen auf dem Pflaster ihrem herzallerliebsten Karl ihr bittres Leiden klagte. Die beiden standen in einem der dunkeln Winkel, von denen die Fleischergasse ihr halb Dutzend im Ansturm der gradlinigen, neuen Zeit insbesondere für Liebes- leule bewahrt hatte, und das Mädchen flüsterte:Aber ich ge­horche nicht, ich geh' doch zur Muhme, ich red' doch mit dir, ich

Da griff Karl beschwichtigend nach ihren Händen und ant­wortete:Tu's doch nicht, Liesel, gehorch' deinem Vater. Wenn wir auch was auskämpfen müssen vorher, das macht Mut und feste Arme. Nachher wird's um so schöner am Ziel."

Lisbeth schluchzte auf.Ach Gott, das soll nun ein Glücks­fall fein, das! das! ein Anglück ist's, ein ditterschweres Anglück."

Na, na, na", sagte Karl Peterlein, und strich seinem Liesel mit der Rechten über die beiden Hände, die er mit der Linken festhielt.Man muß bei jedem Wetter seinen Garten pflegen, am Ende trägt er Frucht wer weiß, wozu's gut ist. Der Groß- kopf wollte mir auswärts einen großen Dau übertragen, und ich schlug's ab wegen deiner. Nun sollen wir zwei nicht mit­einander reden wär's da nicht gescheit, ich ginge doch?"

Freilich, wenn sich zwei Liebesleute nicht treffen können, dann unterbleibt auch das Reden. And je schärfer einer arbeitet, desto schneller kommt er vorwärts.

Soll ich gehen? Traust du mir, Liesel?"

Ja, ja geh' nur, schluchzte sie auf. Dabei fiel sie ihm um den Hals und küßte ihn zum erstenmal ganz-von selber und freiwillig ab denn die Erinnerung mußte nun mindestens auf ein halbes Jahr vorhalten.

Dieser Entschluß gab dem Leben der beiden ein ganz ander Gesicht. Aber auch bei den übrigen Vierlings ging's schnell mit den Veränderungen.

Am andern Morgen schon fand der Vermittler einen Laden, den er über den Kirchturm lobte: im ersten Feuereifer wurde er gemietet, und dann wurden die drei Männer über diesen Laden durchaus nicht einig.

Der Großvater, auf dessen Namen das Geschäft gehen sollte, wehrte sich eigensinnig dagegen.

Nein, sagte er,und nochmals nein! Wie nehme ich mich in einem feinen Laden aus? He? Wie soll ich ein Tallöhr- geschäft leiten? He? Ich bin ein Flickschneider un will mich auf meine alten Tage nicht auslachen lassen. Ich putze mein Häuschen auf und flicke meine Knopflöcher mit Primaseide das kann ich mir für mein Geld leisten. Aber dadermtt sela."

Die Folge davon war, daß die Vierlings Männer ihre hundertfünfzigtausend Mark teilten. Großvaters Drittel blieb im Wandschrank:Ich nehme Papiere, ich bin fürs Gewisse." And die Brüder mieteten sich zusammen den Laden. Außerdem tat auch hier jeder nach seinem Gefallen.

Frau Jule sagte:Wir haben Kinder, wir müssen An­schaffungen machen. Wir müssen für die Erziehung ausgeben und das Geld vermehren. Der Vermittler wird schon wissen wie."

Onkel Ede sagte, er müsse seins schnell locker machen können, Junggesellen seien bewegliche Leute.

Also besaß jeder nur noch fünlzigtausend Mark; aber das war doch gewiß ein schönes Stück Geld.

(Fortsetzung folgt.)

Schriftteitung: Dr. Frtedr. Wilh. Lange. Druck und Verlag der Brühl'fchen Univ.-Buch- und Steindruckerei, A. Lange, Gießen.