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mehr eine Erinnerung. Er war in irgendeinem Lande auf der Jagd, seit einer unbestimmten Zeit, und nur durch die Tatsache seines eigenen Daseins vollzog sich alles mit jener Leichtigkeit, die man in Träumen verspürt. Ein ungewöhnliches Schauspiel brachte ihn zum Stehen. Hirsche erfüllten ein kleines Kesseltal und erwärmten sich, dicht aneinandergedrängt, mit ihrem Atem, den man im Nebel

dampfen sah.

(Fortsetzung folgt.)

Die Zukunft des deutschen Waides.

Don Karl Förster

Wir stehen im Beginn der größten Weltwende des Wald- und Gartenwesens, welche die Geschichte kennt. Es ist an der Zeit, immer größere Kreise, die diesen Dingen noch fern sind, mit Ahnung und lebendigen Begriffen dieser neuen Entwicklung zu erfiillen. Unser Gefühl meint ganz andere Gärten und Wäl­der, als wir haben. Hat nun dieses Gefiihl, das ganz andere und vier reichere Wälder fordert, Recht oder hat es sich, wie bisher, forstwirtschaftlichen Notwendigkeiten zu beugen? Sollen wir auf alle Zeit hinaus in diesen jahreszeitlosen öden Kiefern­wäldern unser Leben vertrauern oder werden hier dereinst ganz andere Wälder erstehen, hat der Romantiker oder der Fach­mann Recht? . .

Die Antwort auf diese Frage ist überraschend. Die Pionrere der modernen forstwirtschaftlichen Gestaltungsarbeit, geben dem Waldromantiker Recht auf Grund ihrer dreißigjährigen Wald- arbeiten an armen Böden. Das Gefühl für Raturromantik er­weist sich immer mehr als wesenseins mit der weisesten Bor­aussicht in die Gleichgewichtsbedingungen des großen Ratur­haushaltes, was gleichbedeutend mit dem Wirtschaftshaushalte der Menschen. , '

Alles, was int Sinne neuer Waldschönheit und Wirtschast- lichkeit zu sagen ist. wird durch Zahlen jener großen und prak­tischen Forschungspioniere bis ins Kleinste belegt. Ich nenne vier Ramen, die im deutschen Bolle, dessen Sinn für große Künstlernamen etwas sehr auf Kosten des Sinns für Aatur- gestalternamen entwickelt ist, unbekannt sind: Möller, Wiebecke, von Kalisch und von Keudell. Und doch wird von diesen vier Ramen unserer deutschen Welt ein Schönheitszuwachs von einer Fülle und Bedeutung kontmen, neben der uns die Bereicherung, die wir manchem überall genannten Künstlernamen verdanken, verhältnismäßig klein und zeitlich erscheint.

Was soll nun aber plötzlich mit den deutschen Wäldern vor­gehen? Wachsen denn überhaupt auf den Kiefernböden ganz andere Wälder, und sollen wir denn wirklich ohne übergroße wirtschaftliche Opfer aus dieser schrecklichen, allzu einseitigen Kiefern- und 'Fichtenwaldperiöde herauskommen?

Die Zukunft gehört hauptsächlich dem Mischwalde, der viel­artige Radelhölzer und Laubhölzer vereinigt. Sie gehört deut Dauerwalde, in dem es keinerlei glattrasierende Kahlschläge breiter Räume mehr gibt, sondern nur die alljährliche Aushol- zung einzelner passender Bäume, durch die ganzen Bestände verteilt. Diese Wälder bestehen aus Bäumen der verschiedensten Alter, verjüngt durch wildwachsende Sämlinge. Solche genügend reichliche Verjüngung durch Sämlinge ist im allgemeinen nur im Mischwald möglich, weil hier die Aussichten für das Keimen und das erste Heranwachsen der Sämlinge von der Derschieden- heit des Jahreswetters genügend wechselreich begünstigt werdest und der Boden nicht durch einseitige Beanspruchung verarmt.

Die Zukunftswälder, soweit sie den Ramen verdienen, ge­hören ferner dem Prinzip der örtlichen Rassenpflege und der Rassenveredelung, sie gehört der Ertüchtigung der Pflanze ge­nau so wie die Zukunft der Gärten. Der alte große Irrtum, daß Veredelung und Verfeinerung in Wäldern und Gärten, auch in Menschenwesen, Pflanzen und Tieren irgendwie durch Verzärtelung und Einbuße an Naturkraft erkauft werben müsse, wird abgebaut werden durch eine Unzahl neuer Ergebnisse der Arbeit an der Steigerung der Organismen.

Lleberäll schlummern in den Organismen neben den Der- edelungsmöglichkeiten unerweckt wartende Urkräfte und Wider- standsfähigkeiten, sowie vor allem auch Nachhaltigkeiten, welche die Lebenskraft der unbeeinflußten Natur unendlich übertreffen. Wenn man eine Goldranunkelpflanze aus den Wiesen, also einen Trollius der wilden europäischen Art, neben eine gartenver­edelte Pflanze derselben Art in ein Wiesenbeet setzt und beide Pflanzen nach sechs Jahren mit den Erdwurzelballen heraus­gräbt, so kann noch ein Kind die wilde Pflanze tragen, während an der veredelten ein Mann schwer hebt.

Es ist noch gar nicht so lange her, daß man mit der Wahl- losigkeit bei der Auswahl des Waldsaatgutes gebrochen hat. Wir haben noch in Deutschland an ungezählten Stellen Säm­linge französischer Kiefernrafsen sichen, die nur ein Drittel der Wüchsigkeit bestgewählter lokaler Kiefernsorten erreichen.

Wir treten also ein in das Zeitalter der Entdeckung des genialen oder sonderlich begabten Individuums nicht nur in der Gartenpflanzenwelt, sondern auch im Baumreich der Wälder. Pioniere der Waldbaumzuchtarbeiten lassen schon jetzt unter

) Dem letzten Heft derGartenschönheit" entnommen. D. R.

Verwendung von hohen Feuerwehrleitern bestimmte Zweige wegschneiden, um Bestäubungen zu lenken und ©aalen von be­stimmten Zweigen zu ernten. Geh durch einen Wald und sich die geheimnisvollen .Unterschiede von Baum zu Bannt.

Eine Eiche treibt früh, die andere spät und eine blüht immer in Frostzeiten hinein, während die spätblühende diesen entrückt ist. Eine Eiche ist kahl, die andere schon belaubt, eine hat dunkelgrüne, glänzende Blätter, die andere zerfressenes und vermeltautes Laub. Jede Fichte hat ein anderes Gesicht und eine aitdere Geschichte heißt es irgendwo. Ein Daum wächst schlank ohne Seitenverzweigung empor, ohne daß ein Eingriff geschah, der andere ist unten ganz mit Seitenzweigen umgeben, Unterschiede, die forstwirtschaftlich ganz ungeheuer 'ins Gewicht fallen. Die Ergebnisse dieser Züchtarbeit aus Holzwirtschaftlichen Gründen werden aber ebenso auch unserer Freude am Einzel- ßaunt zugute kommen, dessen Schönheit wiederunt im Dauermisch­wald sich am stärksten attswirkt.

Das Wichtigste aber, was man von der Sendung des Dauer- mijchwaldes moderner Struktur sagen kann, ist seine bodenver­edelnde Kraft, die langsam, aber sicher wirkt, immer int Wach­sen bleibt und sticht durch große Kahlschläge zerstört oder auf zwei bis drei Jahrzehnte unterbrochen wird. Im Walde der Zukunft gibt es kein Wegnehmen von welkem Laub oder welken Nadeln oder kleinem Reisig, kein Wegnehmen der alten Baum­stümpfe und Wurzeln. Ihr Stehenlassen ist in feiner großen Bedeutung für das bakterielle Leben des Bodens wenigstens in vielen Bodenarten erkannt worden. Dem Waldboden wird sein natürliches Leben erhalten und der Stiftersehe Ausdruck vom unberührten Schmelze der Forsten wird tatsächlich als etwas erkannt, was zahlenmäßig größere 'Holzerträge bringt als banale Nutzwälder.

Im Zukunftswalde kommt nun überall wieder im Innern des Waldes, an allen äußeren Waldrändern und auch allen Rändern der Waldwege auch der schöne, Schatten vertragende Waldstrauch und Waldranker, und der beerentragende und nesterbergende Wacholder zu fernem 'Recht und zwar zunächst nicht einmal 'aus romantischen Anwandlungen, 'sondern aus der Einsicht in 'den Haushalt des Waldes.

Die Erkenntnis, daß mit Hilfe des Dauermischwaldes auf allen möglichen Böden, auch auf den heruntergewirtschafteten, allmählich wieder mit Vorteil fast alle Baumarten zu ziehen sind, hat zur Voraussetzung erfolgreiche und negative Erfah­rungen voit Generationen und Jahrzehnten, lange kühne und mühevolle praktische Versuche. Eingehende Zahlenberichte über die Rentabilitätsberechnungen der Dauerwalderträge und der Kahlschlagwalderträge führen hier zu weit. Nur einen Keinen märchenhaften Bericht des Forstmeisters Wiebecke will ich hier wiedergeben.

Es war vor dreißig Jahren ein Mann, der sollte von seinem Walde leben. Im Walde war bestens nach Ertragstafeln und Flächen festgesetzt, was in Kahlschlag zu hauen und mit junger Aufforstuitg weiter zu kultivieren wäre. Da sagte er sich: Wenn ich nur so wenig haue, tote es die Abschätzung metiteS Reviers vorschreibt, kann ich nicht von meinem Walde leben. Sprachs und schlug mehr als das Doppelte, aber ohne Kahlschlag überall aus dem Wald heraus, kultivierte gar nicht und ließ überall junge Sämlinge nachtoachsen.

Jeder, der es sah,weissagte ihm: Sie sind in kurzer Zeit mit Ihrem Wald erledigt. Denn sein Revier erhielt nur 70 Hek­tar dritter Bodenklasse, 400 Hektar vierter und 150 Hektar fünfter Bodenklasse. Es hatte fünf Hektar hundertjähriges, 60 Hektar achtzigjähriges, 100 Hektar vierzigjähriges und 500 Hektar jüngeren Holzes. Gesamtholzvorrat 30 000 Festmeter. Nach der Taxe durfte er nur jährlich 1000 Festmeter schlagen. Er schlug aber laut Buchführung 2000 und zwar 30 Jahre lang. Sein Gesamtderbholzvorrat stieg trotzdem auf 90 000 Festmeter. Die mittlere Bodenertragskraft für 1880 nicht einmal auf vierte Klasse berechnet, war dreißig Jahre später schon auf dritter Klasse. Das ganze Revier hatte also einen mehr als doppelten Einschlag geliefert, Vorrat verdreifacht, Dodenqualität um fünf Viertel erhöht und das alles ohne jede Aufsorstungsfläche, allein dadurch, daß der Boden ohne jedes Kahlschlagveröden stets in vollster Rühe gepflegt und sämtliche Bestände allmählich überall durch die ganzen 'Waldräume hindurch, aber stets nur sehr vorsichtig, durchhauen wurden und der ganze Wald int Anflug von Bäumen jeden Sämlingsalters belassen wurde. Das Ganze ist kein Märchen, und der Mann ist Herr von Kalitsch auf Bärenthoren, der jetzt als Dr. h. e. der Forstwissenschaft sein Lebenswerk im Walde Wissensbegierigen aus allen Ländern zeigt, unter denen auch Forstmänner aus fernen Ländern, bis von Japan her, erscheinen.

Am Zukunftsbilde deutscher Wälder werden auch gewiße ausländische Holzarten immer stärker Mitwirken. Störungen des Heimatcharakters sind von all diesen Fremdlingen nicht zu be­fürchten. im Gegenteil, es sind nur Steigerungen zu erhoffen, daß sich diese nordischen Lebensgenossen unserer Heimat­atmosphäre ganz einpassen, was ja sogar auch südliche fertig bringen, wie die Edelkastanien. Jedes Stück neuer fremder Naturschönheit in Wäldern und Gärten, das sich unserer hei­mischen Welt dauerhaft und glücklich einfügt, wird allmählich zu einer neuen Quelle des Heimatgefühles.

«christleitung: vr. Friedr. Wilh. Lange. Druck und Verlag der Brühl'schen Univ.-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Giessen.