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häufig Name« und Sprüche eingeritzt. Die nicht völlig nieder- gebrannten Kerzen pflegt man vielerorts brennend mit nach Haufe zu nehmen, um den Herd mit ihnen anzuzünden, was als glückbringend für das Haus angesehen wird; das gleiche gilt von Holzstückchen, di« au den Allerseelenkerzen angezündet und in der Nähe des Hauses vergraben werden. Daß derjenige, dessen Licht bei der abendlichen Hausandacht zuerst niederbrennt, den Entschlafenen zuerst folgen wird, ist eine in Böhmen weit verbreitete Anschauung. Dort ist es auch üblich, den Seelen an Allerheiligen ein mit Butter gespeiste Lampe hinzustellen, damit ste ihre im Fegefeuer empfangenen Wunden mit der Butter heilen können. Neben Kerzen und Lampen, die den Geistern den Weg weisen sollen, pflegt man da und dort auf den Bergen zum gleichen Zwecke, aber auch um die bösen Geister fernzuhalten und den guten Gelegenheit zum Sich-wärmen zu geben, große Feuer zu entzünden.
Die Bleiuh»
- Von Hans Frana.
Ein Korporal im Leibregiment Friedrich des Großen — ein junger, tüchtiger, kecker Kerl, der den Lockungen der Eitelkeit zwar manchesmal, wenn auch nur mit letzter Mühe, Widerstand leistete, zwischendurch aber immer aufs neue in schwächeren Stunden ihr verfiel — hatte sich eine Uhrkette gekauft. Wie sie dazumal, da noch nicht jeder Rotzbub einen silbernen Zeitmesser mit sich Hern schleppte, sondern selbst die Mehrzahl der Männer, die ihn dringend bei ihrem Tagewerk benötigten, darauf verzichten muhten, nur die vornehmen Herren — im Regiment also einzig Offiziere — trugen, die sich und der Welt das Vergnügen machen konnten, ä la mode einherzustolzieren. Weil aber der karge Soldatensold für die Anschaffung einer Uhr keinesfalls reichte, noch jemals reichen würde, der Korporal jedoch die gleißende Kette um jeden Preis auf feiner weißen Uniformweste erblicken wollte, die Kette hingegen ohne die vorgesehene Beschwerung an ihrem hinteren Ende sich weigerte, den üblichen sanften Bogen auf seinem Bauch innezuhalten, vielmehr immerfort aus der Westentasche fiel, und sinnlos senkrecht nach unten hing wie eine Angelschnur ohne Köder: so beschwerte der Großmannssüä)tige sie mit einer Bleikugel, die er statt der fehlenden Uhr in die Weste steckte.
Die Sache wurde dem König hinterbracht.
Friedrich, der sich von der Berechtigung des ihm Zugetragenen, wo es irgend anging, durch eigenen Augenschein überzeugte, auch der Versuchung, seine königliche und menschliche Ueberlegenheit in allen sieben Regenbogenfarben aufleuchten zu lassen, nur schwer widerstand — wobei er freilich immer noch die Ueberlegenheit über seine Ueberlegenheitssucht besaß, eine unverhoffte Niederlage neidlos einzugestehen und den angerichteten Schaden wieder gutzumachen. Friedrich beschloß, dem eitlen Korporal einen deftigen Denkzettel zu verabfolgen.
Nach einem Schauexerzieren ritt der König gemächlicher als gemeinhin an der Front entlang, tadelte hier — lobte dort, fragte diesen — unterwies jenen.
Als er zu dem Uhrketten-Korporal kam, sagte er: „A propos, Korporal, Er muß ein ungewöhnlich sparsamer Kerl sein, daß Er sich von Meinem Sold eine Uhr erübrigt hat. Denn falls mein Gedächtnis mich nicht täuscht — und bis dato rebelliert es nur selten — ist Er armer Leute Ki.,d. Das siebente von einer Kätnerstelle in der Uckermark, meine ich."
Im Mannschastsgliede unterdrückte man nur mühsam das Verlangen, sich augenzwinkernd über diese gutgezielten Sätze hin anzublicken. 3m Gefolge Friedrichs des Großen wandten sich, zumal auch der König nicht in der gleichen Sekunde vorwärts und rück- wä.ts sehen konnte, unbekümmert die lächelnden Gesichter einander zu.
„Sparsam zu sein," erwiderte der Korporal ohne langes Besinnen, „schmeichle ich mir allerdings, Majestät. Aber das mit der Uhr hat nicht viel auf sich."
Friedrich gab sich den Anschein, als ob er — durch diese Antwort zufriedengestellt — weiterreiten wollte. Plötzlich aber zog er seine goldene Uhr, hielt den Schimmel an und rief: „Parbleu! Meine Uhr hat manches auf sich. Insonderheit Brillanten. Soviele sogar, daß dein on dit nach eine Familie mit zehn Kindern von ihrem Erlös jahrelang leben könnte. Aber wenn man sie nicht aufwindet, ist Meine Uhr keinen Heller mehr zum Zeitanzeigen wert, als die Seine, Korporal. Ist das Biest da mir etwa nicht mit dem kleinen Zeiger auf der Zahl elf stehen geblieben? Dabei haben wir, soweit man sich nach der Sonne orientieren kann, sicherlich schon zwölf. Oder gar mehr! Welche Stunde hat Er auf Seiner Uhr, Korporal?"
Im Gefolge des Königs unterdrückte man nur mit vieler Mühe noch das laute Lachen. Im Mannschastsgliede blickte man nun ungescheut aug'enzwinkernd einander an.
Der Korporal, rot wie ein Krebs, Schweißperlen auf der Stirn, aber mit keiner Muskel, keiner Fiber zuckend, gab zur Antwort: „Meine Uhr richtet sich mehr nach der Stärke des Windes, als nach dem Stand der Sonne, Majestät. Dürfte es deswegen nicht zweckdienlicher sein, einen der Herren Offiziere nach der richtigen Zeit' zu fragen?"
Der König — mit zorndonnernder Stimme, daß den Offizieren in seinem Gefolge Lachen und Lächeln, den Mannschaften im Miede Köpfewenden und Augenzwinkern verging — fuhr den Ausweichenden an: „Wer hat hier zu befehlen? Er oder Ich? Der König oder der Korporal? Zieh Er Seine Uhr! Auf der Stellei Und geb Er mir endlich Antwort, welche Stunde ste zeigt!"
Da wußte der Korporal, was die Glocke geschlagen hatte, wußte, daß es in den nächsten Sekunden um alles ging. Er riß die Bleikugel, die an seiner Uhrkette hing, aus ihrem Versteck heraus, zeigte sie ungefcheut dem König, den Offizieren, den Mannschaften und sagte — nun totenbleich, mit schreckgedörrter Stirn — jagte fest und frei: „Meine Uhr zeigt, wie zu sehen, weder elf noch zwölf. Sie zeigt bei Tag und bet Nacht, wie ebenfalls mit einem Blick zu sehen, welchen Tod ich für Ew. Majestät sterben werde."
Schon war der König vom Pferde herunter Er schritt aus den Korporal, der unbeweglich die Bleiuhr den Blicken aller preisaab, hastig zu, steckte ihm seine goldene Uhr in die Tasche und bat: „Behalt Er sie! Doch! Doch! Nimm Er si? an! Nimm Er die Uhr, Korporal! Daß Er hinfort nicht nur durch Seine um die Stunde des Todes, sondern durch meine auch um die Stunde des Lebens weiß."
Als der Korporal sich niederbeugen und die Hand seines Königs küssen wollte, wehrte Friedrich ab: „Laß Er das! Ich habe Ihm die Lektion zu danken! Nickst Er Mir!" Schon schritt er zu feinem Schimmel zurück, sah auf und sprengte davon.
Die Uhr Friedrich des Großen hat der Korporal, daß sie nicht Schaden litte, sondern sich von Kind auf Kind vererbe, nicht getragen. Er legte sie vielmehr allmorgenlich nach dem Aufwinden in das seidebezogene Kästchenbett zurück, das er von monatelangen Soldersparnissen für sie auf das sorglichste hatte anfertigen lassen. Zu ihren Füßen mußte sich die Eitelkeitskette in das weiche Kisten kuscheln. Denn auch die Bleiuhr zu tragen, hatte der mehr noch durch die Güte, als durch seine Bloßstellung Beschämte, hinfort kein Verlangen mehr.
Platin in Südafrika.
Von Dr. Balduin Ernst.
Platin wurde bisher ausschließlich aus Sand- und Schotterablagerungen, sogenannten Seifen, gewonnen. Haupterzeuger ist Rußland, das im Ural wertvolle Platinseifen besitzt und das Metall zeitweise sogar für Münzzwecke verwendet hat. Erst in weitem Abstand folgen Columbien, von dem unsere Kenntnis des Platins 1735 ausgegangen ist, und Britkfch-Columbien. Schon frühzeitig wurde man darauf aufmerksam, daß PlaUnseifen stets in Gebieten frischer oder verwitterter — serpentinisierter — dunkler Ausbruchsgesteine (Eruptivgesteine) auftreten, ober doch an Täler gebunden sind, die von solchen Herkommen. Ein häufiges Begleitmineral ist Ehromit. Vor etwa 35 Jahren ist es gelungen, im Ural das Ursprungsgestein des dortigen Seifenplatins in einem serpentimsierten Olivinfels, dem sogenannten Dunit, zu ermitteln; damit war sein« Entstehung aus dem Schmelzfluß alter Lavagesteine sicher. Großes Aussehen erregte die kurz vor dem Kriege in allen Zeitungen verbreitete Nachricht von der Auffindung großer abbauwürdiger Platinlager in gewissen Grauwacken des Rhein-Schiefergebirges, die damit zu uralten, verfestigten Platinseifen gestempelt wurden. Bei der Nachprüfung des Befundes durch die Preußische Geologische Landesanstalt in Verbindung mit einer Reihe von Sonderlaboratorien wurde dann aber fast nichts gefunden, jedenfalls niemals ein die unterste Abbau- würdigkeitsgrenze erreichender Edelmetallgehalt feftgefteöt Die von anderer Seite angegebenen hohen Platinwerte wurden dabei gtöfp tenteils auf die Verwendung von platinhaltigem Magnetkies bei der chemischen Untersuchung zurückgeführt.
Mußten so die auf innerdeutsche Vorkommen gesetzten Hoffnungen begraben werden, so blieb es doch einem Deutschen, dem inzwischen von der Abteilung für Bergbau der Berliner Technischen Hochschule zum Ehrendoktor ernannten Bergassessor Merensky, vorbehalten, in Südafrika die bisher bei weitem größten unb aussichtsreichsten Platinlager festzustellen, die wir überhaupt kennen. Während seines Aufenthalts in Südafrika wurde er zunächst auf kleine mit Seifengold zusammen vorkommende, weißgraue Körnchen aufmerksam, die er als Platin bestimmte. Das war an sich noch nichts Neues, da das gelegentliche Auftreten loser Plafinbröckchen in den Goldseifen Mitteltransvaals schon länger bekmmt war. Größere Bedeutung erlangten die Feststellungen erst, als durch die anschließende planmäßige Geländearbeit in den dunklen, chromitreichen Ausbruchsgesteinen der Gegend der reiche Ursprungsstoff des Edelmetalls entdeckt wurde. Norite, Pyroxenite, Dunite usw., alles grüngraue bis schwarzgrüne Felsarten von hohem spezifischen Gewicht, wechseln in einem mehrere Kilometer breiten Kranz um ein mittleres Granit- gebirge ab. Unter diesen zeigen die das Gelände meist hügelartig überragenden Dunite die stärksten Platinanhäufungen. Durch die Anlage tiefer, bis 80 Meter Tiefe vorgetriebenen Bohrungen und Schächte konnte festgestellt werden, daß die Dunitoorkommen alten Vulkanschloten, ähnlich den bekannten diamantführenden Kimberlit- röhren Südafrikas, entsprechen. Zumal der aus einem Eijenolivin- gestein bestehende Kern der Dunittrichier hat sich als reich an Edelmetall erwiesen, das darin zwischen 9 bis 30 Gramm auf die Tonne Gesteinsmasse wechselt. Kennt man bisher erst die abbauwürdigen Dunttlager, so kommt dem Norit-„R-ef als Platinlagerstätte eine viel allgemeinere Bedeutung zu. Sowohl bei Leydenburg als auch bei Rusterburg und Potgteiersruft als flachlagerndes, zwei bis 15 Meter mächtiges, gleichmäßiges Gesteinsband entwickelt, erreicht es zwar leiten die Metalloereinigungen der Dunitschiote, stellt aber doch bei seiner großen Verbreitung einen Erzvorrat von unübersehbarem Wert dar. Als besonders reich haben sich die stark mit Metall- sulsiden durchtränkten leite des Reefs erwiesen. 9m Nordbeürk ist darunter ein schwarzes Augitgestein entwickelt, das auch den Haupt-


