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der Menschen entnommen sind, drängen sich aus dem L-ext und erscheinen als Kundgebungen ungewohnter Wissenschaft. Oft­mals erwecken sie den Eindruck rein geometrischer Figuren, aber dann springen eigenwillige, wild verschnörkelte Linien, wüste Haken, anmaßende Winkel, freche Punkte hinein, Kreuze und Spiralen, und das Bild hat nichts mehr an sich, was dem Tun der menschlichen Dernunft gleichsähe. Mehrere kehren zurück und gatten sich mit arabischen Fahlen, griechischen Buchstaben und römischen Ziffern und verlieren dadurch doch nichts von ihrer Rätselhaftigkeit, Dann wieder erscheinen ganze Kolumnen und Ordnungen von Rainen nach Monden, Tagen und Stunden gereiht, Engel und Gestirne sind irgendwie verbündet, aber es ist gewiß, knitz auch von anderen Kräften die Rede geht, welche toebet mit dem Flug der Engel, noch mit dem Gang der Gestirne Freundschaft unterhalten.

In diesem Buch studiert Herr Orne, und es ist nicht die erste Rächt, dah er solche Lektüre treibt, welche schwerlich etwas gemein hat mit dem Studium der Kirchenväter und dem Leben der Hei­ligen und jener unendlichen Wissenschaft des unerschöpflichen Dorns, daraus Friede des Herzens, Zucht des Blutes und Adel des Geistes quellen. Das Forschen unter dem Zwielicht der gotischen Wölbung geht andere Wege. Allnächtlich sitzt der Prälat über diesem Buch der Geheimnisse, deren Beherrschung mehr zu gewähren vorgibt als alle Lebenskunst reiner und frommer Gesinnung. And so beugt er sich über die Seiten und sucht das Berborgene zu entziffern, den Schlüssel mit der Hand zu fassen, der die Pforten der Tiefe erzwingt und Gewalt gibt über die Geister. And ihm ist in diesen Stunden des Abge­schiedenseins von der Menschheit und ihren« himmlischen Ziel wie auf einer brausenden Fahrt durch unerforschte Räume des Alls, wo vor ihm nur die Magier geweilt haben, eben jene, deren Erfahrungen in dem Werk gesammelt sind. And was ihm wesent­lich dünkt, schreibt er mit knirschendem Kiel auf das Papier, das er neben dem Buch aufgeschichtet hat, damit er auch über die Frist hinaus, bis zu welcher er das Buch behalten darf, der Formeln und Kenntnisse des Zauberwesens teilhaftig bleibe. Mit bebender Hand malt er die verschnörkelten Bilder nach, ungeduldig und schier unbewußt, denn er fühlt sich von unwider­stehlicher Macht weitergetrieben auf dem Weg durch die unter- weltlichen Bezirke der schwarzen Magie.

Zuweilen ist ihm, als ob der lesende und schreibende Körper nur ein mechanisches Ding sei, das einem seiner irdischen Ge­bundenheit entschlüpften Willen gehorche, seinem Selbst, das nunmehr, durch nichts gefesselt, in den Leib des Buches hinein­gedrungen sei zu befruchtendem Rausch. And in rasenden Schauern glaubt er oft die Berührung dämonischer Wesen zu empfinden, zu denen er sich in unsagbarer Furcht widerstandslos hingezogen fühlt. And wenn er einen Augenblick lang zu bedenken sucht, daß es dies nicht sein kann, was er erstrebt, dann legt sich's ihm betäubend auf das Bewußtsein, und seine 'Wahrnehmung ver­schließt sich den« unheimlichen Odem, der durch das Gemach wittert, und dem Gewimmel nebelhafter Gestalten, die in ver­werflicher Bereinigung aus unsichtbaren Regionen hereinstürzen, in triumphierendem Taumel aufleuchten und plötzlich verschwinden, neuen Erscheinungen schaudervoller Art den Raum überlassend. And er liest weiter, jegliches Gefühl vom Dasein restlos den Lehren des Buches anvertrauend, und merkt nicht mehr, wie auch die Gerätschaften, mit denen er sich umgeben hat, vom Heraufdringen der höllischen Macht ergriffen werden, wie sie lautlos in grausiger Anbeholfenheit mit den kantigen Glied­maßen zucken, wie die Bücher quellen und die Konturen des Mauerwerks in Verwesung überzugehen scheinen.

Seins Sinne sind völlig auf den einen Punkt gesammelt, um welchen seine Geisteskräfte kreisen im leidenschaftlichen Bestreben, ganz in ihn einzudringen und durch ihn einzugehen in das Reich übermenschlicher Machtvollkommenheiten. Ihm ist, als ob keine Zeit mehr zu versäumen sei, im Paroxysmus der Entschlossen­heit, welche keinen Blick nach rückwärts duldet, bohrt er sich hinein in das Zeichengewirr und die Degrifsszerspaltung der schwarzen Meisterkunst und weiß nichts mehr von seinem Kör­per, vernimmt nicht den seltsam raschelnden Widerhall seiner Worte, die seine trockenen Lippen erst flüstern, raunen, dann mit immer wilderer Betonung in den schwankenden Raum hineinftohen, Worte, die mit wüster Verunreinigung alles Hei­ligen cm den von spitzen Mammen umloderten Pforten der Anterwelt rütteln.

Die kalten ginger wollen den Gänsekiel ins Dunkle des Tintenglases tauchen, da trifft ein Blick aus der erweiterten Pupille des Flümmchen, das aus dem Docht der Lampe aufwärts leckt. Der Blick verengt sich, die Augenlider erstarren, die Hand hält inne, und die Fingernägel der Linken graben sich knirschend ins Pergament. Herr Orne ist plötzlich nichts als Körper, ein elendes Produkt aus Knochen und Fleisch, Nerven und Blut. Er spürt das Herz als einen rasenden Apparat im Innern der Brust zucken und toben, drosselnd den Atem bedrängen. In den Gelenken zerrt ihn ein gräßlicher Krampf, die Fütze schlagen im Taft einer wahnwitzigen Besessenheit auf den Boden, denn es ist keine Täuschung, aus der Mamme glotzt gierig ein nie gesehenes Wesen.

Die Zähne des Menschen beginnen laut aufeinander zu schlagen. Der ganze Körper schwingt in vereisendem Zittern. Schaum tritt vor den Mund, die Augen quellen aus den Höhlen.

Der Kreatur wird es zu eng in ihren Schranken. Mit einem plötzlichen Ruck springt der Prälat' Orne auf, stößt den Stuhl um und weicht mit steif nach vorn gestreckten Armen, gespreizten Händen und weit geöffnetem Mund zurück, der Wand entgegen. Als er das Büchergestell mit dem Rücken berührt, wendet er sich blitzschnell und klimmt mit fürchterlicher Behendigkeit empor und kauert sich im äußeren- Winkel des Gewölbes zusammen. Aber er hält es dort nicht aus. Mit spinnenhaften Bewegungen! ist er schon hervor und herunter zur Erde. Zn namenloser Angst jagt er in einen schmalen Spalt zwischen Bücherschrank und Wand, und seine Finger suchen sich in das harte Holz ein­zugraben derart, dah Blut unter den Nägeln hervorspringt.

Indessen ist ihm auch hier kein Aufenthalt beschieden, eine unnennbare, grausame Gewalt zerrt ihn heraus und schleppt den verzweifelt Widerstrebenden zum Tisch wie zu einem Richt­block, vor dem er stehen bleibt, angehrftet und schwankend wie ein elender Daum, den höllische Stürme bis ins Wurzelwerk zerrütten. Schlohweiß sind seine Lippen, und nur ein kreischendes Geräusch, ein raschelndes Röcheln kommt zwischen ihnen hervor.

Zn der Flamme schwebt noch immer das widerwärtige Ge­schöpf. Es ist von scharlachroter Farbe und bewegt sechs Deine flossenartig wie schwimmend um sich her. Ein einziges, unver- verhältnismäßig groß es schlangenhaft geschlitztes Auge erscheint als Verkörperung eines einzigen boshaften Triumphs. An zwei plumpen Fühlern, unterhalb dieses scheußlichen Sehwerkzeugs, befinden sich, eng aneinander gedrängt, unzählige Saugnäpfe, die, wie in einer Ahnung nahen Genusses, woWstig pulsieren. So schwebt es in der Flamme, seine lautlose Aufmerksamkeit lauernd und unverwandt dem leichenhaft weißen Menschenantlitz zugewandt.

Orne steht regungslos da. Einmal zuckt feine, Hand zum Gürtel, aber die Stelle, wo sonst der Rosenkranz hing, ist leer. Don magischer Wacht bezwungen, starrt er in das entsetzliche Auge vor ihm und fühlt deutlich, wie jedes einzelne Haar auf seinem Haupt sich aufrichtet und seine Haut allenthalben rauh wird vor Grauen. Ihm äst auf einmal, als ob das teuflische Gebild mit einer seiner ekelhaften Extremitäten ihm winke. Es wiederholt die Aufforderung, und da geht es dem Menschen wie ein Schlag durch den rechten Arm, und er ahmt die Bewegung nach, die er gesehen hat. And das Wesen beginnt nun, ein grausiges Spiel mit ihm zu treiben. Es zuckt bald mit diesem, bald mit jenem Glied, und Johann Sebastian Orne kann nicht anders, er muh diese Zuckungen spiegeln mit seinem wehrlosen Körper, und nun hüpft er vor dem Tisch herum wie ein Be­sessener, atemlos, jeglichen Willens bar, als eine wahnsinnige Marionette des Bösen. Zn spitzen eckigen Bewegungen stößt er Arme und Beine von sich oder schnellt sie heran, und über die Wand springt sein Schatten, ein Produkt satanischer Erheiterung.

Aber wie tief auch der Mensch in die Gewalt ihm feindlich gesinnter Mächte geraten, und wie weit immer er von der Bahn und dem rechten Weg sich entfernen mag, eine letzte Aufleh­nung des Fleisches wider die Zerstörung wird sich in ihm aus­lösen, Angst und Rot werden endlich noch einmal überwunden durch den Mut der Verzweiflung, die dem Herzen entspringt. And der Adept wagt es mitten in der krampfhaften Betäubung seines Willens, in schier übermenschlicher Anstrengung dem Bann zuwiderlaufend, dem Tisch sich zu nähern. And toieBerunt dem Wink seines Peinigers gehorchend, stößt er mit einer aus­ladenden Bewegung den linken Fuß nach vorne und wirft ihn mit solcher Gewalt nach oben, daß der getroffene Tisch auf einer Seite sich hebt, das Aebergewicht bekommt und mit großem Gepolter umstürzt, Buch, Papier, Lampe unter sich begrabend.

Run ist völlige Finsternis im Gemach. Ein Dunst vergossenen Oels mischt sich mit dem Geruch von Räucherpfannen. Don irgendwoher Bringt leises Tropfen. Aber die blutleeren Füße Ornes vermitteln ihm keinerlei körperliche Empfindung mehr. Zhn dünkt, er hänge fest an einem Punkt des ungemeffeneit Weltraumes, fest und hüllenlos, der Willftir jeglicher freitzn Wirkungskraft preisgegeben, bar jeder Möglichkeit einer für» deren Selbstbehauptung.

And wie ist denn das fürchterliche Phantom erloschen mit der Flamme, da die Lampe dem Tisch entsprang, zu Boden hüpfte und ihren Saft vergoß? Brennenden Auges versucht Orne, die Dunkelheit zu durchdringen, indes tödliche Schauer ihm das Rückgrat zu zerbrechen drohen. Grausame Zweifel nagen emsig in seinem aufgerührten Gehirn. And während er noch dumpf in ein ungemessenes Nichts hineinglotzt, scheint sich etwas von der Finsternis loszulösen, ein Schimmer taucht herauf, ein grünliches Phosphoreszieren ist bestrebt, sich zu einer spinnen- artig tanzenden Gestalt zufammenzufügen. Aber es hütet sich wohl, ein Ganzes zu werden. Hier zuckt es, dort dehnt sichs, es verschwindet, ein Stückchen leuchtet auf, einmal ist's wie ein Schlangenauge, boshaft schillernd, und dann legt sich ein schweres Lid behaglich darüber, und alles ist fort. Nun schwanken sechs Punfte zu dreien auf und nieder, senden neblige Strahlen nach innen, die in einen unsichtbaren Leib münden muffen, ein krakenartiges Gebilde, das zuweilen ins Sichtbare aufquillt, um im letzten Augenblick wie eine Blase auf brodelndem Absud zu zerplatzen. , ... ..

Zohann Sebastian Ornes Körper beginnt, sich nach rückwärts zu spannen wie ein Dogen. Die Arme treten fast aus den Ge­lenken, denn die Hände wollen sich zwischen den Schultern in-