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Kraut ist, dos jemals Re Erde zum Gebrauch des Mensches spendete."
Als kosmetisches Mittel wird der Labak in anderen Zu- fammenhängen erwähnt. Er ist »die süße Salbe wider saure Zähne" und dient dazu, die Ranzigkeit eines üblen Atems zu verbergen und zu verderben.
Auch seine Wirkung auf den Geist wird hervorgehoben. Gr gehört zu den starken Wohlgerüchen — „perfumes of force“ —. die der Geruchssinn dem „Rachbar Hirn" vermittelt; „der einzige Geruch, der in Frage kommt", wird er genannt, und seine Eignungen sind: „den Kopf zu reinigen, die Phantasie zu erhellen, den Verstand zu verfeinern, die Erfindungsgabe zu schärfen und das Gedächtnis zu klären".
Tabak vertreibt die Melancholie; dem Schwermütigen wird ein Pfeifchen angebvten. Tabak belebt die Geselligkeit, bindet die Freundschaft und vertreibt die Zeit. Olfactus rn Tomkins' »Lingua" nennt ihn mit schöneren Worten „den festen Knoten guter Kameradschaft", und „den schnellen Wind, der die Flügel der Zeit breitet". Von niemand sei er gehaßt als von denen, die ihn nicht kennen und seine Vorzüge seien so groß, dah, wer je feine Bekanntschaft machte, kaum von ihm lassen könnte.
Aber auch über die schädlichen Wirkungen des Tabakgenusfes wird im Elisabethanischen Drama gar inancherlei berichtet. Richt nur seine Gegner wissen über den Tabak, der „der erklärte Feind der Aerzte" ist, Llebles zu sagen; auch seine Liebhaber zeugen manchmal wider ihn. So, wenn ein Tabaksfveund den anderen ftagt: „Habt ihr Tabak gern?" und dieser antwortet: „Sicherlich ich habe ihn gern, doch er hat mich nicht gern," oder wenn ein anderer Raucher auf die Frage, welcher Umstand ihn zu einem einsamen Spaziergange an entlegenem Orte brachte, mit dein eilfertigen Bescheide dient:
„Wahrhaftig, Signor, nichts als das Rheuma. 2kH habe hier in dm: Aähe eine -Unze Tabak mit einen! Herrn geraucht und bin gekommen, privatissime auf dem Paulsplatz zu spucken. Grüß Gott, Herri“
In einem Stücke G. Ehapmans ist einer bereit, darauf zu schwören, daß ihm nach Festlichkeiten, bei denen die Pfeife in Brand gesetzt wird und bei denen es eine „wilde 'Ballade" zu hören gibt, noch „eine ganze Woche nachher" der Kopf summt.
Ganz anders als diese verschämten Geständnisse aus Raucherkreisen klingen natürlich die scharfen Anklagen des erklärten! Tabakfeindes. Richter Overdo im Johnsons „Bartholomew Fair“ ist ihr beschlagenster und eifrigster Vertreter. In einer Vermummung besucht er den Jahrmarkt und wettert vor der Bude der Höckerin Ursula, die in schwarzen Pfannen Ferkel röstet und selbst Tabak raucht, ihn zudem verfälscht und verkauft, wider das „lvhfarbene -Unkraut Tobacco", „dessen Farbe wie die des Indianers ist, der es verkauft". Gr wirft die Frage nach der Ursache seiner Giftigkeit auf und weiß sie mit gelehrtem Rüstzeug zu beantworten, wenn er wie folgt spricht:
„äind wer kann sagen, ob ihn nicht vor der Ernte und seiner Zubereitung der Alligator mit seinem Harne näßte? — Das schleichende Gift dieser schlauem Schlange kann, wie einige Schreiber kürzlich bestätigten, weder durch das Abschneiden der gefährlichen Pflanze, noch durch ihr Trocknen, Anzünden oder Verbrennen in irgendeiner Weife entfernt oder gemildert werden.“
Auf. diese Vergiftung, die der Tabak schon in seiner Heimat erfährt, führt Overdo alle seine schädlichen Wirkungen zurück: „Daher kommt es, daß die Lunge des Tabakhändlers verfault erscheint, die Leber befleckt, das Hirn verräuchert wie die Rückseite von der Bude der Ferkelsrau hier und der ganze Körper innen so schwarz wie ihre Pfanne, die ihr eben jetzt hie« außen saht."
Ein einfacher Mann, der Wasserträger Sob in Johnsons „Every Man in his Humour“, weiß noch über schrecklichere Wirkungen dieses „schurkischen Tobaccos" zu berichten, der „wenig besser als Rattengift" fei:
„Es taugt zu nichts, als einen Menschen zu ersticken, mit Rauch zu erfüllen und mit glühender Asche. Vier starben daran in einem einzigen Hause letzte Woche, und für zwei andere läutete gestern abend die Glocke. Einer von ihnen, sagt man, wird nimmer davon kommen; er warf gestern nach oben und unten einen Scheffel Ruß aus."
Aber auch über dem, der mit Tabak handelt, schwebt das gleiche Verhängnis. Früher oder später trifft ihn der Tod als Folge seines-Umganges mit dem fündigen Kraute. Das erfahren wir in Middleton-Rorleps Lustspiel „X Fair Quarzel", aus der Grabinschrift, die ein boshafter Kunde seinem Tabakshändler setzen will. Diese soll nämlich lauten:
„Hier drinnen liegt, zur Fäulnis kühl gelegt, der glühheiß rauchend jüngst sich noch geregt. Man sagt, daß er durch Puddingtabak starb, Daß ihn der „Stock", nein „Roll", „Ball", „Leaf" verdarb, und einte sich, daß seltsam war sein Tod:
Vom Rauche lebend, starb er doch aus Rot an Luft. Drauf hat der Arzt es kundgemacht: Die Glut der Pfeife hat ihn umgebracht."
Aber nicht mir der Leib, auch die Seele wird durch den Zabaksgenuß verdorben; und heben die einen, wie wir Horen
konnten, hervor, wie dieser zu einer feineren, geistig gehobenerenj Geselligkeit führt, so schreiben ihm die anderen zu, daß er die gute Lebensart verdirbt, und dah die schlimmsten Sittenauswüchse in sein Schuldbuch zu verzeichnen sind.
In Tomkins' „Lingua" wird das sonst überschwengliche Lob Tobaccos starr dadurch eingeschränkt, daß er „der Genius aller Prahlhälse" genannt tvird. -Und Richter Overdo, der wackere Kämpe, läßt sich noch eindringliche hören:
„Doch tvas rede ich von den Krankheiten des Leibes, ihr Jahrmarktsfreunde? — Hört, o ihr Söhne und Töchter von Smiethsield, und laßt euch sagen, welche Schädigung er dem Geist bereitet! Er verursacht Schwören, er verursacht Großmäuligkeit, er verursacht Schnüffeln und Schnarchen und bald da und bald dort irgendeinen Schaden."
An Zank um dStreit, die in eine Prügelei ausarten, knüpft er die Belehrung an:
„Dies sind die Früchte vom Flaschenbier und vom Tobacco. Der Schaum des einen und der Dampf des andern! Bleib' junger Mann, und verschmähe nicht die Weisheit dieser spärlichen Haare, die in Sorge um dich grau geworden sind.“
So schallt im Elisabethanischen Drama der Kampf um den Tabak wider, und wie in der Wirklichkeit eifern auch im Drama die Tabaksgegner vergeblich. Richter Overdo und Wasserträger Eob, die hier friedlich zu Wort kamen, beziehen beide in ihrem engeren Zuhörerkreise Prügel. Der eine, weil er verdächtig erscheint, durch seine Reden die Aufmerksamkeit vom dunklen Handwerk der Taschendiebe ablenken zu wollen, der andere, weil er cs wagt, Männer von Lebensart zu belehren.
Die Marktfrauen und Taschendiebe schmauchen ihr Pfeifchen; der Mann von Welt raucht und hat zu rauchen. Das gesellschaftliche Leben steht im Zeichen des TabaK, und ungefähr zur gleichen Zeit, als Jakob I. sich mit seiner geharnischten Epistel „A Counterblaste to Tobacco“ auf die Seite der Tabakswidersacher stellt, läßt der Verfasser von „Lingua" den geschmähten „Tobacco" als vornehmen Jndianerfürsten auf der Bühne auftreten und den Siegeslauf des großen Eroberers künden. In dem Lustspiel eines unbekannten Verfassers aber fällt der so überaus charatteristische Ausdruck, der in treffender Kürze die Herrschaft des neuen Rauschmittels und der neuen Sitte preist:
„There is no fire in England like your Trinidado sack!"
Des Vetters Eckfenster.
Von G. T. A Hoffmann.
(Schluß.)
Der Vetter. Die Ratur hatte int Sinn, aus meinem kleinen Kohlenbrenner eine riesenhafte Figur von etwa sieben Fuß zu bilden, beim dieses zeigen die kolossalen Hände und Füße, beinahe die größten, die ich in meinem Leben gesehen. Dieser kleine Kerl, mit einem grohkragigen Mäntelchen bekleidet, eine wunderliche Pelzmütze auf dem Haupte, ist in steter, rastloser Unruhe; mit einer unangenehmen Beweglichkeit hüpft und trippelt er hin und her, ist bald hier, bald dort und müht- sich, den Liebenswürdigkeiten, den Scharmanten, den primo amoroso des Marktes zu spielen. Kein Frauenzimmer, gehört sie nicht geradehin zum vornehmeren Stande, läßt er voiübergehen, ohne ihm nachzutrippeln und mit ganz unnachahmlichen Stellungen, Gebärden und Grimassen Süßigkeiten auszustohen, die nun frei» lich int Geschmack der Kohlenbrenner sein mögen. Zuweilen treibt er die Galanterie so weit, dah er im Gespräch den Arm sanft um die Hüften des Mädchens schlingt und, die Mütze in der Hand, der Schönheit huldigt, oder ihr seine Ritterdienste anbietet. Merkwürdig genug, dah die Mädchen sich nicht allein das gefallen lassen, sondern überdem dem kleinen -Ungetüm freundlich zunicken und seine Galanterien überhaupt gar gerne zu haben scheinen. Dieser kleine Kerl ist gewiß mit einer reichen Dosis von natürlichem Mutterwitz, dem entschiedenen Talent fürs Possierliche und der Kraft, es darzustellen, begabt. Gr ist der Pagliasso, der Tausendsasa, der Allerweltskerl in der ganzen Gegend, die den Wald umschließt, wo er hauset: ohne ihn kann keine Kindtaufe, kein Hochzeitsfchmaus, kein Tanz im Kruge, kein Gelag bestehen; man freuet sich auf seine Späße, und belacht sie das ganze Jahr hindurch Der Rest der Familie besteht, da die Kinder und etwanigen Mägde zu Hause gelassen werden, nur noch aus zwei Weibern von robustem Dau und sinsterem, mürrischem Ansehen, wozu fteilich der Kohlenstaub, der sich in den Falten des Gesichts festsetzt, viel beiträgt. Die zärtliche Anhänglichkeit eines großen Spitzes, mit dem die Familie jeden Dissen teilt, den sie während des Marktes selbst genießt, zeigt mir übrigens, dah es in der Köhlerhütte recht ehrlich und patriarchalisch zugehen mag. Der Kleine hat übrigens Riesenkräfte, weshalb die Familie ihn dazu braucht, die verkauften Kohlensäcke den Käufern ins Haus zu schaffen. Ich sah ihn oft von den Weibern mit wohl zehn großen Säcken bepacken, die sie hoch übereinander auf seinen Rücken häuften, und er hüpfte damit fort, als fühle er keine Last. Don hinten sah nun die Figur so toll und abenteuerlich aus, als man nur etwas sehen kann. Natürlicherweise gewahrte man von der werten Figur des Kleinen auch nicht das Allermindefle, sondern bloß einen ungeheueren Kohlensack, dem unten ein paar


