Ausgabe 
2.1.1926
 
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Schriftleitung: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Druck und Verlag der Drühl'schen Univ.-Duch- und Steindruckerei. R. Lange, Dietzen.

sagte Grit,toenn alle Weiber so wären wie du, es wäre noch dabeizusein; aber es sind deren, die alle Tage wüster werden und einem die Haut über den Kopf zögen, wenn sie nicht cm den Zähnen hängen bliebe."

Wo kömmst her?" fragte die Wirtin.Unten herauf aus den Dörfern," sagte Grit.Wollte dort noch eine alte Schuld einziehen, haben es verflümert wüst gemacht: denen will ich es eintreiben, hab es ihnen aber auch gesagt, sind erschrockeir, haben mich heißen zurückkommen, aber, was halt Grit gesagt hat, das hat es gesagt."Haben sie es dir abgeleugnet?" fragte die Wirtin.Nein, das nicht." sagte Grit:es ist von wegen einer Heirat gewesen. Das sind wüst, ungereimte Leute, Ku­lt erjoggis sagt man ihnen, aber reich und haben einen einzigen Sohn, es völliges Füll! von Kalberrochiigi (Tölpelhastigkeit). Der hätte heiraten sollen, aber keine hat iAi wollen: wenn ihn eine hat kommen sehen von weitem, so ist sie geflohen oder hat dem Vater gerufen, er solle doch der Gottswille ihr zu Hilfs kommen. Das haben die Leute nicht erleiden mögen: es hat sie fast töten wollen, daß keine ihren Sohn hat wollen. Endlich kommen sie hinter mich, halten mir cm, was sie mögen, dah ich ihm zu einer Frau verhelfe, und versprachen mir vier Kronen. Zwei haben sie gleich auf der Hand gehabt und zwei mir ver­sprochen, wenn die Heirat vorbei sei. Ich habe ungern die Hände darin gehabt; aber was habe ich machen sollen? Unsereiner mutz den Kreuzer nehmen, wo er ihn findet: aber so dumm hätte ich nicht sein sollen, den halben Lohn stehn zu lassen bis nach der Hochzeit: weih man doch, wie es geht, wenn die Leute einmal haben, was sie wollen! Wie hat es der reiche Bauer zuTaubeligen gemacht, als der Habermehler ihm die Dublonen nachgefordert hat, welche er ihm versprochen, wenn er ihm zBest rede bei seiner reichen Frau? Beide Beine hat er ihm krumm geschlagen, daß er ja jetzt noch so wunderlich laufen muß. Aber so geht es einem, wenn man ein gutes Herz hat und meint, allen Leuten helfen zu müssen! Ich wußte ein Mädchen, ein hübsches, nicht das listigste, aber werchüar, und das grusam gern einen Mann ge­habt hätte. Es ist alleine bei seiner Großmutter gewesen, die hielt es schrecklich eingeschranket, ließ es nirgends hin: das er- leidete das Mädchen übel, und etwas Dermögen war auch noch da. Hiehin gehe ich, rühme der Großmutter die Leute und den Kerli, dah es mir wahrhaftig manchmal vor den Atem gekom­men ist: gewiß nicht bloß für zwei Kronen habe ich gerühmt, sondern für viel Dublonen. Es ist aber auch nötig gewesen, nicht bei dem Mädchen das ist hoch aufgesprungen vor Freud, wo es gemerkt hat, dah es um einen Mann zu tun sei aber bei der Großmutter. Die war eine gar mißtraue Frau und lieh das Mädchen ungern von sich, und doch hat sie ihm nicht ganz vor einem Mann sein wollen: die war lang genug in der Welt, um zu wissen, was das kann, wenn man einem Mädchen vor dem Mannen (Heiraten) ist. Die hat grusam gfragt und fein, aber endlich Hai sie sich brichten lassen. Aber wo sie den Kerli gesehen, so wäre beinahe alles in Krebsgang gekommen, er Hai ihr in Gotts liebe heilige Name nicht gefallen wollen, und, was ich da habe müssen reden und rühmen und an die Sache tun, bis sie endlich doch ab Brett gegangen, es glaubt es kein Mensch. Vor vierzehn Tagen war die Hochzeit. Gestern mache ich mich auf den Weg und will das Eingestellte holen: aber wohl, da kam ich wüst an, und zuletzt muhte ich Gott danken, dah ich eine ganze Haut davonbrachte: um die zwei Kronen war ich erfroren. Die Alten haben mir wüst gesagt, was ich ihnen für ein bös Mensch ins Harrs gebracht. Der Bub, wo jetzt ein Mann sein sollte, hat mich prügeln wollen, weil ich ihm ein so dummes Mensch aufge­schwatzt, und sogar die Junge ist mir mit dem Besen nachge­laufen und hat mir alle Schande nachgebrüllt, weil ich schuld sei. daß sie in zwei Wochen schon dreimal geprügelt worden. Und was vermag ich mich doch desseir. warum tut das Bubi nicht witziger? Das ist mein Dank gewesen für soviel Mühe: aber es geschieht mir recht, habe ich doch gewußt, was das für .Unflat find, warum habe ich ihnen getraut und sie nicht gezwungein. mir alle vier Kronen gleich zu geben? Sie hätten es gerne getan, es ist ihnen zu sehr angst gewesen um ein Söhnisweib; aber fo geht es einem, wenn man ein gutes Herz hat. Aber wohl, denen habe ich nicht für zwei, sondern für mehr als hundert Kronen Sachen angewünfcht; das ist der Trost, wo ich habe bei der Sache. Jetzt habe ich mich verredi und verschworen, in solche Dachen habe ich meine Finger nicht mehr: zuerst muh man reden, dah man sich fast ein Gewissen daraus machen muh, und zuletzt bekömmt man nichts dafür als vielleicht noch Schläge."

Ja, ja", sagte die Wirtin,es gibt heutzutage wüste Leute: aber alle sind doch nicht so. Gottlob! Wo wärest über Nacht?" »Auf den, Kabisgrat. Das sind auch noch gute Leute, bsanderbar brave, wie man sie selten antrifft in dieser bösen Zeit; den armen Leuten gönnen sie die Sache noch, und für fo eine alte Frau, wie ich bin, haben die noch ein Bett und heißen sie nicht in den Stall hinaus, es mag Wetter sein, tote es will und Sommer oder Win» ter. Sie haben es aber auch, einen solchen Hof und Ausgeliehenes, es weih kein Mensch wieviel, und dazu so gar nicht hochmütig, so gmein und niederträchtig mit jedem Menschen, daß es eine rechte Freude ist. Und was die werchsn, man glaubt es nicht, erneu solchen Hof und fast feine fremden Leute!"

ore werden öppe feine haben und behalten können?" sagte die Wirtrn.Bhütis, was denkst, Anni!" sagte Grit, Leute mehr als genug; sie lausen ihnen fast das Haus ab. Denk doch auch, gute Leute und gutes Essen, wer wollte da nicht gerne fein!

L bauptantisch (ausgezeichnet) brav, ich mutz es lagen. Oeppe bet dir und ein paar andere Orte ausgenommen, E man nirgends so M Z'viel ist nicht an die Sache getan ?«* u^rnunskg Anke oder Schmutz (zerlassenes Schweins M,' ""Ht einmal geswrd ist, ist nicht daran, sondern

eben recht, aber fie mögen sich die Mühe nehmen, zur Sache zu sehen,, und verstehen es bsunderbar wohl. Das ist' die Haupt- fache. »Die werden oppe nicht viel anders machen als das" »ist »a ^rrtin-"r1? teen? man einen ganzen Tag dazu nimmt, so ist es wohl möglich, zu kochen, daß es die Leute essen möaen' aber viel ausgerichtet ist damit nicht, die Sache muß doch ^st gepflanzt sein ehe man sie kochen kann."Du bist lätz (un- ^'-btf daran, Amri", antwortete Grit,es ist dann nicht datz nichts macht als kochen. Bhütis, das macht die Mutter alleine, und auch sie steht man noch oft im Pslanzvlätz,' qU f geht sie nicht mehr, selb ist wahr; aber für so ötele Leute zu kochen, heißt etwas. Die Mädchen, die sind drauhen

Nr Lis spat und rühren das Wüstest alles cm. Gestern sch f^at hinauf; da find die Mädchen noch draußen und schütten statt so ums Haus herum zu höckle, wie an manchem Orte nach dem Feierabend der Brauch ist, und wo ich haute Haus komme, da ist Eisi schon in der Matte und toorbet das Emd (verwirft den Grummet), wo doch an den metften Orten das die Mägde machen und zwar erst nach dem zMorgmtesse (frühstück), und noch nicht fünfe wars. Wenn ich s "T sollte ich zum Söhnisweib und kein an«

i ,t<tt man kein Braveres; werchen kann es tote ein

Äne^t, das braucht man nie zu heißen, und dann gegen die butter ist es bsunderbar ein Gutes, ich habe noch nie eins so cmgetroffen; was es ihr an den Augen absieht, tut es ihr, legt i'Ä-S die Füße und nicht das kleinste Unantwörteli (böse Antwort) habe ich je gehört, das es ihr gegeben hätte. Und toeg«n Vermögen hatte es dann öppe nicht manche zu fürchten tm Kanton; einmal zwanzigtausend Pfund kriegt es von daheim und vielleicht noch einmal soviel, wenn fein Götti stirbt, der hätte lym leine öatf> ganZ verschreiben lassen, ioie man fagt. <W nit '^6! sagte die Wirtin,mit Rühmen verdirbst bu da nichts, Grit; die Donnstigs Leute sind mir zu gut bekannt, gerabe bte sind es, die mir Kummer machen Tag und Nacht, daß ich Nicht mehr essen mag, nicht mehr schlafen kann. Sie werden dich nicht umsonst gesandt haben; aber schweig mir davon! Hier verdienst du nicht einmal zwei Kronen, geschweige dann vier."

,Bhütis, Anni, was denkst? Ich gesandt berenttoegen zu dir! Jtein, da wollte ich doch mein Lebtag lieber Dornen spinnen als dich irgend an einem Orte hineinsprengen, die beste Frau, wo ich habe auf der Welt! Nein, aber was denkst Bit auch? Gesagt habe ich schon hundertmal, wenn Anni zTcmne nicht wäre es freute mich nicht mehr, zu leben, es wisse kein Mensch, wie es mir schon manchmal gegangen wäre, und wo ich über Nacht hätte bleiben müssen, wenn Anni zTanne nicht gewesen wäre. Aber sag mir doch, was haben dir die Öeute zwiderdienet, daß du sie so auf cem Strich hast und Kummer hast ihretwege? Oeppe viel bin ich nicht dort, aber brave Leute scheinen sie mir, und wo ich hlnkomme, haben sie den Nahm. Prozediert ihr etwa Miteinander öppe wegen einem Testament?.'

Hör, Grit", sagte Anni,wenn du einen Narr Haven willst, so mach dir einen hölzernen, aber laß mich ruhig! Glaubst du. ich solle meinen, du wissest nicht, daß mein Christen <uf den Kabis­grat zu deinem verfluchten Eisi geht, das wissest du nicht, wo im ganzen Kanton kein Huhn ein Ei legt, das du nicht weißt. Sie locken ihn auf alle Weise; sie wissen, dah ich es nicht tun will, darum haben sie dich gesandt, um gut Wetter zu machen. Wieviel haben sie dir versprochen, wenn du die Sache könnest ztoegreise?"

Glaub es mir ober glaubs nicht, von der Sache habe ich gar nichts gewußt; ich wohne zu weit da weg und komme zu selten auf den Kabisgrat und in die Umgegend, als daß ich wissen sollte, wer zu jedem Mädcheir geht, und geredet mit ihnen über solches habe ich erst nicht. Sie werden einem solchen alten Äratten, wie ich bin, solche Sachen anvertrauen, jawolle!" antwortete Grit. Ich kenne sie weiter nicht; aber daß sie brave Leute feien, habe ich geglaubt, von wegen ich habe nie etwas anderes von ihnen ge­hört; und du hast mich ja gefragt, wo ich über Nacht gewesen, sonst wäre mir ja nicht einmal in Sinn gekommen, von deni Leuten anzufangen."

Gib ab, Grit! Hörst, wir kennen einander zu lang und wissen, wenn Trumps gspielt wird. Selb brichtet mich niemand, daß du nicht wissest, wie sie auf dem Kabisgrat auf dem trocknen sitzen. Ja, vor Zeiteit sind das reiche Leute gewesen; aber sGroßtun hat ihnen die Auszehrung angehängt. Wenn die Buben von Hause gingen, so hat der Vater gesagt zu ihnen:Buben, wehret euch brav, und wenn es tausend Pfund kosten sollte, so macht es nichts!"

(Fortsetzrmg folgt.)