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Ä$mme an zu fingen. ES war eine wunderbare, Tenorstimme, mb fte fing Dach. Oh, welche Sprache Sie haben! Denn das W Ihre wahre Sprache. Da stand P. V. auf, mit dem ich schon entf dem Schiff viel gesprochen hatte. Es schien ihm nicht recht gu fein, daß fein junger Freund (er selbst war in der Tat um wenige Fahre älter) das frühere Gespräch mit dieser Wen- temg gleichsam abgeschlossen hatte.
Mein, sagte er. Eure Musik ist eine große Herrlichkeit, aber nicht sie ist eure Sprache. Sie ist neben eurer Sprache noch gegeben, als ein Mehr vielleicht, als ein anderes. — Aber die deutsche Sprache ist ein großes Geheimnis. Sie ist euer Schicksal, das deS ganzen Volkes und das jedes Einzelnen. Goethe hat unter ihr gelitten .und jeder, der nicht Goethe ist und sich in ihr wahrhaft ausdrücken will, läuft Gefahr, von ihr verschlungen äu werden. Sie ist unbequem, aber großartig, ungesellig, ich weiß, daß ihr selbst sie manchmal so genannt habt, .weltlos", >ja. das mag sie,sein, aber immer mit einer Welt trächtig. 3rt einem ungeheuren ruhelosen Auf ,and Ab wandelt sie beständig Geist äu Leib, Leib zu Geist. So gebietet sie auch die Form eures Lebens: euer geistiges Leben ist immer erneute schmerzvolle Neugeburt. Eure Toten sind nicht beständig bei euch, sie sind nicht in einem Saal mit euch, wie die unseren. Aber sie werden euch in wilden Stürmen neu geboren. Heinrich von Kleist, Büchner, Hölderlin: ich sehe diese vor hundert Fahren Bei> storbenen stärker in euer Leben eingreifen als wen immer von den Lebenden. And seid ihr nicht im Begriff, euer ganzes sied- Jehntes Jahrhundert umzuwerten? Denn ihr ruhet nicht auf dem Sein, sondern ihr habt euer Schicksal im Werden. Aber welch ein Wunder, eure Sprache! Welche Weite! Welche Befruchtung aus der Dunkelheit! Sie isoliert mehr, als fte verbindet: ober das Große isoliert immer, das Poetische isoliert, und baS ®enie ist immer einsam. Welche Möglichkeiten aber für das ©enic, in dieser Sprache fast über die Grenzen der Menschheit hinausz ukommen 1
©ein ernstes, oft einem leidenden Ausdruck nahes Gesicht belebte sich sehr, indem er sprach: Gr war glücklich, so beredt und frei ein geistiges Phänomen zu bewundern und Sympathie zu äußern. Einzelnes, die Eigennamen natürlich, aber auch andere Wörter, sagte er auf dmitsch in einer sehr reinen, hauchenden, schwebenden Betonung: sv dies Wert weltlos", das „Weltlose". Eigentümlich kamen mir diese deutschen Wörter m seiner Rede entgegen: so zart, wie gespiegelt, etwas geisterhaft.
Alles aber auch um uns sah in diesem wunderbaren Licht aus wie gespiegelt. Die Häuser uns zu Füßen, die hohen gelbroten Mauern drüben in Rabat, Tiere und Meschen am Ufer des Flusses, alles war völlig entkörpert. Die schmale Wolke in der Gestalt eines Fisches glühte purpurviolett. Ein Starenzug flog von ihr aus gegen Osten hin, und dort ging das Türkisblau in ein zartes Grün über. Das Feme schien sehr nahe — das Nahe ungreifbar vergeistigt. Alles bebte in sich, aber eine Harmonie hielt alles in zauberhaftem Gleichgewicht und die Offenbarung des Schönen schien eine ungeheure (Bedeutung anzunehmen, die uns, um nächsten Augenblick, fühlten wir, sich zu unverlierbarem Besitz enthüllen würde.
Künstlerschickrsal in Amsterdam.
Don Emil Waldmann.
. Duf der historischen Ausstellung, die Amsterdam zu seinem vöomhrigen Stadtjubiläum veranstaltet, macht man sich Gedanken über die Rolle, die Kunst und Künstler dort f trieften. Man tut doch immer so, als sei Amsterdam das nordische Venedig auch in diesem Punkt gewesen. Aus der ganzen venezianischen Kunst find nur Lorenzo Lotto und Tintoretto geborene Venezianer, alle anderen zugezogene Leute, angelockt von dem Glanz der Stadt und ihrer weisen, großen Kunstpolitik. So waren auch die wenigsten holländischen Maler in Amsterdam geboren. Aber Amsterdam machte es mit den hergereiflen Künstlern nicht wie Venedig im 16. Fahrhundert (das sogar einen Deutschen, Albrecht Dürer, als Ratsmaler mit großem Gehalt anstellen wollte), sondern es machte es ähnlich wie München im 19. Fahrhundert stach der Reichsgründung, wo die Hochmögenden nicht mit der Wimper zuckten, als Leibl und Thoma, Trübner und Liebermann, Corinth und Slevogt der so unkünstlerischen Kunststadt den Rücken kehrten. Amsterdam hat die Großen hungern lassen und die Mittelmäßigen gefüttert.
Die Stadt war nach dem Sieg über die Spanier reich geworden und fühlte sich Fm Anfang des 17. Jahrhunderts fand sich eine sollde Malkultur auf dem Gebiet des Porträts vor, Bildnisse, Gruppenbildnisse, Schützenkompagnien, Dchühen- mahlzeiten, Waisenhausvorstände, Gildenvorsitzende, Handelskammerpräsidenten, Aufsichtsräte — alle ließen sich in dieser plötzlich reich gewordenen Stadt malen, lebensgroß. Am 1630 gab es dort eine tüchtige Malerschaft für die Erledigung dieser Aufträge, nach CornelisKetel kamen die Thomas de Kehser und Ricolas Elias, und dann kam der aus Haarlem gebürtige, aber ganz zum Amsterdamer gewordene Bartholomäus van der Helft. Er führte diesen Stil zur äußersten Vollkommenheit, eine äußerliche Vollkommenheit, der es nur an innerer Vollkommenheit fehlt. Frans Hals, der unübertroffene Meister der Doelen-Stücke, war auch einmal in Amsterdam, aber er flüchtete schnell wieder in seine Heimat. Das haarlemsche Mal
temperament stieß mit der amsterdamisch-friesischei t Dickköpfigkeit böse zusammen. And wenn'S ihm mich dort schlecht ging, so schlecht, daß feine Töchter fürs liebe Geld auf die Straße gingen — er kam nicht wieder. Mit Barthel van der Heists öliger Eleganz mochte er nicht konkurrieren.
Fan Steen, ein genialer Mensch und sehr großer Maler, war überall in Holland; nur nach Amsterdam kam er nicht. ®in_ stolzer Charakter, Karel F a b r i t i u S, unter Rembrandts Schülern die größte Persönlichkeit, kehrte der Hauptstadt den Rücken und zog in das stille Delft. Der Delftsche Vermeer endllch, wieder ein Genie, das nur .vierzig Bilder malte und von dem Dämon der künstlerischen Vollendung besessen war, der monatelang sich mit dem Verhältnis eines blaugrauen zu einem gelben Ton herumschlug, wäre in dem lauten, hochmütigen Amsterdam vollkommen undenkbar. Pieter de H o o ch, der von Delft nach Amsterdam zog, verdarb seinen Stil und wird in dieser reichen aus einstiger Delftigkeit langsam zu modischer Eleganz avancierten Dürgergesellschaft zu einem parfümierten Gesellschaftsmaler von beinahe französischer Allüre. Die Farbenradierungen des Hercules Seghers, des großen Einsamen, werden von Amsterdamer Krämern buchstäblich als Pfeffertüten verwendet, Adriaen Drouwer, der Vlame, hielt es nicht lange in Amsterdam aus und rettete sich nach Haarlem. ®ie beiden Van de Veldes, Vater und Sohn, waren und blieben io arm. daß sie schließlich bei dem englischen Erbfeind Arbeit suchten, und Ruisdael ging in äußerster Rot »nach Haarlem, um dort im Armenhaus zu sterben. Emanuel de Witte, einer der Eigenartigsten, der nicht nur die schönsten Kircheninterieurs malte, sondern auch die erstaunlichsten Fischmarktszenen mit großen Figuren, ein Froniker, von Herzensweichheit nie angefochten, bängte sich, weil er nichts mehr zu essen hatte, als alter Mann in einer kalten Winter nacht an einem Amsterdamer Brückenbogen auf. Gin einziges Mal versuchte Amsterdam, einen Großen zu protegieren: Meindert Hobbema. Aber es ging schlecht _ aus. Der hatte eine Liebelei mit einem Dienstmädchen! des Bürgermeisters, und wemi er sie heiraten würde, wollte man ihm ein städtisches Amt geben. Meindert Hoffema wurde Zöllner und Äichmeifter.
Man würde dieses Register sortsetzen, wenn es nicht sv aussähe wie Angst wegen Rembrandt. All die Mißgeschicke, die jene andere trafen, wurden zur Tragödie bet diesem Genius. Ignorieren konnte ihn die Stadt nicht, und er war ein Fahrzehnt lang berühmt, das Aerztebild, die „Anatomie des Dr. Tulp", hatte ihm die führende Stellung verschafft und die Konkurrenz, de Kehser und Elias, überflügelt. Sein zweiter großer Auftrag, das Schützenstück der Cloveniere, die „Nachtwache", dieses Wunderwerk, hinterließ tiefe Verstimmung. Die Leute, die da porträtiert waren, fanden sich nicht ähnlich, waren es auch wohl nicht. Man kehrte sich ab von ihm, und das Festmahl zur Feier des westfälischen Friedens bekam nicht er, sondern van der Helft in Auftrag. Bei dem waren 'sogar die teuren Kostüme ähnllch. Inzwischen war nun auch das große neue Rathaus fertig geworden, ein imposanter klassizistischer Bau. Man brauchte Bilder. Für die Wittheitsstube malte Rembrandt eine historische Moralität, jene Szene von Quintus Fabius Maximus, mit der man damals so gerne Gerichtsgebäude schmückte. Man nahm ihm das Bild nicht ab, und sein Landsmann Jan Lievens schmückte diese Stelle mit einem halb italienischen Gemeinplatz. Als man, um 1660, Historienbilder für die große Marmorgalerie des Rathauses wollte, bekam auch Rembrandt, da der ursprünglich in Aussicht genommene Rembrandtschüler Govaert Flinck gerade gestorben war, einen Auftrag. Er sollte in ein Dogenfeld dieser Galerie die Geschichte der Verschwörung des Julius Civilis malen, sechs Meter breit, jene Geschichte, wo dieser Bataverfürst, ein Mn Herr der neuen Niederländer, im Jahr 69 n. Ehr. .seine Genossen aufruft zur Verschwörung gegen die feindlichen Bedrücker, die Römer, und sich von ihnen den Treueid schwören läßt. Ms die Hauptsache so gut wie fertig war, brachte Rembrandt das Bild ins Rathaus, um zu sehen, wie es inmitten der schimmernden Marmorgalerie aussähe, und um das Ganze dann nach dieser Umgebung zu stimmen. Er fand noch mancherlei zu ändern, nahm das Bild wieder mit ins Atelier, um es dort fertig zu machen.
Rembrandt arbeitete langsam, aber der Rat drängte, daS Wandbild sollte wegen einer Fürstenbegrüßung zu einem bestimmten Termin fertig werden, und da Rembrandt nicht eilte, entzog man ihm den Auftrag. Dein Schüler, der Holsteiner Jürgen Ovens, pinselte bann in vier Tagen das Dogenfeld voll. Honorar bekam Rembrandt keines, trotzdem er auf den Auftrag hin Schulden hafte, und man stellte ihm das Gemälde wieder zur Verfügung. Da stand es, sechs Meter im Quadrat. Keiner wollte es haben, und so zerschnitt er es und verkaufte die Hauptgruppe, die immer noch drei Meter breit ist. Das Bild kam dann nach Schweden und ist heute als Leihgabe der Stockholmer Mademie, die es aus Privatbesitz geerbt hatte, im Museum zu Stockholm. Es war in diesem Sommer das Hauptstück der Ausstellung, die Amsterdam wegen seiner großen Vergangenheit feierte. Gin geniale® Bild, ganz ungewöhnlich, Rembrandts Monumentalstil! Hell, heller als sonst von ihm. von hinreißender Pracht. Aber unheimlich, so gespenstisch, als wäre es ein Mahl des Belsazar, grausig wie das', .Anheimlichste


