Giehener MilienbMer

Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger

Nummer bl

Samstag, de« August

rgang1925

Turnkunst"

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2tut dem, der in dem Menschengeschlechte nichts ftnden.kann, ÄffÄ'nwSÄ.Ä ff

SSwÄ* SSätÄ^Ode!- bloß d?e Ge­samtheit gleicher Stamm- und Sprachgenossen l

Was Einzelheiten sammelt, sie zu Mengen haust diese zu ranzen verknüpft, solche steigernd zu immer gröhevm v^bindeh ku Somierrrei^n und Welten «int, bis alle ^mLchdasMo^ All bilden diese Einrgungskrasi kann ft, der hochsten und grö heften und umfassendsten nicht anders genannt werden als Volkstum. ES ist das Gemeinsame lws Volkes, sein mnew^-nb^ Wesm, sein Vegm ßc&0n> l'Ctno o.?w>i*!ty mit b oYt$-

und Trchlevn, Seiden und Handeln Entbehren und Geme^n, \ ein vaterwndilche»^^ », beiden, nach den 2 Hoffen und Sehnen, Ahnen und Glaubern Das brmgt alls d^ eft^lnen Menschen des Volkes, ohne daß ihr- Frecheit mch Selbständigkeit untergeht, sondern gerade noch mehr gestärkt wrro,

in der Diel- und Allverbindung mit den übrigen zu einer schön I verbundenen Gemeinde.

I Dom westfälischen bis zum Tilsiter Frieden haben wir I Deutschen nur im geheimen und stillen weiter gelebt, durch I Sprache und Schrift, ein unsichtbares geistes Leben.

I Noch sind wir nicht verloren! Noch sind wir zu retten! Aber I nur durch uns selbst. Wir brauchen zur Wiedergeburt keine frem- I den Geburtshelfer, nicht fremde Arznei, unsere eigenen Hausmittel 5* chgen. Denn immer geht vom Hauswesen jede wahre und tändige und erste Volksgröhe aus, im Familienglück lebt di« I Vaterlandsliebe, und der Hochaltar unseres Volkstums steht im I Tempel der Häuslichkeit; sie ist die beste Vorschule, Deutschheit | heißt sie bei uns im Großen. Für sie kann jeder leben, er fei I reich oder arm, vornehm oder gering, einfältig oder gelehrt, I Mann oder Weib, Jüngling oder Jungfrau, Kind oder Greis. I Man vermag dahin zu wirken, vom Thron und von der Bühne, I vom Predigtstuhl und vom Lehrersitz, mit Schrift wie mit Bede.

Girrst war mein Streben, die Deutschheit als eine wohltätige | Begründung der Menschheit unter den Völkern geschichtlich I nachzuweisen und überhaupt auf alle übrige Dolkstümer die Auf- I measnmkeit zu richten. Denn nirgends erscheint die Menschheit I hienieden abgesondert und rein, immer wird sie nur durch Volks- 1 I tümer vorgestellt und vertreten. In den Volkstümern liegt jedes I Volkes besonderer Wert und sein wahres Verdienst für das | Wett streben zur Menschheit!

---immer höher,

Vom Mongolen bis zum griech'schen Seher, Der sich an den letzten Seraph reiht."

Was ist Volkstum.

Bon Friedrich Ludwig Jahn.

Als deutsche Staaten unter der Herrschaft Mrpoleons standen wurde dem Gedanken der deutschen Einheit der Vorbereitet. Wie diese Einheit entstehen, wi« chr Fassung und Gestalt gewährt werden sollte, war den meisten nur Ahnung. In dieser Zelt des Schwankens und Tastens erstanden Mämrer, die von Begeisterung für «ine deutsche Nation erfüllt, der Zukunft Gestalt gaben, unter ihnen Jahn. Seine G edank«, uder^r- Haftes und echtes Volkstum legte er in ek -m OBerfe nieder, das unter dem TitelDeutsche ^olks» tum"'1810 in Lübeck erschien. Degeiste<. urbe es in der Fremdherrschaft von den weitesten Kreisen ausge­nommen. Man bezeichnete es alseines ^r köst­lichsten Erzeugnisse deutschen Sinnes", und ^eldmar- schasi Blücher nannte es dasdeutscheste Wehrbüch»

Festlied.

Von Gottfried Stellet.

Drei Ellen gute Bannerseide, & Häuflein Volkes, ehrenwert, klarem Äug', im Sonntagskleid«, Ist alles, was mein Herz begehrt!

So end' ich mit der Morgenhelle Der Sommernacht beschränkte Nüh Lind wand're rasch dem frischen Quell« Der vaterland^chen Freuden zu.

Die Schifte fahren und die Wagen, Bekränzt, auf allen Pfaden her: Die luft'ge Halle seh' ich ragen. Von Steinen nicht noch Sorgen schwer;

Vom Nednersimse schimmert lieblich

Des Festpokales Silberhvrt:

Heil uns, noch ist bei Freien üblich Nn leidenschaftlich freies Wort!

älnd Wort und Lied, twn Wund zu Mund«, Von Herz zu Herzen halft es hin;

Do blüht des Festes Nosensimrde

Lind muß mit goldner Wend« fliehn!

Lind jede Pflicht hat sie erneuet.

Lind jebe Kraft hat sie gestählt Lind eine Körnersaat gestreuet. Die nimmer ihre Frucht verhehlt.

Drum weilet, wo im Feieickleide Ein rüstig Volk zum Feste geht Lind leis die feine Bannerseide Hoch über ihm zum Himmel weht> In Vaterlandes Saus und Brause, Da ist die Freude sündenvein. Lind kehr' nicht besser ich nach Hause, So werd' ich auch nicht schlechter sein.

Don Friedrich Ludwig Jahm

Um eine Gleichmäßigkeit der Mwung sowohl körjxr. sich als geistig, zu erreichen, veröffentlichte Jahn 1818 Di« deutsche Turnkunst", aus der wir nach­folgendes zum Abdruck bringen.

Die Turnkunst soft die verloren gegangene Gleichmähigkeft der menschlichen Bildung wieder Herstellen, der bloß «'^«tigert Vergeistigung die wahre Leibhaftigkeit zuoMren, der äleberver^ feinerung in der wiedergewonnenen ^^ulich^t das notwendig« Gegengewicht geben und rm lugendftchsn Zusammenleben den feinem irischen Dasein auch ein leibliches Leben b^st, waS »rrrft und Stärke, ohne Dauerbarkeit und Nachhaltigkeit, ohne Gewandtheit und Anstelligkeit zwn nichtig«» SchLttm ^r- sftM^-wird di« Turnkunst einen Hauptteil d«r menMichen Ausbildung einnehmen müssen. Unbegreiflich, daß diese Brauchs Lt Leibes und Lebens, diese Schutz- und Scharms«, du^ Webrbaftmachung solange verschollen gewesen. Aber diese SrntoÄ lieblosen Zeit wird auch noch

Menschen mehr oder nrinder heimgesucht. Darum ist di« Turiikunst Zr7 ^schKtliche Angelegenheit, die ub«M hmgehbriwo

Nicht das äußere umgelegte Staatsband macht das Voll; I Menschen lassen sich nicht wie Heringe in Tonnen pökeln, nicht I in Völkerzwinger einpferchen, wie Berxes Krieger in die Matz- I Horde der Zehntausende. Zusammensein müssen gibt kernen wahren I Verein. Jneinanderhineinleben, das stifte, vertrauliche Slchan- I einandergewöhnen, das mit Wechselliebe sich Lebenemverlecben I bildet das Volk und bewahrt und erMt es durch Volkstum. I Welches Volkstum steht am höchsten, hat sich am meisten | der Menschheit genähert? Kein anderes, als was den heiligen Begriff der Menschheit in sich ausgenommen hat, mit erneu I äußerlichen Allseitigkeit sie sinnbildlich im kleinen vorbildet wie weiland volkstümlich die Griechen und rwch bis jetzt weltbürgerlich die Deutschen, der Menschheit heftige | ^^Volkstum ist der wahre Völleracker der Gröhe, die richtige I Völkerwaae des Werts. Es setzt den Staat voraus, aber nicht I umgekehrt jeder Staat das Volkstum. So wie eS taube Aus^ I gibt so gibts auch taube Staaten, und ohne Volkstum taube | Völker.