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betracht dieser glücklichen Einteilung springr er aus dem Beit, eilt in den Keller und holt sich seinen gehäuften Eimer aus Schnorzes' Kiste.

Kaum hat er angefeuert, erwacht nebenan Schnorze, der Siebenschläfer, und hört, wie es drüben im Ofen kracht. Nobel! sagt er sich, in aller Frühe ein Feuerchen, das tut gut; der denkt nicht ans Sparen! Llnd angeregt durch die Vorstellung eines warmen Zimmers, kommt er auf die Idee, die Kohlenfrage für sich so zu lösen: Einen Eimer wird er von Päbels, einen von Zimbs und einen von seinem eigenen Vorrat nehmen. So Wir­er glücklich den Winter durchkommen. Er erhebt sich, gurgelt mit Salzwasser, hüllt sich in seinen Schlafrock und stapft m den Keller, wo er einen gestrichenen Kübel von Päbels Kohlen holt. Vald strahlt auch sein Ofen eine erquickende Wärme aus.

Richt lange, und die drei Freunde trafen sich bei der Be­reitung ihres Frühstücks in der Küche.

Morgen, Morgen!"

Lag, Lag!"

Schon ausgeschlafen?" .

Haha, sogar schon eingeheizt!" heißt es allseitig in aller- bester Laune; und Päbel brüht seiiien Tee auf, Zimb mahlt Kaffee und vchnorze rührt Kakao an.

Diese Kälte, was?" , , ...

Gut, daß wir jeder einen kleinen Vorrat haben!

Will es glauben, ha!" ..

Man ist geschäftig um den Gasherd, ist voller Gefälligkeit: Soll ich brennen lassen?"

Ach, danke vielmals!" ~ .

Warten Sie, ich gebe Ihnen etwas Sahne zum Tee, das schmeckt."

Famos, famos!"

Man wünscht sich gegenseitig das allerbeste. Dann dringt aus jedem Zimmer das Klappern der Löffel, Schlürfen, das Krachen knuspriger Brötchen, die der Hausmeister gebracht hat, und der Tag hat einen angenehmen Anfang genommen.

Die Lösung der Kohlenfrage scheint ausgezeichnet und be­währt sich. Noch nie vollzog sich der gemeinsame Haushalt so reibungslos. Die Luft ist geschwängert von Tolvranz und Liebens­würdigkeit.

Man lächelt sich zu und nickt:Sie haben heute Nacht im Traum geschrien?"

Wirklich? Ich habe doch hoffentlich nicht gestört?"

Hat nichts zu sagen, ich kam erst nach Hause."

Wie peinlich, und Sie?"

Ich war noch wach und las, von Störung nicht die Nede!

Doch so kann das nicht weiter gehen. And sieh, eines Mor­gens steht Zimb nachdenklich vor seiner Kohlenkiste und überlegt: Kein Zweifel! Die Saubande bestieht mich! Nein, das ist stark! Was soll ich tun? Entrüstet füllt er seinen Eimer aus Päbels Kiste und beschließt, von nun an seinen Vorrat ganz zu schonen. Da aber Päbel sowohl als auch Schnorzes gelegentlich eines scharfen Blickes in ihre Kisten von der nämlichen Erkenntnis durchdrungen werden, und so denselben Vorsatz f affen, nimmt die Gerechtigkeit, die göttlichen Ursprungs ist, rüstig ihren Fort­gang, der Inhalt der drei Kisten vermindert sich gleichermaßen, wie durch Zauberhand.

Die Stimmung im Hause indessen leidet. Anmut herrscht. Argwohn lauert.

Von Toleranz keine Spur:Sie werden hoffentlich bald fertig mit Ihrer Kaffeeaufgieherei?"

Wie? Ein Nadau ist nachts in dieser Wohnung! Man schließt kein Auge."

Sie werden sich durch Ihr ununterbrochenes Geschrei im Schlafe selbst auswecken, das verträgt der stärkste Mann nicht.

Kein Wunder, daß Sie schreien, Heizen Sie nicht auch nachts?"

Dann aber, gerade als es anfängt, recht winterlich zu wer­den, daß man ein warmes Zimmer dringend brauchen kann, er­starrt eines Morgens Päbel im Keller zur Salzsäule. Er recht den Mund weit auf und auch die Augen, und bleibt so. Seine Kiste ist Teer. Nicht völlig leer, man kann noch einen Eimer zu- sammenkratzen, wenn man sich Mühe gibt, aber sie ist fo gut wie ausgeräumt. Das ist ein Schlag! Päbel hat seit einer Woche nicht iiach seiner Kiste geblickt infolge einer merkwürdigen, un­angenehmen Hast, die sich ins Kohlenholen eingeschlichen hat, da Zimb schon immer auf der Treppe hörbar wird, kaum dich er mit der Schaufel in die Kohlen fährt. Heute ist das. Hers, heute kann sich Päbel Zeit lassen, denn er steht vor seiner Ktstet und eigentlich nur darum, weil er bemerkt hat, daß der Vorrat der Freunde ganz bedenklich zusamniengeschrunipft ist. Aber, aber er faßt sich an die Stirn: Was W weit geht, geht zu weit! Päbel sieht noch nicht völlig klar in dem Problem, doch sein« Entrüstung ist grenzenlos. And da kommt auch schon Zimb. Zmw naht mit dem Anschein der Gemächlichkeit, doch lauernden Blickes, er stellt sich an seine Kiste, als bestünde das Leben aus harm­losen Zufällen, er holt mit der Schaufel aus, dann aber gwt es ihm einen Ruck, und er läßt die Schaufel und seinen Eimer fallen. Gr starrt in die Kiste, die leer ist oder doch so gut wt« leer; so ein bißchen Mist liegt ja noch drinnen, nein, da hört NW doch wirklich alles auf! Während er in finsterem Groll grüven,

Waren, entschlossen sich, die heilige Martha, die Freundin Ehristi, um Hilfe anzurufen. - Denn der Sage nach sollte sie damals in -er Provenze leben. Die Martha erhörte ihre Bitten und begab sich geradewegs in die Höhle des Drachen. Dort befahl sie dem Angeheuer, im Namen Jesu zu ihr zu kommen, ohne jemaniert etwas Böses zu tun. Dem Befehl kam es sogleich mit der Sanft­mut eines Lammes nach, warf sich der Heiligen zu Flitzen und ließ sich alsdann zum Volke führen, von dem es sofort getötet Wurde. . V -

Von da ab nannte sich die ütabt, die bald einen blühenden Ausschwung nahm, Tarascon. Mehrere Grafen der Provenze erwählten sie zu ihrem Lieblingsaufenthalt. Ein mächtiges Schloß ersetzte die römische Festung. Dieses vchloß, das im 15. Jahr­hundert wieder aufgebaut wurde, spiegelt noch immer feine mäcktigen Türme in der Rhone. Es trägt den Namen des guten Königs Rene, dessen Andenken jedem Provenzalen teuer ist.

Avignon. Es ist etwas Vamphrhaftes in diesen Gassen zu spüren. Düster schieben sie sich durch! die alten Teile der Stabt. (Die Vorstadtstraßen dagegen liegen südlich-heiter ausgestreckt!) Von 1305 bis 1377 war Avignon das Zentrum der gesamten Ehristenheit. Heut sieht man der mittelgroßen Provinzstadt die einstige Bedeutung kaum an. Nur hier und da taucht über einem Torbogen das bekannte päpstliche Mappen auf, wetterleuchtet es. aus der Glanzzeit dieser Stadt. Fern von allem Prunk erheben sich über der Stadt die Mauern des alten päpstlichen Palastes. In seltsamem Gegensatz dazu stehen Baum, und Strauch, die eine natürliche Ornamentik um diesen sachlich-nüchternen Baus- bilden. Die Kathedrale Notre Dame des Domes enthält als Sehenswürdigkeit das herrliche Grabmal Papst Johann XXI l. Es ist mit seinen Spitzen unb Türmchen ein klingendes Spiel bet Gothik, und erinnerte mich sofort an Peter Vischers Sobaldusgrab.

Ich verlasse auch diese Stadt mit den unheimlichen Straßen und frechen Gesichtern, und eile im Expreß über Belfort und Straßburg, der deutschen Grenze entgegen.

Indes meine Pariser Freunde noch um mich bangen und täglich nervös die Zeitungsnotzizen durchstöbern, sitze ich wieder wohlgeborgen in Deutschland. Meine Frau läßt die Seidenstoffe, die ich für sie in der Rue de Lafahette in Paris gekauft habe, voll Endlicher Freude durch die Finger gleiten. Mein Junge sortiert auf seinem Tische verschiedene Donbonarten, die ich für ihn in Nizza zusammenpacken ließ. Der und jener meiner Freunde wird heute abend zugegen sein, um einer großen Päte de Lyon den Leib zu öffnen. Nur ich selbst bin geschwächt wie nach einer überstandenen, aber durchaus nicht leichten Operation.

Päbel, Zimb und Schnorzes.

Bon Rudolf Schneider.

Päbel, Zimb und Schnorzes haben jeder eine Kohlenkiste für sich Der Winter ist lang, aber die Kisten sind groß, und man hat vorgesorgt: Alle drei sind wohlgefüllt und stehen in je einer Ecke des Kellers. Bretter find darüber gebreitet, darauf ruht das Holz. So hat jeder das feine, und es können keine Ver­wechslungen passieren. Hat man alles gemeinsam, dann heißt es gleich: Du nimmst zuviel, das geht nicht; hat aber nur einer etwas, bann muh er befürchten, daß die anderen von seinem Vorrat zehren. Nicht daß man einander mißtraute ober kleinlich Wäre aber so ist es in jedem Falle angenehmer; eine glatte Rechnung.

Päbel, Zimb und Schnorzes wohnen gemeinsam in einer Wohnung. Jeder hat sein Zimmer mit eigenem Eingang und eigenem Ofen, und wer es warm haben will, geht in den Keller, holt sich Kohlen aus seiner Kiste und heizt damit ein. So ist es ausgemacht und übrigens ist das selbstverständlich. Bedienung hält man feine mehr, bas ist zu teuer für Junggesellen. Jeder wischt den Schmutz nach feinem Belieben in die Ecke ober läßt ihn ruhen. Jeder von den dreien führt auch sein eigenes Leben; man ist zwar befreundet miteinander, aber deshalb will man in der Hauptsache doch seine Ruhe haben. Natürlich ist gegenseitige Rücksicht, Schonung und Ehrenhaftigkeit die allererste Pflicht, die man sich zu erweisen hat, doch das ist auch« selbstverständlich.

Also wandert am ersten kalten Tag Päbel, der ein Früh­aufsteher ist und sehr verfroren, mit Pantoffeln und der Woll­decke um den Bauch, in beit Keller, um sich Kohlen heraufzu­holen. Nun, denkt er, als er im Keller vor dem gesamten Reich­tum steht und überlegt ein Weilchen, ich werde es fo machen, ich werbe einmal von Zimbs Kiste, einmal von Schnorzes und einmal von meiner nehmen. Der Winter ist lang und ich muß sparen. And er fängt in aller Ruhe bei Zimbs Kiste an und schaufelt seinen Eimer hübsch voll.

Als er ein warmes Feuerchen in seinem Ofen hat, erwacht nebenan, da es lustig prasselt und knistert, Zimb, horcht ein wenig und denkt: Sieh, der heizt schon! And er beschließt vorsorglich in aller Ruhe, für seinen Teil die Sache so zu machen: Gr wird einmal von Päbels Kohlen nehmen, einmal von Schnorzes und einmal von den seinen, denn er hat fein übriges Geld wie Päbel, der heute schon heizt, und der Winter ist lang. And im An­