Eichener zamilienbMer

Unterhaltungsbeilage zum Eichener Anzeiger

Mrga»grs " Dienstag, den LI. Marz «MWWtM

Pflügers (Bebet

Bon AdslfAuguft Saffau

Herr, die Schollen wenden sich, Offen liegt die junge Erde Deinem Segen, und fo sprich Wie am erstell Tag: Es werdet Herr, die Furchen auf und afc Werd' ich Samen streuend «chen. Laß aus seinem still«! ®$äo Alles fröhlich auferstehen.

Herr, und nimm in deine Hut Meines Feldes edle Gabe, Daß ick Brot für meine Brut Auch in diesem Lahrs habe.

Südfranzösifche Reifebriefe.

Don Fritz Diettrich.

find Leuchttürme, die untrügliche» Zeigefinger der Schiffahrt, in der

Der grelle Lichtschein von meinem Abteil jagt draußen neben dem Wagen her. Durch ihn Hindurch müssen alle Pflanzen der Riviera, die hart am Schienenstrange wachsen, noch einmal gehen. So kann ich von jedem Olivenbaum, von jeder Agave, Pinie und Zypresse Abschied nehmen. Sie ziehen wie ein schneller Traum durch diese Helle. Dann fallen sie wieder in Die nässe Dacht zurück, und bleiben auf dem Fl-eck, der sie

HHeünatet. ' ,

Auf dem Bahnhof in Toulon Hatte ich ein Erlebnis, das manchen meiner Landsleute bestimmt verdrossen Hätte, das mich ober durch seine Komik ungemein entzückt hat.

Ich ließ mir vom Büfett, das den Bahnsteig entlang fuhr, «eine Flasche Limonade ins Kapee reichen. Ich wußte genau ^daß diese Flasche zwei Franken 50 Centimes kosten würde. Der garxon". der mein Geld bereits in her Tasche hatte, gab mir jedoch eine Flasche, die nur drei viertel voll war. Ich gab ihm diese Flasche ruhig wieder zurück und fragte, ob er nicht auch volle Flasch«! verkaufe.

Regentage in Nizza.

Zwei Tage Regen in Nizza bedeuten für mich ein verlorenes Paradies. Während der Mahlzeit nehme ich mit den langweiligen Bespräche» eines Engländers vorlieb, der wie eine alte Jungfer ÄUstieht. Mil Franzosen kräusle ich in endlosen Konversationen an der Oberfläche hin. Daun und wann versuche ich auszugehen, und renne die Strandvromenade entlang. Ich höre die Stimme der Flut wie aus einer Muschel rufen. Der Regen siebt mit gleichmäßiger Intensität nieder. Autos sausen mit einer wahren Wonne durch die Pfützen. Palmen und Blumen und Orangen­bäume nehmen sich geradezu tragisch aus in diesem nordischen Landregemmlteu. v , _ .

An solchen Tagen merkt man schließlich auch, daß es in Nizza fünf- bis siebenstöckige Häuser gibt und daß die Fronten der Grand Hotels wahrhafte Meisterwerke architektonischen Kitsches sind. Man fühlt sich wie eine Made im Innern eines Apfels: Wan frißt sich durch und ist dennoch elend gefangen.

Trotzdem Habe ich mich keine Minute gÄangweilt: @8 Jjatte nur alles, was ich anfing, einen kleinen Fehler. Das ging bis ins Alltägliche hinab. Bestellte ich Schokolade, brachte man mir Kaffee. (Selbst einen Mnszig-Rentenmarkschrin wollte em Jüng­ling der Algier-Dank als 50 Pavrermark ansehen!)

Ich werfe mick in ein Auto und sause einige Kilometer westwärts den Strand entlang. Die Ferne ist ausgelofchen. Mühsam und unfroh kommen die Wogen heran und werfen sich erschöpft auf die Steine nieder. Die Häuser springen wie Wegelagerer plötzlich aus dem Grau hervor und sind im Ru hunderte von Metern Hinter mir. Wie seltsam und phantastisch die sonst mit übergroßer Klarheit beschenkte Landschaft fein kann, merke ich auf dieser Fahrt zum ersten Male! Jede Zypresse scheint plötzlich geladen mit Dämonien und jeder Mimvsenstrauch Hängt traurig wie ein gebrochenes Frauenherz im Leeren. Mei« Auto kehrt um und trägt mich zur Stadt zurück, die als sacht ausschÄnmernder Lichtbogen in der frühnächtlichen Ferne liegt.

Ich kann das Gefühl nicht loswerden: Zwei Tage Regen in Nizza bedeuten für mich ein verlorenes Paradies. Jede Palme streute das Regenwasser literweise nieder, das rund um deck Stamm einen weiten Kreis in Den Sand wusch. Die Berge, dis letzten Ausläufer der Alpen, lagen unwirklich zufanrmengeklumpt. Die zärtlichsten Blumen, die resigniert die Kelche nirderüvgen, waren noch viel weniger dazu angetan, die Stimmung zu Heben.

Reben dem Kaffeehaus, in dem ich sitze, befindet sich ein erstklassiges Blumengeschäft. Doch Nicht nur Blumen, sondern auch besonders erlesene Früchte kann man dort kaufen. Große Orangen ruhen wie Feuerangen in den Auslagen, auf violetten Samt gebettet. Kleine Zettel Weben an ihnen mit der Aufschrift: Jerusalem. Bethlehem, Razareth usw. Wie ich Höre, sollen ganz besonders die Engländer hinter dies«! Heiligen Früchten? Her fein. Es ist eine lange Reife, die solch eine edle Frucht vom Heiligen Land machen mutz, um über dm Spleen eines Engländers in Hessen Magen zu landen.

Der Expreß trägt mich durch die nasse Nacht die Revier« entlang. Rach Marseille zurück. Das Meer Legt wie ein unge- Heuer schwarzes Auge, das manchmal verhalten aufblitzt. Dann

Ja, mein Herr, die verkaufe ich auch! Aber sie kosten 50 Centimes mehr!" antwortete er ebenso liebenswürdig wie verschmitzt.

Ich lachte laut auf über diesen provenzalischen Eulenspiegel, griff nochmals nach meinem Portemonnaie '.md warf ihm der Zug hatte sich bereits in Bewegung gesetzt 50 Centimes zu als Douceur für seinen gelungenen Scherz

Arles, Tarascon, Avignon.

Arles. Hier hat Bincent van Gogh die unendliche Somu in seine Bilder heruntergebetet. Mit jeder Straße, mit jedem Borstadtgarten schmeckt man die Wunder feiner Werk noch einmal nach. Gin Dach ist da. Eigentümlich geriet wie tausend andere hier. Die Hand mochte unwillkürlich Dem Schwung nach­gehen, den die Rohrfeder des Meisters beim Zeichnen dieses Daches gegangen ist. Ein Gerümpelhvf, wie er sich im Winkel jeder Stadt wiederfindet, hier wird er einem zum Erlebnis, weil uns die große Magie des großen Künstlers befällt, weil wir mit den Augen van Goghs dir Wichtigkeit der Ding-r erkennen. Einen Geistesgruh schick ich der Seele des Unsterblichen ins Lichtreich nach.

Arles war schon zur Zeit der Römer Der ZusammenfluH des gesamten Reichtums der Provenze. Später ward es von den Westgothmr, Burgundern, Franken, Sarazenen vielfach bestürm! und zerstört worden. Aber lein Schwert konnte diese Stadt in den Orkus stürzen. Stets ward es von der Betriebsamkeit des südlichen Handels wieder in die Höhe gerissen.

Das ückeressanteste Denkmal in Arles auS dem Altertum ist ohne Zweifel das römische Anrphitheater, das, ein gewaltiges Oval, mit seinen dunklen Bogengängen daliegi. Allerdings sehr gebeugt von den Jahrhunderten. Auch über dies Theater, des 16 000 Menschen fassen konnte, ist der Siegeszug der römischen Kultur gegangen, einer Kultur, die zwar an sich zugrunde gehen mußte, die aber ausgeheilt in alten späteren Kulturen Europas werterlebt.

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Tarascon, die entzückende Provinzftadt, die harmonisch den Windungen des Rhvneflusses "folgt, ist bekanntlich die er­dachte Heimat des schlauen Tartariu, den Daudet in den Himmel der Unsterblichkeit gehoben hat. Hier fesselte mich eine hübsch« Legende, die man sich über Den Ursprung des Namens Tarascon erzählt. .

Es war in den ersten Zeiten der christlichen Aera. Dre Stadt existierte schon. Haudrltreibende Marfeitler hatten iU 17 Kilometer nördlich von Arles gegründet. Später hatten dir Römer sie durch eine Festung gesichert und gaben ihr den Namen Arx Jovis. Aber ein Ungeheuer verwüstete ringsum die fruchtbare Landschast. Es war von frei1 Art eines schrecklichen Drachen, von der Größe eines Mammuts, mit einem Löwenkops und einer Pferdemähne, mit Zähnen, von denen jeder einzelne scharf wie ein Schwert war. Der Rücken des Untieres war scharf wie eine Sichel. Sechs kurze Beine trugen den Riesenlriv von phantaslifcher Häßlichkeit. Wan nannte estarasquT', das be­deutet so viel wie häßlich, mißgestaltet.

Dieser Tarasque nährte sich von Tier- und Menscherstletstß. Die Bewohner von Arx Jovis, die damals noch alle BaustA