Ausgabe 
27.6.1925
 
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endlich verlieh und die Treppe herabkam, stand der Frei-- bereits in seinen ordentlichen Kleidern unterm Tor und

Saal Herr

fiieg soeben zu Pferde. Er winkte mir im Wegreiten noch ein Adieu zurück. Der Schlohvogt muhte ihn den Berg hinab, dem Dorfe zu, begleiten. Ein junger flinker Säger, der hinterdrein ritt, gab mir Lurch lustige Gebärden zu verstehn, dah manden Juden" schon vorausgeführt habe. Sn Gottes Rainen! dachte ich und eilte in die Stube und auf Aennchen zu, die mir ent­gegenflog.

Die Trunkenheit der nächsten Stunden zu beschreiben, soll mir billig erlassen sein.

Sosephe so will ich sie immerhin nennen, denn dieser Raine war ihr ganz Agen geworden Sosephe zog mich an ein Tischchen, auf dem ein appetitliches Abendbrot, mit frischen Herbstblumen geziert, mein wartete. Sch hatte hundert Fragen an das Mädchen, doch meine Ungeduld sprang immer nur von einer zu der andern, dergestalt, daß ich am Ende so wenig wie vorher von allem begriff. Die seligste Konfusion von gegen­seitigen Erklärungen, von Tranen, Scherzen, Küssen löste sich zuletzt in das Geständnis auf: man wolle jetzt nichts wissen und nichts fassen, als dah man sich wieder besitze, dah man sich ewig so umschlungen halten würde.

i S0* ^em Schlößchen hin und her spazierend be.

hagte. Er Hatto «ruf der Stelle weg, wo das hinauszielte, zumal I « an demselben Nachmittag in Sünneda mit der ©cbatta

Schloß zusammengetroffen und ihm die Aengstlich. keit, womit di« Base ihn für dieses Mal von einem Besuche L Sephchen abhalten wollte, bereits verdächtig voraekmnn.^ war Ganz stille schlich er sich den Berg wie^r hinab L ^nn <3-rr- trat buch wirklich ein ganz vertrackter ein, völlig dazu gemacht, Mich mit einem «Schlag in die Lüfte zu sprengen. a ute

, , HerrPewr batte nämlich in folgender Nacht einige Reisende beherbergt, Hande^herren, die mit anbrechendem Tage weiter t-ff?1 aufgestanden: er reichte ihnen zwischen ! dem Frühstück gefällig die neueste Zeitung, und einer trun ( daraus dasMerkwürdigste vor, unter an denn einen ellen- viel Aufsehen erregte. Der Wirt geht eben ^irch das Zimmer, steht still und spitzt die Ohren: er ist von

Ilxft mit ei5enen Augen, wird Plötz.

8E und Flamme und rennt mit dem Blatte davon - Zum «Schulzen, fernem Vater. Der, weil er eben unpaß ift übertragt die Sache dem Sohn, auf den er sich verlassen kann Snwemgttalsemerhalben Stunde war meine Aufhebung Z Ad- Daß ich nachher denselben Menschen, welcher mit sol- Schergen wider mich aufbot, noch immer Äs den Dieb ansehen und behandeln konnte, war freilich eine mÄS mtr, der blinde Drang des AugenbliiZ v^ zeihlich machte. Sch meinerseits indessen war nicht einmal ge- d«« Irrtum so sehr zu Herzen zu nehmen, befandet

1 merkte, daß unser guter Schatzkästleinspatron, t^Her von vornherein der Sache auf den Grund gesehen, dem schadenfrohen Käuzen eine vorübergehende Demütigung « ÄXäÄ'A u"w*"'ä - «WW

Zudem wir nun allein so Hand in Hand entlang dem Ackerfeld, am Rand des Bergs, hinwandelten, war mir's noch barchen, dah ich das schönste liebste Mädchen bls meine ausgemachte Braut besitzen sollte, und daß dieselbe zwar nach Leib und Seele mein altes Schätzlein ans der Melbergasse Hinterm Krahnen fei!--,,©o Tag mir

&etrn, um s Himmels willen", hob ich an,wie bist du von den Toten auferstanden?

. , »Mir kam es wahrlich selber vor", versetzte sie,als ging' eS Nicht Mit rechten Dingen zu, da ich eines Morgens die Augen aufschlug und mich in einem fremden Zimmer, wo alles gar vor- neljm und lieblich aussah, in einem feinen seidenen Bettchm ^um ersten Bkale wiederfand. Es war ein wenig dunkel in dem Zmnner. die Laden waren zu, die Vorhänge herabgelassen.

,bch einer Welle kam eine ältliche Dame herein: sie war mir strich bekannt: so ein sanftes und liebreiches Witwengesicht halt' ich schon sonst einmal gesehen. Du muht dich noch erinnern, zu Egloffsbronn vor dem Brückentor gegen die Landstraße hin steht emzeln em freundliches Haus zwischen Gärten"

Frau Base schien in großer Rot, wie sie dem glücklichen Paar ihre Teilnahme ausdrücken sollte. Sie hatte in der Tat, wie ich nachher erfuhr, nicht das beste Gewissen. Denn wenn Sosephe gestern, im Sinne mich zu prüfen, auf zweideuttge Weise etwas von einem Bräuttgam verlauten lieh, so hing dies bei der Alten ganz anders zusammen. Gedachter Schulzensohn, ein angehender Wirt, filzig und reich, doch sonst ein guter Christ' hoffte an diesem Mädchen eine tüchtige Hausfrau für sich zu ertoerfan und betrieb seine Absicht um so ernstlicher, da nicht verschwiegen blieb, daß sie von der seligen Freifrau von Rochen auf welche merkwürdige Dame wir näher zurückkommen werden mit einem Vermächtnis bedacht worden war, dessen Eröffnung bis auf ihre Hochzeit ausgesetzt sein sollte, und wovon, m Betracht, wieviel sie bei gnädiger Herrschaft gegol-

Ar übertriebene Vermutungen bestanden. Sosephe, die den Menschen nicht entfernt ausstehen konnte, war überdies, ^rch manchen geheinmisvollen Wink ihrer verblichenen Be- r^L®^lteL m Sinn und Herzen immerfort nur auf die wo der Geldschmiedsgeselle von Achfurth an» Aase aber insoweit auch sie in d^ Geheim- "^euigeweiht war, hatte, als eingefleischtes Weltkind, iioch nie

st Mglaubt und konnte endlich eine kleine Kuppelei

1 fJs Äänft« f<Mterten an der Beharrlichkeit

^bn ^mües, und der gekrankte Freier blieb einige ocit aus. Am letzten Sonntag kam er wieder, sein Heil noch nndi _______ 1 erstaunt, als er

ständen amnaßen möge. Genug. Shr habt den Lockvogel hinaus- gelassen, mit dessen Hilfe Shr die ganze goldne Schar gar leicht- lich wieder in Eure Hand würdet bekommen haben."

O Gott! ich Unglücklicher!" rief ich verzweifelnd aus und schlug mich vor die Stirne.

Geduld, Geduld, Gesell!" sagte der alte Herr,noch ist nicht alles verloren. Laßt Euch den Fehler für die Zukunft zu einer Warnung dienen: indes" hier griff er in die Tasche und zog zu meinem freudigsten Erstaunen den Dukaten hervor, den er mir lächelnd mit den Worten reichte:Er kann nun freilich die erwünschte Wirkung nicht mehr tun, der Zeitpunkt ist versäumt: dessenungeachtet werdet Shr vor Cyprian Eure 399 wieder haben, da es Euch denn doch angenehm fein dürfte, auch den vierhundertsten gleich draufzulegen. Er fand sich noch zum Glück in den Zähnen des.Goldenen Löwen'."

Mit Tränen küßte ich die Hände des Patrons und wußte meinem Danke keine Worte. Der unvergleichliche Mann fuhr nun fort:

Franz Arbogast, Shr seid von nun an frei, und die Ge­rechtigkeit gibt Euch hiemit durch meinen Mund und traft dieses Papiers bis auf ein weiteres Euren ehrlichen Namen zurück. Marcell von Rochen hat Bürgschaft für Euch geleistet: ich sprach Euren wackeren Meister noch kürzlich in Achfurth. Er läßt Tuch freundlichst grüßen. Auch mußte er mir das Versprechen geben, daß er die Arbeit, dereuwegen Shr nach Frankfurt reisen solltet, in keines andern Hände legen wolle. Es hat noch Zeit damit, und auf mein Wort bleibt Shr nur vorderhand getrosten Muts hier auf dem Schlosse. Sosephe wird schon sorgen, daß Shr uns nicht entlauft; denn noch erwartet Erich ein wichtiges Geschäft. Sch kann für heute nicht bleiben, in wenig Tagen sehen wir uns wieder. Bevor ich aber scheide, nehmt meinen besten Segen für Euch und für Josephen. Gewiß, mein Freund, Euch ist nach mancher Prüfrmg ein selten Glück beschielten: was man dagegen j von Euch fordern wird, das sollt Shr seinerzeit von Eurer Braut vernehmen. Sudes gehabt Euch wohl!" Hiermit entfernte er sich in ein Seitenzimmer, eh' ich ihm nochmals hatte danken können.

Sch blieb in einer Art von freudiger Betäubung noch eine ganze Weile auf einem Flecke stehn, halb in Erwartung, ob mein Wohltäter nicht noch einmal heraustrete. Als ich den

Ganz recht! es liefen immer ein paar prächtige Pfauen nn Hofe herum, die wir oft halbe Stunden lang durch die Staketen beguckten"

Sa unb da rief uns eines Tages eine vornehme Frau in oas Haus, befrag uns über dies und das und schenkte jedem einen neuen Zwanziger. Wir kamen noch einigemal, doch leider war die gute Frau nie mehr zu sehen. Run aber kannte ich sie sogleich wieder, oie setzte sich zu mir ans Bett, erkundigte sich nach meinem befinden und reichte mir köstliche Bissen zur «Stär- nmg. ®aitn trat Fran Lichtlein inö Gemach und gleich daraus r ne^ Frauenzimmer, das mich mit Schm eichet Worten und Liebkosungen uberhaufto und fast nur allzu lebhaft war. Man nannte sie Sosephe, zur äftern Dame sagte sie Tante Sophie. Sie zeigte nur em schönes Kleid, das sollte ich anziehen, sobald ich wieder aufstehn dürste. Meine Frage, ob ich zu Eglosfs- bromi Ware, bejahte man mir, und als ich weiter forschte, ob ich Denn Wieder zu meinen Pflegeeltern müßte, hickst es: nein, Die Tante nehme mich mit auf ihr Gut. wenn ich wollte. .Ach lb> sagt ich. .wenn der Goldschmied-Franz auch mitgehff. -Der kommt Dir nach!' versetzte das Fräulein und lachte.

toar ich böllig wiederhergestellt und Wohl in meiner neugewachsenen Haut, so putzte mich das Fräulein so artig her­aus, daß ich mich kaum mehr kannte; sie flocht mir mit eigener Hand meine Zopfe, sie stellte Puppen und allerlei Spielwerk vor mich und ging dabei selber mit mir nu rwie mit einer neuen Puppe um. .Hören Sie, Tantchen!- rief sie Der gnädigen embial zu, .ich habe Lust, einen Vertrag mit Ihnen ab- zuschlmßen: hiermit verspreche ich, Shnen nicht nur Den kommen- Den Aionat, wie wir ausgemacht haben, sondern ein ganzes "Ä Syrern verrufenen Schlößchen Gesellschaft zu leisten, , nr - -- ------- der Bedingung, daß ich das Kind nach meinem Sinn erziehen

Z J Allein tote sehr war er erstaunt, als er I mt> mir es ganz aneignen Darf.'

das des Ho.fraumes wahrnehmen mußte, wie sich I -Schon gut', war die Antwort wir wollen sehn wie

e? sick von (5Ut emem fremden Gesellen, dessen Person Tang das Dauert wird,- ' '

erji^non der Gramsener Botenfahrt her sogleich ermatte, I (Fortsetzung folgt.)

Verantwortlich. S. V.: Ehchard Evers. - Druck der Brühl'schen Universitäts-Buch-, und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.