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Stunde die Bergseuer mit tausend Funkelt zum Himmel emporsteigen, die Holzklötze prasseln, Buben und Möbeln Hand in Hand mit lautem Jauchen über die Lohe springen, biS das letzte Scheit verglüht, das Feuer verglimmt ist. Durch dunkeln Hochwald ziehen sie dann, dem Laufe springender Bäche entlang zu Dal, engumschlungen, zusammengebunden von reifendem Sommer, vom starken Segen der Sonnwendnacht... Wie anders ist das olles hier. Kein Wald und kein Baum, aus dem man einen Holzstotz schichten könnte, kein Laub und kein Gras und kein Moos, kein Bach und kein Quell. Rings umher, wenn das Licht wieder erwacht, grinst der gelbe und braune Tod des Verdürstens und Versengens aus Sand und Gestein. Rur eines ist hier wie dort: SPn der Stille der Verlassenheit der Sonnwendnacht rücken die Menschen zueinander, drängt Herz sich zu Herz, Leib zu Leibe. Wher ziehen die Beduinen auf dem Dache ihre Mädchen zu sich heran. Die zwei Paare erheben sich. Die weihen Burnusse leuchten, tauchen in der Türluke unter, die Schritte der abwärts Steigenden txrklingen.
Die Alad Rail, di« mich heraufgeführt, hüllt sich fester in ihren Mantel. „Es wird kalt hier oben," meint sie. „Komm auch du herunter." Sie lächelt, winkt mir und geht. Auf der Stieg« klimpern silbern ihre Spangen und Fußreife. Ich bin allein und mm beginnt es, auch mich zu frieren. Zu Hertz war der Tag.
Svnnwendnacht! Es ist nicht gut, in solcher Rächt allein zu sein. Roch ein Mick in die weihe, fast taghelle Mondnacht. Dann wend' ich mich zum Gehen, scheide von Sternen und Licht, steige hinab in die Schwüle und Tiefe, hinunter zu den Menschen, wohin ich gehöre...
Zwei Gedichte.
Von Lili Ebhardt.
Wenn wir abends die Hände falten, gehn die Gedanken im lautlosen Dunkel, weben Wünsche irrs Sterngcfunkel. Ahnen die göttlich geheimen Gewalten, die unser Leben und Schicksal gestalten —- Uns're Gedanken, im lautlosen Dunkel, gehen vereint unterm Sterngefunkel wie Kinder, die an den Händen sich halten.
Bleicher Mondschein Drücken baut über abendstille Wasser.
Gläsern klar der Himmel blaut und die Sterne funkeln blasser. Weich vom Dunkel ab sich hebt Mondesgold auf schwanker Welle und die Sehnsucht schwebt und bebt lautlos durch die nächt'ge Helle.
Der Schatz.
Von Eduard M ö r i k e.
(Fortsetzung.)
Ich hatte mich in kurzer Zeit wieder gesammelt. Es war ein förmliches Gefängnis, worin ich mich nunmehr befand, dunkel und moderfeucht und kalt. Die Sichel, von dem Regen angeschwollen, brauste wild in der Tiefe. Ich überdachte meine Lage schnell. So schrecklich sie auch schien, st« konnte doch unmöglich lange dauern, lind was mich über alles tröstete, fürwahr, ich brauchte das nicht weit in Gedanken zu suchen. Denn wenn es mir auch anfangs nur wie eine dämmernde Er- innerung vorschwebte, datz ich das geliebteste Mädchen vor wenig Augenblicken noch an diese Brust gedrückt, so gab ein nie gefühltes Feuer, das mir noch Mark und Dein heimlich durchzuckte. das seligste Zeugnis, datz dieses Wunder nicht ein eitles Blendwerk gewesen sein könne; ein Aebermatz von Hoffnung und Entzücken ritz mich von« Boden auf und machte mich laut jauchzen.
Bald aber, da Stunde um Stunde verging und es schon weit über Mittag geworden war, ohne datz sich ein Mensch um mich bekümmerte, stellten sich Angeduld, Zweifel und Sorge allmählich bei mir ein. Für meinen Hunger hatte man zwar durch ein Stück schwarzes Brot, das ich nebst einem Wasserkrug in der Mauer entdeckte, hinreichend gesorgt, und ich verzehrte es mit groher Gier; doch eben diese reichliche Vorsorge lieh befürchten, datz ich für heute wenigstens aus diesem Loche nicht lvskommen würde, daß ich vielleicht die Rächt hier zuzubringen hätte. Ich leugne nicht, mir war diese Aussicht entsetzlich. Denn, hatte nicht vielleicht jene verruchte 3rm«I ht eben diesen Mauern ihr blutiges Ende genommen? Wie, wenn eS ihr einfiele, diese Rächt ihr altes Quartier einmal wieder zu sehen? Es rieselte mir kalt den Rücken hinunter bei solchen Gedanken. Dabei wird man begreifen, daß es mir unter diesen Am ständen keine sehr angenehme Deversion (Zerstreuung) gewährte, der Frechheit zweier Ratten zuzusehen, welche sich auf den Rest meines Mittagsmahls bei mir zu Gaste luden.
Es schlug drei auf dem Schloß; ich wollte fast vergehen. Auf einmal aber rasselten die Riegel. Der Schloßvogt öffnete,
Verwirrung und Verlegenheit hn Blick. „Der gnädig' Herr ist angekommen; er schickt mich. Euch zu holen."
Ich folgte dem Vogt nach der vordern Hausflur, wo er mich warten hieß. Zu meinem Aerger standen hier verschieden« gemeine Leute herum, die sich ihrem Gebieter zu präsentieren wünschten, der Pächter samt dem Schäfer und dergleichen. Sie gafften mich wie einen armen Sünder an und zischelten einander in die Ohren; ich machte aber ein Gesicht wie ein Pandurenoberst und kehrte ihnen dann den Rücken zu.
Es dauerte nicht lange, so kam, gestiefelt und gespornt, vom Stalle her ein kleiner, blasser, ältlicher Herr mit großen blauen Augen in Begleitung einer schneeweißen Dogge, durch deren gewaltige Gröhe die kurze Gestalt ihres Herrn nur desto auffallender wurde. Er sah mich im Vorbeigehn scharf so von der Seite an, sprach mit den andern ein paar gütige Worte, lieh abermals den Blick auf mich herübergleiten und war schon im Begriff, die Leute zu entlassen. In diesem Augenblick gewahrte ich den jungen Mann, der sich am Morgen mit so vielem Eifer meiner Person hatte versichern wollen und den man mir als Aennchens Bräutigam bezeichnet — Aber wo nehm' ich Worte her, um mein Erstaunen, mein Entsetzen auszudrücken, als ich beim zweiten Blick meinen Reisenden aus der Postkutsche in ihm erkannte!--Anfühlend, wo ich stand, und des Respekts ver
gessend, den ich der Gegenwart des gnädigen Herrn schuldig war, warf ich mich auf den Burschen mit einer Wut, mit einer Schnelligkeit, wie kaum ein Tiger sich auf seine sichere Beute stürzt. „Verinaledeiter Dieb! so hab' ich dich!" und packt' ihn kräftig bei der Kehle. Eine Totenstille entstand. Entsetzen hielt das Gesindel gebmmt. Der alte Herr-sah unwillig verlegen zu dein Auftritt, und einem allgemeinen Murren folgte unmittelbar der wildeste Tumult. Man wollte mir mit Gewalt meinen Feind entreißen, von dessen Gurgel meine Hand nicht loszubringen war, und hätten sie mich in Stücke zerrissen. Die kreischende Stimme des Freiherrn allein war imstande, mich zur Vernunft zurückzubringen. 3n kurzem ward es ruhig.
„Faßt Euch, Herr Peter!" sagte der Patron zu meinem Gegenpart, der mich erhitzt und keuchend mit weinerlichem Lachen angrinst« — „Ich hoffe, dieser allzu rasche Jüngling wirb Euch seinerzeit den gröbsten Irrtum abzubitten haben; indes, Herr Schulzensohn, seid Ihr einmal entschieden angeklagt und werdet Euch gefallen lassen, inmitten dieser öeute hier Euch zu gedulden, bis ich mit jenem fertig bin."
Der Schlotzvogt führte mich nun auf Befehl des Herrn hinauf in den Saal, wo er mich alsbald wieder verließ. Ich hatte vor lauter Erwartung kaum einige Aufmerksamkeit auf das, was hier mich umgab. Aralie gewirkte Tapeten mit abenteuerlichen Schildereien, zwei lange Reihen von Porträts bedeckten die Wände; ein ungeheures Fenster umfaßte die prächtigste Aussicht. Mir wurde die Zeit unsäglich lang. Endlich ging eine Flügeltür auf, und Herr Marcell von Rochen trat herein, in feierlicher, sonderbarer Tracht. Er war in Reitstiefeln, so wie vorher; sein übriger Einband jedoch erinnerte mich auf der Stelle frappant an mein Schatzkästlein. Gr hatte ein schwarzseidenes Mäntelchen an, darunter ein geschlitztes spanisches Wams von meergrüner Farbe hervorstach. Sein grauer Knebelbart rieb sich an einem steifen Ringelkragen, welcher wie Pergament aussah. Wenn sich der Mann von ungefähr um- dresche, so war etwas Erkleckliches von einem Höcker zu gewahren, ein Merkmal, das gedachter Aehnlichkeit auf keine Weise Abbruch tat. Nichtsdestoweniger hatte sein ganzes Wesen etwas Ehrwürdiges, Anwiderstehliches für mich.
Er nahm nunmehr mit Anstand Platz und sprach: „Ihr seid Franz Arbogast aus Egloffsbronn, GvldschmiedsgeseN bei Met- ster Orlt in Achfurth?" „ „
„So ist es, Ew. Gnaden!" versetzte ich mit großer Zuversicht und erzählte sofort auf Verlangen die ganze unglückselige Historie ausführlich und gewissenhaft, wobei er sehr auf- merksam zuhörte. Am Ende zog er die Klingel und ließ mein Felleisen bringen. Hierauf begehrte der Freiherr das Britein zu sehen, das eine so wichtige Rolle in meiner Geschiichte gespielt. Ich überreichte ihm das unschätzbare Werllein ungesäumt. das er mit einem ganz erheiterten Gesicht, ia mit unverkennbarer Rührung, tote eine wohlbekannte Relrq ure, empfing. „Meiner Schwester Hand, bei Gott!" rief er halblaut, blätterte lang und schmunzelte dazwischen, sah mich dann wieder ernsthaft an, ging auf und ab, mtt allen Zeichen stiller, nachdenklicher Verwunderung. Dun trat er <wf mich zu urto sagte: „Also just vierhundert Dukaten betrüge dte Summe, die Ihr verloren?"
„Gerade soviel, Ew. Gnaden." , , _ „ _ o
„And davon hättet Ihr nicht das geringste «brigbehalten? Besinnt Euch ja Wohl!" , m . .
Auf einmal ftel mir ein, daß ja «och eta Goldstück tot Wagen gewesen, und dcch ich dieses in der Rot bei
Rösheim auswechseln lcflsen. Och bekannte aufrichtig, wie alles SC9a^Lhabt Ihr sehr übel getan!" versetzte der Freiherr bedenklich, mit kaum merkbarer Schalkheit. „So gcht es, wenn ein Osterjüngling nicht genau nach seinem Katechtsmo lebt. Ihr werdet Euch des trefflichen Spruches erinnern, wonnnen gesagt ist, daß man sich fremden Eigentums unter keinerlei Am-


