Ausgabe 
27.1.1925
 
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Schrlltleittlng: Dr. Stiebt. 0Sit6. Qanae. Druck un6 Derlaa bet Brühl'schen Aniv.-Buch- und Steindruckerei, R. Lanas. Gießen

Das Doot war leer. Das Fallreep

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in der Falle.

Kisten, die bereits aus dem Raum heraufgeschaff! waren, wurden auf die Planken der Luken geschoben. daß diese dicht war. Dann hielt der Schiffer mit den Janmaaten Kriegs rat. Adriano meldete stolz die Gefangennahme des Piraten im Hühnerläfig.

Dann wollen wir diesen Bogel mal ein bißchen singen lassen," beschloß der Schiffer.

Wir müssen ihn hernach teeren und federn," erklärte ein Maat, der aus einem Petroleumdampfer von Nordamerika ge­kommen war.Das macht fix Spaßl"

Wir könnten ihn auch ein bißchen kielholen" schlug ein anderer vor.

sFortsetzung folgt.)

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wirklich am Platze. .

Wilm Peters kam bereits nach einer knappen Viertelstunde mit sechs Janmaaten, die von Herzen gern das Abenteuer mll- machen wollten. Der Schiffer goß jedem zunächst einen ansehn­lichenKöhm" ein. der ihren Mut besonders beleben sollte, spendierte auch den nötigen Priem und belehrte sie dann uaer seinen Kciegsplan. Gr selbst nahm das Außer. Die Schraube ging an, derDon Pedro" steuerte durch den Hafen und nahm Kurs auf die Jlha, ' "

wo dieAosalia" lag.

neben dem Leichter festgemacht, aber es war derRosalia" toar niedrrgr'iert, zwei Kerle hockten rauchend auf der Luke. Beim Rahen des Dampfers liefen sie in den Laderaum derRosalia" hinab. Da kamen zwei andere Galgenvögel heraus und gestikulierten erregt.

Ahn!" sagte Daükhage grimmig.Run wissen sie nicht, ob wir Frellnd oder Feind sind."

Gr steuerte denDom Pedro" dicht an dieAosalia her­an mld Wilm Peters schob die Laufplanke hinüber. Ehe die Hafenräuber recht wußten, was vorging, waren Wilm Peters und die Janmaaten an Deck derRosalia", und die Piraten tauchten wie Wasserhühner in die Tiefe des Raums und ver­krochen sich. Denn Wilm Peters hatte dem ersten, der ihm mit einer Frage in den Weg trat, einen Tritt versetzt, daß er sich jählings auf die Schattenseite setzte: und ehe er wieder hochkam, hatte ein halbes Dichend Püffe und Hiebe weg. daß er am Leben verzagte. Adriano aber gab ihm seinen besonderen Segen mit dem Tauende und haute ihm die Jacke voll, daß der Aeber- raschteMisericvrdia! Por amor de Deus!" brüllte und um die liebe Seele flehte. Adriano aber sperrte ihn in den Hühner­koben, sprang in die Kambüse und holte ein langes Wurfmefser. zeigte es dem eingesperrtea Galgenstrick und versprach grimmig und mit Zähnefletschen:Dich schlachte ich ab wie ein Suppen­huhn! Aber erst morgen früh."

Die Janmaaten hatten indes die losgemachten Planken w>e- der aus die Luke geworfen und die Spitzbuben sahen nun hübsch

gegessen? Besieh dir den mal!" And er hielt ihm den Revolver ""t^Da^knickte^der Koch zusammen und faßte alle Gefühle in das ein? Wort zusammen:Pucha diabvl Hol nach der ^echsl!

Wenn er das nur bald tun mochte! ergänzte Wilm Peters freundlich und setzte seine kurze Pfeife in Brand, lehnte sich an die Reeling und spie verächtlich über Bord. , ' Die Kerle mögen was Schönes zusammenballern meinte er für sich.Die treffen auf zehn Schritt noch kem Scheunen- tor, sagt Schiffer Daükhage And er hat immer Recht. Aber nun könnte er bei kleinem wirllich kommen!

Indes der Schiffer lieb sich einstweilen immer noch nicht sehen. Dafür pulte aber ein Boot heran, auf dessen SMter sonderbare Gäste hockten. Sie kamen langseits derRosalia und riefen hinaus, man solle das Fallreep niederfieren, oder sie würden aufentern und mit dem Bestmarm verfahren, daß es ihm kerne Freude sein werde. Doch Wilm Peters li^ sich nicht aus der Aube bringen, und als der schwarze Adriano in seiner Heidenangst Miene machte, die Schiffstreppe zu Wasser zu fieren. Packte er ibn. warf ihn in den leeren Huhnerkafig und schloß die Gittertür zu. Der Schwarze jammerte greulich und flehte um seine Freiheit. Er wolle den Seeräubern da unten einen. Kambüsenkessel Heißwasser auf die Scyadel gießen. Aber Wilm Peters lieh ihn in seinem Bauer und sagte. Bleibe du nur, wo du bist! Du kannst dich ja em bißchen im Krähen üben." _ < . ,

Dann ging er gemächlich an die Reeung zuruck und rief den ungeduldigen Bvotsgästen zu, das Fallreep bleibe hoch, bis der Schiffer es anders bestimme. Die Leute unten machten etnen Mordslärm und riefen für ihn und seinen Schiffer eine, stattliche Reihe Komplimente hinauf. Wilm Peters wußte auch darauf zu antworten und goß ein paar Putzen Spillwasser hinab, daß es klatschte. Das kühlte die Leute aus den Duchten erheblich ab. Indes ruderten sie noch immer nicht von der .Rosalia" ab, die schwarz und schwer vor ihren Antern lag und tat, als gehe sie der gayze Lärm im Hafen nichts an.

Wilm Peters bekam es W) allmählich mit der Unruhe zu tun. als die farbigen Durschi« unten nach dem Schiffer brüllten, der sich immer noch nicht sehen lasse. dann mit den Revolvern, knallten und wüste Drohungen ausstiehen. Den schwarzen Adriano wollte Wilm Peters ihnen auch nicht ans Messer liefern. Dieser schwarze Bogel hatte in seinem Käfig nun genug Strafangst für seine frechen Reden ausgestanden. Wenn die Flibustier wirllich aufenterten, blieb nichts übrig, als von Bord zu springen und an Land zu schwimmen. Sehr weit war es ja nicht b-s zum sandigen Jnselstrande, der sich an Steuerbord der ..Rosalia' aus dem Wasser hob. Gegen die Horde von Seeräubern konnte Wilm allein sich nicht hallen. Aber er konnte vielleicht den Schiffer und andere Leute heranholen. bevor die Spitzbuben die Rosalia" ausgeplündert hatten. Er ging also an den Hühner- Wfig und ließ den schwarzen Koch heraus. Gerade war der erste Hafenpirat an der Ankerkette Hockgekommen und reckte sein freches Mulattengesicht über die Reeling. Da stieß Wilm Peters den schwarzen Koch ins Wasser, nahm ein Stuck Holz und fegte dem Mulatten eins aufs Dach, bevor dieser den Revolver heben konnte und flitzte dann selbst Adriano nach. Gin halbes Dutzend Schüsse knallten hinter beiden, aber keiner traf. Wilm Peters und Ariano stiegen an Land und rannten über die Insel weg. An der Gegenseite lagen immer Kähne der Gemüsebauern. Sie liehen von einem Portugiesen ein Boot und ruderten aus Leibes­kräften. Der Portugiese wußte, wo derDorn Pedro" lag. Darüber war Wilm Peters froh. Er kümmerte sich den Leusel um die Schießerei im Hafen. Adriano saß allerdings mit weniger H-ldenmut als Angstschweiß an seinem Ruder, und so oft ein Kanonenschuß aufblitzte, verfehlte er nicht seinMil bom.basl" dazu zu ächzen. Er duckte sich dann dabei, als sei die Granate für sein teures wolliges Haupt bestimmt gewesen.

DenDom Pedro" erreichten die beiden Bvotsgäste ohne Havarie.

Käpp'n Daükhage!" schrie Wilm Peters erlöst, als er den Schiffer an Bord währnahm.

£> senhor commandcmte!" brüllte Adriano zur Begleitung. Darm kletterten beide an Bord desDom Pedro". Wilm Peters erstattete in fliegender Eile Bericht. Schiffer Daükhage stürzte ans Sprachrohr und donnerte seine Befehle in den Maschinen­raum. Der Schlepper hatte zum Glück noch Dampf auf. und das Personal hatte feine Posten noch nicht verlassen.

Dat swarte LäkeWg ward ik mol Wahrschauen, dat em de Sogen öwergahn sollt!" schwor der Schiffer.So 'ne Röwers und Spitzbauwen! Sone entfamten Flibustier und Bukanier! So ein verfluchtes Piratengesindel!"

Dann entwarf er rasch einen Kriegsplan. Er schickte Wilm Peters zu einer Hafenschenke, wo immer ein paar handfeste Janmaaten zu finden waren. Sie würden zwar jetzt die Schießerei ansehen, aber Wilm Peters solle nur drei gute Jungens zu­sammentrommeln und für einige Stunden anheuern.Du brauchst nur zu sagen: Käpp'n Daükhage braucht euch, Wilm. Das genügt!"

Jawohl, Käpp'n. And eine Buddel Köhm darf tch extra versprechen, ja?

Natürlich. Aber nun fix! ,

Adriano wollte auch die Laufplanke zum Km nehmen. Aber Wilm jagte ihn an Bord zurück. Da gab ihm Biukhage eine .Zigarre und fragte ihn nach denFlibustiern" aus. Der schümrze Koch versäumte nicht, seinen Heldenmut dabei in das rechte Licht zu rücken. Er habe den ersten Piraten, der aufenterte, einen baumlangen und riesenstarken Gelben, an der Gurgel gewürgt und koppheister über Bord gehen lassen.

Sim. senhor cvmmandante! Bor die Haifische! Den Hühnerkvben erwähnte er indes nicht.

Lügen tust du ja, mein Junge, erklärte Daükhage.Abm es r's man gut, daß ihr mich gefunden habt. Ich habe auch allerlei erlebt." ,,

Und mm gab Schiffer Daükhage einige Einzelheiten von seiner Fahrt unter den Rohren derGloria zum Besten, daß Adriano eine Gänsehaut über den schwarzen Buckel lief.

Pucha diabo!" wiederholte er immer wieder und l>ekreuzte sich.Que barbaridade!"

Dann ließ der Schiffer den Dampfschlauch von der Maschine herauflegen. daß er das Mundstück auf der Brücke handlich zur Seite hatte. Sv ein Strahl heißen Wasserdampfs war ein böser Gruß für den E.npfüiiger, und Hem Baukhage hatte seinem Destmann oft genug mit den nötigen Ausschmückungen geschildert, toi» er als Steuermann auf einem Kulidampf-rr tm Chine!«cyrn Meer gefahren sei. Der Dampfer habe immer die Langzopfe m die Tabakpflanzungen nach Sumatra oder in die Zinnbergwerke bringen müssen. Zu den Zinngruben aus Baurn wollten die Kulis nie, und die Anternehmer verschwllaM ihnen daher bet der Anwerbung sorgfältig wenn sie für Minenarbeit geheuert wurden. Wer die Verfrachteten merkten es während der Fahrt doch wenn der Dampfer Kurs auf die Insel Banka setzte, und versuchten dann, die Drücke mit Gewalt zu stürmen und den Dampfer zu wenden,

Aber dann nahmen wir immer den Dampfschlauch, Wilm Peters. And in fünf Minuten war die Sache erledigt."

Auch gegen die Seeräuber hatte er den Dampsfchlauch oft genug zischen lassen wie eine gewöhnliche Rafenspritze. wenn man Daükhage glauben wollte. Aber heute war der Dampfschlauch