Nummer 8
Dienstag, de» 27. Aanmr
Jahrgang |925
-ende ge- dir eine
.Was ist da zu lachen?" rief Gaet-Deh ärgerlich: „was ch da zu lochen, wenn Hairedin speist? Du, Nasich, geh und bmde den ^Fohlen die Sgelfelle über die Schnauzen, daß sie nicht Len Stuten die Milch aus dem Euter saufen: und auch du Alte, scher dich, damit wir Kumis in unseren Schlauch krregea.
Etwas widerwillig erhoben sich dre Gescholtenen und uneben aus dem altersschwachen Filzzrit,
,Kvmm Hairedin," sagte Gaet-Deh, sobald wir au< tafelt hatten, „komm heraus in die Sonne: ich m«V . schreckliche Neuigkeit mitteilen: oder hast du schon etwas £>ai>ra gehört? Dun komm nur, gleich werde rch dir erzähle«, was Abdrachim erzählt bat, was die Kosakenbunde sich in den Sta-
"^Wir^^trchen vors Seit und liehen uns in der Abendsonne | nieder, Aui einer Dergkuppe unter uralten Tannen hatte der I Muesin für sich und feine Sippe das Lager aufgeschlag«: « mochte nicht im Tal wohnen, er liebte die Hohen, „wo der Wohl» | 9Cttt^unsern^Mhen brach sich ein schäumendesGebirgswaffer I Bahn hart am Ufer, in der Tiefe, da wo der wuchernde Urwald | einige Wiesenslecke sreigelassen hatte, sah man die kuppelsormrgen Murten LeS Daschkirenstammes Absolilovah, Und Gaet-Deh ^richtete die schreckliche Neuigkeit: Die Regierung toolite eine Eisenbahn bauen; nicht gerade hier in dieser Einsamkeit, aber immerhin nur einige hundert Kilometer entfernt: von der asiatischen Grenzstatim, nach Süden, bis zu den Erzfeldern des Wag- netberg.es am Uralstrom. .
Ate in seinem fast achtzigjährigen Dasein hatle Gaet-Deh ] eine Lokomotive gesehen, aber er empfand einen dumpfen Widerwillen gegen den „Eisenwsg", ,. ,
„Was soll aus uns werden," rief er, „wenn diche Hunde ihren Teufelsdreck hier bauen? Wo, frage ich dich, soll unser Dieb spazieren? Wo sollen unsere Söhne reiten und fahren? Unsere Steppe und unseren „Urman" wird man verderben. Alles, Hairedin, sage ich dir, wird hin sein." ..
Sv gut es ging, versuchte ich den eifernden Muefi« zu be- rulstgen: „Gaet-Deh, der Himmel ist hoch und der weise Aar ist weit; es hat noch gute Weile mit dem Eisenweg. Wird er aber wirklich gebaut, so seid ihr es, die den Bvrteil davon haben: Sn die 'großen Städte könnt ihr fahren; Zucker, Naphta, Tee werden billiger, euer Zedernholz und euere Ziegenfelle aber teuerer werden. Zu reichen Leuten wird euch die „Zivili- fation" machen." _
„Ach was, reich! Erzähle keine Märchen Harredur, Bl«» mir mit diesem Dreck von Zivilisation vom Leibe, Arbeiten werden wir müssen, und das ist alles."
Vergebens bemühte ich mich noch lange, Gaet-Deh vom Nutzen einer Eisenbahn zu überzeugen. Hin und her ging unsere^ Rede und nahm zum Schluß sogar recht unfreundliche Formen an. Und als die Dunkelheit herabsank, krochen wir verärgert in das Zelt und legten uns schlafen. . ,
Einige Wochen waren nach dieser Unterhaltung verstrichen, «nd wir hatten einen andere« Weideplatz aufgesucht; germde hatte
ich mich zu mMem gewohnten Mittagsfchtts wüg einer breitästigen Kieker niedergelassen, da störte mich «-er Muesin sust Jöri Hairedin, kommt mit! Wir wollen zu Abdullah dem Kohlet reiten und srifcker- Mrkentser hol««" .
Bafich, der Sohn, fing mit dem Swcüsste zwei Pferde em, legte ihnen hölzerne Docksättel mit schweren neusrlbeE SpEN auf und schnallte über die Sättel weiche Fsderk-.f^n Wir saßen auS und trabten davon. Unser Weg ft'hrte durch den schweigendW Urwald, durch Dome von Ahornimumen und Espen, von Dirken und Linden. Dann wieder kamen lange StreckM von breitästigW Kiefern und ernsten Tannen. B;sw«len versperrte ein gestürzter MeseastamM g^rch einem WGr Le« W«. so Laß wir uns seitlich durch das dicke Unterholz Dahn .chassen mußten. Wald und immer wieder Wald. Nirgends eine Lich- tmig, nirgemds ein Ausblick. t. ÄRe„
Am Aackmittas kamen wir an eure tiefe Schlucht, über die eine Drücke führte. Aber was war das für eine Drucke! Zwei üalbderfaulte Stämme lagen längs, einiges los^ »mrpM- holz quer darüber; und unten brauste ein wildes Wasser, trch wollte absteigen, aber der Muesin lachte.
Absteigen wi«st du? Laß «ur Hmredin, die Pferdchen sind klüger als du. Bleib mchig fitzen, sage ick duck'
Und er hatte recht. Die sonst so wilden Pferde tasteten sich ganz vorsichtig über das hin- und hersleitende Rundholz. Selbst als ein morscher Kmippei zerbrach, scheute« sie nicht . . ..
Als es im Walde schummerig wurde, erreichten wir Abdullahs einsames Tieft. Aus einer kleinen Lichtung hauste er in einem halbverfallenen, würfelförmige!'. Blockhaus, dessen schiefe [ Fentzerosfirungen statt mit Glas mit srischgeg erbten Ziegeichäuten verschlMen waren. , . ,
Abdullah war gerade damit beschäftigt, feinen gebrechl-chen Wogen mit Daststricken auszubessern. Sobald er uns erblickte, lieft er alles liegen und eilte uns entgegen.^ Die Fetze« .seines
I ? legenharigen Gewandes schlottertien ihm «m die dürren Knochen. I Er pAich einem Lumpekchausen, ans dem em braimer, Pocken- narbiger Menschenkopf bercziSsteckte.
„Scckem Meitum!"
„Aleikum falenri“ „
Mst du es, Gaet-Deh? Wer »st der Fremde? Was wollt I ihr?" Allah schenke euch viel Gesundheit." .
Wir reichten uns die Hände, und fuhren uns damit übers I Gesicht. Gaet-Deh stellte mich vor: ...... r
„Dieser hier ist Hairedin, ein Germanez: er rst »richt ganz so I ungläubig wie die Kazoppeii (2tUff ar) . . . Er zieht mit tut# I umher und ist ungefähr wie wir . . . Wir sind gefommen, um I " ^Abdullah schaute mich mißtrauisch an. Sn seinen schwsrzm | Augen glomm etwas wie Haß. Er war einer jener Dergbasch- I fiten, die ganz einsam im dicken Walde hausen und nie mtt I Fremöen in Berichrm-g kommen. ...
I Gut, gut* murmrite et, „Mo Sucht wollt »hr.
I ich werde euch prächtigen Sucht zeigen: nirgends findet ihr typ
I besser und bMger als bei mir;" .
| Er führte uns zu feinen Bottichen, und wir füllten Die I kleinen Holzfäßchen, die an unseren Sätteln hingen.
Inzwischen sank der Abend herab, und der Himmel bedeckte I sich mst drohenden Wollen. Dian merkte, daß ein Unwetter I ®era4§88toir6 Regen geben," sagte Abdullah, „bleibt die Nacht I bei mir; niemand kann"nachts bei Regen durch den Waid reuen.
„Nein, niemand," wiederholte Gaet-Deh mit Ueberzengung.
Md da schon die ersten Tropfen fielen, traten wir in Ab- dullahS armselige Hütte. Zwei Söhne fanden sich em, m
I Gilbert aussehende Burschen und ein breitnasiges hinwud^s | Frauenzimmer, das aus dem aiterssckwarzen Lederschlauch den | Kmnis in unsere Hvlzschalen füllte. Auch ein paar bung^ig- | knurrende, struppige Köter wollten sich «och m den LNMN
Raum drängen. Aber mit Fußtritten und Stockschlagen fcheuchw j man sie zurück in den Regen, em Kreise kauerten wir au, den; | -ersetzten Pappas nieder, Abdullah goß eine große Schale voll | Kumis herunter. Daraus eröffnete er &te Umechaliung in i«r I üblichen^Weise: „Wie ist der Weg? Was gibt es Neues, I Und Gaet-Deh verkündete die Geschichte mit Der Eisenbahn.
Abdullah wütete. Was? Eine Eisenbahn wvWe die Re- | aieruna bauen? Eine Eisenbahn, damit die Walder zevstori > wurden, damit Nr Steppe verbrämte mrd das Dreh umkam?
Gießener Zamilienbiatter
Nnterhallungsbeilage zum Giehener Anzeiger
Wintertag.
Don Conrad Ferdinand Metzer.
lieber schneebedeckte Erde blaut der Himmel, Haucht der Wh« ewig jung ist nur die Sonne!
Sie allein ist ewig schön!
Heute steigt sie spät am Himmel, und am Himmel rückt sie bald — wie das Glück und wie die Liws — Hinter dem entlaubten Wald.
Die Eisenbahn»
Don Georg Holland.
Gaet-Deh griff mit seiner bloßen Hand irr dm riesigen, dampfenden ,AeschPermack"-Kefsel und fischte rin Stück Hammeltalg heraus, das er mir wohlwollend in den Mund stopfte.
Ist nur, Hairedin; iß, iß, damit du recht satt wirst.
Indem mir der Muesin diese nach Dafchkirenfitte erforderliche Gastfreundschaft erwies, lachte seine Alte; und auch der Sohn Aasich grinste, weil sie sahen, wie ich an dem Fettklumpen würgte


