Ausgabe 
26.9.1925
 
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Gietzener Zamilienblatter

Unterhaltungsbeilage zum Eichener Anzeiger

Jahrgang (925 Zamstag, -e« 26. September Nummer TZ

Sei«

>t. Du

Die Anlagen, die sich am Stadtgraben hiuzogen, waren unten schon in feuchte Dämmerung getaucht. Nur die Wipfel

Finger waren ganz blutig. Das Haar fiel t meine Düte, wie bleich und wild er aussah!

He du, sagte Sitten, wir arbeiten uns hier kaputt und du hockst da und träumst von LutschbmGonS. Opfere dich auch mal ein bißchen fürs Geschäft. Hier find fünfzig Pfennig, schaff Di« herbei. Husch husch!

Haha, Äeser Litten! Ihm war wohl in keiner Weise bei- zukommen.

September.

Erzählung von Manfred Hausmann.

Herr Düchmann, der Prokurist, stand aufrecht und ae» waltig vor fernem Schreibtisch O Gott, alle wußten, was baä SU bedeuten hatte! Aber das Geschäft ging brausend weiter: die Kassierern, schrie nach den Kursen, die Schreibmaschinen knatterten, der Chef führte einen Kunden in sein Privatkonto« und oie Telephone lärmten. Es war ein prächtiges Durch- erpander. Nur der Prokurist stand schweigend da und starrte auf einen Puntt. Nun mochte der Himmel diesen Punkt be­schützen! Der arme Peter! War es denn aber auch zu glauben! Peter guckte aus dem Fenster. Jeder fieberte vor Arbeit, selbst der Chef geleitete einen Kunden in sein Privatkonto-, und der Lehrling Peter erlaubte sich aus dem Fenster zu gucken. 3a, zum Donnerwetter.

Selbstverständlich... felbst-verMndlich!... Sweet hecnft ich danke Ihnen... Schluß.

Sie s in ja een abjefeimteu Ba s iehver siu Sie! Hakte Töne? Det arme Mächen dm ja in sin beschicke foofen total bllnd-t Huhn

®ta blindes Huhn soll man nicht vor die Säue wertem gute Frau. ,

Dillen klappte sein Buch auf und ging an die Arbeit.

t*0* bet tfeene Kinde hier haben Sie jar teene Schäme nicht, Sie...?

Die Schreibmaschinen hörten einen Augenblick aus zu knatterm I

Am ersten September erschien Litten un Kontor. Beliebt? fache er, lawohl, Buchhalter Karl Allen.

Es war großartig, tote Buchhalter Dillen auftrat. Als er I .morgens zur Tür hereinkam, eine Viertelstunde nach acht älhr. ! drehte er seinen steifen Hut tote einen langen Dritter zwischen | Kwei Fingern und haute ihn mit einem Knall, den er durch einen I erstaunlichen ZmrgeÄaut unterstützte, dem Lehrling Peter auf I den Kopf. |

And sind Sie ersucht, selbiges an seinen Ort zu schaffen. I faßte er Alles lachte. @ß war nur gut, daß Herr iDüchmanu |

nW auf seinem Platz faß. Dann ging Allen in! die Buch. 6 Haltung und arbeitete. Punkt eins entnahm er feinem Etui eins 6 -Zigarette, legte sie über den Handrücken uich schlug sich auf das I

Gelenk. Witsch, da saß die Zigarette in seinem Mund. Daraus I S zum allgemeinen Erstaunen brennend auS

I der Dasche, trtllerte nut feinem Hut und ging davon.

I des Nachmittags geschah es, daß Buchhalter

I Fenster sah und gegenüber das Fräulein mit

I ^berckopf entdeckte. Gr verleugnete sich und winkte hin» I über, aber sie machte frch schnell an ihre Arbeit.

... Dankow- sagte Tillen, haben Sie die Güte, die Tür I zu schließen. Ich furchte für mejne Gesundheit.

Jesunbheit... Watt?

Es zieht, gute Fran.

Dann telefonierte er bei Werner u. Co. an. Aber al» E mannluhe Stimme meldete, knallte er mit der Zunge und fegte den Hörer nachdenklich wieder auf.

oinJ; sHuippelte er mit der Schere an

?l l^m rot«t Mahitzettel herum und schob schlichlich etwas in I Tiefes Fräulein Bubenkopf wollte er schon

| Da.. letzt guckte fiel Er griff an seine Brust, verfiel

I s^merMche Grimasse und zog ein großes, rotes Papier» I fejl Vubenkopf guckte noch immer. Zische... da

l Tillen seinen Federhalter durchs das Herz und lieh es | und zmfen. O dieser Satanstilken! Das sollte wohl Liebe | ^cte"if,0&er derglerchen. Der Bubenkopf wollte sich totlachen.

S ,"UN genug? Bewahre. Er matte auf einen weißen I »mU D^laustift ein großes N und hielt es dem Fräulein hin. | ®amttl" ®ln A> dann ein M, dann ein E und zum Schluß | Dubenfräufein preßte ihr Taschen-

j M'md und schüttelte den Kopf. Aber Tilken legte

dre Hande zusammmi, machte bitte, bitte und weinte. And wahr- I r n na$ emer Werfe war drüben am Fenster ein Papier M sehen, darauf stand mit mächtigen Buchstaben INGE. Aber mLfiti(?<X&«t^LäU%e?>en- ®r gestikulierte und machte i tolef^5 bitte, bltte. Endlich erschien das zweite Blatt: VOGEL I M ag.te. Dillen und griff nach dem Telephon. Als sich

I «e tvreder meldete, räusperte er sich gelassen'

I tortH-^fw-$>r;3riIren" 05 eg cmgsnge, daß er Fräulein Vogel I für fünf Minuten...

fte ansehen, so lange man will. Es über dringt einen so ein bans<g Glück wie im Theater, wenn die Musik sich erhebt, und eine Prinzessin fitzt da, und ihre Stimme ist fo unsäglich hold. d«ß man weknen möchte... eine Welt voller Fremdheit und Süße...

Nächtlicher Weg.

Don Wilhelm von Scholz.

Schwer schweigt der Wald in schwarz« Mein Mantel flattert durch die Nächt streift welkes Laub am Boden mit; und wo die Aeste wie Gestalten hoch über mir die Hände halten, folgt Zittern meinem festen Schritt, ülnd leist an mir herniederglitt, als wolsts im feuchten Gras erkalten, was in mir kämpfte, rang und litt, was ich in mir für schlecht gehalten, das nahm die Nacht im Atem mit. ülnd stiller meine Schritte hallten, wie eines fremden Freundes Tritt.

Gott segne sie, konnte er wohl denken, daß sie manchmal herubersieht. Sie bewegt sich fo lautlos hinter der Scheibe. --h^ Hands Hüpfen auf der Schreibmaschine umher, fahren

Plötzlich fühlte Peter hinter feinem Micken eine feindliche Kälte. Er drehte sich um und blinzelte, Herrn BüchmannS klare Augen waren unbarmherzig auf ihn gerichtet. Wie ndtaaM Kr Sunge sich wieder hteckt, der Schlips schtef, kein Knopf am Uiod, ohne Jnteresie, unfau&er, hoffnungslos. Gestern hatte er EnDrief nach Danzig falsch frankiert. Herrgott ja!

Guten Morgen, mein Sohn, fagte Herr Düchmamr, tom« Vvcy mal per!

Draußen preßte der Wind einen zarten Sprühregen durch die Straße. Allerlei Schirme wanderten über das glänzende Pflaster, em Mann zog einen Handwagen hinter sich her und i ,------

fang, daß er Torf zu verkaufen hätte. Was gab es da viel ! '£®en! empörte sich Frau Pankow,

y* sKend O nich^ Vielleicht träumte Peter auch nur fo vor ferner Ecke und riß die Augen auf. Wie ge-

W hm. Vrellercht besah er sich das Tippfräulein, das gegen» I bas alles ablief. Da Kumte er nicht mit Bei ihm war übm: bei F. W. Werner u. So. mit ihrem schwarzen Buben» I Emer so, krnß « sich von einen Strom... ja |&on einem köpf am Fenster saß. Sie hatte ein dunkelblaues Samtmieder an. ^trom.^. das Schicksal war eS wcchl... er mutzte sich davon»

Ach Peter! Nun kam die Schlaffheit wieder über ihn. Er I lassen, irgendwohin in eine traurige Ferne. Aber dieser kaute auf fernen Nägeln. Gin slachshaariger Sunge, ein Kind I gebrauchte fernen Verstand. Gr schwamm in den Gewalten von vierzehn Jahren, ein Faulenzer. Seine Gedanken brarchen i ^bens umher und schnellte sich empor, wie es ihm 'in den auf und nieder. i | atmt kam. Nein, da konnte Peter nicht mit.

Gute» Tag, mein verehrtes Fräulein Vogel... Beliebt? rai®. ®ie mal... Haha, natürlich!... Doktor? Ne... - umyet, iuy®en ' e^n!^ ' ; fül Karl . Karill

«fchrocken in dre Hohe und sinken wieder herab. Man kann ! VV3aa: Och oitte Sie, wie sollte teh denn sonst...,Haha aber ~"r-K" r* r---- ' Hüven Sie mal, wann machen Sie denn drüben SHluß... heute

abend meine ich?... Prachtvoll, wir auch Sie werden doch wchts dagegen haben, daß ich... Was heißt auf keinen Fall... Nber mem verehrtes Fräulein 3nge&org...

s^sug sich auf die Brust, er lachte ein bitteres Gelächter, er druckte die Augen zu und fäufette zart gegen die Decke, ee verbeugte sich knallte mit der Zunge und geriet tu Entrücken.