Ausgabe 
26.5.1925
 
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des Rheins .gefeiert werden sollte. Der eigentliche Geburtstag Les. alten Heiligen Römischen'Reichs deutscher Ration, das die Rheinlande mit umspannte,' liegt mehr denn hundert Jahve Weiter zurück, Mittelpunkt und Kernstück des Reiches Karls des Großen waren gerade die Lande am Rhein, Nymwegen, Aachen und Ingelheim seine Residenzen, aber das Karolingische Reich zerfiel unter den Epigonen, und erst nach einem Jahrhundert wechselvoller Geschicke wurde 925 zwischen Rheinland und Reich Las Band staatlicher Gemeinschaft unauflöslich geknüpft, feit 925 ist der Weg der rheinischen Geschichte dahin entschieden worben, daß sie unwandelbar deutsche Geschichte wurde. Deutsche saßen am Rhein seit dem grauen Dämmern der Vorzeit, aber erst Heinrich 1. einte alle deutschen Stämme in einem nationalen deutschen Staat. Daß rheinisches Volk deutsch blieb durch tausend Jahre gemein­samer Geschichte, gemeinsamer geistiger und wirtschaftlicher Ent­wicklung, dem zum Symbol feiert das Rheinland heute feine Jahrtausendfeier. Die großen Industrie- und Handelszentren am. Mittel- und Riederrhein, die Stätten kulturellen und kirch­lichen Lebens, jedes kleinste Städtchen, jedes Dorf stromauf, stromab, begeht in diesem Sommer seine Jahrtausendfeier durch Musikfeste, Festspiele Ausstellungen, in Köln aber, im Brenn­punkt der Jahrtausendausstellung laufen aus allen rheinischen Landen die Strahlen deutscher Geschichte, deutscher Kultur und Wirtschaft zu einem einheitlichen geschlossenen Bilde zusammen, um vor der Welt -Zeugnis abzulegen von rheinischer Art, von deutscher Art.

Was hier in den weiten Messehallen am Rheinufer zusam­mengetragen ist an erlesenen Schätzen ist fast überwältigend für öen flüchtigen Beschauer. Änd doch gewinnt man schnell ein klares Bild von dem mit bewundernswerter Zähigkeit durch­geführten Grundgedanken der Ausstellung: eine großartige Schau über die gesamte rheinisch-deutsche Kultur der letzten tausend Jahre: staatliche Entwicklung, Kunst, wirtschaft­lich-soziales Leben in ihren großen Linien. Äeberall wird nur das stark Charakteristische, das Wegebahnende betont. Die Anhäufung von totem, dem Laien nichts sagendem, historischem Material, die so manches unserer Museen zum Kunstspeicher macht, ist hier mit glücklicher Hand und großer Energie ver­mieden zugunsten größter Einheitlichkeit und Klarheit.

Die Grundlage der historischen und kunsthistorischen Ab­teilung bietet ein durch geschickt zusammengestelltes Karten- und Reliesinaterml vermittelter .Ueberblick über die geologisch e ge?«raphische Beschaffenheit der Rheinlande. Charakteristische Gemälde, Zeichnungen, Fresken suchen das rhem. Lanb auch bildlich näherzubringen. Beim Erwachen des land­schaftlichen Empfindens im 15. Jahrhundert entstehen auch die ersten Rheinlandschaften als Hintergrund der religiösen Ge­mälde, der Kölner und Riederländischen Malerschule. Bis zum 19. Jahrhundert verfolgen wir die wechselvolle Auffassung in der Darstellung des Stroms und seiner Äser. Auf dieser geo­graphischen Grundlage baut sich die historisch-politische Entwicklung der rheinischen Staaten auf in seinen wesent- lichsten Tragern, Kaisertum, Landesherrn und Adel. Die deut- scheu Könige find fast alle von der frühesten Zeit an auf rheini- fchem Boden gewählt und gekrönt. Die außerordentliche Be­deutung des Rheinlandes kam dadurch sinnfällig zum Ausdruck, daß die rheinischen Fürsten als Leiter der Reichsgeschäfte und Berater des Komgs eine besondere Stellung einnahmen und un spateren Mittelalter vier von den sieben Kurfürsten stellten.

aus der Wiener Hofburg herbeigeschafften Rachbildungen der alten Krönungsinsignien, ausgezeichnete Modelle der mittet»

Kaiserpfalzen, zeugen von der engen Verbundenheit aut den Rheinländern Modelle der he^rbchen erzbischöflichen und landadligen Burgen und Schlösser ftonfm«ren Parkanlagen, die monumentalen Grab-

denkmaler und Portrats der rheinischen Kurfürsten die Ent- A^lung des rhmnischen Münzwesens und schließlich die moderne Geschichte der Rheimande seit der großen Revolution in Porträts der markantesten Persönlichkeiten und Erinnerungszeichen an die ^?deutsamsten historischen Ereignisse schließen den groß»n Gesamt­überblick über tausend Jahre rheinischer Geschichte ab natü?l^ vDarstellung rheinischer K u n st u n ö K u l t u r nimmt die kirchliche Kunst den breitesten Raum ein, ja sie Höhepunkt der Ausstellung überhaupt, üleberwäl- !s^ad an Pracht des Materials und an Schönheit und Reinheit Me ÄVn rheinischer G old schm7ed eiunst

TDK ge aus d.n Schatzkammern der Domkapitel und Klöße" bier zuKimnengetragen sind. Monstranzen und Kelche Bischofsstäbe auserlesenen Skückä heben sZ L'von prunkvoll

gestii.ten -.Kygewanüern rheinischer Kirchenfürsten Äberstrablt D^fiön^stÄ^^ Kleinod deutscher Gvldfchmiedekun^ dem

6uO wahren den Dom verlassen hat. Die rheinische' P l a ft x t w'rd dann -n den Höhepunkten ihrer Entwicklung a-kiat und

bannt Las Rege dos Besuchers der z'L^gLße Kölner ^omschaß, das Dvmbild Meister Stephan Lochners Die moste ZEz-lt der rheinischen Malerei, die Epoche, in der das Dheiüland aus eigener Kraft Großes und üknveroänaliches rum Gesamtwerk der deutschen Kunst beigetragen hat stnd die JabE Hunderte des späten Mittelal ers. Die Kölner Malerschule s^ reich und umfassend in ihren Werken wie kaum L aLre in

Deutschland, wird in ihren Höhen, in einer Auswahl bedeutsamer Hauptwerke vor Augen geführt. Die Frühwerke deutscher Tafel­malerei.sind mit Proben jener großen Wandelaltäre vertreten, die in einer epischen Folge von erzählenden Bildern das Leben und Leiden Christi behandeln, es folgen die dekorativen Wand- und Glasgemälde kölnischen Ursprungs. Glänzende Proben mittel­alterlicher Glasgemälde sind hier aus verschiedenen rheinischen Kathedralen zum Teil im Original, zum Teil in ausgezeichneten Wiedergabe zufammengetragen und kommen in ihrer sinnreichen Anordnung prachtvoll zur Geltung. Ihre grandiose Vollendung erlebte die Kölner Malerei in den großartigen Werken Lochners SeineAnbetung der Könige" aus der Ratskapelle des Domes', seineMadonna mit dem Veilchen" sind auch hier, in dem licht­durchfluteten Raum von einer unerhörten Lieblichkeit und Frische.

Zur Kunst tritt die Literatur mit wertvollen Minia­turen und Handschriften aus den reichen Klosterbibliothekeni des Rheinlandes, mit den einzigartigen Erstdrucken aus Guten­bergs Werkstatt und schönen Beispielen rheinischer Buchkunst späterer Jahrhunderte, zu denen namentlich unsere hessische Landesbiblivthek in Darmstadt eine Reihe Kostbarkeiten hinzu­gesteuert hat. Proben rheinischer Volkskunst leiten über zu der Kultur des Bürgertums, das ja seit dein frühen Mittel- alter am Rheine in den großen Handelsmetropolen und Bischofs- schen eine außerordentliche Blüte erfahren hat. Frankfurt die stammverwandte Freie Reichsstadt am Main, zeigt seine kulturelle Entwicklung in einer in sich abgeschlossenen Aus­stellung. Die Geschichte des Judentums in den Rheinlanden das rheinische Geistesleben in der Geschichte seiner älniversi- täten, seines Llnterrichtswesens, in feiner Theater- und Musik­geschichte, das alles vereinigt sich in der Darstellung seiner charakteristischsten Merkmale zu einem großartigen Gesamtbild deutscher Kulturgeschichte auf rheinischem Boden.

Der schaffenden, lebendurchpulsten Gegenwart trägt die zweite Hauptabteilung der Ausstellung Rechnung. Sie zeigt die kommunalpolitische, wirtschaftliche, soziale Ent- Wicklung von ihren ersten Anfängen bis zum heutigen Sage, ote großen, Weitausschauenden städtebaulichen Plane, mit deren Durchführung sich die Zentren rheinischer Industrie und rheini­schen Handels tragen. Sachlicher, spröder ist der Stoff, der hier geboten wird, aber nicht minder interessant und imponierend für den der sich die Mühe ckacht, die dargebotenen Karten und Statlstiken, die Modelle und Pläne gründlich zu studieren und zu verarbeiten. Sie gewähren Einblick in das ungeheure Arbeits- ' gebiet der provinziellen und kommunalen Selbstverwaltung mit ihren großartigen sozialen Einrichtungen. Die rheinischen Großstädte zeigen in gesonderten Koien die reiche geschicht- liche Entwicklung einer mittelalterlichen Großstadt (Kölns, daS schnelle Emporblühen aus kleinen Anfängen eines unbedeutenden Landstadtchens zum riesigen Industriezentrum (Essen, Mül- heim) und die gewaltigen Anforderungen, die die Versorgung

modernen Riesenstadt auf den'verschiedensten Gebieten stellt. Dm emzalneii Zweige der rheinischen Wirtschaft: Lanowirtschaft, Bergbau, Eisenindustrie, Textilindustrie Par­fümerie chemische Industrie, Handel, Dank- und Versicherungs­wesen, Verkehr und Sozialpolitik find durch Sonderausstellungen ihrer markantesten Vertreter anschaulich und prägnant zur Dar- Stellung gebracht. Auch hier schützte eine energische Oberleitung vor ermüdender Häufung von Nebensächlichkeiten und verwirren- ^..Wiederholung im Gebotenen. Namen wie Krupp, Röchling, Phönix Strnnes, Thyssen, Demag, Motorenfabrik Deutz, Ma- schlnensabrik Humboldt, Rheinmetall, Solingen, Felten und

r, (yte^r'., in Leverkusen, Badische Anilin- und Sodasabrik, Johann Maria Farina, Zweige wie Wester- ^?ider Stein^ug die Edelsteinindustrie von Oberflein-Jdar. die Nlederrheimsche Leinen- und Baumwollindustrie, die Krefelder Me r^nHn^n6^w 6ke- 9%fen Kölner Zuckerraffinerien, sfe Sektkellereien, die Börsen zu Köln, Essen, Frank- oetofiff &nrs f bas Warenhaus Tietz und Kaisers Kaffee- tell moderner Organisation des Einzelhandels, das gewaltige Verkehrsnetz von Bahnen und Flußschifsahrt mit.

fisten Binnenschiffahrtshafen der Welt, das S >einer Gesamtheit ern imponierendes Bild von ?ruck der Besetzung tausendfältig blühen-

Wirtschaftsleben und eine als ^Iugung des allen Fiindamentalsatzes von dem Rhein als der Schlagader deutscher Wirischast

-^^wMigen-en Fülle der Eindrücke, die den SS1 ^r. Ausstellung bestürmen, bleibt eins

|nTti ' der Rheinlande zum Reich

°£. D wundenfein rheinischen und deutschen Wesens schatt von Kultur, rheinischer und deutscher Wir^

L2 L, xON ihren Duellen an bis auf den heutigen Tag Eine haben diese Maientage eröffnet, kmr .Zufahrt ganz De t chiarbs zu den ülern des Rheins und Lkkit'mll briugen,, Sammlung und fitfür Sreue fruchtbarer ^^npHen Brüdern in gegenseitiger

ftellima hpr toTrfßung totrIlen wir schöpfen aus dieser Aus- unaebrochenen^^u-ii"^^' 6ie,em monumentalen Ausdruck eines ungeorochenen Willens zum Deutschtum

yui non vickit Coloniam, non vidit Germaniam.

echristleitungl Dr. Friedr. Wilh. Lange'^HIck und -----------------

0 ,c°en -Univ.-Buch- und Stemdruckerei, R. Lange, Gießen.