— 272 — ’
unb ich all die schwerst.- Arbeit allein tun muh unk» feinen Dank baf%^ Karline hörte einen Augenblick auf, um Wem zu '^Der Bauer war ausgestanden und sagtejetzt'rurvier Worte: „Das Kind kommt her." Aber man merkte dem Don an, daß es ihm diesmal bitterernst mit seinem Will« war.
Trotzdem wagte die Karlrne noch «nen Anlauf und qao
MrSt* ää ’S sä«™ 7chmen wollen - da ist leichter mit umgehn, als mrt den ^-"Knrich Wittfohl setzte sich zum So-mta^nachmcktaMchlaf SÄ SlSft» Ä «OE beinig, - dann war nichts zu machen, als bessere Stunden abzuwarten.^b Äav(ine nichts übrig, als die Schüsseln hm° auszutragen und die Tür knallend hinter sich rns Schloß zu werfen. „
An einem heißen Frühjahrsnachmittag spannte der Äma aleich nach dem Mittagessen die beiden Braunen vor dm Stuhlwagen. Die Karline hatte sich draußen vor dem Kuchea- stnster auf die Holzbank gesetzt, richtete Gemüse und> sah ihm mit mißtrauischen Augen zu. Er sollte um diese Seit schon draußen bei den Knechten im Heu sein. Dewitz steckte das v-rfluchte Ferienkind wieder dahinter, das ihr schon fo viel Aerger ins Haus gebracht hatte und den Bruder ganz auf- ^'^De^Bauer kam zu ihr im Sonntagsrock, die Peitsche in der Hand. „Ich fahr' zum Bahnhof," sagte er. »Die Hamburg« Kinder kommen heute an. Wir sind zum Abholen hinbestellt. Du weißt ja, wie ich's gehalten haben will. Ist die Giebelstube U' O Ich'nlein', so eins kann bei der Stine schlafen. Das spatt Wäsche. And man kann nie wissen, was so Kinder an. sich haben — ich möcht's nicht neben meiner Stube haben. Die Stine hat ohnehin das große, zweischläfrige Bett
Das Kind schläft nicht bei der Stine, — sagte der . Bauer, und da war wieder der Blick in ^nen Aug«a und der Ton in seiner Stimme, wogegen die Karlme sich machtlos fühlte Du machst das Bett ordentlich, wie sich s gehört, in der Giebelstube auf und schaust nachts nach dem Kinde, wenn es not tut. Sailer setzte sich aus den Dock und fuhr vom Hof, ohne die Schwester weiter anzusehen. So blieb der Karttne nichts anderes übrig, als das Bett in der Giebelkammer für das fremde Kind zu rüsten. .
Gegen Abend wurde sie unruhig vor lauter Neugierde, was der Bruder mit heimbringen würde. Sie sah immer wieder nach dem Wagen aus und hatte keine Ruhe in Küche und Stube
Der Bauer fuhr derweil im Abendfrieden langsam durchs stille Land. Reben ihm auf dem Dock satz ein blasses, -Meres, etwa zehnjähriges Mädel, das mit großen Augen um sich sah.
Die anderen Dauern waren wählerischer gewesen und hatten gleich zugegriffen und sich die gesunden, arbeitsfähigen Kinder ausgesucht. Als Hinrich Wittfohl auf seine langsame Art heran- kam, war nur noch die Liesbeth Dedekind zu haben gew^en. Ganz verschüchtert stand sie neben dem Pastor, der die Der- teilung der Kinder auf die einzelnen Höfe besorgte, und meinte schon, daß gar niemand sie haben wolle.
Aber sie gefiel Hinrich Wittfohl gleich, so wie sie war, mtt den großen braunen Augen und den festen Zöpfen, die ordentlich um den Kopf gebunden waren. So machte er keine weiteren Worte und ließ, den Pastor anschreiben, daß er die Liesbeth Dedekind für zwölf Wochen in sein Haus aufnehmen, gut verpflegen und behandeln wolle.
Dann hatte er sie neben sich auf den Bock gehoben und war zufrieden mit ihr durch den schönen Frühlingsabend heimwärts gefahren.
Die Braunen waren vom Stehen und den vielen Fliegen unruhig geworden, und der Bauer mutzte zuerst auf die Zügel achten. Als er dann seinen Schützling anschaute, sah er in ein frohes Kindergesicht,
„Das ist fein,“ sagte die Liesbeth. „Mit Vater hab ich auch einmal auf dem Bock gesessen. Da war ich noch klein. Da fuhren wir z über Großmutter in Vierlanden. Die hatte auch Kühe und Schweine und lud uns oft ein.“
„Warum gehst du denn jetzt nicht mehr hin?“ fragte der Dauer.
„Die Großmutter ist lange tot, und mein Vater im Krieg gefallen. Wir wohnen jetzt unterm Dach und kommen nie mehr aufs Land, — da bin ich ausgesucht, daß ich mich hter erhole» soll. Aber Mutter ist nun ganz allein und hat so geweint, als sie mich heute morgen zum Bahnhof brachte."
»Hast 6u denn keine Geschwister, Liesbeth?" Das Kind schüttelte den Kopf. „Weine beiden kleinen Brüder sind gestorben. Mutter näht Soldatenhosen. Aber es ist alles so teuer in Hamburg. And manchmal ist Mutter auch krank."
Die Kleine hatte eine andere Sprache als die Kinder hierzulande, es klang feiner und leichter. Das gefiel dem Dauer, und es wurde ihm nicht schwer, ihr zu antworten. Er ließ die Pferdet im Schritt gehen, zeigte dem Kinde die Dörfer, Felder und Wälder am Wege, utro sie wurden gut Freund.
Ganz stolz kam der Bauer mit feinem Schützling heim.
Die Karline hatte den Wagen kommen sehen, sich aber dann in die Küche zurückgezogen. Jetzt hantierte sie am Herd und tat, als ob sie alles nichts anginge.
Hinrich brachte das Kind zu ihr. „Das ist meine Schwester," sagte er. „Sie wird für dich sorgen, Liesbeth. Du kannst fte Tante Karline nennen. — Zeig dem Kind fein Zimmer, Karline — ich muß noch nach den Pferden sehen." —
Beim Abendessen satzen die drei schweigend zusammen. Die Karline gab dem Kinde reichlich von der guten Rahmgrütze. aber es war, als ob sie ihm in den Mund gucke und die Dissen zähle.
Die Kleine war still und ängstlich geworden und froh, als sie dem Bauer mit einem Knix Gutenacht sagen und in ihrs Kammer hinaufgehen konnte.
Die Karline machte sich in der Küche zu tun. Ws sie wieder hereinkam, saß der Dauer im Halbdunkel mit seiner Pfeife am Fenster.
„Schläft die Kleine?" fragte er.
„Wird schon schlafen," brummte die Schwester.
„Vorhin lag sie noch mit so hungrigen Augen im Dett, als ob sie immer noch nicht satt wäre. So ein armseliges, verhungertes Geschöpf! Nichts im Magen, nichts am Leib und nichts Ordentliches in dem alten Handkoffer, den ich eben aus» gepackt habe — lauter verschossenes, billiges Zeug war darin. Du sollst mal sehen, was für 'ein Loch uns das Kind in meine schönen Vorräte frißt, — wo ohnehin alles fo teuer und knapp wird."
„Das braucht dich nicht zu kümmern," sagte der Dauer. „Wenn ich selbst Kinder hätte, müßten sie auch essen und satt werden."
„Meinswegen kannst du lieber heut als morgen heiraten," fiel die Karline bissig ein. „Ich hab doch nichts als Arbeit und Aerger hier. And wo ich doch die schöne Wohnung im Stift habe und mein Auskommen — und es nicht nötig hätte, mich mit allerlei hergelaufenem Pack herumzuschlagen."
„Du kannst jeden Dag gehen — je eher, je lieber. Die Tür steht offen," sagte der Dauer. And dann stand er auf und ging in fein Blumengärtchen und sah die letzten verspäteten Immen heimkommen und sand seine Rahe wieder.
Am andern Morgen mußte er früh mit den Knechten aufs Feld. Ms er zum Frühstück heimkam, stand die Kleine am Hoftor, blaß und schmal, ein Butterbrot in der Hand. Er nahm sie mit in die Stube, und sie mutzte sich zu ihm an den gedeckten Tisch setzen. Er legte ihr Bratkartoffeln und Mettwurst auf den Teller unb strich ihr ein paar große Brotscheiben mit dicker, goldgelber Butter. „Schlaf dich nur morgens aus,“ sagte es. „Du kannst dann mitessen, wenn ich zum Frühstück komme — schmeckt's?“ Das Kind nickte. Die Karline saß stumm und verdrießlich dabei.
„Kommst mit?“ fragte der Bauer das Kind, als die Mahlzeit beendet war.
Die Kleine sprang aus und fahte seine Hand.
„Sie kann hierbleiben und Kartoffeln schälen,“ sagte die Karline. „Ihre Arbeit muß sie auch haßen, Heinrich."
„Mit den Düffeln und der andern Arbeit seid Ihr doch sonst auch allein fertig geworden", meinte der Dauer. „Das Kind muh an die Lust. Ich nehm's mit auf dem Wagen ins Heu.
Das wurde ein wundervoller Morgen für das Serien» lind! — In lauter Sonnenschein und Dlütendust saß die kleine Liesbeth im hohen Gras. And oben auf dem Heuwagen kam sie • am Mittag mit dem Dauer heim.
Nach dem Essen schickte er das Kind in die Giebelkammer zum Ausruhen. Später ging's wieder den langen, schönen Sommernachmittag ins Heu.
Nach Feierabend saßen die beiden nebeneinander auf der Gartenbank. Der Bauer erzählte von seinen Blumen und Immen und freute sich, daß die Kleine ihn verstand, und meinte, daß sie sich heute schon mehr Farbe und hellere Augen geholt hätte.
Die Karline fand diese Freundschaft sehr überflüssig und sammelte in der nächsten Zeit einen rechten Groll in sich an. Sie war nicht schlecht gegen die Liesbeth, gab ihr auch genug Butter aufs Brot, aber kein gutes Wort dazu. Wenn das Kind, das freundlich und gefällig war, ihr seine kleinen Dienste anbot, fuhr sie es an: „Nein, du sollst nicht helfen. Du bist ja nur ein Prinzetzchen, das sich hier erholen soll."
---So gingen ein paar Wochen ins Land. Die Erntezeit ßand vor der Tür. Trotz des regnerischen Frühlings und des yeißen Sommers stand das Korn auf dem schweren Boden gut. und der Dauer war in diesem Jahre besonders dankbar für den so nötigen Erntesegen. (Schluß folgt.)
tzchriftleitung: Dr. Friedr. Wilh. Lange. — Druck und Verlag der Brühl'schen Aniv.-Duch- und Steindruckerei. R. Lang:. Gießen.


