Ausgabe 
25.7.1925
 
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Ausstellung gleichfalls mit reichem und viel- itgem AnschauungSmater!al umfassend dargestellt worden. Das für Theater-Wissenschaft an der Universität Köln unter des verdienten Privatdozenten Dr. Carl Messen hat in bindung mit den rheinischen Theatern, Archiven und Stcunm- ehte ungemein fesselnde und wirkungsvolle Schau geschaffen, hie alle Beachtung und jedes Interesse verdient. Welch archi- «ktmrische Wucht spricht doch aus den kleinen, in Holz fein aus- gearbeiteten und kolorierten Rekonstruktionen der Renaissance- Dühne: des nach Holzschnitten alter Drucks hergestelltenBade- hellen"-Typus derTerenz-Dühire", ferner die auf Kölner Boden gewachsene,, Laurentiusbühne" von 1581, in der sich das Prinzip der Terenzbühne (Hintergrund mit verschiedenen, bestimmte Hnnenraume andeutenden Eingängen) mit der mittelalterlichen Spielplatzgestaltung desNebeneinander" zu wirkungsvoller Ein­heit ergänzt. Außerdem ist eine alteMarktbühne" im Modell wu sehen, auf der früher die fahrenden Quacksalber ihreReklame- Dramen" aufführten. Das Vorbild zu der Nachbildung dieser Duhnenart lieferte ein Gemälde, das die Marktbühne vor dem Poppelsdvrfer Schloß aus dem 18. Jahrhundert darstellt. Die historische Entwicklung des rheinischen Theaters geht auf die Zeit der Römersiedlungen am Rhein zurück. Aus dem 10. Jahr­hundert künden Texte liturgischer Osterf eiern von der Existenz des Theaters, das nun ganz in geistlichen Händen ist. Im 16. Jahrhundert erst trugen bürgerliche Spielgemeinschaften in

den am Rhein gelegenen Städten zur Entwicklung des neuen Dramas bei, das sich nunmehr ganz unter humanistischen und religiösen Einwirkungen entfaltet. In diese Zeit fällt die Aus­bildung des Prinzips derTerenzbühne". Die Ausstellung zeigt hier außer einem Modell dieser Äühnenart auch zahlreiche Original-Dokumente, die auf die Tätigkeit der als Wandertruppen über Holland ins Rheinland gekommenenEnglischen Komö­dianten" Bezug haben. Außer derLaurentiusbühne", erinnert eine reiche Auswahl von Texten und Programmen an das bedeutsame Theater der Jesuiten, die in der Verwendung des Dramas als Dildungsfaktor die theatralischen Darstellungsmittel zu immer höherer Ausdrucksfähigkeit emporsteigerten und damit die wesentlichste Entfaltung des barocken Theaters am Rhein herbeiführten. Jedoch wurden die Vorbilder des barocken Thea­ters in Italien, Wien und München weder von den Jesuiten, noch von den glanzvollen Hofhaltungen in Heidelberg und später in Mannheim und Düsseldorf erreicht. Nichtsdestoweniger haben die Theater an den Fürstenhöfen des 17. Jahrhunderts, die zu­meist Opern, Ballette und dramattsche Turniere zur Aufführung brachten, einen nicht unbedeutenden Anteil an den fortschrittlichen Errungenschaften italienischer Bühnenkunst. Besonders interessant ist auch eine Reihe von Ausstellungsgegenständen, die das Frei­licht-Theater in Schwetzingen veranschaulichen. Texte von Schäfer- ssüelen, Pantomimen, die Partitur des ältesten deutschen Sing­spiels Günthers von Schwarzburg, geben einen Begriff von dem stofflichen Gehalt der höfischen Theater-Aufführungen jener Zeit. Aeußerst reizvoll ist auch ein Gemälde aus dem Brühler Schloß, das ein höfisches Maskenfest im kurfürstlichen Theater zu Bonn darstellt. Bereits in dieser Zeit, der die bisher erwähnten Aus­stellungsgegenstände angehören, strebte man überall in Deutsch­land und nicht zuletzt auch im Rheinland, nach einem deutschen Nationaltheater. Außer denenglischen Komödianten" erschwer­ten auch niederländische, italienische und französische Truppen &er zaghaft aufblühenden deutschen Schauspielkunst das Leben. Erst in Mannheim gewann die Idee des Nationaltheaters seine früheste Verkörperung. So bilden insbesondere die Schätze aus dem Mannheimer Theaterarchiv allgemeinste Anziehungspunkte, über denen der Name Friedrich Schiller und die Jahreszahl 1782 Nach dem Original-Theaterzettel erlebten am 13. Januar 1782Die Räuber" in Mannheim ihre älraufführung. Außer dem Porträt des verdienten Intendanten von Dalberg fesselt insbesondere das getreue Szenenmvdell der damaligen Auffüh­rung, das den Saal im Hause Moor darstellt. An diesem Modell wird auch die Ausstattungstechnik jener Zeit sinnfällig vor Augen geführt: Ein oft bis ins Einzelne realistisch gemalter Hintergrund-Prospekt, die reich behängte Wand einer Gemälde­galerie und perspektivisch bemalte Kulissen. Pläne des Hof­theaters aus der Schillerzeit, Grundriß und Aufrisse, Pro- gramnie, Dildnisse von Schiller und den Mannheimer Schau- ^vollständigen die an jeden Deutschen sich wendende Ausstellungskoie. Charakteristisch für die Theatersitte jener Zeit or r+'rf« ®Wer,. derdie Schaubühne als moralische

";JrV cFi<.J-ft auch die Rückseite des erwähnten Theater- f111? der sich der Verfasser mit einer erläuternden Charak­teristik der Hauptpersonen an das Publikum wendet und gleich­zeitig auf die moralische Nutzanwendung htnweist, die der Tra- godie zu entnehmen sei. Aus der zweiten Hälfte des 18. Jahr- vMderts stammen auch die Theaterzettel reisender Schauspiel- gesellschasten, die in Köln Gastspiele gaben. In den Jahrzehnten nach der französischen Revolution werden alle Versuche, die Schauspielkunst im Rheinland zu pflegen, durch die franzoslsche Kulturpropaganda an ihrem Aufleben verhindert. Einheimische Theatervereine suchten trotz alledenr mit viel idealem i->plermut den deutschen Wandertruppen ein eigenes Heim zu So entstanden um das Jahr 1825 in Köln unter Ringel- Hardts Duhnenleitung bemerkenswerte Formen der Abonnent en- vrganisation. Aber erst das Jahr 1840 wurde zum Markstein

der rheinisch-deutschen Theatergeschichte. Bedeutsam gestaltet« sich die kurze Blütezeit der Jmmermannschen Musterbühne in Düssel­dorf. Ihres und Jmmermanns ehrenvollem Andenken ist mit Recht im der Ausstellung besonders gedacht worden. Die Aus­stellung zeigt außer dem von der Hand deS ehemaligen Düssel­dorfer Akademie-Direktors Wilhelm von Schadow gemalte Por­trät Jmmermanns auch Briefe und di« Totenmaske des großen Theaterleiters. Vor allem ist hier das Modell der Jmmermann- fchen Shakespeare-Bühne zu erwähnen, auf der eine Szene mit plastischen holzgeschnittenen Figuren aus der berühmten Oluf» führung vonWas Ihr wollt" dargestellt ist. Im weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts nun werden die Leistungen immer schwächer. Ab und $u erreichte man im Rheinland auf dem Ge­biet der Oper noch Bedeutsames, das Schauspiel aber trat immer mehr zurück. Bon der Düsseldorfer Theaterkunst um die Wende des 19. Jahrhunderts sprechen die Zeichnungen zu denMal­kasten-Spielen", sowie Szenenbilder aus den Festspielen des seit 1890 bestehenden Rheinischen Goethevereins, die im allgemeinen über das historisierende Meiningertum nicht hinauskamen. Einen Fortschritt zu neuer, vereinfachter Szenenkunst brachte erst das von öoulfe Dumont und Gustav Lindemann begründete Düssel­dorfer Schauspielhaus. Das Werden dieses ernsthaft wollenden Theaters zeigen Szenenbilder der älteren Zeit und drei groß« Modelle der Treuesten, wie: Kaiser und Galiläer, Manfred und Herodes und Marianne. Bemerkenswert für die moderne Düssel­dorfer Theaterkultur ist auch das Freilicht-Theater, in dem viele Hunderte von Kindern allsommerlich durch gute Auffüh­rungen für gute dramatische Kunst erzogen werden. Daneben spielt das Freilicht-Theater auch für Erwachsene und gewinnt so die Bedeutung eines ungemein wertvollen Kulturfaktors, der vielen anderen Städten noch zu wünschen wäre. Auch das Kölner Theater ist auf der Ausstellung äußerst eindrucksreich vergegen­wärtigt, Die Bühnenmodelle von Kölner Theateraufführungem die im einzelnen geschmackvoll durchgearbeitet sind, werden durch eine fabelhafte Beleuchtungskunst zu höchster Jllusionswirkung emporgesteigert. Die bedeutsame, stilbildende Wendezeit der Inszenierungen in den Jahren der Intendanz Martersteig lebt in den Modellen zu Herodes und Marianne und den Nibe­lungen wieder auf. Aus dem Gebiet der Oper werden die Auf­führungen desRheingold" von 1902 und 1912 veranschaulicht. Aus der neueren Zeit sind die Operninszenierungen zu Händels .Julius Cäsar" in der Wiedergabe von 1925 sowie das Bühnen- modell zur Aufführung derKönigin Tamara" von 1924 zu er­wähnen. Die übrigen rheinischen Theater sind gleichfalls durch Modelle ihrer besten Inszenierungen vertreten. So wird in zwei Räumen derKarfreitagszauber" und derGralstempel" des Duisburger Stadttheaters stimmungsreich und prachtvoll in der szenischen Aufmachung vorgeführt. Gin Höhepunkt der Theater- ausstellung ist derFliegende Holländer" des Essener Stodt- theaters, der den Sturmhimmel und das Geisterschiff in Be­wegung darstellt. Hier interessiert insbesondere der technische Dühnenapparat. Die Schattenprojektion von der Hinterbühne aus befreit die Erscheinung des Geisterschiffs von der illufions stören­den Stofflichkeit. Das Staatstheater Wiesbaden zeigt u. g. Szenenbilder ausNathan der Weise",Der Schatzgräber",Fi­garos Hochzeit" und Erinnerungen an die Maifestspiele der kaiserlichen Zeit. Das Dtadttheater Hamborn ilst mit Inszenie­rungen desWoyzek",Gas" und derBajadere" vertreten. Auch die jüngeren Theater von Remscheid und M-Gladbach haben im der Ausstellung ihren gebührenden Platz erhalten, Insbesondere verdient das Stadttheater in M.-Gladbach erwähnt zu werden, das unter der Intendanz von Johannes Heinrich Brauch und unter Mitwirkung des Bühnezeichners Werner Schramm einen bemerkenswerten künstlerischen Aufschwung in ganz kurzer Zeit genommen hat. Hervorragend ist auch die boot Fritz Richard Werkhäuser redigierte ZeitschriftDie rheinifche Schaubühne", die als Theaterzeitschrist und Programmheft des M.-Gladbacher Dtadttheaters geradezu ein Vorbild für viele andere Theaterzeitschriften sein kann.

Alle Einzelheiten dieser bedeutsamen Theaterschau im Rah­men der Kölner Jahrtausendausstellung, die auch das Bolks- theater und das Puppenspiel eingehend berücksichtigt, anzuführen, ist unmöglich. Das eine aber wächst aus der Gesamtheit alles Einzeleindrücke: Die ungemein starke Verknüpfung mit der ge­samtdeutschen Theaterkultur wie das Rheinland nach dem Kriege zu einer wichtigen Theaterprovinz eigener Prägung geworden ist

Mitternacht.

Bon Anna Maria Tilschova.

Wie schön der Knabe im Samtkleidchen auf vergilbter alt­modischer Photographie, deren Rückseite bedruckt ist:Weltaus­stellung, Wien". Die schweren Lider über verschleiertem Blich das weiche Kinn und das zuckende Mündchen. Die seinen Züge sind beinahe mädchenhaft und die schönen schwarzen Augen bückest für ein Kind fast allzu traurig. Alles im Hause schläft. Ernst« nachdenkliche Mitternacht liegt über dem Zimmer und leise spricht der Knabe:Weiht du noch wie ich in die Schule ging?"Ja!" Aber weißt du auch, wie ich errötete, wenn man mich lobte? Weiht du noch wie ich nicht wollte, daß der Vor­mund mir für ein gutes Zeugnis Geld gab? Wie ich nicht zu ihm gehen wollte, die Großmutter mich zwang und ich deswegen