Ausgabe 
24.2.1925
 
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Der FLHrmrmn von Niederhausen»

Bon Heinrich Bechtvlsheimer.

(Fortsetzung.)

Peter Wenzel und seine Familienmitglieder konnte» sich gar nicht genug tun, um Michel zu vergelten, was er in einer gefahr­vollen Stunde gewagt hatte. Die Familie war wohlhabend, daA sah man, wenn man durch Haus und Hof ging. .Alle Gebäude? waren in gutem Stand, kein Gartenzaun wies eine Lücke auf, es fehlte in Scheuer und Schuppen kein Nagel. Der Sheicher war, obwohl man mit dem Dreschen noch nicht fertig war, mit Frucht gefüllt, daß man fürchten mußte, die Decke würde durchbrechen, Wenzel konnte sich noch nicht entschließen, etwas von seine« Frucht zu verkaufen, obwohl die Handelsleute ihm das Haus einliefen. Er sagte stets?Man kann nicht wissen, wie die Zeiten sich gestalten, kommt eine schlechte Ernte, oder kommt der Krieg in unser Land, so kann ich mit dem Geld, das ich erlöst Habs, kein Brot backen. Der Keller war ganz mit Wein gefüllt, nebeneinander lagen die großen Stückfässer, In dem Raum, der sich neben dem Weinkeller hinzog, waren Kartoffeln, Rüben. Kvauthäupter ausgestellt. und ein großer Ständer war mit ge­salzenem Schweinefleisch gefüllt. <ht einer Stube des Oberstocks waren die geräucherten Würste an Stangen aufgehängt. Im Seitenbau hatte man wieder die Aepfel untergebracht. 3m Stalle stand wohlgepflegtes Rindvieh. Die Hausfrau bewahrte rn ihren Schränken und Truhen die Leinwand auf, die sie und die Tochter gesponnen hatten.

Michel Klee war, wie sich denken läßt, völlig verarmt in die Hermat gekommen, rein gar nichts besaß er. Darum ließ ihn sem Dienstherr mit allem, was nötig war, ausstatten. Der Schneider nahm Maß zu einem Svnntagscmzug, die Frau des Hauses raufte für ihn in Kreuznach Schuhe und wollene Jacken und ließ für ihn Hemden nähen. Michel sagte oft zu seiner Dienst­herrschaft:Ihr handelt an mir, wie Vater und Mutter es nicht Vesser tun könnten.'' Dann lautete allemale die Erwiderung' Das I hast du an uns auch verdient." "

Der Lemberg war ganz in Wem gehüllt. Wunderbar sahen d-c Berge an dec Rahe aus, als sie mit der weißen Decke über- I gogcn waren. Aeber das Rahetal flogen die Raben, und die I Seutc Jagten:Die fliegen dem Kriege nach." Handwerksburschen I marfdHerten, auf den Knotenstock gestützt, mühsam durch den I 0$nee, klopften an die Türen und sagten:Ein armer Reisender I bittet um ein Almosen.' Dann bekamen sie zu essen. Nachts I r ',e Y warmen Ställen. Bettelleute aus der Rach- i N^° .EHten ihre gewohnte Fahrt, ließen sich Ranzen oder Kord mit Brot füllen und lobten die Geber in allen Tonarten. |

Anfang Februar war in Kreuznach eine große Wrinverstefe I 96tUn9^^eu Weingutsbesitzer' Eduard Falk ließ im Gasthause I 3umAdler die Kreszenz verschiedener Jahrgänge durch den I Aotar ausbieten. Peter Wenzel wollte, obwohl er nichts zu I gedachte di^er Versteigerung beiwohnen, um sich ein Ar» I teil übet die Preise zu bilden, die er für die eigenen Weine I l01Tte' 2lcdl- taä iveit und breit der Schnee, auf der I teLar gefroren, so daß man eine glatte Dahn hatte j DesMb wurden die Pferde vor den Schlitten gespannt, nachdem I i,r..?\'re,rei! lwrher von dem Schmiede geschärft worden waren I

Splitte', mit gelber Farbe angestrichen !< worden, so daß man sich mit ihm in der Stadt sehen lassen f i^nite. Christine wollte mitfahren. Die Mutter, die auch zum | Mitfahren aufgefordert worden war, hatte erklärt, sie wolle k sich keine talten Füße holen, sie müsse auch die Hinkel füttern I "Nb sehen, daß die Magd das Vieh richtig besorge/ I

, . Die Elf-Ahr-Mocke läutete, als der Schlitten abfubr Wicbel I eBrifHn &enk und lenkte das Gespann, im Schlitten faffen | Mjttftinc und daneben ihr Vater, der die kurze Pfeife rauchte um I sichwreer sagte die Rase zu erwärmen. Vater und T^ch^ 1

ÄohannStrauß, dessen Schöpfungen auch nach der Ent­thronung des Walzers durch die amerikanischen Tänze unver­gessen sind, und in ihrer hinreißenden Frische jung erscheinen, wie am Tage ihrer Entstehung. DerDonauwalzer", dieGe­schichten aus dem Wiener Wald", dasKünstlerleben" haben ein ebenso unauslöschliches Dasein, wie die berühmten Tänze aus seinen Operetten, aus derFledermaus", demLustigen Kriegs' oder demZigeunerbaron". Die Zahl seiner Nachahmer ist Legion: sie entsprach dem großen Bedarf an Walzern dem einzigen Tanz, der während der Jahre um die 'Wende des 19. Jahr­hunderts allgemein dominierte.

Nun ist seine Herrschaft allerdings vorüber und wir können nicht sagen, daß dies in musikalischer Hinsicht zu bedauern ist, Denn die verblüffend verwanölungsfähigen Rhhthmen und &ie ungeheuren Mvdulationsmöglichkeiten der exotischen und Neger- Melodien haben in Gemeinschaft mit dem sehr bedeutsamen Jazz- orchester eine Fülle von originellen Tanzstücksn geschaffen, die ebensosehr zum Tanz anregen mögen, wie sie auch als tönender Ausdruck wechselnder Stimmungen und starker Emvfindungen als absolute Musi? genossen werden können.

' l decken Mgehülu Michel steckte in einem

I waucn Radmantel, den schon Wenzels Vater getragen I tru9 ^ne Pelzkappe und hatte dicke, gefütterte Faust»

. angezogen. Leise ließ er seine Peitsche knallen, und

' I metten dferde an den Kummeten trugen, bim-

I ?.r*t Laschem Trabe fuhr der Schlitten die Straße entlang. I ptefelben Windungen macht wie die Rabe. Als Rorbeim c-ctLtoai/ ll'-eg links der steile wild zerrissene Roten-

I LJrL k Sm alter Bericht meldet, das Franz von Sickingen. I eiten Stammburg, dte Ebernburg. die gerade gegenüber der | Ä ,liegt, als Knabe die gewaltige, hohe Fels- I wand habe ersteigen wollen. Von einem Vorsprung zum an= I et in i>en Einbuchtmrgen des Felsens Lmporgekommeüi.

jnnte er nicht mehr vorwärts und nickt mebr rückwärts | stteg ihm nach und rettete ihn. Am Fuße des

I mvtenfelses srnd Weinberge, oft von geringem Flächeninhalte, I Melegsi zwischen den Felsen und dem Musse ist nicht viel I Hechts tauchte die damals sehr zerfallene Ebernburg auf. I erschienen die Salmen des damals sehr kleinen Dorfes | --llunster am Stein. Wieder türmte sich eine gewaltige Fels- I «Z. Ahe-Ngrafenstsin, auf dessen Spitze einst das

i wtammschloß der Rheingrafen gestanden hat, Im engen Tale I ^"^.Uch der Weg um die Felsvorprünge und Waldecken, bis Ier Schlktt«! in Kreuznach angekommen war. Run mußte er I ton9'at*L fahren, denn die Straßen waren belebt. Ueber die I twrch die Mannheimer Straße ging die Fahrt,

I Schlitten auf der Hochstraße vor dem Gasthause zum

IAdler" hielt.

I » zwei Jahren war dieses Gasthaus eröffnet worden,

I l.a3i_an ber Straße, die vom Rhein ntach dem Hunsrück I & und im Gastzimmer herrschte ein lebhaftes Ge-

I orange. Weinhändler, Weingutsbesitzer. Winzer, auch viele Neu- I st'erige waren gekommen: denn Eduard Falk besaß viele Wingerte I tn pen besten Lagen, Von Bingen, von Mainz, sogar von Trier ! und Koblenz waren die Weinhändler und Besitzer großer Gafb- | Erschienen. Sie waren zumeist stattliche Männer, die die Geldtasche umhangen hatten. Da gab es lebhafte und laute Be- j grußungen und viel Händeschütteln, auch manch ein derbes I ?^erzwort flog von dem einen zum anderen. Ges-chäftig eilten i die Maller hin und her,

| , oaake. der hinten im Hofe lag wareir die Weinproben

i Msestellt. Auf langen Tischen standen die Maschen mit den I Etiketten, kleine Gläser standen davor. Wohl alle Weine der | 5*Fe^a, Gemarkung waren hier vertreten: Kauzenberger Hinkelsteiner, Hassnrecher, Galgenberger, Auch in der Nach­barschaft besaß Falk Weinberge, er ließ Schloßböckelheimer, N«-

I Avtenfelser, Monzinger, Martinsteiner, Bosenheimer und Wmzenhermer ausbieten. Um die Tische faßen und standen die Kauflustigen. Es war drollig, ihre Mienen und Bewegungen bei der Probe zu beobachten, wie sie den Kopf zurückbogen mrt der Zunge schnalzten, die Augen verdrehten, bis der Notar mit seinem Hammer aufschlug und die Versteigerung eröffnete.

Christine wollte in der Stadt einiges eintaufen, Michel ging ! "slt ihr, um die Sachen zu tragen. Die Mutter brauchte Koch­topfe, fte wurden bei dem Kaufmann Winkler erstanden, der da wohnte, wo der Zwingel auf die Mannheimer Straße ein» Eridet. Christine hatte etn neues, schwarzes Rachtmablslleid nötig. Gefällig legte ihr, während Michel auf der Straße toar» tete. der Kaufmann Wohlleben die verschiedenen Stoffe vor Pries deren Güte und Haltbarkeit, bis der passende Stoff aeiun- Sattler Kuhn kaufte Michel für seinen Herrn eme Peiyche. dte er auf der Straße mit lautem Knallen pro° bterte. Dann war noch frei dem Kvlonialwarenhändler Klingen- schmtdt allerhand zu kaufen, was man in Niederhaufen nicht he- kommen konnte»

r, ,®° wanderten die jungen Leute selbander straßauf straßab schoben sich durch dte Menschenmenge, die sich es war Markt- ~ namentlich auf der Mannheimer Straße anqefammell hatte, sahen die Schaufenster, die sehr bescheiden ausgestattet waren, an. Den letzten Einkauf machten sie be Heinrich Kaufe mann. Christine hatte Garn und Schnur, ein Halstuch für die Dtenstmagd und Tabak für den Vater einzuhandeln. Der Jn- haber des Gefchasies, ein Mann im Anfang der vierziger Jahre LL^lbst da« Mädchen, rieb sich die Hände, war wfe ünL Mündlich und sprach nach feiner Gewohnheit in Reimen Er ^''"i- Christme, chatte nut ihrem Vater schon »ft zu tun gehabt. Xftefe fagtebUer bt9m Halstücher auf dem Ladentisch au«- ü®af ^ch^s'. rot, grün und blau.

oie schmücken das Mädchen und zieren die Frau."

Michel der mit eingetreten war, rieb sich die kali geworden«, Ohren, da sagte der Geschäftsmann und Dichter^

,I!ut der Wind am Lemberg sausen Frierts die Leute zu Niederhausen " (Fortsetzung folgt.»