Ausgabe 
24.2.1925
 
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Schönheiten-Galerle ist manche, die alten diesen Anforderung«, entspricht, besonders aber scheinen mir alte Voraussetzungen Saphirs erfüllt von der Tochter des Malers der »Schönheiten, der reizenden jungen Stieleri n, deren Bildnis, 1848 gemalt, wie die Apotheose der schönen und zugleich interessanten jungen Münchnerin anmutet , .____

Kein Wunder, wenn sich zwischen den holden Munchnerinnen, die so leidenschaftlich tanzten, und sich wer hätte es von ihnen gedacht, wenn sie nur innerhalb ihrer vier Pfahle im muffigsten Philistertum und in der dicksten Spießburgerei betraf so gut aufs Kokettieren verstanden und zwischen dem jungen Maiins- volk beziehungsreiche Liebesfäden anspannen, wenn diese Be­ziehungen auch nicht schwärmerischoder rm Sinne.

scheu Lucinde romantisch waren. Man fmg dies praktischer an. Ob Männlein oder Weiblein: Man tat sich mit Liebesanbande- lungen im biedermeierlichen München sehr leicht! Denn es gab da einen ganz famosen Postillon d'amour, der bis zum Ende der 1820er Jahre alle Liebeshändel der Stadt betreute und vermittelte; es war der Finessensepperl. Von zlEghafter, magerer Gestalt, stets in ein kuttenartiges, altersgraues Rocklein gekleidet, und mit einer Kopfbedeckung, die fast an eine Zucker­hutspitze gemahnen mochte, schlich er wie eine Katze umher, stenie sich blöde, ohne es zu sein, sprach jedermann mit dem stereotypen Gruß an:Grüah di Gott, Nanni" gleichviel, ob es em Mann- lein oder ein Weiblein war, und praktizierte dabei geschickt^und fix fein Dilletchen oder Briefchen in die rechten Hände. Gr hatte in allen Häusern Zutritt, und war vielleicht in München einer der populärstenMänner" seiner Zeit. Auch ein teiisam tragi­komischer Nachruhm wurde ihm zuteil. Gr besaß nämlich eine Nippe mehr als normale Sterbliche, und deshalb hat die Anw- tomie sein Skelett angekauft und in einem Glaskasten ausgestellt, wo es sich einst viele Münchner ansahen, darunter gar mandjer, der vordem vom Finessensepperl ein zärtliches Brieflein m die Hand geschoben bekommen hatten.

(Ein Maskenspiel Goethes.

Goethe hat durchs die großartigen Maskenzüge, die er für die Fastnachtsfeste des Weimarer Hvses arrangierte und in bedeutenden Versdichtungen erläuterte, viel zur Be­lebung und Vertiefung der Maskenfreude Beigetragen. Als Theaterleiter hat er mehrfach Versuche gemachst, die antike Maske der modernen Bühne zu gewinnen, und neben dem M u m m e n s ch a n z" im zweiten Teil des Faust ist das be­deutendste dieser MaskenspielePalaeophron und Neo- terre". Ein wenig bekanntes, aber gerade heute wieder be­deutsames Werk, das in einer neuen schönen Ausgabe bei Nichard Weihbach in Heidelberg erschienen ist. In dieser Ausgabe ist auch zum erstenmal dem Text der illuminierte Kupfer beigefügt, in dem Goethes Freund, derKunst- Meyer" die Masken darstellte und der zuerst in derZeitung für die elegante Welt" veröffentlicht wurde.

Goethes Dichtung, die er zur Geburtstagsfeier der Syit= zogin Amalia 1800 improvisierte, stellt an der V^nde deS Jahrhunderts die alte und neue Zeit gegenüber und enthält die Mahnung zur aufbauenden, durch keine Verzweiflung zu hemmenden Arbeit, die gerade jetzt als ein ^deutsch^ Lebens­motto stets von neuem wiederholt werdeii sollte. Der Plan dieses Festspiels wurde in wenigen Tagen ausgefuhrt. um die bei fo knapper Frist schwierige Aufgabe möglichst rasch zu lösen und sowohl sich. als die Spielenden in begeisterte Stim­mung zu versetzen, ergriff Goethe folgendes heroische Mittel. Er lud sich bei den Hofdamen zum Frühstück, und zwar auf Punsch ein, versammelte die Personen, denen er Rollen zudachte, um sich und diktierte nun dem Fräulein von Gönchhaufen die verschiedenen Rollen in die Feder, während er selbst im Zimmer gravitätisch auf und ab schritt. Sobald eine Rolle bis auf einen gewissen Punkt diktiert war, muhte ,ie sofort memoriert, und sobald die entsprechende zweite Rolle auf das Papier gebracht war, gleich mit dieser zusammen probiert wer­den, wobei Goethe aufs lebhafteste antrieb vor pielte und einwirkte. So geschah es denn, dah in zwei Vormittagen das Stück fertig wurde und nach einer Hauptprobe am dritten aufs trefflichste und zur höchsten Freude der Herzogin gespielt wer­den konnte. Nachdem das Stück vor der Hofgesellschaft mit viel Beifall gegeben wvrdeii war, fand seine erste mid zu Goethes Lebzeiten einzige öffentliche Vorstellung am 1. Januar 1803 statt. Der Sckluh des Stückes war dafür abgeandert.

Der Kupferstich, der die Darstellung der Masken enthält und für das Verständnis des tiefsinnigen Werkes notwendig ist, wurde von Goethe seiner Mutter zu ihrem 70. Geburtstag" geschenkt, und sie dankte dafür am 7, März 1801 ihrem Hätschel- hgns mit den Worten:Vor die große Freude, die Du mir an meinem Geburtstag mit den paar Zeilen von Deiner eigenen Hand und mit der vortrefflichen Zeichnung der alten und neuen Zeit gemacht hast, danke ich Dir von Herzensgrund. Setzt ist mir im Lesen Deines kleinen Dramas alles recht anschaulich. Die Masken! Das ist ein herrlicher Gedanke. Ich lasse einen, schönen Rahmen dazu verfertigen «in Glas darüber und hänge es in mein Schlafzimmer zum beständigen Anschanen auf."

Tanzmufik.

Von Dr. Anton Mäher.

Die europäische Tanzmusik hat immer im scharfen Gegensatz zur orientalischen gestanden; ihr liegt der Frohsinn der Menschen zugrunde, während die geheimnisvollen Klänge morgenlän­discher Tanzweisen religiösen und philosophischen Gedanken zum Symbol dienen. Ursprünglich! waren es Tanzlieder, in denen der Bursche sein Mädchen auffordert, mit ihm den Reigen zu springen, nach denen die alten Tänze aufgeführt wurden. Jedes Volk brachte die ihm eigentümliche Form auch in diesen Musik­stücken zum Ausdruck: Die würdige spanische Sarabande, die graziösen französischen Gavotten, Couranten, Gignen, die italienischen Paduanen, Gagliarden und Ciaconnen, und endlich die deutschen Ringelreihen und die Springtänze spiegeln uns die einzelnen Dolkscharak-

tere in der Verschiedenheit von Rhythmus und Stimm- führung in anschaulichster Weise wieder, Die fahrenden Mufi- fanten verbreiteten im Laufe der Zeit diese gesungenen Lieder, so daß ihre Melodien wohl schon vor dem 16. Jahrhundert nur von Instrumenten ohne Gesang gespielt worden sind. Im 16. Jahrhundert wurden die Tänze dann kunstgerecht und mehr­stimmig behandelt; aus dieser Zeit sind uns eine ganze Anzahl von gedruckten Sammlungen erhalten. Nun begann man auch, eine Anzahl verschiedener Weisen zu zyklischen Formen zu ver­einigen, in denen die Einheit der Tonart das Bindemittel bildete; die so entstandene Partita oder Suite erfreute sich großer Beliebtheit, und wurde besonders um die Wende des 17. und 18. Jahrhunderts lebhaft kultiviert. Es ist also kein Wunder, daß sich auch große Komponisten ihrer annehmen und diese Musikgattung bald zu außerordentlicher Vollkommenheit zu er­heben wußten, wie z. B. Johann Sebastian Bach, dessen Suiten noch häufig genug auf den Programmen unserer Konzerte zu finden sind. Allerdings setzt schon in dieser Zeit eine gewisse Zwiespältigkeit der Tanzmusik ein, die von da an bestehen bleiben sollte, nämlich die Trennung in echte, zum Tanzen bestimmte Musik und solche, die eine Tanzform nur zum Vorwand des musikalisches Ausdruckes nimmt. Es ist ohne weiteres ver­ständlich, daß dieTanzmusik" gerade der hervorragendsten Kom­ponisten, wie etwa die erwähnten Suiten 'Bachs, zu der letzteren Art gehört.

Die alten Tanzformen gerieten im Laufe des 18. und 19. Jahrhunderts in BergessenhÄt; während der Rokokozeit herrscht das Menuett, dessen % Satt nun zu dem Tanz übe-leitete, der ein Jahrhundert lang der beliebteste, der König aller Tänze bleiben sollte: zum Walzer. Kein anderer Tanz hat die Kom­ponisten aller Grade so gelockt wie der Walzer; und fein anderer Tanz ist so geeignet gewesen von den modernen Schöpfungen abgesehen, in immer neuer Mannigfaltigkeit der Form, in immer gesteigerter Ausdrucksmöglichkeit sowohl zum Tanzen sortzu- reißen, wie auch als Konzertstück alle Minen blendender Technik springen zu lassen, oder als schlichtester Ausdruck tiefempfundenen Heimatgefühles die Klänge des Volksliedes in einfachster, jedem zugänglicher Art wieder aufleben zu lassen. Mr jede der er­wähnten Walzergattungen finden wir in der Musikliteratur un­zählige Beispiele; einige wenige mögen hier als kleine Auslese geboten werden.

Aus Schuberts Walzern die leider zum Teil durch die kitschige Widerwärtigkeit eines bekannten Operettenmachwerkes in süßlichste Verlogenheit herabgezogen worden sind spricht die sehnsüchtige Liebe zum eigenen Lande in den weichen, leise wiegen­den Ländlerweisen mit ihren teils schwermütigen, teils feurigen und übermütigen Themen, die immer in je zwei viertaktige Phrasen gebannt sind; die schönsten Einfälle Schubertscher Melodik finden sich in den ergreifenden Klängen dieser Tänze. Sie find in ihrer Einfachheit und Natürlichkeit weit entfernt von der schwe­benden, blassen und zarten Durchsichtigkeit der bis auf wenige Ausnahmen schemenhaften Walzergebilde Chopins, die, gleichsam nur mit den Fingerspitzen anzufassen, die Wesenlosig­keit unheimlicher Spukgestalten, wie sie uns in G, T. A. Hoffmanns Erzählungen begegnen, zu besitzen scheinen. Der Erde näher stehen die Mazurken desselben Meisters, der in ihnen fein pol­nisches Nationalgefühl verströmen läßt, und eine den Walzern fremde Leidenschaftlichkeit in ihre energischen Rhythmen zu gießen weift: auch die prunkvollen und bravourösen Polonaisen, vor allem die große in As®ur stehende, zeigen eine größere Geste des Komponisten, als wir sonst in seinen Werken zu treffen ge­wohnt sind, so daß hier die Kraft des ursprünglichen Volkstanzes die müde Feinheit seines Schaffens mit heißerem Atem durch­weht, und glänzende Klänge ans Bern Instrument zaubert, wie sie später Liszt aus den technischen Feuerwerken feiner Klavier­stücke in noch! verblüffenderer Weise aufsteigen läßt. Er hat sich z D des Walzers bedient, um die charakteristischen Merkmale Mephistos musikalisch zu schildern; natürlich fann «n solches Musikstück von dem eigentlichen Tanz, außer dem -zoftart, nur noch Ben Namen haben.

Waren dies alles Beispiele für die sozusagen angewandte Tanzmusik, so ruft ein Name die Erinnerung an das wirkliche Tanzen, an strahlende Balle und Festlichkeiten wach: Der Wiener Walzer mit seinen Helden Lanner und vor alten anderen