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so tröstlich, daß diese Worte tote eine goldene Verheißung Hingen. Dann, während in dem blanken Messingkomfort der Teekessel saust, beginnt er eine seiner kleinen Erzählungen von den Begebenheiten der letzten Tage, seit man sich nicht gesehen. War es nun der Ankauf eines neuen Spazierstocks oder das unglückliche Zerbrechen einer Mundtasse, es floß alles so sanft dahin, daß man ganz davon erquickt wurde, And wenn er gar eine Pause machte, um das bisher Erzählte int behaglichsten Ge­lächter nachzugenießen, wer hätte da nicht mitgelacht! Mein Vater nimmt vergeblich seine kritische Prise; er muh endlich doch mit einstimmen. Dies harmlose Geplauder es ist mir das erst später klar geworden- war die Art, wie der tätige Geschäftsntann von der Tagesarbeit ausruhte. Es klingt mir noch lieb in der Erinnerung und mir ist, als verstände das jetzt niemand mehr. Aber während der Onkel so erzählt, steckt plötzlich meine Mutter, die seit mittag unsichtbar gewesen ist, den Kopf ins Zimmer. Der Onkel macht ein Kompliment und bricht seine Geschichte ab; die Tür und die gegenüberliegend« Tür werden weit geöffnet. Wir treten zögernd ein; und vor uns, zurückgestrahlt von dem großen Wandspiegel, steht der brennende Baum mit feinen Flittergoldfähn-chen, feinen weißen Netzen und goldenen Siern, die wie Kinderträume in den dunkeln Zweigen hängen." ---

Paul", sagte die Frau,und wem- wir ihn noch so weit herbeischaffen sollten, wir müssen wieder einen Tannen bäum haben. Der arme Junge hat sich selbst einen Weihnachtsgarten gebaut; er ist nur eben wieder fort, um Moos aus dem Eichen­wäldchen zu holen."

Der Amtsrichter schwieg einen Augenblick.Es tut nicht gut, in die Fremde zu gehen," sagte er dann,wenn man daheim schon am eigenen Herd gesessen hat. Mir ist noch immer, als fei ich hier nur zu Gaste, und morgen oder übermorgen sei die Zeit herum, daß wir alle wieder nach Hause müßten!"

Sie faßte die Hand ihres Mannes und hielt sie fest in der ihrigen, aber sie antwortete nichts darauf.

Gedenkst du noch an einen Weihnachten?" Hub er wieder an,ich hatte die Studentenjahve hinter mir und lebte mm noch einmal, zum letztenmal, eine kurze Zeit als Kind im elter­lichen Hause. Freilich war es dort nicht mehr so heiter, wie es einst gewesen; es war Llnvergetzliches geschehen, die alte Familiengruft unter der großen Linde war ein paarmal offen gewesen: meine Mutter, die unermüdlich tätige Frau, lieh oft mitten in der Arbeit die Hände sinken und stand regungslos, als habe sie sich selbst vergessen. Wie unsere alte Margret sagte, sie trug ein Kämmerchen in ihrem Kopf, drin spielte ein wies Kind. Nur Onkel Erich, freilich ein wenig grauer als sonst, erzählte noch seine Keinen freundlichen Geschichten, und auch die Schwester und die Großmutter lebten noch Damals war jener Weihnachtsabend; ein junges schönes Mädchen war zu der Schwester au? Besuch gekommen. Weißt du, wie sie hieß?"

Ellen," sagte sie leise und lehnte den Kopf an die Brust ihres Mannes.

Der Mond war aufgegangen und beleuchtete ein paar SWerfäden in dem braunen seidigen Haar, das sie schlicht ge­scheitelt trug, schmucklos in einer Flechte um den Schildpattkamm gelegt.

Er strich mit der Hand über dies noch immer selten schöne Haar.Ellen hatte auch beschert bekommen," sprach er weiter: auf Dem kleinen Mahagonitische lagen Geschenke von meiner Mutter und was von ihren Eltern von drüben aus dem Schwesterlande herübergeschickt war. Sie stand mit dem Rücken gegen den brennenden Baum, die Hand auf die Tischplatte ge­stützt; sie stand schon lange so; ich sehe sie noch"; und er li«H seine Äugen eine Weile schweigend auf dem schönen Antlitz feiner Frau ruhen;da war meine Mutter unbemerkt zu ihr ge­treten; sie faßte sanft ihre Hand und sah ihr fragend in die Augen. Ellen blickte nicht um, sie neigte nur den Kopf; plötz­lich aber richtete sie sich rasch auf und entfloh ins Nebenzimmer. Weißt du es noch? 'Während meine Mutter leise den Kopf schüttelte, ging ich ihr nach; denn seit einem Keinen Zank am letzten Abend waren wir vertraute Freunden Ellen hatte sich in der Ofenecke auf einen Stuhl gesetzt; es war fast dunkel dort; nur eine vergessene Kerze mit langer Schnuppe brannte in dem Zimmer.Hast du Heimweh, Ellen?" fragte ich.Ich werft es nicht!" Eine Weile stand ich schweigend vor ihr.Was hast du denn da in der Hand?"Willst du es haben?" Es war eine Börse von dunkelroter Seide.Wenn du sie für mich gemacht hast," sagte ich; denn ich hatte die Arbett in den Tagen zuvor in ihren Händen gesehen und wohl bemerkt, wie Ellen sie, sobald ich näher kam, in ihrem Nähkästchen verschwinden lief). Aber Ellen antwortete nicht und gab mir auch nicht ihr Angebinde. Sie stand auf rmd putzte das Acht, daß es plötzlich ganz hell im Zimmer wurde.Komm", sagte sie,der Daum biennt ab, und Onkel Erich will noch Zuckerzeug bescheren!" Damit wehte sie sich mit ihrem Schnupftuch ein paarmal um die Augen und ging in die 'Weihnachlsstube zurück, und als wir dann später am Pochbrett saßen, war sie die Ausgelassenste von allen. Bon meinem Weihnachtsgeschenk war weiter nicht die Rede. ---Aber weiht du, Frau?" und er* ließ ihre

Hand los, die er bis dahin festgehaltemdie Mädchen sollten

nicht fv «gemsmmtg fleht, das hat mir damals Seine M <*. taffen; ich mußte doch die Börse haben, und darüber

Darüber, Paul? Sprich nur dreist heraus!"

Nun, hast du beim von der Geschichte nichts gehört? dar­über bekam ich nun auch noch das Mädchen in den Kauf"

Freilich," sagte sie, und er sah bet dem Hellen Mondschein in ihren Augen etwas blitzen, das ihn an das übermütig Mädchen erinnerte, das sie einst gewesen,freillch weift 66 hon der Geschichte, und ich kann sie dir auch erzählen; aber es war ein Jahr später, nicht am Weihnachts- fpnbern am Reu» lahrsabend, und auch nicht hüben, sondern drüben."

Sie räumte das Tintenfaß und einige Papiere betseite und fetzte sich ihrein Manne gegenüber auf den Schreibtisch.Der Detter war bei Ellens Eltern zum Besuch, bei dem allen präch- "gen Kirchspielvogt, der damals noch ein starker Nimrod war, ~ Ellen hatte noch niemals einen so schönen und langen Brief bekommen, als den, worin der Detter sich bei ihnen mtgemelM; «wer so gut wie mit der Feder wußte er mit der Flinte nicht umzugehen, -lind dennoch, tat es die Landluft oder der schöne Grävehrschrcmk im Zimmer des Kirchfpielvogts. es war nicht anders, er mußte alle Tage auf die Jagd. Und wenn er damt abends durchnäßt mit leerer Tasche nach Hause kam und die Mute schweigmd in die Ecke setzte wie behaglich erging« sich da die Stichelreden des alten Herrn.Das heißt Malheur, Detter; aber die Hafen sind heuer alle wild geraten! »beet «Mein Herzensjrmge, was soll die Diana einmal von dir d-nS-nk" Am meisten aber du borst doch, Paul?"

Sch höre, Frau."

Am meisten plagte ihn die Ellen; sie setzte ihm hetmttch etnen Strohkranz auf, sie band ihm einen Gänseflügel vor den Flintenlauf; eines Vormittags weiht du, es war Schnee gtr fallen hatte sie einen Hafen, den der Kn«ht geschossen, aus der Speisekammer geholt, und eine Weile darauf saft er noch einmal auf feinem alten Futterplatz im Garten, als wenn er lebte, ein Kohlblatt zwischen den Vorderläufen. Samt hatte Re den Detter gesucht und an die Hoftür gezogen.Siehst' du ihn Paul? da hinten im Kohl; die Löffel gucken aus dem Schnees Gr sah ihn auch; sei« Hand zitterte.Still, Ellen! Sprich nicht so taut! Sch will die Flinte holen!" Aber als kaum di» Tür nach des Vaters Stube hinter ihm zuklappte, war Ellen schon wieder in den Schnee hinauSgelaufen, und als er endlich mit der geladenen Flinte heranschlich, hing auch der Hase schrm wreder an seinem sicheren Haken in der Speisekammer. -- Aber &er ,JRe& sich geduldig von ihr plagen."

Freilich, sagte der Amtsrichter unv fegte feine Ofcme behaglich auf die Sehn» feines Sessels,er hatte ja die Börse noch Immer nicht!"

Drum auch! die tag noch unangerührt droben in der Kom­mode, in Ellens Giebelstübchen. Aber wo die Ellen war, S« war der Vetter auch; heißt das, wenn er nicht auf der Sagd war. Sah sie drinnen an ihrem Nähsisch, so hatte er gewiß irgendein Buch ans der Polterkammer Molt und las ihr daraus vor; war sie in der Küche und backte Waffeln, so stand er neben ihr, die Ahr In der Hand, damit das Eisen zur rechten Zeit gewendet würde. So kam die Deujahrsnacht. Am Nachmittage hatten beide auf dem Hofe mit des Vaters Pistolen nach goldenen Eiern gefchossen, die Ellen vom Weihnachtsbaum ihrer Geschwister abgeschnttlen; und der Vetter hatte unter dem Händeklatschen der Kleinen zweimal das goldene Ei getroffen. Aber war's mut weil er am andern Tage reisen mußte, oder war'S, weil Ellen fortlief, als er sie vorhin allein in ihrem Zimmer ausgesucht hatte «S war gar nicht mehr der geduldige Detter er tat kurz und unwirsch und sah kaum noch noch ihr hin. DaS blieb Sen ganzen Abend so; auch als man später sich zu Tische fetzte. Ellens Mutier warf wohl einmal einen fragenden Blick auf die beiden, aber sie tagte Nichts darüber. Der Kirchspielvogt hatte auf andere Dinge zu achten, er schenkte den Punsch, den er eigenhändig gebraut hatte; und als es drunten im Dorfe zwölf schlug, stimmte er das alte NsujahrÄied von Soharm Heinrich Botz an (Des Sahres letzte Sturze), das nun getreulich durch äße Verse abgefungen wurde. Dann rief manProst Neujcchrfe und schüttelte sich die Hände, und auch Ellen reichte dem '-Bettet ihre Hand; aber er berührte kaum ihre Fingenspitzen. So war's auch da man sich bald darauf gute Nacht sagte. Ms das Mädchen droben allein in ihrem Giebelstübchen war und nun merk auf, Paul, wie ehrlich ich erzähle! da hatte sie keine Nuh zum Schlafen; sie setzte sich still auf die Kante ihres Bettes, oh« sich auSznkleiden und ohne der Kürzenden Kälte - in der ungeheizten Kammer zu achten. Denn ss kränkte sie doch; sie hatte dem Menschen ja nichts zu Seid getan. Freilich, er hatte sie gestern noch gefragt, ob sie den Hasen nicht wieder hu Kohl gesehen; und sie hatte dazu den Kopf geschüttelt. War es etwa das, und wußte er denir, daß er den .Hrsen schon vor drei Tagen selbst hatte mit verzehren helfen? Sie wollte dem schönen Brief deS Vetters einmal wieder lesen. Aber als sie in die Tasche taugte, vermißte sie den Kommodsn- schlussel. Sie ging mit dem Lichte hinab in die Wohnstube, und von dort, als sie ihn nicht gefunden, in die Küche, wo Re voshin gewirtschaftet hatte.

(Fortsetzung folgt.)

Schriftlrittmg: Dr. Friede. Mich. Lange. Druck und Verlag d« BrLhrMm AKiv,«Buch- M,d SteindrnckerÄ- A. Zange, Dietz«!.