Ms alle chri piche Kunst, st» geht auch fite VmcktÄdmg des Veihuachtsevangeliums, Dom der tote own wollen, bis auf die römischen Katakomben zurück, jene unterirdischen De» Wölbe, in denen di« Bedrängten sich wenigstens einigermaßen vor Derfolgimgen sich« wußten.
Daß die Oertlichkeit des Stalles recht handgreiflich deutlich §er<m8 gearbeitet werden mutzte, ist bei der schlichten Gmp° ftndungsweise jener Zeit selbstverstäindlich Ahti» freilich überrascht eS immer wieder, in wie enge — räumliche und bisweilen auch innerliche — Beziehung die Tiere dxs Stalles (namentlich die biblischen: Ochse imb Esel) zum Shristusknaben gebracht werden. Maria wird damals — im auffallenden Gegensatz zu später — meist im Wochenbett liegend dargestellt, was ja eigentlich durchaus richtig ist. Da weiterhin Joseph schon damals eine recht unbedeutende, ost geradezu unbeteiligte Rolle spielt, spätere lassen ihn bekanntlich ganz beiseite — so erscheinen vielfach die Tiere als die wahren Dttreuer des Neugeborenen. Einen Schritt weitergehen heißt es, wenn z. D. die Anbetung der Hirten ober die der drei Weisen in der gleichen Darstellung mit gezeigt wird. (Die Verkündigung an die Hirten, die mst dem Stern von Bethlehem nreist im Hintergründe zu sehen ist, nehmen wir schon eher hin. Diese zeitlich zu rechtfertigende Zusammenziehung finden wir übrigens auch noch bei Dürer.) Merkwürdig aber mittet es an, wenn die Rebeneinandersetzung von nacheinander spielenden Dorgängen dazu führt, das Jesuskind auf einem und demselben Bild zweimal erscheinen zu lass en. And doch sind solche Werke, noch in den ersten Jahrhunderten unseres Jahrtausends, gar nicht selten. Die Künstler gestalten nämlich nicht nur Vorgänge, die die vier ins Neue Testament aufgenommenen Evangelien erzählen. Sondern sie beziehen sich oft darüber hinaus noch auf eine im 4. Jahrhundert aufgekommene oder aufgetauchte Evangelienschrift, die zu den sog. „apokryphen" zählt. (D. h. zu den im Gegensatz zu den „kanonischen" von der Kirche nicht anerkannten.) Dort toirb u. a. von zwei Frauen berichtet, die das Kind baden. Diese Szene sehen wir auf vielen frühen Weihnachtsbildern mit dargestellt. Nur vereinzelt wird dann weiügstens insoweit die Einheitlichkeit gewahrt, als die Wiege (Krippe) leer bleibt. Die meisten Künstler finden mit Recht, daß dadurch Szenen wie die Anbetung unmöglich würden. Da sie darauf aber nicht verzichten wollen, scheurn sie — großzügig oder letzten Endes nicht vielmehr engherzig? — nicht, sich die geschilderte Merkwürdigkeit zu leisten. Und zwar sind die verschiedenen Darstellungen nicht, wie es später logischerweise geschieht, durch Leisten, Säulen oder dergleichen gegeneinander abgegrenzt, sondern gehen unvermittelt ineinander über.
Fresken und — wie gesagt — Reliefs dieser Art begegnen uns häufig bis tu die Periode, die mit Giotto abschließt.
Das altdeutsche Weihnachtsspiel.
Don Sophie Lederer-Eben.
Die altgennamsche Feier der „Wintersonnenwende" war, wie unser liebes, deutsches Wethnachtsfest, ein Fest der Lebensfreude, ein Fest der Kinder. Grotze und Kleine umjubelten unter Gesang und Tanz den mit Aepfeln und Rüssen geschmückten, geheiligten Tannenbaum, der als ein ewig grünendes Symbol auch unter der Winterstarre nie erlöschenden Lebens recht eigentlich, wie heute noch, zum König des Festes wurde. — Auch als später das Christentum in die germanische Lande einzog und 6te Kirchs im vierten Jahrhundert an die Stelle der Wintersormweno- feier das Fest der Geburt Christi setzte, vermochte die Gemüts- feere dogmatischer Formeln, wie sie der damals damit überladene Kult mit sich brachte, nicht dauernd, den lebensvollen, »kindlichen" Eharaster des in „Ehristfest" umgetauften heiligen Drges zu verändern: es blieb das Fest der Kinder. Kindlich begrützten sie im Heilande das Kind, und die Erwachsenen neigten sich ergriffen vor dem Himmelreich, das im Herzen des Jesusfindes ruht.
Die kirchliche Feier bestand zunächst in symbolischen Handlungen unb liturgischen Einlagen (Officia ordines), aber das Voll blieb ohne jede innere Anteilnahme an dieser kirchlichen Symbolik; in seiner kraftvollen Arsprünglichkeit warf es von sich, was ihm leer und tot erschien, was ihm nicht gemäß sein konnte, und — allem Abstratten abhold — verlangte es, in plastischer Anschaulichkeit die heiligen Gestalten des ihm nur in der fremden lateinischen Sprache vorgelesenen Evangeliums greifen zu können, sie handelnd auftreten zu sehen, — um die rührende Gestalt des gottgeborenen Kindes, die lieblich erhabene der Gottesmutter, die Erscheinung der armen Hirten mit dem Herzen verstehen zu können.
So drängte die naive Sinnlichkeit des Bolles ganz von selbst zur dramatischen Darstellungsform des Evangeliums, ein Boden, auf dem das altdeutsche Weihnachtsspiel mit all seinem Zauber und seiner Lieblichkeit erwachsen ist.
Am das Empfinden des Volles unmittelbar zu interessieren, sah sich die Kirche gezwungen, einzelne hierzu besonders geeignete Stellen des Evangeliums, wenn auch in primitivster Weise, „aufzuführen": es wurden z. D. schon int neunten Jahrhundert in der Berkündigungsszene die Worte der Maria von einer weißgekleideten Jungfrau gesprochen, während der Diakon die Worte des Engels sang. Dm«? ging man weiter:
«£ to*«** i» d« Kirche hinter 6em Alt« eine Krippe mit dem Bilde der Mama und des Kindes errichtet, und während der Priester die WeihnachtSmesse las, traten die Hirten unter dem Gesänge: „Pa? in Terris" heMu und gingen auf die Krippe zu, um das Kind anzubeten. Am 6. Januar, ursprünglich Tag der Laufe Christi (spater DveWnigtag), ließ man die drei Weisen aus dem Morgenlande auftreten, wobei meist größerer Glanz entfaltet und die naive Schaulust des Publikums befriedigt werden konnte. Alle solche Szenen aber — und das ist charakteristisch — wurden psalmodierend gesungen und schließen fich eng an die kirchliche Feier, an die Liturgie, an.
Im zwölften und dreizehnten Jahrhwtdert lösen sich, au8 ihrer natürlichen Entwicklung heraus, die dramatischen Szenen aus dem Rahmen des Gottesdienstes, verschmolzen zu einem einzigen, großen Weihnachtsspiele, das alle Episoden umfaßt. In der Denedictbeurer Handschrift (München) findet sich solch ein vollständiges Spiel, worin die Verkündigung Mariä, die Begegmmg mit Elisabeth, die Geburt Christi, ba8 Dreikönigs- und das Hirtenspiel sowie der Bethlehemitifche Kindermord vereinigt sind.
Die völlige 'Befreiung des volkstümlichen Geistes unb damit auch die der volkstümlichen Spiele und von der Sprache Roms, ist nahe: Walthers Lieder hatten bereits an Burgtor und Hüttentür gepocht, weckend, gebieterifch Einlaß begehrend, an Herzen und Schwertern rüttelnd, aufrufend zum Kampf, Deutschland kündend, welch eine Mission es habe: „Run wachet — wacht! Es nabt der Dag! — „Gewaltig durch die Lande hatte es gesungen, das Trutzgebet: „Dich und die Mutter räche Du, der Jungfrau Kind, an allen, die da Deutschlands Feinde sind!" Die Reformation war borbereitet And Luther kommt. Ardeut» scheu Wesens kernfestester Sproß, führt er das deutsche Volk zurück zu seiner eigenen Seele, zu seiner Sprache, seiner Musik. Das deutsche Volkslied, das um diese Zcht in tausend Farben zu sprühen und zu klingen beginnt, überflutet das Land, dringt in Burgen und Dörfer, in den Gottesdienst ein. Der Text auch der Weihnachtsfpiele ist fortan deutsch und nun erst vermag das Boll die altvertrauten, Helligen Gestalten des Spieles mit seiner ganzen Innigkeit zu umfassen, nun, da nicht mehr die Unverstandes Kirchensprache wie eine unsichtbare Mauer zwischen ihm und den zartesten Offenbarungen des Spieles steht. Mit unendlichem Feingefühl deutet es die schlichte Poesie des Evangeliums ans. Seine Phantasie, fein dichterisches Schauen bemächtigt sich jeder einzelnen Gestatt: die armen Hirten, die dem Heiland ihre gerhtae Habe opfern, werden ihm zum Symbol seiner selbst, und es sieht in Dem hilflosen Ätn&e der reineki Gottesmutter verklärte Abbilder des Kindes und der Mutter überhaupt Dem Dolksempfinden fremde Szenen, wie der Dethls- hemittsche Kindermord, werden mlsgefchattet, dafür aber die Spiele durch lyrische Stimmungen unendlich bereichert und vertieft.
Zarte, süße Marienlieder erwachen in dieser Periode und §gen sich den Spielen ein. Kinderlieber drängen sich in ihren ahmen, so taufrisch und hold, daß von ihnen das zarte Wort gelten könnte von dem „Lächeln" der KindeSseele, die sich im Gesänge des Kindes offenbart. Gläubige Hirtengesänge sprießen wie fromme ßilien unter silbernen Sternen auf: „Wie leuchten heut die Sterne, — Wie schön glänzt doch die Rächt! Ich mein', es wM Tag werden, — And ist kaum Mitternacht!" usw. Häufig übernimmt der Chor, die ideale Gemeinde, die Wiederholung! des Sologesanges, ober greift anteilnehmend, aufmunternd, in die Handlung ein: „Laufet, ihr Hirten, laufet geschwind. Grüßet Maria, grüßet das Kind!" Wiegenlieder, doll von tiefem Gefühl für das AmnMelbare, entstehen. — so der Zwiegesang Mischen Maria und Joseph: „Ach Joseph, lieber nebe mein, Hilf mir wiegen mein ÄinMein" usw. der, szenisch dargesteltt, später zu einer Art von Volksfest wurde. Hatte die Kirche das „Kiichelwiegen" Mich längst verbannt, — den dem Kult ent« wachs enen Spielen blieb es fortan eigen.
Die Ankunft in Bethlehem, das Anklopsen der helligen Familie in der Herberge, die Abweisung durch den S>erbergSn>irt, der schließlich zu einer komischen Figur wurde, die Geburt Christi, die Szene zwischen Maria und Joseph (Kindelwiegen), die Verkündigung der Hirten auf dem Felde, die Anbetung der Könige — innerhalb dieser Szenen hat sich das Weihnachtsspiel bis zum sechzehnten Jahrhundert hin gleichmäßig in ganz Deutschland entwickelt und so ist es uns überliefert worden.
Die letzten Jahrhunderte brachten einige Versuche, das alte Weihnachtsspiel für Me Allgemeinheit neu zu beleben, — so m a. die Aufführung der weihnachtlichen Szenen im Deutschen Theater zu Berlin, mit Else Heims als wunderlieblicher Maria, und einer gar süßen, seligen Weihnachtsmusik von Bernhard Stavenhagen. Die Versuche scheiterten. Im Zeitalter des Dampfes unb der Elektrizität mußte die schöne alte Uebertieferung sich in wettfremde Täler, nach Steiermark, Kärnten, Tirol, Oberbayern, Schlesien zurückziehen.
Möge ihr dennoch eine Wiedergeburt im Geiste Johann Sebastian Dachs und Beethovens befchäeden sein, wenn unser Voll triebet stark und gesammelt genug sein wird, hinabzutauchen in die Tiefe jener Zcmberqnelle sriner Kraft: Die deutsche Seel», .


