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Diesesdergleichen" übt eins ganz fatale Wirkung. Sus- fotoffi reckt sich würdevoll und fragt, was denn Herr Swiatecki eigentlich unterdergleichen" verstehe... Herr Swiatecki erwidert, daß dies alles ganz egal sei, daß er aber für Wladek.sogar fähig wäre, sich lackieren zu bissen, namentlich, wenn er wüßte, daß Herrn Suslowski daran gelegen sei... Mein kiinftiger Schwiegervater sieht seine Frau, Kazia und mich mit einem Mick an, in dem Befremdung und Erbitterung um die Ober­hand kämpfen.

Glücklicherweise gelingt es mir, die Situation zu retten, in­dem ich mit einer bei mir seltenen Geistesgegenwart meinem künftigen Schwiegervater bitte, mich denjenigen Mitgliedern der Familie vorzustellen, mit denen ich noch nicht bekannt bin.

Wir werken vorgestellt und alle setzen sich.

Kazia setzt sich zu mir und legt ihre Hand in die meine.

Im Zimmer ist es voll von Menschen, aber alle sind steif und schweigsam. Die Luft ist schwül und Metern.

Detter Saczkowicz kommt wieder auf das Thema jer Ueber- völkerung. Mein Swiatecki blickt unter den Tisch. Sn der Stille hallt immer vernehmlicher die Stimme des Detters, welcher, da ihm ein Dorderzahn fehlt, jedesmal, wo er einsch" auszusprechen hat, einen pfeifenden Ton hervorbringt...

Die fürchterlichsten Liebel können mit der Zeit für ganz Europa daraus entstehen," sagt Saczkowicz.

Emigration..." meint jemand von den Danebensitzenden.

Die Statistik beweist, daß auch die Emigration nicht die Uebervölkerung verhindert."

Plötzlich erhebt Swiatecki den Kopf und richtet seine Karpfen­augen auf den Sprechenden.

Dann mühte man eben bei uns chinesische Bräuche ein­führen," brummt er im verdrießlichen Baß.

Mit Verlaub, wie meinen Sie das: chinesifche Bräuche?"

Sn China nämlich haben die Eltern das Recht, schwach­sinnige Kinder zu erdrosseln. So mühten denn nun bei uns die Kinder das Aecht haben, schwachköpfige @ttern. aus der Welt zu schaffen."

Es ist vollbracht! Der Blitz hat eingeschlagen, das Sofa erstöhnt unter den Tanten, und ich glaube, vergehen zu müssen. Suslowski schließt die Augen und verliert für einige Zeit die Sprache.

Allgemeines Stillschweigen.

Dann ertönt die vor Wut bebende Stimme meines zu­künftigen Schwiegervaters:

Mein Herr, ich hoffe, daß Sie als Christ...

Warum soll ich denn ein Christ sein?" ° unterbricht Swiatecki mit unheilverkündendem Kopfschütteln.

Zweiter Blitzschlag! Das Sofa mit den Tanten beginnt wie im Fieber zu zittern und verfällt in einen Asbgrund. Ich fühle, daß sich auch unter mir die Erde auftut.

Alles ist verloren, alle Hoffnungen sind zu Nichte!

Plötzlich erklingt gleich einem Silberglöcklein das Lachen Kazias, nach ihr bricht, ohne zu wissen weshalb, auch Beiter Iaczkowicz in Lachen aus, und seinem Beispiele folgend, be­ginne auch ich laut zu lachen, ebenfalls ohne dafür einen Grund zu haben.

Papachen!" ruft Kazia,Wladek hat dir ja im voraus gesagt, daß Herr Swiatecki ein Original ist. Herr Swiatecki treibt Scherz, und ich weih, daß er eine Mutter hat, für die er der beste Sohn ist!"

Ein Schelm und kein Mädchen, diese Kazia! Sie erfindet nicht bloß, sondern sie errät; denn Swiatecki hat auch wirklich eine Mutter und ist ein guter Sohn.

Kazias Lachen und ihre Worte bilden eine gewisse Ab­lenkung, eine noch größere verursacht das Eintreten des Dieners mit Wein und Backwerk.

Es ist derselbe Hausknecht, der mir neulich meine letzten drei Rubel abgenommen hat; jetzt hat man ihn in einen Frack gesteckt und er tritt würdig auf, wie ein Lakai. Er hält die Augen fest auf das Präsentierbrett gerichtet; die Gläser flirren, dabei schiebt er sich langsam vorwärts, als trüge er ein bis zum Rande gefülltes Wasserglas.

Ich fange an zu fürchten, er würde das ganze Brett zur Erde fallen lassen; 'glücklicherweise jedoch erweist sich meine Angst als grundlos.

Rach einer Weile sind die Weingläser gefüllt.

Wir schreiten zum Derlobungsakte...

Eine halberwachsene Cousine hält einen Porzellanteller, auf welchem zwei Ringe liegen. Die Augen treten ihr vor Reu- Zierde aus dem Kopf und die ganze Zeremonie versetzt sie sicht­lich in solches Entzücken, daß sie mit dem Teller und den Ringen hochhüpft. Suslowski steht auf, alle erheben sich, man vernimmt das Geräusch der zurückgeschobenen Stuhle.

Tiefe Stille tritt ein. Ich höre eine der Matronen flüsternd die Bemerkung machen, sie hätte erwartet, daß mein Ring anständiger" sein würde. Trotz dieser Bemerkung ist die Stim­mung so feierlich, daß die Fliegen von den Wänden fallen...

Suslowski ergreift das Wort.....Meine Kinder! Empfanget

den elterlichen Segen." Kazia kniet nieder, ich knie neben ihr...

Was für ein Gesicht mag nur Swiatecki jetzt machen, du lieber Himmel, was für ein Gesicht!

Aber ich wage es nicht, zu ihm hinüberzublicken. Ich sehe auf Kazias Musfelinkleid, das auf dein fahl gewordenen roten Teppich einen sehr schönen Fleck bildet. Die Hände der beiden; Eltern werden auf unsere Köpfe gelegt, dann spricht mein künf­tiger- Schwiegervater:

Meine Tochter! Du hattest im Elternhause das beste Beispiel von dem, was die Frau dem Wanne sein soll, ich halte es daher nicht für nötig, dich über deine Pflichten zu belehren, zu welchen dich ja dein Mann (ich will es hoffen!) .anletten wird!... Aber ich wende mich an Sie, lieber Herr Wladislaw..." Hier erfolgt eine Seine Rede, während welcher ich bis hundert zähle und sodann wieder mit eins anfange. Der Bürger Suslowski, der Beamte Suslowski, der Vater Suslowski, der Römer Suslowski hat hierbei Gelegenheit, seine ganze Seelengröße zu zeigen... Die Worte: Kind, Eltern, Pflichten, Zukunft, Segen, Dornen, Gewissensreinheit und dergleichen sum­men mir in den Ohren wie ein Schwarm von Wespen, belagern meinen Kops, stechen mich ins Genick, ins Gesicht, in den Schopf.

Sch muß wohl die Krawatte zu eng gebunden haben, denm es wird mir ganz schlecht. Sch vernehme das Weinen der Frau Suslowski, das mich tief rührt, denn sie ist eine grundbravs Srau;_ ich höre das Geklirr der Ringe, die auf dem Teller von der tänzelnden Cousine gehalten werden. Sesus Maria! was muß jetzt Swiatecki für ein Gesicht machen!

Endlich stehen wir auf. Die Cousine schiebt mir den Teller dicht unter die Augen. Sch wechsle mit Kazia die Ringe...

Lif! Sch bin verlobt! Sch glaube nun, wir seien fertig, doch nein! Suslowski fordert uns auf, die Tanten um ihren Segen zu bitten.

Wir tun's. Sch küsse fünf Hände, die wie Storchfühe aus­sehen ... Alle Tanten hoffen, daß ich ihr Vertrauen rechtfertigen werde.

Welches Vertrauen, zum Henker, mögen die nur in mich setzen? Der Vetter Saczkowicz schließt mich in feine Arme. Sch muß entschieden die Krawatte, zu eng gebunden haben...

Aber das Schlimmste ist vorüber. Es dämmert... Man bringt den Tee.

Sch sitze neben Kazia und tue, als sähe ich Swiatecki nicht. Der Kerl jagt mir nochmals einen Schrecken ein, indem er auf die Frage, ob er etwas Arrak zum Dee wünsche, antwortet, er trinke Arrak nur flaschenweise... Sm garyen endet der Abend glücklich.

Wir kommen auf die Straße hinaus; ich atme die Luft in vollen Zügen, ein. Ganz bestimmt ist meine Krawatte zu eng gebunden gewesen. Sch und Swiatecki gehen schiveigend neben­einander her. Das Schweigen fängt an, mir lästig zu werden und wird mir schließlich unerträglich. Sch fühle, daß es passend wäre, Swiatecki etwas zu sagen, von meinem Glück, tote alles so glänzend gegangen fei, und wie ich Kazia liebe...

Sch nehme mich zusammen, doch es geht nicht! Endlich, als wir beinahe am Atelier sind, sage ich:

Gestehe, Freund, das Geben ist doch schön!"

Swiatecki bleibt stehen, sieht mich tief an und sagt:

..Affe!"

An diesem Abend sprachen wir kein Wort mehr miteinander.

8.

Sine Woche nach! dem Verlobungsabend kommen meine Süden" in die Ausstellung. Das Bild wird in einem separaten Saal ausgestellt und die Verwaltung erhebt für die Besichtigung desselben ein besonderes ' Eintrittsgeld. Die Hälfte des Rein­ertrages ist für mich bestimmt... Auf der Ausstellung soll von früh bis abends ein Menschengewühl herrschen.

Sch war nur einmal da; da man aber mehr auf mich blickte als auf das Bild, so gehe ich nicht mehr hin: denn wozu mich unnütz ärgern.

Wäre auch mein Bild ein Kunstwerk von bisher ungeahnter Bedeutung, so würde das Publikum es doch nur mit derselben: Reugierde besichtigen, mit welcher es sichKrao" oder einem Hottentotten, der lebende Tauben verschlingt, ansieht. Ein solcher Hottentotte bin im Augenblick ich... Es würde mir dies Spaß machen, wenn ich wirklich, wie Swiatecki behauptet, ein Asse wäre. Sch bin aber zu sehr Künstler, als daß mich nicht ein« solche Herabsetzung der Kunst, zu Gunsten einer in Mode ge­kommenen Persönlichkeit, recht ärgern müßte...

S.

Vor drei Wochen hat noch! kaum jemand etwas von mir gewußt, jetzt aber erhalte ich Dutzende von Briefen, zumeist Liebeserklärungen. .Unter fünfen beginnen gewiß vier mit den Worten:Sie werden vielleicht ein weibliches Wesen verachten, welches usw."... Sch werde sicherlich das weibliche Wesen nicht verachten, wenn es mich nur in Frieden läßt.

Wenn nicht Kazia wäre, so würde ich, offen gestanden, diese Gefühlsergüsse kaum gänzlich unbeachtet lassen.

Was mich dabei besonders empört, ist: tote nur eine solche Unbekannte" erwarten kann, daß ein Mann, der sie vorher nicht gesehen, ohne weiteres, bloß auf ihre Aufforderung hin, ihr entgegenkommen würde. Entschleiere dich erst, o schöne Un­bekannte! und nachdem ich dich gesehen habe, werde ich dir erst sagen. . Au weh! ich werde nichts sagen, denn Kazia!...

(Fortsetzung folgt.)

Schriftleitung: Dr. Friedr. Wich. Lange. Druck und Verlag der Brühl'schen Univ.-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.