Ausgabe 
22.9.1925
 
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-er Berge und in die Bäume der Wälder, mit solcher Kunst, tote die Menschen zu bauen gewohnt sind. Wiege aus zu allen Blüten und Früchten, welche der Herr dir angewiesen! Aus ihrem Leib ekommt nunmehr der köstliche Honig, verschieden an Farbe, oder eine wahre Arznei für den Menschen, Wahrlich", so heißt es in der zitierten Sure weiter,auch in ihnen ist ein Zeichen für nachdenkende Menschen!" Als einst ein Mann dem Propheten Mohammed klagte, daß der Honig, den dieser Gottesdienev seinem kranken Bruder verordnete, keine heilsame Dienste geleistet habe, antwortet« Mohammed:Gehe hin und gib ihnen mehr Honig, denn (Stott sagt die Wahrheit und deines Bruders Körper lügt." Als Sinnbild des Heiles konnte der Honig auch Symbol des Glückes und Wohlergehens werden. Daher bezeich­neten die Deduinenaraber das Glück eines Reichen durch das Sprichwort:Er schlafe, den Mund an einen Honigschlauch ge­preßt".

Wie bei den alten Griechen Nektar und Ambrosia, die andere DezeickZiungen für Honigseim und Honigtrank sind, die. Lieblings­getränke der griechischen Götter waren, und Dionysos vor Ein- sthrung des Weinbaus in Hellas und Thrakien ein Gott des Mets war, so wurde auch jedes Opfertier des höheren Gottes Griechenlands mit Milch, Wein und Honig begossen. Groß war auch der Honigverbrauch, in den Mysterien, wo er die Bedeutung der ersten Lebensspeise hatte. Zu den Todesopfern gehörte auch Honig. Diese Verwendung begegnet uns schon im homerischen Zeitalter. Bei der Leiche des Hektar und Achilles stehen mit gonig gefüllte Gefäße bei dem Scheiterhaufen. Gleich wie den öttervater Zeus als Säugling Dienen mit Honig nährten, ebenso wird von großen und berühmten Männern berichtet, daß sie als Kinder von Dienen genährt und mit der Gabe der süßen Rede beschenkt worden sind. So geschah es dem Dichter Pindar, als man ihn außerhalb des Hauses seines Bakers äus- setzte und als die Amme des kleinen Plato einst, itim ihrer Herrin beim Opfer zu helfen, den Säugling in ein Whrrthen- gebüsch legte, kam ein Dienenschwarm und legte hymettischen Honig auf seine Lippen, ihm damit die Gabe der süßen Rede verleihend. Plato selbst vergleicht den Dichter mit einer Diene, dem leichtgeflügelten heiligen Wesen, der Gottheit voll uiw so ist auchhonigsüßer Don" wohl nichts anderes als die wört­liche Ülebersetzung von Melodie.

Den Griechen standen die Römer in der Wertschätzung des Honigs nicht nach Auch bei den Bewohnern Italiens wurde vielfach der Honig im Kult verwendet Größer aber war noch der hauswirtschaftliche Verbrauch Die Römer aßen sehr gern versüßte Speisen; sie kannten aber natürlich keinen krlstallim- schen Zucker. Das, was von ihnenSaccharum" genannt wird, ist nicht unser Kristallzucker, sondern nach Plinius ein Honigsaft, der sich auf gewissen Rvhrstauden Arabiens und Indiens, wo auch die Qualität besser ist, sammelt, weiß wie Gummi aus- flcht, zwischen den Zähnen knirscht und zerspringt und von der Größe einer Haselnuß ist. (Manna vrient.?) Er wurde nur medizinisch gebraucht. Honig war daher das einzige Mittel, Speisen und Getränke zu süßen. Ausvnius hat Recht, wenn er von den Alten sagt daß bei ihnenmüsamer Weiß der Menen" bei Speis und Trank beliebt war. Honig durfte im römischen Haushalt so wenig fehlen, wie bei uns heute der Zucker. Speisen, die auf den HerventiM kommen sollten, ver­süßte der Koch mit Honig und machte damit die Soßen schmack­hafter. Er fand seinen Platz auf jeder Tafel, als Rachtisch wurde entweder purer Honig oder Honig mit geröstetem Mohn oder Honigkuchen, wegen der Figuren, welche die Konfektbäcker dem Teig« gaben, ehe er gebacken wurde, aufgetragen, wenn der Wein nicht süß genug war, wurde nach dem bereitstehenden Honignopf gegriffen, welcher den lautersten, süßesten, heilsamsten Saft enthielt. Reiche ließen ihren Tafelhonig aus Attika in Sizilien kommen, die Bienenzüchter aber, ihren Gästen zu Ehren, den Honig aus den besten Gefäßen der Blumen, gesammelt und gesondert, aus den Stöcken nehmen. Bei solchen Mahlen mag man so köstlichen Honig Ambrosia und wahrhaftigen Nektar genannt haben. Auch im der Küche wurde viel Honig ver­braucht- Quitten, Datteln, Pflaumen, Feigen, Aepfel, die sich lange halten sollten, in Honig eingelegt, wodurch di« Früchte «inen lieblichen Geschmack Und eine magenstärkende Kraft «Hielten. So gab man sie wie die Kukumern, die auch Poponen, Melonen hießen, und die iman geschält mit Oel eingekocht hatte, als Delikatesse zum Nachtische. Zwiebel und Honig aber wurde solchen verabreicht, die an Verstopfung litten. Außer der Verwendung des Honigs zu Gebäck, Ko-nfttüven und Backobst versetzte der Römer fast alle feine Tischweine, selbst die mil­desten, tote den Falermer, mitder Menen mühsamen Fleißei"; er bereitete daraus eine Menge Getränke und nützliche Flüssig­keiten für seinen Haushalt (Di« ausgedehnteste Verwendung fand aber der Honig in der Medizin. Die alten Aerzte betrach­teten ihn fast als ein Amverfalrnittel gegen äußere und innere Krankheiten; besonders der Sommerhoirig, der nach dem Auf­gange der größten Gestirne oder nach eenem Regenbogen, dem fein Siegen folgte, sondern ein von der Sonne erwärmter Dau gesammelt wird, oder wenn Jupiter, Venus und Merkur an einem Sage aufgehen, war nach den damaligen Begriffen ein Mittel, selbst gegen den Tod. Honig bewahrt die Körper vor Fäulnis, in anderer Weise aber als das Salz. Leichname, die vor Verwesung geschützt werden sollten, legte man in Honig

und nur aus Mangel an Honig mußte man di« Leiche des Königs Agefllaus, als er auf dem Rückwege aus Aegypten starb, in Wachs einlegen. Am liebsten wurde der abgescheibts und ungeräucherte Honig gebraucht, weil er nicht blähen sollte, besonders in Verwendung mit anderen Stoffen und Säften. Folgend, um den ausgedehnten medizinischen Gebrauch, einiger­maßen darzustellen, eine wenn auch unvollständige Zusammen­stellung von Rezepten: Honig Heilt innerlich in Pillen von getrocknetem Eoloquinten-Pulver Magenbeschwerden, vertreibt mit Essig Eingeweidewürmer, mit Knoblauch Dlutspucken, mit Dübensaft, durch die Nase gezogen, reinigt er den Kopf, ver- tteibt mit Dill und Pfeffer den Schlucken, mit Mohn die Luft- röhrenschwrndfucht, mit Malve Flechten und Mundgeschwüre, mtt Thymian und Essig Brustschäden, Blähungen und Gicht- schmerzen, mit gerösteten Erbsen schweren Harn, Leberschaden, Stuhlzwang, mit Lorbeerblättern Engbrüstigkeit usw. usw. Weit. ausgebreiteter war die Honigverwendung in der Wund­arzneikunde. So gebrauchte man dieses göttliche Produtt mit Rettig gegen Eiterschäden in der Brust und mit Retttgschalen gegen Stoß- und Schlagwunden, mit Meerzwiebel gegen Lenden- schanerz, mit Raute und Salz gegen den tollwütiger Hunde, mit Pfefferminze gegen rauhen Hals, mit Anis gegen ubrt- riechenden Odem, mit Mohnblumen gegen Karfunkel und fressende Beulen usw.

Wenden wir uns nun schließlich zu den Germanen von den slavischen Völkern, bei denen sich- an die Mene und deren Produtte manche schöne Sitte und Vorstellung knüpft abgesehen, so ist bekannt, daß das an Leib und Seele frisch-gesunde Volk reiche Menenschwärm« unterhielt und vorzüglich Honigwein oder Met zu bereiten verstand. Die Bewohner mancher Küstenstriche aßen Honig zu ihrem Brot«, in Moricum und Kärnten, der Heimat der als tüchtig« Menenrasse bekannten Kärntner Bienen, waren Honig und WachsprodEe des Tausch-Verkehrs und -Handels mit Italien. Plinius erwähnt es als Wunder, daß er einmal eine dunkelgefärbte Honigscheibe aus Germanien ge­sehen habe, Me eine Länge von über acht Fuß hatte (wahr­scheinlich eine Riesenwabe aus einem hohlen Baumstamm). Aber erst mit Einführung des Christentums wurde di« DienenzuM ein lebensfähiges Stück in der nationalen Landwirtschaft und besonders die Klöster haben sich mit großem Erfolg der edlen Kultur gewidmet. In der Regierungsperiode des großen Königs Friedrich II. von Preußen -sowohl, als in Oesterreich unter Maria Theresia ließen sich die Staatsoberhäupter die Bienen­zucht sehr angelegen fein. Friedrich II. erließ unterm 1. Mai 1752 den Befehl: Die Beamten, Schulzen und Gerichte haben darauf zu achten, daß an den Orten, wo die Menen Futter haben, jeöet Landwirt eine gute Anzahl Stöcke hätt. Freudiger ©tunmimg über den Erfolg fchrieb er später an Voltaire:Wir haben die Menenstöcke in diesem Jahre um ein Drittel vermehrt. Maria Theresia erließ unterm 8. Aprrl 1775 erneu Schutzbrref für die Menenzucht, dessen ®ingang lautet:Die Nutzbarkeit der Menenzucht, bei der manch fleißiger Untertan die reinste und sicherste Quelle seiner Kontributionen für di« Erfordernisse des Staates findet, hat Unfete landesmütterliche Sorgfalt rege gemacht, und haben Wir Ansentschlossen, diesen wichtigen Nahrungszweig durch besondere Aufmerksamkeit und Anterftut- zung in unseren Großprovinzen nach und nach! zu fordern und zu verbreiten." , r ,

Der alte Florinus, ein Administrator des Pfalzgrafen zu Rhein, hat in einem 1702 zu Nürnberg erschienenen Buche:Kluger und unverständiger Hausvater" dargelegt, wie namentlich an den Hosen zu Ende des 16. und 17. Jahrhunderts sich ein be- sonderes Interesse für die Menenzucht kundgab, weil me Be­herrscher Deutschlands in ihr ein Mittel zur Förderung des Volkswohlss erblickten. And heut«, wo wir durch'di« Dervoll- kommnung der Technik eine rattonelle Menenzucht mit Hilfe unserer modern ausgebauten Menenstände und sonstigen Appa­raturen für die Gewinnung und Aufbereitung der Jmkerewrzeug- nisse durchführen können, und der Staat neuerdings durchs «nen entsprechenden Gefetzesfchutz an sich schon die Wichtigkeit dieses idealen Erwerbszweiges kennzeichnet«, dürfen wir um so mehr und kühn behaupten, daß die Menenzucht nmEhr in unserem heimischen deutschen Gau erst recht gedeihen und im landwirt­schaftlichen wie voWwirtschaftlichen Jnteveff« sich zu einer un­geahnten Blüte entwickeln wird.

Die Dritte.

Eine heitere Erzählung aus dem Künstlerleben.

Don Heinrich Sienkiewirz.

(Fortsetzung.)

Schon tat Vorzimmer vernehme ich di« Sttmme des Detter Jaczkowicz, der über di« Frag« der Aebervölkerung redet Detter Jaczkowicz redet nämlich immer über dieses Thema es ist eben seine ganze Weisheit. Kazia gleicht in ihrem Musselinkleidchen einem WÄklein einfach entzückend! Suslowski ist im Frack, die Verwandten tat Frack, die alten Tanten in seidenen Kleidern.

Der Eintritt Swiateckis macht Eindruck. Wan mustert uns nüt einer gewissen Anruhe... Swiatecki blickt mürrisch um sich und erklärt dem Vater Suslowski, daß er wahrhaftig die Herr­schaften nicht inkommodieren würde,wenn es nicht wäre, daß Wladek heiratet oder dergleichen".