Der Bienenhonig in Völkerglauben und -gebrauchen.
Don Jng.-chem. H. A Kirsch.
In allen Zeiten und bei allen Völkern ist Honig als Räh» rungs- und Genußmittel hoch geschätzt worden. Es gibt kaum ein zweites Erzeugnis der Tierwelt in der Kulturgeschichte, das un Glauben und Brauche der Völker eine gleich wichtige Rolle gespielt hätte. — Das älteste urkundliche Zeugnis für die Verwendung des Honigs ist ungefähr 4000 Jahre alt. Es flammt aus Indien, wo die sagenumwobene Lotosblume ihren Honigschatz darbietet und das Heimatland unserer Honigbiene ist. Rach jener Ärkunde war bei den alten Indern die erste Rahrung des Säuglings Bienenhonig. Dort in Indien ist die Honigbiene als Haustier domestiziert worden. Der indische Bauer ist ein geborener Bienenzüchter; neben der primitiven Dambushütte
„Sicherlich!" stotterte ich echoend nach und sah mein Weinglas bereits wieder gefüllt.
Er mutz übrigens jeden Augenblick kommen. Er wollte sich nur rasieren lassen. Hoffentlich haben Sie noch etwas Zeit, damit er Ihnen die ganze Geschichte selbst erzählen kann!" schob mir die Mutter noch ein Stück Torte zu. „Essen Sie nur! Heute dürfen wir uns das leisten!" ,
Also — der Schwerverbrecher hatte sogar die Stirn, noch einmal zu seiner Familie zurückzukehren, obgleich er sich doch sagen mußte, daß sein Haus wahrscheinlich längst von der, Kriminalpolizei umstellt sei, ihn, den großen Defraudanten, abzufangen und schleunigst hinter Schloß und Riegel zu bringen. And dann die hohnlachende Llnverschämtheit hier, die Tat noch festlich zu begehen! Wich schauderte vor solchen: teuflischen Liebermut; und schnell trank td} mein Glas noch einmal aus, um dieses Schaudern nicht so merken zu lassen, um klaren Sinnes für die kommenden Enthüllungen zu bleiben, die mir aus dem authsw tischen Munde selbst werden sollten... auf die Gefahr hrn, daß man mich als Hehler mitverhaften würde. Da rasselte auch schon ein Schlüssel in der Wohnungstür. Der frischrasierte Rendant, im feierliche Gehrock, trat ein und reichte mir schmunzelnd d:e Hand, nachdem er von seiner Frau schnell in den Grund meiner Anwesenheit eingeweiht war. „ „
.Ist das wirklich so ein Fressen für Ihre Zeitung? Ra, denn man los!" schüttelte er mir noch einmal die Hand, wobei mich das Wort „Fressen" persönlich traf, von wegen der verzehrten drei Stücke Torte.
Ich redete irgendetwas Rebensachliches daher und zog me Zeitung hervor, in der die erste kurze Rottz über die große Unterschlagung stand. „Hier - hier - wenn Sie lesen wollen — mein Bericht soll es ausführlich ergänzten, erklären, Sie en.schuld:gc^iht &a entschuldigen, junger Freund? Ditte, geben Sie mir doch einmal Ihre Zeitung!" Und der Rendant, der ehemalige, für mich wenigstens schon, nahm mir das Matt aus der Hand, um sogleich in das Sofa zu fallen. „Herr, Herr — ist Ihre Zeitung — jetzt verstehe ich Ihre Jammermiene da soll ich, Albert Krull, Rendant Kleinigkeit von v:erz:g- tausend Mark unterschlagen haben? Leider handelt es sich nur um den vierten Teil —“ r < ,.<
„Am den vierten Teil — nur — o, dieser Gemütsmensch! flüsterte ich unhörbar in meinem Zwerchfell.
„Den ich in der Lotterie gewonnen habe! Der uns s» fröhlich gestimmt hat! Don dem diAer Wein, diese Torte hier bezahlt ist! Herr - Herr - Ihren Albert Krull müssen Sie Mj schon gefälligst wo anders suchen! Ich — ich verbitte nur Ihre Zudringlichkeiten, Ihre —“
Wie schnell ich. damals aus dem Zimmer auf den Korridor, von dort wieder auf die Treppe gekommen bm, weih ich heute noch nicht. Rur das ist mir in Erinnerung geblieben: daß im Zimmer noch - bei Gott, rem aus Verseh«! - mein Weinglas umwarf, daß es zerbrach - immerhin Scherben bedeuten ja Glück! —, daß ich auf der Treppe, rn der Dunkelheit, aus der wiederum verruchte Schatten höhmsch noch nur griffen, nochmals stolperte und mir nun auch noch das link Hofenb^n zerriß, daß ich also beschädigt nach einer Strmde auf d«c Redaktion eintrudelte und statt des erwarteten Berichtes dem Herrn Chef der Reportage nur die peinlichst verlege,« Ditte um Mitleid entgegenbrächte, um alsdann im Adreßbuch leid« zu spät die überraschende Feststellung zu machen, daß eS to dem großen Berlin ausgerechnet zwei Rendanten namens -albert Krull gab — weswegen ich seit dieser Zeit stets im Adreßbuch alle Menschen gleichen Ramens überfliege, in der Hoffnung, in dubio doch vielleicht den richtigen mir herauszufischen.
Muß ich wirklich noch einmal versichern, daß mein erstes journalistisches Meisterstück ungeschrieben blieb? Lind Ana ich es heute allmählich im Laufe von Jahren doch etwas über dM Gesellen hinaus gebracht habe, so danke ich diesen llmstand weniger meinen Fähigkeiten, denn dem großen, unendlich reichen Leben selbst, das bisweilen so liebenswürdig ist, mich auf einige ernste oder komische Rosinen aufmerksam zu machen. Die picke ich mir dann heraus, backe sie in Hefeteig der Worte, und gieße meine feuilletonistische Himbeersohe darüber. Wie auch dieses Beispiel belegen mag ...
fehlen selten die aus Rohr gefertigten Bieneirwohnungen; sie gehören in vielen Gegenden Indiens nach den Berichten der Daturforscher zu dem sonst sjv bescheidenen landwirtschaftlichen Inventar. Aber auch die in wildem Zustande lebenden Dienen^ die in diesen Dreitegraden kein nördlicher -Winter mit dem Erstarrungstode bedroht, .gedeihen vortrefflich und sammeln reiche Schätze von Honig und Wachs, auf die von den sogenannten Honigjägern förmlich Jagd gemacht wird. Besonders Ceylon und die Insel Timor sind wegen ihres Honig- und Wachsreichtums berühmt. Roch heute spielt der Honig in den Zeremonien de« Hochzeitsfeierlichkeiten dort eine wesentliche Rolle. Richt nur Stirn und Mund, sondern auch Augenlider und Ohren der Braut werden unter althergebrachten Segenswünschen mit Honig bestrichen. Diese Sitte dürfte wesentlich darauf begründet fein, daß die Diene, die Spenderin des Honigs, das Attribut des indischen Liebesgottes Kama oder Kamadeva ist.
Aus dem Orient stammt die Anwendung des Honigs zum Konservieren des Leichnams — Einbalsamievsn —. Die Aeghpter überzogen ihre Leichen zunächst mit Wachs und legten sie dann auf Honig. Lleberhaupt gehörte der Bienenhonig bei den alten Aegyptern zu den nötigsten Lebensbedürfnissen. Das beweisen zwei aufgefundene Inschriften, die eine von einem Graböenknral der Rekropolis Abydos in Mittelägypten, mit folgendem Wortlaut: „Der König bestimmt, daß eine Summe von 3i/2 Pfund Silber von der Schatzkammer des Osiristempels alljährlich zu leisten sei, um den täglichen Bedarf von 1 Hin (Matz) Honig für den Tvtenkultus seines Schatzes Raromantha zu decken." Hieraus ergibt sich zugleich der Tarif des Honigpreises in Altäghpten: Da 3V2 Pfund (gleich 362/3 ägyptische Lote) ihrem Silberwert nach 66,70 Mk. entsprechen, so kostet das Hin (ist s/i Liter Rauminhalt) die Summe von Vio äg. Lot 18 Pf. Die andere Inschrift befindet sich auf einem beschriebenen Kalkstein des Britischen Museums und gibt an, daß 5 Hin Honig für 4 Pfund Kupfer gekauft worden seien. Lleberhaupt scheint der Honig bei den allen Aegyptern unter den Nahrungsmitteln eine ganz hervorragende Stellung eingenommen zu haben. Drugsh teilt einen Ehekontrakt mit, in dem es heißt: „Ich nehme dich zum Weibe... und verpflichte mich., dir alljährlich... 12 Krüge Honig zu liefern." Das Dienenprodukt des Honigs wurde bei den Aegyptern auch als Opfergabe verwendet, fo am großen! Feste des Gottes Thoth. Das hieroglyphische Zeichen für Honig ist eine wagrechte Linie über einer Schale. In der für den Vergleich nut den Alt- Aegyptischen wichtigen, weil verwandten Optischen Sprache, bezeichneten Eheb und Chab die Diene und Ehabiu die Honigpflanze.
Bon den Gestaden des Alls wenden wir uns zu den Ufern des Jordans, von den Aegyptern zu den Hebräern. Das Land Kanaan wird in der alttestamentlichen Literatur mit Vorliebe als das Land, wo Milch und Honig fließt, bezeichnet. Zumal während des langen und beschwerlichen Wüstenzuges weiß der große Gesetzgeber und Führer Moses die unzufriedene Dolks- masse, die sich zuweilen nach den Fleischtöpfen Aegyptens zurücksehnte und bis zur offenen Empörung widersetzlich wurde, mit der lockenden Aussicht auf Milch und Honig, die im gelobten Lande in Strömen fließen, zu beruhigen. Ein Schlaraffenland war deshalb Palästina noch lange nicht, der alte Hebräer muhte, fo gut tote sein ägyptischer Rachbar, das tägliche Brot dem Acker .im Schweiße seines Angesicht" abringen. Immerhin läßt die sprichwörtliche Hervorhebung des Honigreichtums mit Sicherheit den Schluß zu, daß das Land außerordentlich bienenreich war, da die noch heute dort wildwachsenden Honigpflanzen, eine Fülle aromatischen Honignektars boten. Dristram bemerkt, daß gegenwärtig noch die größere Quantität Honig, der im südlichen Palästina auf den Markt kommt, von wilden Schwärmen gewonnen wird. In den zahllosen Spalten und Klüften des Kreidekalks finden die Bienen passende Stellung genug zur Ansiedelung. „Israel saugte Honig aus den Felsen und mit Honig aus dem Gestern sättigte Gott des gehorsame Volk." Auch an Bäumen kleben die wilden Schwärme ihre Wohnungen an, wobei es dann vorkommen kann, daß ein Stock wegen der Fülle des Honigs in den Waben zu Boden stürzt und von den Bienen verlassen wird. Einen solchen Stock fand Jonathan, als er einst während eines Feldzuges durch den Wald marschierte. Auf wilden Honig deutet auch der Prophet Jesaja hin, wenn er verkündet, daß im verwüsteten, mit Dornengestrüpp überwuchertem Lande die geringe Zahl der das Kriegselend Lleberlebenden „Rahm und Honig" essen werde. — Der Honig fand im Leben des hebräischen Volkes die mannigfaltigste Verwendung als Speise, als Arznei, als Mettrank und in Krügen gesammelt, als passendes Geschenk. Am so mehr mutz es auffallen, daß der so hoch geschätzte Honig durch das mosaische Gesetz von den Opfergaben ausgeschlossen war.
Der Koran, der sehr häufig das Dun und Treiben des Bienenvolkes allegorisch verwertet, enthält ein ganzes Kapitel (Sure 16) mit der Lleberschrift „Die Mene". In ihm heißt es: „Auch in den Tieren habt ihr ein belehrendes Beispiel, denn wir trinken auch von dem, was in ihren Leibern die Mitte hält, zwischen Kot und Blut, nämlich von der reinen Milch, die für den Trinkenden so angenehm zu schlürfen ist. Von der Frucht der Palmbäume und der Reben erhaltet ihr berauschende Getränke und gute Rahrung. Wahrlich hierin liegt ein Zeichen für verständige Menschen! Der Ewige und Allbarmherzige lehrte auch die Mene, indem er sagte: .Baue deine Häuser in die Felsen


