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M0OM w» fleißig nachgeähmt. Nadler, Anton Sommer, P..2. ! Fritz Reuter und Klaus Groth kamen rasch nachein-

' Haftet zu Wort und Ehren. ,, .

All diese Anregungen und fimstände wrnkien nachhattlg auf ein, zumal er mit Sommer, der in Rudolstadt eine Töchter« leitete, persönlich gut bekannt war. Er schrieb und dichtete ^vermehrtem Eifer, aber schrieb w rnttunterMzug^ bemmt darauf los, bewegt von der Sorge ums tägliche Drot. Jliw- fcröer gingen die Dogen mit nasser Tinte in di« Druckern,^ lwenn d^^auch der firsprünglichkeit seines Humors vielleicht keinen Abtrag getan hat, der mundartlichen Form. der Po^ischM S^iirckbilduna hat es sehr geschadet. Tatsächlich ist kern Gedicht von Friedrich Stoltze vorhanden, das keine ^OTftöße M^ndatt mchieü«. Seine Prosaarbeiten find fast durchweg W L?ch geW und dementsprechend M die Mundart nur in Mem Lautbestand richtig wiedergegeben. Stoche war Meinung, daß der Lautbestand das etnyg Nichtige vxire^De- deutunasvoll ist es dagegen, dah er nur selten auf einen Kernwitz ausgeht, wie Kobell meistens, sondern der Staimnesart ge^u die gesamte Darstellung mit gütigem Humordurchleuchtet. Wie Laming der ihn in der Behandlung der Mundart weit über­trifft ist ihm der Humor kein Stilmittel, sondern recht eigentliche Weltanschauung und darin steht er denn auch über den meisten <^crJ Mundartdichtern unseres mittelrheinischen Gebietes, ia der meisten Dialektdichter, die gewöhnlich nur Spahmacherfind. Der tiefe, seelisch begründete Humor verklart auchseinschones Gedicht zu Schillers 100. Geburtstag, in dem mehr poetisches Gefühl steckt, als in manchem dickleibigen Goldschnittband.

Bedeutsam für di« mundartliche Forschung ist sem sicher Sprachschatz: er ging auch ganz bewußt darauf aus die W tümer des Frankfurter Dialekts zu sammeln und festzulegen. Was er gerade darin geleistet hat, ist bis heute nur zu entern klemeu Teil bekannt: vieles liegt noch tn den alten Banden der FrE- furter Latern verborgen, vieles ist überhaupt noch nicht ver- osfentlicht Stoltze ein herzhafter humoristischer Dichter,

dem auch mancherlei ernste und gemütliche Gedichte gelungen find aber der klassische Dialektdichter, als der er immer wieder gerühmt wird, ist er nicht. Er bringt eben nicht die reute Mund­art. sondern eine literarisch zurechtgemacht« Umgangssprache wie sie in den bürgerlichen Kreisen der alten Reichsstadt üblich - ist. Daher erscheint es denn häufig, als ob er überhaupt nur ein verderbtes Hochdeutsch schreibe. ,

Zahllos schier ist die Reihe seiner Nachahmer, von denen er vielen neidlos und ost allzu willig ein Plätzchen rn der Frank­furter Latern gegönnt hat. Biele davon sind nur hin und wieder einmal an die Oeffentlichkeit getreten. Sn Asienashs trefflichem Werk über die Frankfurter Mundart und ihr« Literatur find sie fast alle genau aufgeführt. Vergessen ist dort Heinrich Hoff­mann, der Verfasser des Struwelpeter, der neben einigen anderen mundartlichen Gelegenheitsgedichten auch eins an Stoltze ge­richtet hat. Das Gänsi, das in der Frankfurter Krebbel- und Warme Drödercher Zeitung 1857 Nr. Sicher abgedruckt wurde. Allerdings, keiner der Nachahmer hat Friedrich Stoltze auch nur annähernd erreicht. Es ist meist nur belanglos« Hausmacher- Arbeit, die weder wissenschaftlich noch poetisch in Betracht kommt.

Sizilianische Briese.

Von Fritz Diettrich

V.

Eine Bahnfahrt.

Caltanisetta liegt im Herzen Siziliens, dort, too es seine heißesten Kammern hat und versandfertiger Schwefel in sqüveren Blöcken auf den Rücken wundgescheuerter Maultiere geduldig transportiert wird. Die Umgebung ist wild zerrissen, wemg fruchtbar, aber nicht uninteressant. Man fühlt sich sozusagen auf der Schaukel eruptiver Gewalten, die stch in den Rissen und Sprüngen vieler Häuser genügend markiert haben. Wir zogen es vor, die Stadt möglichst schnell zu verlassen, um nach Syrakus weiterzufahren, wo das Meer die betäubende afri­kanische Gluthitze einigermaßen fernhält.

Eine Bahnfahrt in Sizilien im Sommer ist ein Martyrium. Nebenbei aber auch eine kleine Komödie. Was jedem Deutschen sofort auffällt, und, wenn er das Kindliche in der Psyche diese« Menschen nicht versteht, unangenehm berührt, ist die fast auf­dringliche Liebenswürdigkeit, Auskunftsbereitschaft, Freigebigkeit seiner Abteilgenossen. Kaum hatten wir den Zug Ealtanisetta Syrakus bestiegen und mit Mühe Platz gefunden, als stch jeder Abteilgenoffe ungeniert mit uns befaßte. Zuerst tat es jeder stumm, und auch wir verschanzten uns sorgsam hinter dem Wall der Reserviertheit, di« aus der Angst entsprang, die langen Monologe, mit denen man hier gern jeden unterhält, aufmerk­sam anhören, ausfassen und erwidern zu müssen. Sn der Hitze wird man bekanntlich ökonomisch mit den Worten und Be­wegungen! Aber ein Fenster, das wegen einiger Regentropfen, die draußen das ausgedörrte Land düpierten, geschlossen worden war, brachte den Stein der Unterhaltung unweigerlich ins Rollen. Man bedenke: Sechs Personen in einem Raum, in dem sich Kirchenkerzen vor Hitze gebogen hätten, dunstige Polstersttze, zwei Laute rauchend, und immer das bedrückende Gefühl, daß

man früher oder später vor diesen Menschen in Szene gehen muß. Sch nahm mir deshalb vor, in solchem Fall tote ein See­mann faustdick zu lügen, um die Rollen der Neugierigen mir zur eigenen Kurzweil möglichst grotesk zu gestalten.

Wit einem kräftigen Ruck stieß ich das Fenster herunter in einem Zustand von sagen wir Notwehr. Dann bat ich zwei uns gegenüber sitzende Herren, mit uns die Plätze zu wechseln, was auch sehr entgegenkommend geschah, da man aus der berangierteit Haltung und den luftschnappenden Bewegungen! unsere martervolle Lag« erraten hatte. So hatten wir kühlenden Luftzug und von Zeit zu Zeit die Andeutung eines Regen­tropfens auf der Ras«. Nun fing die Arbeit für uns eigentlich erst an. Man zog und zerrte uns mit neugierigen Fragen in die Arena eines Gesprächs, und trotz unserer Ermattung mutzten wir viel von Deutschland erzählen, vom Papiergeld, von Hunger­revolten, vom ersten und zweiten Reichspräsidenten, von Klima und Vegetation. Sch hatte auch keine Lust, Münchhausensche Schwindelgeschichten zu erdichten und fand, datz es leichter ist, wie ein Telegraphenbureau zu funktionieren, finter dessen hatte man mich schon verpflichtet! Sch hatte ein paar tüchtige Schlucke auS der Wasserflasche eines Reisenden getan. Als einer der vielen Tunnel kam, die die Luft in den Abteilen höllischen Tem­peraturen nähe bringen, hatte ein anderer Snsasse meiner Frau ein getrocknetes, wohlriechendes Kräutlein überreicht. Und so mutzt« ich beim immerzu Fragen beantworten und mtt meinen Gedanken bald in Frankfurt, München, Berlin, Hamburg oder Leipzig fein. Dabei ist jeder Sizilianer auf den anderen eifer­süchtig. Seder möchte sich von seiner Sonntagsseite zeigen. Man fühlt sich schlietzlich wie ein Schulmeister, der oft überlegen schweigen und lächeln muß, um die Meinungsverschiedenheiten: von Schülern untereinander verebben zu lassen. Es gehört ein bestimmtes Geschick dazu, dabei jedem einzelnen sein Rühmchen zu lassen. Während einer kurzen Gesprächsfermate schlief ich plötzlich unerwartet ein. Die Natur ist eben recht unkonventionell. Hilfst du ihr nicht, hilft sie sich selbst!

VI.

Die Maffia.

Ursprünglich war die Maffia (Fehme) ein« staatsfeindliche Einrichtung, ein Selbstschutzmittel gegen di« fortwährend wech­selnden Herrschaften auf Sizilien. Neue Bedrücker setzten sich heimlich lwrernden Revolvern und Dolchen aus. Nun aber, da in Sizilien Regierungsform und Volk in gutem Einklang stehen, ist dieser Selbstschutz überflüssig geworden. Doch wie der Pendel- schwung noch weiter geht, wenn selbst der notwendige Antrieb aufhört, so blitzen die Dolche der Maffia noch immer, und ihre Revolver schlagen weiter aus Hinterhälten feindlich gegenein­ander. Das Schlimm« dabei ist, dah die Maffia eine selbstmörde­rische Einrichtung für Sizilien geworden ist. War früher das Sdeal der Freiheit das bewegende Moment zum Selbstgericht, so ist heute gefährliche Liebelei, Konkurrenzneid und a. m. der Anstoß dazu. Während ein Russe aus lauter problematischer Verworrenheit zum Nihilisten wird, wird es der Sizilianer aus Uebereilung und Leichtfertigkeit. Ganze Dörfer haben sich auf dies« Weise ausgerottet. Denn jeder Maffia sieht ein« Gegen­maffia gegenüber. _ ,

Rehmen wir an, ein Mann habe «men anderen getötet, weil dieser seiner Frau weitgehendste Verehrung entgegenbrachte, so ruht die Sache damit nicht. Die Freunde oder Verwandten des Getöteten verschwören sich gegen den Mörder und bringen ihn in einem günstigen Augenblick um. Mr die Söhne eines Ermordeten ist es sogar Pflicht, den Ermordeten zu rächen. Brandet so die Rache zwischen zwei Parteien hin und her, ist die Kirche und der Staat unfähig, einzugreifen. Weder Polizei noch Gericht dürfen von Mitwissern benachrichtigt werden, da diesen sonst nur eine Kugel übrig bliebe. Da das sizilianische Gericht nicht mit Sndtzienbeweifen arbeitet, geht also jeder noch so Verdächtige unbestraft aus dem Gerichtsverfahren hervor. Es kann ihm der Mord von den Augen abzulesen fein, man wird ihn, wenn er nicht selbst die Tat eingesteht, nie verurteilen! können. ..

Die Maffia beschlägt wie ein Fluch dieses schöne Land. Sie ist die Fortsetzung unheimlicher Kräfte, die diese Snsel nie los- lassen werden. Wie der vulkanische Ursprung dieses Landes, so ist auch sie ein sich ewig fortpflanzender Erdstoß, ein vulkanisches Element aus dem Glutherd ungezügelter Naturinstinkte.

VII.

Shrakus.

Sm Gegensatz zu anderen Städten Siziliens ist Syrakus eine saubere Stadt, .fieberHaupt ist es manchmal von Fremden wirk­lich ungerecht, di« Wohnungen der Sizilianer schmutzig zu nennen. Sie sind oft primitiv, eng, niedrig, mit viel am Boden liegenden Kindern gefüllt und erscheinen nur auf den ersten flüchtigen Blick als schmutzig, vor allem dann, wenn ganze iScharen von Fliegen auf Nahrungsmitteln und Gegenständen Herumsitzen.

Shrakus hat ein ganz anderes Gesicht als Palermo oder Girgentt. Es liegt viel mehr orientalische Beschaulichkeit, in den Gassen, die sich hier zu wahren Labyrinthen zusammenschlietzen. Trotzdem die Stadt, die in ihrer Blütezeit eine Million Ein­wohner hatte, nur noch 65 000 Köpfe zählt, spürt man den Hauch des großen griechischen Nachlasses. Die Trümmerstätten selbst