Ausgabe 
21.7.1925
 
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L- 231 -

Älnterdessen

rals und

Vergebens wird man In den AufzeichnungM^jungen AuaustiEnönches Martin Luther über seine Umfahrt nach iraendwelchen Ausbrüchen ästhetischen Entzückensüber dre Majv- stät deS Hochgebirges oder über die

feaine im schönen Land Italia suchen. Die Schönheit &er Rlpew toSt und haltens sind ihm mm ein Abdruck b m Macht m» Herrlichkeit Gottes; in den zerfallenen Kunstbauten Roms er»

Segel flogen herc Punkten bildeten, in ihre Linien ein. flehte er sie unb<

ihrem wandernden Aetze.

dessen näherte sich zusehends das Landhaus des Gene» entwickelte seine Fassade. Der fest, aber leicht auf»

...,Stern, meinem schätzbaren Freunde, dem Pfarrer Rosen» I stock, zwei hohle Hemdknöpfe von Messing mit einer Glasscheibe I versehen, worunter auf grünem Grunde je drei winzige Würfel» I chen liegen. Gestikuliert der Herr auf der Kanzel nun mit der Rechten, nun mit der Linken, und schüttelt besagte Würfelchen <mf eine ungezwungene Weise, so kann er vermittelst wiederholter schräger Blicke bei währendem Sermone mit sich selbst ein kurz­weiliges Spielchen machen. Vorgenannte Knöpfe sind in Algier. Tunis und Tripolis bei den Andächtigen beliebt und finden ihre Anwendung in den Moscheen während der Vorlesung des Korans"...

Run denke dir, Pfannenstiel, das Aergernis bei Eröffnung des Testaments! Der Bösewicht ließ sich dann erbitten, mir die Gabe gleich einzubändigen und den Paragraphen zu streichen. Hier!" Änd Rosenstock hob das niedliche Spielzeug aus seiner Brusttasche.

Das ist ja eine ganz ruchlos« Erfindung," sagte Pfannen­stiel mit einem Anfluge von Lächeln, denn er kannte die Rei» mmg des Äettkoners zum Würfelspiele,und du meinst, der General ist allen geistlichen Leuten aufsässig?"

Men ohne Ausnahme, seit er puncto gottloser Reden prozessiert und um eine schwere Summe gebüßt wurde!"

Ist ihm nicht M viel geschehen? "fragte Pfannenstiel, der sich den helvetisch reformierten Glaubensbegriff mit etwas be­scheidener Mysttk versüßte und in dem keine Ader eines kirch­lichen Verfolgers war.

Durchaus nicht. Rur mutzte er die ganze große Rechnung auf einmal bezahlen. Auf seinem ganzen Lebenswege, von Äugend an hat er blasphemiert und das wurde dann so ge­sammelt, das summierte sich dann so. Als er endlich in unseym letzten Bürgerkriege Rapperswyl vergeblich belagerte, ohne Men­schenleben zu schonen, was die erste Pflicht eines republikanischen Heerführers ist, erbitterte er die öffentliche Meinung gegen sich und wir durften ihm an den Kragen. Da wurde ihm eingetränkt, was er alles an unserer Landeskirche gefrevelt hatte. Setzt frei­lich dürfen wir dem Feldherrn der apostolischen Majestät toeiter nichts anhaben .sonst wird er mrs zum Possen nod), katholisch und das zweite Aergernis schlimmer als das erste. Man erzählt sich, er tafle in Wien mit Sesuiten und Kapuzinern. Wir geistlichen Leute sind eben, so oder so betttelt und verkleidet, 6t der Welt nicht zu entbehren!"

Der Äetikoner belachte seinen Scherz und blieb stehen.Hier ist die Grenze meines Weinbergs," sagte er. Mit diesem Aus­drucke bezeichnete er seinen Gemeinde.Willst du nach dem Er­zählten noch hinüber zum Generale? Pfannenstiel, begehst du die Torheit?" . r M

Sch will es ein bißchen mit der Torheit versuchen, die Weisheit hat mir bis jetzt nur herbe Früchte gezeitigt," erwiderte Psannensttel sanftmütig und schied von seinem gestrengen Kollegen.

Zweites Kapitel.

Wenig später saß der verliebte und verzweifelnde Kandidat auf dem Querbrette eines langen und schmalen Aachens, den der junge Schiffmann Bläuling mitten über die Seebreite mit kaum aus dem Wasser gehobenem Ruder der Au zulenkte.

wie ein Christenmensch zu schlafen, schmiedet und schlossert zu- I strebende Dau hatte nichts zu tun mit den landesüblichen Hoch» B die ganze Rächt hindurch Kunstreiche Schlösser, wahre I giebeln, und es war, als hätte er bei seiner Eigenart die Gin- stücke, hab' ich von seiner Arbett geseh'n, die kein Dietrich I samkeit absichtlich aufgesucht.

für Leute, sagte er mit einem boshaften Seitenblicke aufDort ist das Kämmerlein der Türlin," ließ sich jetzt der weine apostolische Armut, die Schatze sammeln, welche von I schweigsame Bläuling vernehmen, indem seine Rechte das Ruder Dieben gestohlen und von Motten «fressen werden. Run du fahren ließ und nach der Südecke des Hauses zeigte. ^Ä^JEkengarb- spielt ihre Rolle und vüri» Äs Straß«Der Türkin?" Der ganze Kandidat wurde zu einem be- des Höllenfürsten durch den Schornstein viel betrachtet und reich» ! 0

lich besprochen. So wuchs die Gärung. Die Leute aufklären ist denklichen Fragezeichen

von eitel bösen Folgen. Sch wählte den kürzeren Weg und ging »Run io, der Turkin des Wertnmllers; er hat sie aus dem

hinüber, den General als Freund zu warnen. Kreuzfapperlot, M°rgenlande heimgebracht, w oer für den VemNaner Krieg

«n den Abend werd' ich mein Lebtag denken. Weine Warnung I führte. Sch habe sie schon oft gesehen, em hübsches Weibsbild beseittgte er mit einein Hohnlächeln, dann faßte er mich am Rock- mit goldenem Kopfstütze und langen, offenen Haaren; gewotzw-

knvpfe und ein Diskurs bricht los, wie Sturm und Wirbelwind. lich wenn ich vornbersÄ-re, legt sie die Finger am den Mund,

sag' ich dir, Pfannenstiel. Mit abgerissenen Knöpfen und gerädert als pfiffe sie entern Mannsvolk; aber gegenwärtig liegt sie kam ich nach Hause. Mosler hat es mir vorgesetzt, aber mit I nicht im Fenster.

den größten Bosheiten vergällt. Natürlich sprach er von seinem Ein lang gezogener Ruf schnitt durchJne öjfte, igerate utes Testamente, denn das ist jetzt sein Steckenpferd. ,Shr steht auch j die Barke hin:Sweine-und! scholl es vernehmlich vom Äser her. darin, Ehrwürden I" Ich erschrecke. ,Run, ich will Euch den Para» I Der aufgebrachte Bläuling schlug sein Ruder ins Wasser, grasthen weisen." Er öffnet das Konvolut. ,Leset." Sch lese, und I daß zischend und spritzend ein breiter Strahl an der Seite des «nd was lese ich Pfannensttel? I Fahrzeuges emporschoh.

So wird man", zürnte er,seit den paar Tagen, daß der Wertmüller wieder hier ist, überall auf dem See mit Namen gerufen. Es ist der verreckte Schwarze, der mtt dem Sprachrohre des Generals rumort und spektakelt. Vergangenen Sonntag int Löwen zu Meilen schenkten sie ihm ein und soffen ihn unter den Tisch Dann brachten sie ihn nachts in meinem Schiffe dem Wertmüller zurück. Run schimpst der Kaminfeger durch das Rohr nach Meilen hinüber, aber morgen, beim Eid, sitzt er wieder unter uns im Löwen. Run frage ich: woher der Mohr das fremde Wort? Hier sagt man sich auch wüst, aber nicht so

Der General wirb ihn so schelten," bemerkte Pfannenstiel kleinlaut. ,

So ist es, Herr," stimmte der Bursche ein.Der Wertmuller bringt die hochdeutschen, fremdländischen Wörter ins Land, der Staatsverräter! Aber ich laffe mir auf dem See nicht so sagen, beim Eid nicht."

Bläuling wandte ohne wetteres seine Dark« und gewann mit eiligen, kräftigen Ruderzügen wieder die Seemitte.

Was ficht Euch an, guter Freund? Sch beschwöre Euch, eiferte Pfannenstiel.Hinüber muh ich! Nehmt doppelte Löh- E^^Dvch das Silber verlor sei« Kraft gegen die patriotische Entrüstung und der Kandidat mußte sich auf das Bitten und Flehen legen. Oltit Mühe erlangte er von dem beleidigten Bläu­ling, daß ihn dieser,weil Ähr es seid sagte der Diwsck^, außerhalb der Tragweite des Sprachrohres um die ganze Halb­insel herum in ihre südliche Ducht beförderte Dort ließ er den Kandidaten, ans Äser steigen und ruderte nach wenigen Minuten den sich rasch verkleinernden Rachen wieder mitten in der Blaue.

Drittes Kapitel.

So wurde Pfannenstiel wie ein Geächteter unter den Eichen der Halbinsel ausgesetzt. Gin enger Pfad vertiefte sich tri paS Halbdunkel und er zögerte nicht, ihn »u betreten. Mtt Diebes schritten eilte er durch das unter seinen Sohlen raschelnde Lairb einer nahen Lichtung zu. Das einem bösen Traume verwandte Gefühl, dM fremden Besitz auf so ungewöhnlichem Wege zu betteten, gab ihm Flügel, doch begann auch das Element deS Abenttuerllchen, das in jedem Menschenherzen schlumm^ seinen geheimen Reiz auf ihn auszuüben. So wirft sich ein Dadender i in die Flut, die er zuerst leise schauernd mtt der Zehegepraft hat.

Die bald erreichte Lichtung war nur eine beschrankte, Bon oben wie durch eine Kuppelöffnung erhellte M^sstelle. darauf spielendes Eichhorn setzte über benKopf ^Kandidaten weg "auf einen niederhangenden Zweig, der erst ins Schwankmr geriet, als das schnelle Tierchen schon einen zwritmi erreicht hatte.

Wieder führte der Pfad eine Welk durch das grüne Dunkel, bis er sich pwtzlich wandte und der Kandidat das Landhaus in per Entfernung von wenigen Schritten vor sich erblickte.

Diese Schritte aber tat er sehr langsam. Er gehörte zu lenen schüchternen Leuten, für welche das Auftreten und das Rbgehen mtt Schwierigkeiten verbunden ist, und der General stand im ufe feinen Gästen nur dieses, nicht aber jenes zu erleichtern.

I S vkam es, daß er hinter der äußersten Eiche, einem gewaltigen Stamme, unschlüssig ste^i blieb. Waserin^ssmausftin«n I Verstecke hervor erlauschte, war ein idhllisches Bild, oas iyn

Schon warf das schweigsame Gichendunkel seine schwarzen I . Weis« hätte einschüchtern können.

Abendschatten weit auf die schauernden Gewässer hinaus. Blau- I . r .,

fing, ein ernsthafter, verschlossener Mensch mit regelmäßigen | (Fortsetzung folg .)

Gesichtszügen, tat den Mund nicht auf. Sein Rachen schoß gleich» I--------

mäßig und kräftig, wie ein selbständiges Wesen durch die un- I h&v Qoiton

ruhige Flut. Auf und nieder war der ganze See mtt gewölbten I VvNI tttt wQTtöCl OCX tjEiIvil«

Segeln bevölkert; denn es war Sonnabend und die Schiffe I q» 2HBcrt Raetz.

kehrten von dem gestrigen städtischen Wochenmarkte heim. Drei 1 - -

Segel flogen heran, die eine Figur mit sich verschiebenden End­punkten bildeten, und schlossen das Schiffletn des Kandidaten in ihre Linien ein.Rehmt mich mit in die weite Freiheit!" flehte er sie unbewußt an, aber sie entliehen ihn wieder aus