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Geruch. Sm Begriffe, den legen, besah sie noch feinen.
, Frau Stemma wurden die Lider schwer und sie lieft fick c5Fn ®e^ fallen. Da sah sie ein Ding hinter ihrem Muhle hervo-ttommen, das langsam dem Lager ihres schlummern- Krndes zustrebte. Es floh wie ein dünner Rebel, durch welchen die GMenstände der Kammer sichtbar blieben, während das blühende Mächen in fester Bildung und mit kräftig armen-- dem LÄbe dalag. Die Erscheinung war die eines Jünglings, dem Gewände nach eines Klerikers, mit vorhangenden Locken. DaS ungewisse Wesen rutschte auf den Knien oder watete, dem Steinboden zutrotz, in einem Flusse. Stemma betrachtet« es ohne Grauen und sieh es gewähren, bis es die Hälfte des Weges Mruckgelegt hatte. Dann sagte sie freundlich: .Du, Peregrin!
lan«e weggeblieben. Sch dachte, du hättest Ruhe ge- fundem Ohne den Kopf zu wenden und sich wieder um einen, Ruck vorwärts bringend, antwortet der Müde: .Sch danke dir mich leidest. Es ist ohnehin das letzte Mal. Sch werde zumchte. Aber noch zieht es mich zu meinem trauten Kindchen."
(Fortsetzung folgt.)
Sc&iiftlettung: Dr. Friede. Wilh. Lange. — Druck und Verlag der Brühsischen Aniv.-Buch- und Steindruckrrei. R. Lange. Dieben.
« u"b der an unser Ende ist nicht lang.
5=Satittne t ergn^ bie Fackel und schritt die Stufen vorauf. Faustine folgte wie eine Seele in Pein.
-wnL^Lm^Burgtor, das sich wie von selbst öffnet«, denn der tvahrgenommen, blickte die Richterrn rn die Rächt hinaus und sagte zu Faustinen- Lea« dre D^rhe ab und laß die scharfen Kiesel deine Sohlen zerreiß fc dunkeln W^ S* Oberin!« Weinend trat Faustine Frau Stemma hatte recht gesagt. Da sie die hochqeleaene Durgkammer betrat, schlief Palma. Reben ihren tiefen Atem- E" L^Em auf entern Dreifuß eine hütende Flamme. DaS Mädchen lag m chrem ganzen Gewände auf dem Polster, di« Hand über das Herz gelegt. Sie hatte das freudig pochende w°r daran ensschlummert. Die Mutter & Gebärde und konnte sich der Erinnerung nicht vtuJcyrcn.
„Peregrin?" fragte die Richterin mit verhüllter Stimme. »Das ist nicht möglich", sagte sie.
„Er zeigte es mir und warnte mich davor. Sch irrte verzweifelnd unter den Kiefern von Silvretta. Da sche ich ihn in seinem langen dunkeln Gewände, der sich bückt und Wurzeln gräbt. Blumen nickten mit braunen Glocken. Er ruft mich herbei und, eine dieser Blumen in der Hand, sagt er zu mir: „Frau, hüte dich und die Kinder vor diesem Gewächs! Sein Saft tötet außer in den Händen des Arztes." Er meinte es gut mit feinem warnenden Blick unter dem braunen Gelocke hervor und hauchte mir doch einen grimmig bösen Gedanken ein. Keine Schuld komme auf seine Seele! Doch ich rede töricht. Er ist ja längst ein Engel Gottes, seit er nach der großen Ebene wandernd im Gebirge unterging, wie sie sagen, und das war nicht lange nach jener Stunde. Dti erinnerst dich noch, der Judex, dein Baier, dem er die Wrmde heilte, hatte ihn abgelohnt, was dir unlieb war, da er dich als ein weiser Kleriker noch vieles hätte lehren können."
„Schwatze nicht", gebot die Richterin, „und endige dein Bekenntnis. Am folgenden Tage bist du aus deiner Hütte nach Silvretta gegangen und hast die Wurzeln gegraben?"
„Sa. Du rittest vorüber und ich duckte mich, dmnit du mich nicht erkennen möchtest, aber du wendetest dich zweimal im Sattel, und nun sei barmherzig, Herrin, und gib Mr mein Teil." Sie ließ den Kopf auf die Brust fallen, so daß ihr der üppige schwarze Haarwuchs über das Gesicht sank.
Stemma sann, auf Faustinen niederblickend, und zog ihr ' mit zerstreuten Fingern einen langen Strohhalm aus dem Haar. „Faustine mein Gespiel", sagte sie endlich, „ich kann dich nicht richten."
Die ganze Faustine geriet in Aufruhr. „Warum nicht?" schrie sie empört, „du mußt es, oder ich schreie, daß alle Mauern tönen: Sie hat ihren Mann umgebracht!"
Stemma verhielt ihr den Mund. „Laß das Totengebein!" schalt sie, als drohe sie einem den verscharrten Knochen hervor- krahenden Hunde.
„Sei barmherzig!" flehte Faustine, „laß mir das Haupt abschlagen, nachdem es Gott gekostet und fein Kreuz geküßt hat. Damr wächst es mir im Hinrmel wieder an und, Stenio rechts, Lupulus links, sitzen wir auf einer Bank und geben uns di« Hände. Danach verlangt mich", mrd sie streckte den Hals.
„Sch kann dich nicht richten, Torin", sagte Stemma sanfter. „Aus drei Gründen nicht. Merk' auf!
Als du deine Tat begingest, lebte und regierte noch der Sudex, mein Vater. Rach feinem Ende und dem des Comes, da ich das Richtschwert erbte, habe ich [aut verkündigt: „Ab ist j alles Geschehene! Bon nun an sündige keiner mehr!" Aber auch wenn ich dieses nicht hätte ausrufen lassen, könnte ich dennoch dich nicht richten rmd du gingest frei aus, denn seit deiner Tat sind fünfzehn völlige Sahre in das Land gegangen und hier ist uralter Brauch, daß Schuld verjährt in fünfzehn Jahren."
„Verjährt? was ist das?" fragte Faustine verblüfft.
„Durch die Wirkung der Zeit ihre Kraft verliert."
Ein höhnisches Lachen lief blitzend über die weißen Zähne l &er Räterin. „Also zum Beispiel", sagte sie, „wenn ich gestern I noch meinen Mairn vergiftet hatte und über Rächt wird di« I 3eit völlig, so bin ich heute keine Mörderin mehr. Diese Dumm- I heit."
„Doch, du bleibst eine Mörderin", belehrte sie Stemma lang» I mutig, „aber du hast mit dem irdischen Richter nichts mehr zu I schaffen, sondern nur noch mit dem himmlischen. Sühne durch j gute Werke! Du hast den Anfang gemacht: fünfzehn mühselige ! und rechtschaffene Jahre wiegen."
„Richts wiegen sie!" zürnte Faustine. „Ich sehe schon, du | willst meiner schonen! Du heißest die Richterin, aber du bist die I Ungerechte, du machst Ausnahmen, du siehst die Person an!“ I
„Schweige!" befahl die Richterin. „Ich bin deim doch klüger I ap du und ich sage dir: deine Sache ist nicht mehr richt bar. I Roch aus einem letzten Grunde. Ich kann dich nicht verdammen, I auch wenn ich dir den Gefallen tun wollte, denn es steht keine I Zunge gegen dich als deine törichte Zunge. Aber weistt du was: I «ehe nach Eur und beichte dem Bischof. Er ist der Hirt« und du I bist das Schäflein. Er mag dir die härteste Buß« auflegen: ! »asteii, schwere Dienste, härenes Hemde, blusige Geißelungen. I Fordere sie, ist er dir zu milde! Dann aber gib dich zufrieden! I .Unterwirf dich ganz der Kirche: sie vertritt dich und du hast I «ne sichere Sache!" Sie sagte das mit einem überzeugenden I Lächeln. |
„ c °?ch weiß nicht", schluchzte Faustine, „Gott sei davor, I daß eine Missetäterin wie ich seiner heiligen Kirche nicht ge- horche. Aber anders wäre es einfacher gewesen. Geplagt hab« I ick» mich schon und im Schweiße meines Angesichts zerarbeitet fünfzehn Jahre lang mit dem Trost und Dorsatz, sobald mein xinö in sein Alter rmd an den Mann gekommen, stracks ht den I Himmel zu fahren. Setzt verrückst du mir die kurze Leiter und I vertrittst mir den Weg."
I TÄ>e des Vaters und des Gatten und nach der
I Palmas hatte die noch nicht zwanzigjährige Richterin ^,mte^Un9 ’$Tct mrk entschlossener Hand ergriffen.
I jungen und schonen Weibe unter einem verwilderten,
I JX&el von selbst entstehenden Freier und Feinde
fte Fi“*!?..^ber ihre Sahre scharssinnigen Politik ver- Nech® nach mit den Waffen ihrer Lehensleute Z^E'bigt. Helm und Schwert und die gerechte Sache der mutigen D?n friedseligen Bischof Mix ht seinem feften Hose Cur mit wett ausgestreckten Händen gesegnet. Rach eimgen stürmischen Sohren war Stemmas Herrschaft befestigt und es trat eine große Stille ein. Jetzt rächte sich die überhetzte ,EtE"U berlor den Schlummer. Wenn sie nicht selbst H^,berscheuchte mit brennenden Leuchtern und endlosen Schritten! Richt weit von dem Lager ihres Kindes, auf einer schmalen Bank
I tlefen Fensterwolbung faß st« damals oft mit verschlimg^ I ^men oder dann tonnte sie lange, fange mit zwei Fläsch- chen spielen, welche sie m der Mauer verwahrte, und die der SÄX (ÄIc*fer Peregrin auf Malmort zurück- t ’rI”^ 2>Drt Taimen zog, um spurlos im Gebirge zu verschwinden. Beide waren von starkem Kristall und hatten über Zapfen goldene Deckel, auf deren einem das Wort »Antidvtvn mit griechischen Lettern erngekritzt war, während jyt ^®L..?uöern «n winziges Schlängletn sich krümmte. Mit diesen Fläschchen zu Spielen bis der Tag anbrach, wurde Stemma b? ?EUi Bedürftig. Da geschah «s einmal, daß sie darüber «rmickte, und, als das Frühlichi sie weckte, das eine Fläschchen &aä uMeschrlevene, aus ihrer halbgeöffneten Hand verschwunden Kur- Sie geriet m entsetzliche Angst und suchte und suchte.
dem Händchen ihres Kindes. Die kleine rfg- X. ^^cht sie auf nackten Sohlen be-
E v ’yf das schmucke Spielzeug entwendet und mit ihm SJ* Lager- und den Schlummer wieder gefunden haben. Das nw? Trert Kristall an das kleine Herz gepreßt und vorsichtig loste Frau Stemma FlMerchen um Fingerchen. 70
Seht Wi». sie, verlockt von der früheren Gewohnheit, die faM« im Versfuß gelegenen Kristall« hervor. Rachdem sie Q0^frm den Händen gehalten und mit den unablässig wechselnd, nach ihrer alten Weise ge° K ^E'L^Egfa sie das eine unter ihren mit Gemsleder be- Kuvten Fuß und zertrat es auf der steinernen Fliese mit einem frafhgen Drucke zu Scherben. Die ausströmende Flüssigkeit be™ iwntete etrem angenehmen Mandelgeruch Im Begriffe, den zwsiten Kristall unter die Sohle zu legen, besah sie noch seinen goldenen D^el und erkannte, daß sie sich Mischen den Msch-
flirrt Haifa Sie gfauote das inschriftlose zuerst zermalM VIen und hielt es noch in der Hand. Kopfschüttelnd legte unter &ie 3«rf«- doch das festere Glas Mtzer- I^^Eackig. Sie «-griff es Meder und schon hob sie den Arm, Xer zerschmettern, da hielt sie inne, aus
Furcht, mit dem klirrenden Wurfe den Schlummer des Mädchens U.„uuren. Oder mit einem andern Gedanken barg sie es sorg- faltig rn dem wetten Busen ihres Gewandes.


