Ausgabe 
20.10.1925
 
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Herbergen zurück, der gewählte Kaiser ms sranziskanerSoste^' ®o er abgestiegen war. Da zog Kurfürst Ludwig von der Pfalz seine Stimme zurück aus Angst vor einem Äebersall k^r Detter Säckinaens. Mm folgten die anderen; nur Joachim blieb fest. Tags darauf wurde nochmals gewählt unter Wahrung otto Förmlichkeiten, die das Gesetz verlangte. Diesmal fiel die WM ans Karl von Spanien. Auch Friedrich der Weise hatte sich durch feinen spanisch gesinnter! Rat, den GrMn Philipp von Solms, einreden lassen, daß er nicht die Machtmittel für das ihm angetragene Amt besitze. Andere hielten gau den Fünfziger für zu alt. Ain 29. Juni, ein Tag nach der Wahl, Karls, siegte Herzog Heinrich auf der Soltauer Heide über seine spanischen ©eflner. Wäre dieser Sieg, der den Entsatz Frankfurts zur Folge hätte haben könnene, einige Tage vor dem Wahltag erkämpft morden, hätten die Kurfürsten sicher an ihrer ersten Entscheidung

Schon' Ranke spricht, als er die Möglichkeiten einer Wahl Friedrichs von Sachsen erwähnt, von dengroßartigsten Aussich­ten für die Geschichte der Ration". Berechtigte Hoffnungen dürfte allerdings das deutsche Volk auf den Wettiner setzen, der gerade den Ausstieg Luthers begünstigte. Mißtrauen muhte es jedoch dein welschen Karl, dem Enkel Maximilians, entgegenbringen. Habsburg hat 1519 durch einen unerhörten Wahlschacher den Kaiserthron behauptet nicht zum Besten der Ration. Die Geschichte der Folgezeit hat gezeigt, daß die Habsburger nicht immer das Wohl des Reiches gewahrt haben, von dieser Schick­salswahl Karls V. an bis zum letzten Kaiser Karl im großen Welt­krieg. 3

An der Grenze der Jugend.

Don Hermann Stehr.

Ein schwerer Schritt, der von der Jugend scheidet! Denn, wer ihn tun muß, läßt sich selbst zurück. Es werden anders in uns Schmerz und Glück, noch eh die schöne Zeit für stets uns meidet.

Ein andres Herz erwacht, das anders leidet. Das alte Lieben flieht uns Stück um Stück und ratlos stehn wir, einen Augenblick von allen unfern Hoffnungen entkleidet.

Da ist verloren, wer dem leisen Laut nicht seiner eignen Seele dann, vertraut. An ihrem ewigen Gesichte gleiten

vorbei wie Schatten unsers Lebens Zeiten.

Durch sie alleine kann man sicher finden das Dauernde im irdischen Derschwinden.

Die Richterin.

Don Conrad Ferdinand Meyer.

(Fortsetzung.)

Ein ehrlicher Handel", beteuerte dieser und öffnete den Sack," während das Mädchen die Mutter stürmisch umarmte. .Ich kaufe den Bruder!" rief sie.Er ist in Me Gewalt des Witigis geraten, der auf ihn zielt, bis ich der Frau Herzogin das unschuldige Kind erhob die blonde Rosmunde in den Ehestandmeinen Schmuck gegeben habe, und wie gerne gebe ich ihn!"

Die Richterin machte sich von ihr los und fragte Rachis: Ist das wahr?"

Bei meinem Halse, Herrin!"

Ich würde dir nicht glauben, wüßte ich nicht, daß der Höf" ling Wulfrin dem Kaiser vvranreitet, und hätte ich mch» selbst eben jetzt in Cur gehört, daß die Lombarden einen Höfling ge­fangen haben. Dennoch kann es eine Lüge sein, denn es rst kaum glaublich, daß ein Tischgenosse Karls dem Feinde seinen Ramen nennt und zu einem Mädchen um Losung sendet.

Rein, nein, Mutter, so war es nicht!" rief Palma und erzählte den Dorgang.

Ein eitles Weib, dem ein Leben seil ist für einen Schnuck, das hat mehr Sinn", meinte die Richerin. Sie schien zu übw- legen. Dann warf sie einen Blick auf das Geschmeide.Ich will den Höfling mit Byzantinern lösen", sagte sie.

Das steht nicht in meinem Auftrag unb würde der Ros­munde schlecht gefallen."

Dann tue ich es nicht."

Auch gut", grinste Rachis.So lässest du eben den Wulfrin umkommen. Du magst deine Gründe haben. Ganz wie du willst."

Das willst du nicht, Mutter!" jammerte Palma und stürzte aus die Knie.

Rein, das will ich nich", sprach die Richterstn mit nach­denklichen Dräuen.Warum auch? Rnmn daS Zeugs und Rachis war weg.

DaS jubelnde Mädchen fiel der Mutter um den Hals »md bedeckte den strengen Mund mit dankbaren Küssen. Dann raubte

sie ihr den kriegerischen Helm so ungestüm, daß die Flehen des schwarzen Haares sich lösten und. niederrollond dem entschlossenen Haupte der Richterin einen jugendlichen und leidenden Wis- druck gaben. Die nicht enden wollende Freude Palmas ermüdete endlich die Richterin.Geh schlafen, Kind", sagte sie,es dunkelt.

Schlafen? Wer könnte das, bis Wulfrin ruft?"

Sa wirf dich wie du bist auf das Polster. Was gilts, ich finde dich schlummern? Zu Bette, Hühnchen! husch! husch! und sie klatschte in die Hände.

Palma flog die Stiege hinauf und die Richterin.wendete sich zu Audio, ihrem Kastellan, der schon eine Welle ruhig harrend vor ihr stand.Was meldest du?" fragte sie.

Eine Albernheit, Herrin. Ich sah die Tür zu unferm Kerker sperrangelweit offen. Freilich hatte ich sie nicht verriegelt da gerade nieniand sitzt. Ich steige hinab und auf dem Stroh liegt ein Geschöpf, das ich in der letzten Helle mir nur mühsam ent­rätsele. Es war die Faustine, welche, wie du dich erinnerst, mit deiner Erlaubnis ihr Kind die Brunetta einem Lombarden, einein leidlichen Manne, den du auf mein Fürwort unter deinem Gesinde duldetest, zum Weibe gegeben hat. Jetzt, da das fremde Volk wandert, hat auch ihr Kind sein Bündel geschnürt und das mutz sie irre gemacht haben. Sie hat sich eine Hand m den Kettenriag gezwängt und ist übrigens guten Allstes.Weist^ Rudio", redete sie zu mir,wetze dein Beil mn Schleif st« m und tue mir morgen nicht weher als recht ist.

will ihr den Arm aus der Fessel ziehenWelche Posse! sage ichdu bist ja die ehrliche Armut am Rocken undim Ruben- seld, die ihr Kind rechtschaffen grohgezogen hat. Hi^. ist nicht dein Ort. Mit deinesgleichen habe ich nichts zu tun. Sie sperrte sich und sagte:Das weiht du nicht, Audio. Geh und rufe die Aichterin. Die wird das Garn schon abwickeln imo nur armen Weibe geben, was mir gehört." Sollte ich die ^vrm zerren. Dil steigst wohl hinab und bringst sie zurecht.

Die Dichterin hieß Rudio eine Fackel.anbrennen und ihr vorschreiten. In dem tiefen Gelasse saß em gefesseltes Weib, das der Kastellan beleuchtete. Auf einen Wink ber £>errut steckte er den brennenden Span in den Glseiirmg und lieh die Frauen allein.

Stemm« beugte sich über die freiwillig Cingekerlerte und befühlte ihr als geschickte Aerztin den Puls der freien Hand, welchen ober kein Fieber beschleuiMe. ,,Fausllne, sagte sie. was ficht dich an? was ist über dich gskonmien? Dich verwirrt der Scknnerz. daß du dich von deinem Kinde trennen muhtet. Mllstdu^chr folgen? A ist es Zeit. Ich. gel^ dich frei. Du bist nicht länger meine Eigene. Der Kaiser wird den Lombarden feste Sitze weisen und du bchältst deine Brunetta.

Faustine schlittelte das HLupt ,Das fehlte noch" sagte sie. daß ich mich an die Sohlen der Drunetta heftete und auch ihr zum Fluche würde! Aichterin Stenuna, nimm mir das ab! Sie wies auf ihren Kopf.Du weißt ja wohl und langeher, daß ich meinen Mann ermordete."

Mit ruhigem Blicke prüfte Stemma das grellbeleuchtete knochige Gesicht der gleichaltrigen Räterin. Dann lieh sw sich «ufeine Treppenstufe nieder und Faustine kroch zu ihren Knien, ohne diese zu berühren. Ihre Augen waren sagte sie,du weiht alles und wenn du mich E Jahrzehntund länger gnädig verschont und meine Missetat bedeckt hast,, so war es, weil du nicht wolltest, daß die Brunetta, der unschuldige Wurm, zuschanden komme. Ich durfte sie aufziehen und diese Gunst hast du mir erwiesen, weil ich dem Gespiel gewesen bin. Seht aber, da die Brunetta einem Manne folgt, ist kein Grund langer zu trödeln und zu tanMn. Latz uns die Sache ms reine bringen. Gib mir mein Urteil!

Die Richterin erkannte aus der ganzen Gebärde Fauftinens daß diese bei Sinnen sei, und so sehr sie das schlimme Geständnis überraschte, so wenig gab sie den furchtbaren Ruf chrer AU wissenheit preis.Lege Bekenntnis ab, sagte sre streng.Das ist der Anfang der Reue/' lind Faustine begann:Kurz ist die Geschichte. 'Der Schütze Stenio umwarb mich

Den der Eber, welchen er gefehlt hatte, schleifte * und %erri^<< *

Jener. Hernach gab mich der -2uLwx f«nem Reisig«! Lupülus zur Ehe. Ich bequemte mich J* J««

inne, um das reine Ohr Skemmas nicht »» beleMgen^e RiM terin half ihr und sagte ernst und traurig.Und doch wärest du das Weib des Toten."

Faustine nickte.Dann, vor dem Altar, plötzlich, zu meinem Entsetzen" 4

Fühltest du, daß du dem Toten gehörtest, du und ein Un- gebornes", hals ihr die Richterin.

Wieder nickte Faustine.DaS ist alles, Herrin!', sagte ste Lupulus, jähzornig wie er war, hätte mich »mgebrachü DaS eingeborene <&er verhielt mir &en Mund und flüsterte mir Feindseliges gegen den Mann zu.

Genug", schloß Stemma.Dur eines noch: woher hattest du das Gift?" " _

Siehst du, Herrin", rief das Weib, »M&u weißt, wie ich ihn tötetes Das Gift Hat mir Peregrin gezeigt.