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bescheren Hausrat einer alten. lieben Takte hoch oben hinter Königsberg, versteckt« unter dem Gerümpel einer Schmiedewerk- tzatt. die auf blühside, bienendurchsummte Heide hinauSschmit. Sch erlebe sie wieder mit ihm. die streichelnde Freude deS Besitzersreifens, die Lust des Heimtragens und Einfügens in immer veränderte, erweiterte Gruppen im Schränkchen, dessen Spi^el- wände all die Dstüchen Zerbrechlichreiten so liebevoll wider, spiegeln. Was lächelst du fo von deinem hohen Standort herab, fxt toter Schlingel? Dogen und Pfeile hast du verborgen, eins Rose bietet deine ausgestreckte Hand mir dar. Rosen, leuchtendvote fällten einst deinen Köcher, als deine weihe Schönheit mir zuerst entgegenblühte. Sns Rosenland der Sugend tragen mich deine Schwingen — wahrlich eine weite Reise. Doch — brüste dich nicht «, sehr, ich weiß einen, der führt mich noch weiter, mitten hinein he8 Märchenreich der Kindheit.
Andachtsvoll fast berührt meine Hand die kühle Glatte eines AShtischchens. Sm Lichtschein blitzte die Mahagoniplatte mit den kunstvollen Perlmuttereinlagen auf. Heute ist es in feiner reizvollen Diedermeierschönheit das Entzücken aller derer, die e8 scheu, besonders, wenn es pveisgibt, was es letzt umschlicht: auf Samt gebettet Miniaturen, Emailledöschen, Plaketten. Wie sie mich locken, ihnen in ihre Heimat zu folgen! Paris, wohl warst du schön, doch der Zauber ist verflogen. Was ich hier halte, spricht mehr zu mir: eine schlichte HSkelbörse, Großmutters Geld-, lasche. And nun sicht mein Nähtisch in einem Stübchen Nicht gar weit von hier. Großmutter strickt, die fleißigen Hände ruhen auch im Alter nicht. And Großmutter erzählt der ältesten, geliebten Enkelin, die, rundbäckig und langgezöpft, sich an sie schmiegt — und das bin ich Richt immer sind s Märchen, die ich von ihr höre. Sie erzählt von ihrer Sugend, in die noch die Nachwehen der Freiheitskriege fielen, von ihrem kurzen Eheglück, von der schweren Witwenzeit. Deutlich klingt s zu mir herüber aus der lang', lang' vergangenen Zeit. Kaufe nicht, was du brauchen, sondern was du nicht entbehren kannst. Mir ist's, als ob unter allen Dingen in meinem Besitz heute nicht zwei so dicht zusammengehörten wie die schmale Börse aus Großmutters Hand und die kostbaren Kleinigkeiten, die von der stolzen Stadt an der Seine prahlen.
Paris! Welche Schatten steigen da herauf! Richt nur von fröhlichem Wandern und Reisen sprechen die Dinge um mich her. Mein Auge umfaßt ein Bildchen, auf dem zwei Kinder- köpfe sich eng aneinander schmiegen. Sm ersten Kriegswinter sollte es dem Dater einen Weihnachtsgruß ins Feld bringen. Run fügte sich's, daß ich selber es ihm in die Hand legen durfte. Ich fahre gen Osten durchs winterliche Land, vorbei an Posten, aufgewühlten Schützengräben, wirrem Drahtverhau, zerschossenen Städten, bis hin zum fast zerstörten Grenzort, dessen wenige noch bewohnbare Häuser einem Truppenteil Anterschlupf zu kurzer Ruhe bieten. And in einem von ihnen blüht uns ein karges, schmerzliches Weihnachtsglück auf. Dann gemeßen wir noch einmal die oft geteiltverdvppelte Freude: Oltanenburg unb Danzig sprechen zu uns in der alt-vertrauten Sprache ihrer Kunst, zum letzten Male uns beiden gemeinsam. — Sahre gehen dahin: noch einmal mache ich dieselbe Fahrt. Roch weiter geht sie jetzt, über die Grenze, vorbei an schmutzigen Städten, an elenden Dörfern, über herbstkahle Felder, und das Ziel ist em wallumhegter kleiner Friedhof, auf dem viele, viele Kreuze ragen, und inmitten das eine trägt den teuersten Namen Wohl mir, daß ich auch^ nun nicht allein stehe! Meines jungen Sohnes Hand ruht in der meinen. .,
Die letzte Fahrt ist's nicht geblieben Die Dinge um mich her möchten noch manches erzählen von Freuden, die uns ausblühen, wenn wir, den Rucksack geschultert, den Stab in der Hand, hinauswandern, um für uns vier aufs neue zu erobern was der gütige Vater denen schenken will, die offnen Rüg« feine Wunder in Kunst und Aatur schauen Rur — junge Fuße wollen anders laufen als die durchs Leben müd gewoiSMSn Es kommt wohl die Zeit, da sie mir ganz davonsturmen, ©et« drum! Dann will ich lächelnd daheim sitzen und meinen Zaubermantel ausbreiten, der Erinnerung hecht. Er läßt mich die firnüberstrahlte Bergpracht und das lichte Antlitz dersix- tinischen Madonna sehen — und die ganze schone GotteSwelt, die dazwischen liegt.
Die Dritte.
Eine heitere Erzählung aus dem Künstlerleben.
Bon Heinrich Sienkiewicz.
(Fortsetzung.)
Karminski ist bei uns wegen seiner Dienstfertigkeit bekannt. Gar oft sagt er zu einem von uns: .Kollege, wenn Sie in Verlegenheit sind, dann wenden Sie sich nur an mich ich werde... Auf Wiedersehen!" And dabei ist er reich Sch antwortete ihm, daß, wenn ich sonst nirgends Geld bekommen sollte, ich mich an ihn 'wenden würde. „ . „
Anterdessen kommen andere Freunde, Seelen, treu wie Gold, und erdrücken mich fast durch ihre .Umarmungen. Endlich nähert sich Swiatecki — ich sehe, daß er gerührt ist, er sucht es aber zu verbergen — und sagt barsch:
.Obwohl ich sehe, daß du verjichest, gratuliere ich dir doch
.Obwohl ich sche, daß du verdummst danke ich dir doch! antworte ich ihm und wir umarmen uns kräftig. . , .
Wach Poterkiewicz erwähnt so nebenbei, daß ihm die Kehle ausgetrocknet sei. Sch habe keinen Heller, aber Swiatecki besitzt zwei Rubel, und die anderen haben auch etwas Geld. Es folgt eine Kollekte und Punsch Sie trinken auf mein Wohl, werfen mich wieder in die Höhe, und nachdem sie erfahren, daß die Affäre Suslowfki wieder im Schwange ist trinken sie auch auf das Wohl meiner Kazia. Da kommt Swiatecki auf mich zu und agt:
.Glaubst du denn, du Tropf, daß sie die Depesche nicht gelesen hatten, bevor das .Fräulein an dich geschrieben hat?"
Mir ist, als hätte ich einen Keulenschlag auf den Kops bekommen! Während sich mir der Horizont auf der einen Seite auf- jetlt, verdüstert er sich ganz teuflisch auf der anderen Seite. Von den Eltern kann man alles? erwarten, daß aber Kaziä solcher Berechnung fähig wäre!...
Es ist jedoch sehr wahrscheinlich daß sie früh morgens an der Trirckhalle die Depesche gelesen und mich deshalb sofort zitiert haben.
Sm ersten Moment will ich zu Suslowski stürmen, um die Sache klarzustellen. .
Doch ich kann die Gesellschaft nicht verlassen. AeberdieS kommt noch Ostrzynski an, elegant, kühl, selbstbewußt, behandschuht, wie gewöhnlich! Der Geist sprüht aus ihm, tote eine Feuergarbe: ein schlauer, geriebener Kerl!
Auf der Schwelle schon winkt er herablassend mit <ban Spazierstöckchen und sagt:
.Gratuliere, Meister, auch ich gratuliere!
Dieses .ich" spricht er mit Nachdruck aus, als ob sein Glückwunsch viel mehr bedeute als alle anderen.
Vielleicht ist dem auch so.
.Was hast du da erfunden?" rufe ich »Wie du mich hier siehst, habe ich erst aus dem .Papierdrachen" alles erfahren.
.Was kümmert mich das?" sagt Ostrzynski.
.Auch übet die Ausstellung des Bildes habe ich 'nichts geäußert." ' ...
.Aber jetzt tust du es!" sagt Ostrzynski gelassen.
.Er hat ja keine Mutter, und die Mutter ist nicht erkrmckt!" ruft Woitek Michalak.
.Kümmert mich ebensowenig!" wiederholt Ostrzynski mit Würde, den zweiten Handschuh abziehend.
.Aber die Depesche ist doch wenigstens wahr?'
.Gewiß!" ,
Diese Versicherung beruhigt mich vollends.
Aus Dankbarkeit schenke ich ihm Punsch ein. .
Er führt das Glas an die Lippen, trinkt einen Schluck und fa9t .©rfMtein Wohl, und — weißt du, wem der zweite Trunk gelten wird?... Sch gratuliere zweifach!"
.Woher weißt du es?"
Ostrzynski zuckt mit den Achseln:
„Weil Suslowski heute ganz früh in der Redaktion war.
Swiatecki murmelt etwas von Niederträchtigkeit im all- gerneEn.^ber ianger aushalten und greife nach
m<2mOÜrstinffi geht mit mir mit, ich verlasse ihn aber unteitoeg» unb nach ein paar Minuten klingle ich $um zweitenmal bet
Es öffnet mir wieder Kazia, die Eltern sind nicht zu Haichr. .Kazia!" sage ich strenge, .du hast von der Depesche gewußt! '3a!“ erwidert sie ruhig.
”®ieft> bemC mein Teurer? von den Eltern ist es doch nicht zu verwundern: sie muhten doch irgendeinen annehmbaren Grund haben, um wieder einzuwilligen."
.Aber du, Kazia!" . „ .
,ilnb ich habe die erste Gelegenheit benutzt — kannst du es mir 'verdenken, Wladek?" .
Mir wird heller vor den Augen und eSi kommt mir vor, paß Kazia vollkommen recht hat. Was in aller Welt bin ich wie ein Verrückter hierhergerast?
Anterdessen nähert sich mir Kazia Und lehnt chr Kö^chen an meinen Arm. Sch umfange sie halb, fte neigt Hr KöpsHnzn mir herüber, schließt die Augen, wendet ihr rosiges Mündchen mir zu und flüstert: , . . .
/Kein, nein, Wladek! nicht jetzt — nach der Hochzeit, ich bütC3nfoIge dieser Bitte drücke ich gerade meine Lippen auf ihren Mund und wir verharren so bisuns der Atem m-sg«^.
Kazias Augen nehmen einen hinsterbenden Ausdruck an.
Dann verdeckt sie dieselbe, mit der Hand und sagt:
Ich habe dich doch so gebeten, daß du nicht...
Der Vorwurf und der Blick hinter der vorgehaltE Hand rühren mich dermaßen, daß ich sie zum zweiten Male Wsse. OÖenn man einen liebt, hat man natürlich mchr Lustchn zu küssen, als etwa durchzuprügeln. And ich liebe Kazia ohne Maß und Besinnung, fürs Leben, bis zum Tod und noch darüber! €k KcAa^ömßert *mit^h^lberstickter Stimme
-sie würde mm meine Achtung verlieren. GeliebtesteS ®efat! Was sie für Ansinn schwätzt! Sch beruhige sie fo gut ich kann und wir beginnen vernüstig zu sprechen. - -


