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möaefd&nötenen Necken sorgfältig in Sie Westentasche. „Olim fcxmft du allenfalls herunterkommen!" sagte er.
Er erhielt keine Antwort. Ein Augenblick nach dem anderen verging; aber der Junge kam nicht. Von feiner Höhe aus hatte . er plötzlich, während ihm von unten her das Leid geschah, vn Hause drüben das schmale Fensterchen sich öffnen sehen. Gn kleiner Fuß streckte sich heraus - der Junge faS öffl » Strumpf im Mondschein leuchten — und bald standetn vott- ständiges Mädchen draußen auf dem Steinhof. Ern Weilchen hielt sie mit der Hand den offenen Fensterflügel; dann gtng fle tansfam an das Pförtchen des Staketenzauns und lehnte sich mit halbem Leibe in den dunklen Garten hinaus.
Der Junge renkte sich fast den Hals aus, um das alles zu betrachten. Dabei schienen ihm allerlei Gedanken 8U totnm; denn er verzog den MUick» bis an die Ohren und stellte sich breitspurig auf zwei gegenüberstehende Aeste, wahrend « mit der einen Hand das beschädigte Kleidungsstuck zusammenhielt.
„Nun. wird's bald?" fragte der andere.
„Es wird schon!" sagte der Junge.
„So komm herunter!" , .
Es ist nur," erwiderte der Junge und bitz in emen ApfeU daß es der Jäger unten knirschen hörte, »es ist nur, daß ich just ein Schuster bin!" ,
„Wenn ich ein Schneider wäre, würde ich mir oa» von selber flicken." And er fuhr fort, seinen Apfel zu verspeisen. Der «junge Mann suchte in seiner Tasche nach kleiner Münze, aber ter sand nur einen harten Doppeltaler. Schon toollte er die Hand zurückziehen, als er von unten her ganz deutlich ein Ksinken km der Gartentür vernahm. Auf dem Kirchturm drüben schlug es eben zwölf. — Er fuhr zusammen. „Dummkopf!' murmelte ter und schlug sich vor die Stirn. Dann griff er wieder in die Tasche und sagte sanft: „Du bist Wohl armer Leute Krnd?
„Sie wissen schon," sagte der Junge, „'S wird alles sauer
„So sang und laß dir flicken!" damit warf er das GÄdstück zu ihm hinauf. Der Junge griff zu, wandte es prüfend im Asimd- schein Hin und wieder und schob es schmunzelnd in dm Tasche.
Draußen auf dem langen Seige, an dem der Apfelbaum in den Rabatten stand, wurden kleine Schritte vernehmlich uno das Rauschen eines Kleides auf dem Sande. Der Jäger biß sich in die Appen; er wollte den Jungen mit Gewalt herunterreihen; der aber zog sorgsam die Deine in die Höhe, Äns UnÄ andere; es war vergebliche Mühe. „Hörst du nicht? sagte er keuchend. „Du kannst nun gchen!"
„ Freilich," sagte der Junge, „wenn ich nur den Sack hätte!
„Den Sack?"
„Er ist mir da vorher hinabgesallen.
„Was geht das mich an?"
„Run, lieber Herr, Sie stehen just da unten! .
Der andere bückte sich nach dem Sack, hob ihn ein Stuck vom Doden und lieh ihn wieder fallen.
„Werfen Sie dreist zu!" sagte der Junge, „ich wende ihn schon fangen." Der Jäger tat einen verzweifelten Blick in den Daum hinauf, wo die dunkle, untersetzte 'Gestalt zwischen den Zweigen stand, sperrbeinig und bewegungslos. Als aber draußen die kleinen Schritte in kurzen Pausen immer näher kamen, trat er hastig auf den Steig hinaus.
Ehe er sich's versah, hing ein Mädchen an seinem Halse.
„Heinrich!" . , / ,
„Am Gottes willen!" Er hielt ihr den Mund zu und zeigte in den Daum hinauf. Sie sah ihn mit verdutzten Augen an; er aber achtete nicht darauf, sonder-, schob sie mit beiden Händen ins Gebüsch. , „ , ,
„Junge, vermaledeiter! — Aber daß du nur nicht wieder- kommst!" und er erwischte den schweren Sack am Doden und hob ihn ächzend in den Baum hinauf.
„Ja, ja!" sagte der Junge, indem er dem anderen behutsam feine Bürde aus den Händen nahm." Das sind die von den roten, die falten ins Gewicht!" Hierauf zog er ein Endchen Bindfaden aus der Tasche und schnürte es eine Spanne oberhalb der Aepfel um dm Sack, während der mit den Zähnen die Zipfel desselben! angezogen hielt; dann lud er ihn auf seine Schulter, sorgsam und regelrecht, so daß die Last gleichmäßig auf Brust und Rücken verteilt wurde. Als dieses Geschäft zu seiner Zufriedenheit beendet war, faßte er einen ihm zu Häupten ragenden Ast um> schüttelte ihn mit beiden Fäusten. „Diebe in den Aepfeln!" schrie er; und nach allen Seiten hin prafselten die reifen Früchte durch die Zweige.
.Unter ihm rauschte es in den Büschen, eine Mädchenstimme kreischte, die Gartenpforte klirrte, und als der Junge noch einmal den Hals ausstreckte, sah er soeben das Keine Fenster wieder zuKappen und den Weißen Strumpf darin verschwinden.
Einen Augenbsick später saß er rittlings auf der Gartenplanke und lugte den Weg entlang, Wo sein neuer Bekannter mit langen Beinen in den Mondschein hinaus lies. Dabei griff er in die Tasche, befingerte feine Silbermünze und lachte so ingrimmig in sich hinein, daß ihm die Aepfel auf dem Buckel tanzten. Endlich, als schon die ganze Hausgenossenschaft mit Stöcken und Laternen Umherrannte, ließ er sich lautlos an der anderen Seite heruntergleiten Und schlenderte über dem Weg in den Nachbargarten, allwo er zuhaus war. ■ , >
Auch eine Reife.
Skizze von Else Ebel. Stettin.
Dies ist meine Feierstunde. Der TageSlärm verklingt drinnen und draußen. Die Alltagsarbeit ist getan, nun darf die Hmck> zum ersehnten Buch greifen. Genießerisches Behagen umspimrt mich. — Wer sagte doch heute: Sie Aermste? — Ach ja, so war S: „Wohin reifen Sie denn dies Jahr?" — „Sch bleibe sein zu Haus." — „Sie Aermste!" —
Da steht sie wieder mit ihrer heißen Forderung vor mir, die Reisesehnsucht. Ach wenn man doch hinaus Bunte tote früher, nicht weit, nicht über die Grenzen hinaus, nicht zu een hohen Schneegipfeln, nicht ins grüne Herz Deutschlands, nicht einmal an die nahe See! Nur irgendwie dem Alltag entfuetyert unö der lastenden Enge der Stadt!--Da summt mir etwas
durch» Ohr, ein verwehter Klang. Jst's nur eine halb vergessene Vokabel aus der Kinderzeit, ist's der Titel einer vor langen« gelesenem Novelle? Bohage antour de ma chambre — — — Wundersamer Zauber! Nun reise ich ,
Ein buntes Stücklein Mosaik liegt vor mtr als Briefbeschwerer, St. Peter steht darauf geschrieben, ein Brieföffner in Gestalt eines Gondelschnabels daneben. Italien, Italien! Ich nein, wir schreiten wie Kinder durchs Märchenland, Brider, Klänge, Düfte umwogen uns. Das sind die Veilchen von die so heimlich duften, das ist der herbe Ruch, des AkanthuS, der den grünen Teppich um PSstums heiter-ernste Tempel breitet Aus Weihrauchwolken tauchen Fra Angelicos fanfte Heuig« auf. Wie Grabesluft umfängt es uns, wenn wir in Ravennas mosaikleuchtende Kirchen hinabsteigen. Wie wohl tut der frische Seewind, der vom Lido her durch Venedigs Gassen weht! Es Hingt so lockend: „Oondula, gondula, signore!“ Nun Glockenschtag, ungewaltig, wie aus der Tiefe des Meeres geboren: wir stehen auf dem Pincio, und uns zu Füßen jauchst die „ewige Stadt aus hundert Mündern ihre Ave gen Himmel. — Die ehernen Stimmen verhallen; Chorgesang und Litanei schweigen- Jetzt redet nur noch die Schönheit selber, wie sie in tausend Farben! von Wänden und Decken strahlt, in tausend Gestalten uns mav- morleuchtend entgegenschwillt, in Türmen und Säulen und breit* gelagerten Fassaden sich dem blauen Himmel vermahlt. VKe Kinder wandeln wir? Nein, wie wissende, schv nheii s uch-eiwe Menschen. Wir sehen jeder im geliebten Antlitz des anderen die Wonne höchsten Erhobenseins sich spiegeln. Anser Schweigen ist ein einziger Dank an den, der seinen liebsten Kindern schenkte, ihre Seele ausströmen zu lassen in Farbe, Form und Gestaltung. Gin Stücklein Mosaik aus St. Peter umschließt meine Hand — ein köstliches Erlebnis umschließt unverlierbar meine Seele.
Wohin willst du mich führen, du schlichtes Kästchen mit dem zartgeschnittenen Edelweiß auf dem Deckel? Die 8nge des 3ur£ mers weitet sich, frei schweift der Blick in die Runde. Durch blumige Wiesen geht's hinan, Bergwälder gierten vorüber, Fels- trümmer, Latschengestrüpp, schon winken die weißen Häupter herüber. Wie klopft das He» vor Anstrengung und Daseins- Wonne! Nun stehen wir oben. O uner.neßliches Entzücken! Zuviel, zuviel für's junge Herz. Arme öffnen sich und em tranenuber- strömtes, junges Antlitz verbirgt sich am teuren Vaterherzen. Innsbruck ist auf' dem Kästchen in verblichener Schrift zu lesen. Jugendwonne, Fahrtenlust müßte es heißen. Bildchen birgt es. Für andere sind es mäßige „Amateurphotographien. Für mich sind sie mehr. Ich habe mit ihnen heimgetragen, Was mir geschenkt Ward an vielen genußfrohen Wander- und sturkenb-n Ruhetagen: Sonnenlichter im Duchenlaub an der, Ostsrekuste, die stolze Pracht hochragender Dome, eingefangen rn einem Stückchen zierlichsten Maßwerks, Schwermut, die einen E-Mee umlagert, das Leuchten auf Rotenburgs Mauern zur Abendzeit, die Stille eines efeuumrankten Kreuzgangs, das Gelachter und die kreischende Kampflust, mit der meine Kinder, ihre Burg gegen die anstürmenden Nordseewellen verteidigen, die gleißende Herbstherrlichkeit der Elbufer in der Sächsischen Schweiz, Die keusche Schönheit von St. Elisabeth in Marburg, die liebevolle Sorgfalt, mit der ein Hildesheimer Meister seine Haustur schuf, das Glühen der Alpenrosen hoch oben im ©ngabin--- alles,
alles erlebe ich wieder in Träumen, die lange Jahre und weite Räume umsponnen. , ,r
Gin leichter Knall weckt mich der Deckel fallt zu, em leises Klirren ertönt von den feingeschliffenen Gläsern, die eine Bowle im Kranze umgeben. Olein, ein Singen ist s. Wohin will es mich führen? „ An den Rhein"--Welch fröhlicher Kreis hat sich
auf einmal zu mir gesellt? Wir sitzen in rebenumsponnener Laube, wir fahren auf dem einzig teuren Strom, wir grüßen die Burgen, die Dome, und wir fingen, fingen. Jugendlust klingt hinaus m alle Weite. — Das Lied erstirbt, die laute Schar verschtomdet. Zu zweien wandern wir wieder durchs herrsiche Land am Rhein, Mosel und Lahn. Nicht immer gilt es der Lust allem, oft heißt die Losung Arbeit. Es wird gezeichnet, gemessen, geschrieben. Daheim wird es gestaltet. Oder es reift tongfam in der Seele des Gefährten, die dann Neues schMt und — wenn das gute Glück es gönnt — es sichtbar in die Welt stellen darf- Von der Wänden grüßen mich die Zeugen seiner Tätigkeit tn schlichtgerahmten Bildern und Skizzen. Die schone alte Settmntr birgt die hunderterlei Kleinigkeiten, die das Mnheitsuchende Auge auf den Fahrten durch die weite Welt entdeckte, hier und da, im prunkvollen Antiquitätengeschäft in Wien, zwischen dem


