Die Post von Bormiv
vchriftleitung: Dr. Frievr. Wilh. Lange. —
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davon, ilnb sie gingen iveiter. begegnete ihnen: der Kutscher rief Dann kamen noch andere Wagen,
die alle aufwärts fuhren.
„Luft aus dem Tal,"
sagte Geronimo, und im gleichen Augenblick, nach einer raschen Wendung, lag das Velttin zu ihren Füßen.
Wahrhaftig — nichts hat sich geändert, dachte Earlo... Aun hab' ich gar für ihn gestohlen — und auchldas ist umsonst gewesen.
Die Rebel unter ihnen wurden immer dünner, der Glanz der Sonne riß Locher hinein. Lind Carlo dachte: Vielleicht war es doch nicht gut, so rasch das Wirtshaus zu verlassen... Die Börse liegt unter dem Bett, das ist je&enfatÖ verdächtig... Aber wie gleichgültig war das alles I Was konnte ihm noch Schlimmes geschehen? Sein Brüder, dem er das Licht der Augen zerstört, glaubte sich von ihm bestohlen und glaubte es schon jahrelang und wird es immer glauben — was formte ihm noch Schlimmes geschehen?
Da unter ihnen lag das große weiße Hotel wie in Morgen- -Mhnz gebadet, und tiefer unten, wo das Dal sich zu weiten beginnt, lag hingestreckt, das Dorf. Schweigend gingen die beiden weiter, und immer lag Carlos Hand auf dem Arm des Blinden. Sie gingen an dem Park des Hotels vorüber, und Carlo sah ruf der Terrasse Gäste in lichten Sommergewändern sitzen und rühstücken. „Wo willst du rasten?" fragte Carlo.
„Run, im „Adler", wie immer.
Als sie bei dem kleinen Wirtshause am Ende des Dorfes 'gelangt waren, kehrten sie ein. Sie setzten sich in die Schenke ö liehen sich Wein geben.
„Was macht ihr so früh bei uns?" fragte der Wirt.
Carlo erschrak ein wenig bei dieser Frage. „Jst's denn so ah? Der zehnte oder elfte September — nicht?"
„Im vergangenen Jahr war es gewiß viel später, als ihr .runterkamt."
wärts^vorn^ai-^ omim?x der Gendarm ärgerlich. „Vor» nuS’L Aber da fah er mit Verwunderung, daß der
unö ?°den fallen lieh, seine Atme erhob
den Wangen des Bruders tastete. Äderte ferne Lff>pen dem Munde Carlos, der zuerst nicht wußte, wie ihm geschah, und küßte ihn.
wärts?^ck,^^^E^ fragte der Gendarm. „Vorwärts! vor- wartsi och habe kerne Lust zu braten."
Geronimo hob die Gitarre vom Boden auf, ohne ein Wort
auf den nMtnfiMt i, -a wieder!
Mfoen Arm des Blmden. War es denn möglich? Der Bruder sah"«! f^5rX®r begriff am Ende -? Lind zweifelnd Ktp er ihn von der Seite an.
..."Torwarts!" schrie der Gendarm. „Wollt ihr endlich AXnö er gab Carlo eins zwischen die Rippen atna^ef^^^?^ D-mck den Arm des Blinden leitend, f'Hfug einen viel rascheren Schritt ein feftJS^t sah Geronimo lächeln in einer milden glück-
X ^r^w-e er es fett den Kinderjahren nicht mehr an ihm fr>m ®atJL° ^Selte auch Ihm war, als könnt«
notft Schlimmes mehr geschehen — weder vor Gericht
ZZe! f & ^lt. - Er hatte seinen BruÄ
"^eoer... Rein, er hatte thn zum erstenmal...
ihm weh, daß Geronimo so sprach: aber er war eigentlich erstaunt, daß er nicht trauriger war.
Die Äebel zerteilten sich Rach langem Schweigen sprach Geronimo: „Es wird warm." Gr sagte es gleichgültig, selbstverständlich wie er es schon hundertmal gesagt, und Carlo fühlte in diesem Augenblick: für Geronimo hatte sich nichts geändert. Für Geronimo war er immer ein Dieb gewesen.
„Hast du schon Hunger?" fragte er.
Geronimo nickte, zugleich nahm er ein Stück Käse und Brot aus der Rocktasche und ajh
faste Geronimo. 1 ~ -(rann
„Senellt, der Gendarm," sagte Carlo. 11
Ston wärmt fte an ihn herangekommen. ' ’
ihm ’SS Benelli," sagte Carlo und blieb txx
fte an: „Schon hinunter?"
-
ia Weg zu sein," sagte der Gendarm lachend, „es macht euch wohl nichts, wenn ihr mitgefit“
”ö5taUi*’Ä fragte GEimo.
mfittfirfe ?^„^ede.. -2ch bitte, Herr Gendarm, wie ist «s baut ! tS? wcht^ • • • 0&CT ^Ehr, was soll ich^
ehtmal so. Vielleicht bist du auch unschuldia.
W^^^eiß ich Ä^denfalls haben wär die telegraphische Anzrt<2 Zk daß tote euch ÄTÄ
feid, dringend verdächtig, da oben den Leuts» ÄÄWÄ»18 Ä —* Sä Ä-fÄ'X.*'-’mse, ff&t «fdlich! Was hat es für einen Sinn, auf bat ®tea&e stehetdbleiben! Die Sonne brennt. In einer Stunde ftnö wir an Ort und Stelle. Vorwärts!" ”
atTNTwn» führte ben Arm Geronimos wie immer, und fo gingen fte langsam weiter, der Gendarm «hinter ihnen du nicht?" fragte Geronimo wieder.
Tsber was willst du, Geronimo, was soll ich sagen? ®8 toirö sich alles Herausstellen: ich weiß selber nicht...“ ,, es ging ihm durch den Kopf: Soll ich'S ihm erkläre». L^vor,Gericht stehen?... Es geht wohl ni SsSS FU. . Run, was tuts. Bor Gericht werd' ich ia doch kein ^Diebst^t ÄE- "Herr Richter," werd' ich sagen, ist doch mm Äk-? anderer. Es war nämlich so: ..." Und
mmmühte er sich die Worte zu finden, um vor Gericht bie
am M • • V6? ma8 em Irrsinniger gewesen fein - bat er ftch nur geirrt... und dieser Wann..."
„Es ist so kalt oben," sagte Carlo. „Heut nacht haben wir j wird ihn garnidjrt f
efroren. Ja richtig, ich soll dir bestellen, du möchtest nicht ver° | dumme Geschichte alauben^ ntro. Niemand kann diese gessen, das Oel hinaufzuschicken." | - And^rsab-d,,^ ^erommo glaubt sie...
Die Luft in der Schenke war dumpf und schwül. Eine sonder» I bewegte sich nack/ alt^ GowofoibÄt ^.^inden
.are Anruhe befiel Carlo: er wollte gern wieder im Freien sein, | im Takte auf und ab aber MßMiS 068
auf der großen Straße, die nach Tirano, nach Gdole, nach dem I die leeren Augen ftierten in die
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„Gehen tou schon?" fragte Geronimo. I befiehlt nicht 'm,, Mch^kch ^oh l — Carl-
„Wir wollen doch heut mittag in Boladvre fein, im „Hirschen" j Run, er hat es aut Leute bestiehlt er...
halten die Wagen Mittagsrast: es ist ein guter Ort.“ 1 <mS —Ja ' 616 s«H«n, Und er nützt fte
ilnö sie gingen. Der Friseur Denozzi stand rauchend vor I daß man krtn^Geld brt^ir 'einem Laden. „Guten Morgen", rief er. „Run, wie sieht's da j — nicht vor Glicht nich? oben aus? Heut nacht hat es wohl geschneit?" | sperren und ibn^d'Gerommv. Sie werden mich ein»
„3a, ja,“ sagte Carlo und beschleunigte seine Schritte. I das Geldstück —' Vtnb' er^fo^^^aJ016 ” hat ja
Das Dorf lag hinter ihnen, weiß dehnte sich die Straße | fühlte sich so fe&r torttteT senken, er
zwischen Wiesen und Weinbergen, dem rauschenden Fluh ent- ü^rhauttt rriAt« J®1", als verstünde er
lang. Der Himmel war blau und still. Warum hab' ich's getan? eines’baß er ft* q ®a^e' ?"? wußte nur
l'achfo Carlo. Er blickte den Blinden von der Seite an Sieht wenn' nur Gewni^Ät^^k^ m ?ewArrest setzen ließe... Um Gesicht denn anders aus als sonst? Immer hat er es ge» | geworden toar^ ^ß er für ihn allein zum Dieb
glaubt — immer bin ich allein gewesen — und immer hat er I Unft hrnhfiA m , „ ,
wich gehaßt. And ihm war, als schritte er unter einer schweren | halten mustte^ 6 ie6 ®erontnto ftefxm, so daß auch Carlo inne- Last weiter, die er doch niemals von den Schultern werfen dürste, 1 — y 1 i
and als könnte er die Rächt sehen, durchs die Geronimo an seiner Seite schritt, während die Sonne leuchtend auf allen Wegen lag o sie gmgsn weiter, gingen, gingen stundenlang. Bon ? rL ®u ! atzte sich Geronimo auf einen Meilenstein, oder sie
lehnten beide an einem Brückengeländer, um zu rasten. Wieder rnmen fte durch ein Dorf. Bor dem Wirtshaufe standen Wagen, Reifende waren ausgestisgen und gingen hin und her: aber
Bettler blieben mcht. Wieder hinaus auf die offene L°wie stieg immer höher: Mittag muhte nahe fein. Gs war ein Tag tote tausend andere. ।
von Boladore," sagte Geronimo. Carlo blickte auf. Er wunderte sich, wie genau Geronimo die Entfernunaen bEchnen konnte: wirklich war der Turm von BoLe am ?^mlich weither kam ihnen jemand fchE Carlo, als fei er am Wege gesessen und plötzlich aufgestanden. Die Gestatt kam näher. Jetzt sah Carlo, dah es «n Gendarm war, wie er ihnen so oft auf der Landstraüe Mwte Trotzdem schrak Carlo leicht zusammen Aär als E naher k«n, erkannte er
haW d^R^a^i •toffren Mc. b«ben Bettler im Wirtsund er batte Bkorignone mtt ihm zusammen gesessen,
Z ^^iche Geschichte erzählt,^ W
em Strolch einmal betnahe erdolcht worden war.


