Ausgabe 
18.4.1925
 
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Dagegen ist Laut non nüchternster SaDichkett. Das Notigste i» seiner geeignetsten Form. Die straffe Konzentration unseres Lebens findet treffenden Ausdruck in den Plänen und einzelnen Ratschlägen, die ohiie Bedenken über alle Tradit-.ons Momente Weggehen. «Rundhäuser, Futzbodenbemalung, Bilder ein Graues.) So kchasst er eine neue Wohnung, von letzter Zweckdienlichkeit, in seinen Forderungen oft überspitzt, so daß sie growsk wirken.

Schulze-Naumburg sieht sich veranlaßt, bei der Frage der Heizung eine seitenlange Abhandlung über Luftfeuchtigkeit, du. Bor- und Nachteile der einzelnen Heizarten zu schreiben. Koch entscheidet sich aus wesentlich ästhetischen Gründen für Kamine oder" Kachelöfen. Taut kennt überhaupt nur Zentralheizung.

Und doch hat das neu in feinem Titel einen .Unterklang, der auf mehr weist, als reinste aus der Not geborene Zweck- mätzlgkeit. Diese Sachlichkeit ist heute wesentlich Form unseres Menschentums. Die Wohnung wird zum Heim. Denn Wohnung wird, auch persönlichkeitsbezogen gesehen, nicht niehr allein als sachliche Aiifgabe: Heim verliert seinen zu gefühlsmäßigen Unter­ton. Wer aufmerksam in die Zeit horcht, verspürt deutlich diesen Wandel. Die Rot hat viel Schult weggeräumt, so daß der Kern sichtbar werden kann: Nämlich der Wille, sich ein Heim zu ge­stalten, ganz vom Eigenen her, aber das Persönliche, das Heun- hafte in der Wahl der Formen zu sehen. Alles Schmückende «Kissen, Deckchen, Figürchen) wird als überflüssig und störend empfunden, aber dafür ist eine ausgeprägte Feinfühligkeit für Formwerte und Farbenklänge getreten. Nur das Nötige, Brauch­bare, aber dies in einer Art, die von den Menschen zeugt, die es benutzen. Wie das Kelchglas geformt ist, was für eine Decke auf dern Tisch liegt, wie Wandfarbe und Möbel zusammen stim­men, sind wesentliche Dinge der Heimgestaltung geworden, die jenseits altes Luxus, jenseits aber auch aller überspitzten Zweck­mäßigkeit liegen. , _____ ...

Und in diesem Sinn ist auchDie ürau als wchopferur zu sehen. Taut hat es ja anders gemeint (Motto: Räume dein Heim), aber wie diese Schrift am stärksten aus der Zeit geboren und doch das Wenigste, sagen kann da cs Taut als Baumeister tut, so liegt es doch als ein Ahnen darin beschlossen, daß gerade der Frau des Hauses hier eine wesentliche Aufgabe zufällt, aus der Sachlichkeit der Wohnung durch! feines Gefühl für Form rind Farbwerte das Heim zu schaffen.

Laternen ein Häschen darstellen, das. nach seiner Rundlichkeit zu schließen, allerdings weniger als das Ebenbild- eines Feld- Hasen denn als das eines wohlgefütterten, schlachtreifen Kanin­chens anmutet.

Die Hauptieierlichkeit, das Mondopfer, an dem sich vor allem die Frauen beteiligen, findet gleichfalls im Freien statt. In den Höfen sind Tische als Altäre aufgestellt, an denen im hellen Lichte des Vollmondes unter feierlichen Verbeugungen und Zeremonien dem Monde geopfert wird.

Die Opfergaben, die auf dem Tische niedergelegt werden, sind, der Gestalt des Mondes entsprechend, sämtlich von runder Form: und haben alle ihre besonderen Bedeutungen, die nament­lich auf Wortspielen, aus der Vieldeutigkeit der sie bezeichnenden chinesischen Silben beruhen. Melonen künden die Bitte, daß der Kreis der Familie wie das Rund der Vollmondscheibe ge­schlossen bleiben möge. Mit Aepfeln, Pfirsichen und- Granat­äpfeln wird Friede, langes Leben und Kinderreichtum erfleht. Vor allem fallen unter den Opfergaben die runden Mondkuchen . auf. Betrachtet man diese scheibenförmigen Gebäckstücke genauer, so findet man sie auf der Oberseite nach Art unserer Lebkuchen mit einer bildlichen Darstellung geschmückt. Diese zeigt ent­weder denAlten im Monde", der als der göttliche Ehestifter sich der besonderen Verehrung der Frauenwelt erfreut, oder sie gibt ein Häschen wieder, oft in recht gefälligen, stilisierten For-' men, mit dem es, wie wir gleich hören werden, feine besondere Bewandtnis hat.

Dieser Mondhase ist nämlich außer auf den Opferkuchen noch­mals auf dem Gabentische zu finden, und zwar in einer sehr eigenartigen und auffälligen Darstellung, welche deutlich die Wichtigkeit erkennen läßt, die ihm im Kulte der- Mvndverehrung zukomint. Diese Wiedergabe des Mvndhäschens ist auf einen: größeren Bilde zu bemerken, das mitten unter den Opsergaben steht und dem Monde zugekehrt ist. Allerlei Gottheiten find darauf gezeichnet, dazu ein Kreis, der die Mondscheibe darstellt. Die auffälligste Figur, die es jedoch aufweist, ist eben das Mondhäschen. In einer eigentümlichen Stellung ist es wieder­gegeben. Am Fuße eines Baumes steht es auf den Hinterpfoten uird hält in den Vorderläufen eine Keule, mit der es in einem Mörser Drogen zerkleidert und das Zauberqulver der .Unsterblich­keit herstellt.

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Vsm Morrdfsft und Mondhasen der Chinesen.

Von W i l h elm H o lzh aus en.

Die Chinesen haben ein 'Fest, daß trotz seiner Gegensätzlich­keit vielfach- an unser Osterfest erinnert und eine ähnliche Rolle wie dieses im Volksleben spielt. Es ist dies das Mondsest oder Mittherbstsest, das am 15. Tage des 8. Monats gefeiert wird.

Das Unterschiedliche zwischen beiden Festen, das schon durch ihre verschiedene Lage innerhalb des Jähreskreises bedeutsam uh Ausdruck kommt, sei vorweggenommen. Ostern, die Früh- nngsfeier, ist für uns in mehr als einer Beziehung das Fest der Auferstehung und des siegreichen Lichtes. Das Mond- verehrungssest der Chinesen aber gilt dem dunklen Prinzip, dem Bin, das im Monde verkörpert erscheint, das im Herbste das leichte Prinzip, das Bang, zu überwältigen beginnt, und dem man Opfer und Verehrung zollt, um es günstig zu stimmen.

Von diesem Unterschiede abgesehen, wird aber jeder, der einmal das Vergnügen hatte, int fernen China das Leben und- Treiben Ger Bevölkerung am Mondfesttage zu beobachten, an unser Osterfest erinnert worden sein.

Gleich diesen: pflegt das Mond-fest der Chinesen jung und alt, hoch und niedrig im Volke hinaus ins Freie zu führen, und gleich diesem ist es von einem besonderen poetischen Zauber umkleidet, den man an den übrigen chinesischen Festen vergeblich sucht. Ein großer Schmaus, zu dem sich der Chinese an diesem Tage mit Verwandten und Bekannten vereint, findet sein Gegen- stück in ähnlichen Osterbräuchen, wie sie namentlich früher viel­fach üb.lich waren, und jenes fremde und unser heimisches Fest stimmten darin überein, daß sie vor allem die Kinder auf ihre Kosten komme:: lassen, und daß an beiden Festen, in: fernen ©wen wie in unserer Heimat, der gleiche Vertreter der Tier- Welt, unser hochgeschätzter Freund Lampe, im Mittelpunkte der kindlichen Freuden steht.

Mit dem Aufgange des Mondes, den Böllerschüsse und das Geprassel von Feuer fröschen nah und fern ankünden, setzt das Mondfest ein. ütnd wie nun alles aus den Stadttoren drängt, das läßt sich fast wörtlich mit Fausts Worten auf den: Oster- spaziergange schildern, nur daß es der Mond und nicht die Sonne ist, der die Menge in die Felder, auf die Höhen und aufs Wasser lockt. Laternen in allen Formen schmücken die Häuser und die Flußboote, glühen in den Gärten und- an den Derghängen auf und spiegeln- sich tausendfältig in den tagsüber so trüben Fluten der Flüsse und Kanäle.

Lärmend zieht die liebe Jugend durch die engen «Sassen und auf den schmalen Feldwegen dahin. Selbst die kleinsten Knirpse tragen Lampions oder zieh«: Laternen hinter sich her, die auf kleinen Rädern laufen, allerlei Tierzeug gleichen und in den buntesten Farben leuchten. Auffällig aber ist, daß viele dieser

Vor diesem Häschenbild werden die Kniefälle und Kotaus verrichtet, welche die Sitte vorschreibt. Der Hase gilt nämlich als das Symbol des^ Mondes, eine Auszeichnung, zu der ihm seine rundlichen Formen verholfen haben mögen; denn es ist ausfällig, daß diese auf nahezu allen bildlichen Darstellungen stark hervorgehoben werden.

Zum Schluß der Opferfeier wird das Bild mit dem Mond- Hasen verbrannt; die Opsergaben aber werden vom Altar ge­räumt und beim Festschmause verspeist, der oft bis spät in die Nacht hinein dauert.

Nicht minder lang hält das lustige und lärmvolle Getriebe in den Straßen und Gassen an, die im Hellen Vollmondscheine und in: Glanze unzähliger Laternen einen wunderbaren Anblick bieten. Gongs dröhnen, und Zimbeln werden geschlagen. Mit lauten, jedoch melodisch abgestimmten Rufen bieten eilende Händ­ler ihre Waren an. Kleine Tonhäschen werden als Geschenke für die Kinder seilgeboten.Tscha-chi-dan! Tscha-chi-dan!"

Tee-Eier! Tee-Eier!" schallt der Ruf des Eierverkäufers.

Immer wieder wird der abendländische Fremde, der in diesen Trubel gerät, an heimische Oster- und Kinderfreuden erinnert. Hier sieht er einen kleinen Dreikäsehoch, der sich aus den: bro­delnden Teekessel der fliegenden Küche ein hübsch gebräuntes Ei fischen läßt. In den Sprüngen der Schale ist es mit einem seinen, dunklen Marmorgeäder überzogen, und nur mit Mühe könnte es ein deutscher Osterhase schöner herstellen. Dort führt ein Düble in seine Hasenlaterne hinter sich her, und in der Hand trägt er das hübsche Tvnhäschen, das ihm der gute Onkel schenkte. Ein kleines Mädchen überwindet die Scheu vor dem schönen Häschenbild, das seinen Mondkuchen ziert, und beißt herzhaft in das lockere Gebäck. Just wie beim deutschen Oster­fest ist es Meister Lampe, um den sich aller Kinderjubel dreht, nur daß er hier Mondhase heißt und ein vorwiegend nächtliches Dasein führt,

Gabriele d'Annunzio in der Villa Thode.

Den folgenden Artikel hat die dänische Schrist- steklerin Karin Michaelis in der norwegischen ZseitungTidens Tegn" Nr. 68 Oslo, Lei: 21. März 1925 veröffentlicht. Wir übersetzen ihn hier, um den Wunsch zu erfüllen, den die Verfasserin am Schluffe ausgesprochen hat.

Die VAka Cargnacco am Gardasee wurde 1910 von dem be­rühmten Kunsthistoriker Geheimen Rat Prof. Dr. Henry Thode erworben. Am 21. Juli 1918 würde die Villa mit ihrer kostbaren Einrichtung, einer Bibliothek von 7000 Bünden, Gemälden und, Kunstwerken von der italienischen Regierung mit Beschlag belegt, ebenso wie anderes deutsches Eigentum. Im Jahre 1921 folgte die Konfiskation. Doch hieß es in dem Dekret, daß deutsche'