Ausgabe 
17.10.1925
 
Einzelbild herunterladen

~ Ws

HerWgold.

3>»r Bertha Kohfahl- nker*).

Gur Qolbrter Dom wölbt sich der 'Wald, ein Schimmern, Flimmern ist in seinen Räumen, ein Rauschen, Raunen von ihm widerhallt, ein Flüstern von vergangnen Traumen.

Rotbraun der Teppich, der Len Boden deckt, golden durchwirkt von Sonnenfäden.

Rur ab und zu ein Blatt vom Baume schrecct, leise zitternd, als wollt es fallend reden voir Liebe, Glück, Vergangenheit.--

Ich nahm das goldne Blatt in nreure Hande, schmerzlich bewegt von altem Leid und ohne Hoffnung, daß es jemals ende.

Doch leise, leise raunt das Blatt von golddurchwirkten Stunden, wo Mund zu Olinnb sich gefmrde-n hat,--

von niemals geheilten Wunden. Fahl liegt es plötzlich auf meiner Hand, fahl ist der Himmel, der herrlich blaute, schwarzgrau ragt eine Wolkenwand. Well' ist alles, was ich golden schaute. -----

Truggold, Herbstgold.

Dasschlechte Haar."

Aus amerikanischen Quellen; nacherzählt von Friedrich Ai Whneken.

Erst als Don Jnocencio Quintana Minister wurde, sing er an, Haaröl zu gebrauchen. Früher kümmerte er sich nicht darum, daß sein Haar verdächtig kraus war. Aber jetzt muhte man der öffentlichen Meinung Konzessionen machen. Das sagte wenigstens

*) Aus dem bei Julius Emil Gauiin Hamburg erschienenM GedichtsbandFranenseolck'.

Kurz, Goldschmied Rachis wurde an dich geschickt und bietet dir den Lausch 'Wähle: Schmuck oder Bruder I

Ehe noch der Lombarde geendigt hatte, stürzte das Mädchen «gen di« Burg, die steile Treppe hinauf, verschwand in der Pforte und kam atemlos wieder, Schimmerndes und Klingendes in dem zur Schürze gefaßten hellen Oberkleide tragend. Dieses hielt sie mit der Linken, während die Rechte Stück um Stuck wie aus einem Horte emporhob und den gekrümmten Fingern des Goldschmieds überantwortete. Spangen, Stirnbänder, Gurtei, Perlschnüre verschwanden in dem Sacke, welchen Rachis geöffnet hatte, auch für die blonden Flechten Rodmundens ein kunstvoller Kamm von Elfenbein mit dem Heiland und den Aposteln in erhabener Arbeit. Jedes durch seine Hände wandernve stuck begleitete der Goldschmied mit dent Lobe des Kenners, nicht ohne Sn bißchen Bosheit, die dem begeisterten Mädchen seine Der- lüfte fühlbar machen wollte. Sie zuckte nicht einmal mit denn Wunde, sie leuchtete vor Freude bei der Hingabe alles chres

Da kam ihr denn doch ein Zweifel.Du bist redlich?" sagte j fle.Du schickst mir den Bruder? Es ist besser, ich begleite dich! und sie machte sich wegfertig.

Unmöglich Herrin," widersprach der Lombarde das geht nicht! Du entdecktest unsere Schlupfwinkel und gefährdetest mit dem Leben des Bruders auch das deinige. Die Dichterin ober Würde dich von uns geraubt glauben. Sei nicht unklug uno gib dich nicht in fremde Gewalt!" Er belud sich mit dem Sacke. Ein Schlummerchsn, Fräulein! und wenn du die Augen toieber öffnest, hast du den Bruder, der dich Gold und Gut kostet. Das schwöre ich dir!" Er senkt die drei Finger mit «nem grim­migen Blicke gegen den Erdboden.Ber dem da unten, ge- lobte ct.

»Ein glaubhafter Schwur!" sprach eine weibliche Stimme. Rachis wendete sich erschrocken un LSog das Knie vor einer behelmten Frau mit strengen Zügen, die den Speer, den sie in der Hand getragen, einem bewaffneten Knechte reichte. Die Dichterin mochte auS Schonung für ihr ermüdetes, Tier den steilen Bergweg zu Fuß erklommen haben. Sie faßte Palma schützend am Arm und blickte geringschätzig auf den Lombarden. .Schwürest du bei Gott und seinen Heiligen', sagte sie,so schwürest du falsch; eher schwörst du die Wahrheit bei deal Ba-w: der Lügen. Habet ihr euch nicht bei allem Göttlichen verpflichtet, ihr Lombarden, nie mehr in Ratten zu rauben und zu brennen / Und jetzt, da ihr, tote alles Böse, vor den Augen d^ Kaisers flüchtet, schleudert ihr rechts und links verheerende stammen Ich komme von Eur und weiß um eure Taten, Eidbrüchige! Sage du deinem Witigis, die Richterin würde ihm nachtzrgM tknd ihn züchtigen, wenn nicht ein Höherer käme, und er ist 1 Hon da, dessen Hand ihn erreicht, flöhe er an die ®nben der Erde! Jetzt fielen ihre Augen auf den Sack des Goldschmieds.Was trägst du da weg, Dieb?" fragte sie verächtlich.

(Fortsetzung folgt.)

Sr. Exzellenz, her Präsident. Demi in Venezuela war das .schlechte" Haar, das dort fo viele Personen haben, denselben bei Erlangung einer gesellschaftlichen Stellung hinderlich.

Selbst di« vielsagenden dunkelblauen Halbmonde an der Basis der Fingernägel, oder eine etwas zu dicke Unterlippe, und selbst jener bläuliche Schinimer über den weihen Augäpfeln sind weniger verräterisch als dasschlechte" Haar. Denn was diesen Punkt betrifft, kann die Statur keine» Irrtum begehen. So kam es, bah das Pomadengeschäft in Caracas schnell zu einem blühenden Industriezweig wurde, an dessen fernerem Ge­deihen nun auch Do» Ssocencio arbeitete.

Fortan lag das Haar so glatt am Kopfe des Ministers, wie Vas seines indischen Kammerdieners Juan.

Die Gesellschaft von Caracas geriet darüber in nicht geringes Erstaunen.

Qtber, warum denn?"

Roch in dem Alter?"

Ms ob es nicht ohnedies jedermann wüßte. Der arme Mann! Es ist wirklich schade!"

Wahrscheinlich ist es in den Vereinigten Staaten Mode geworden, schlichtes Haar zu tragen. Er Hält so viel von Ben Vankees, obwohl wir sie alle nicht leide« «lögen. Auch be­hauptet er immer, ihr Land sei das einzige auf der Well, nr welchem gänzliche Gleichheit herrsche. Pobrecrto!

Don Jnocencio beachtete das Achselzucken, das Geflüster der Gesellschaft nicht, wie er ähnlich geräuschlose Demonstrationen seit vierzig Jahren ignoriert hatte. Das vwtrug sich mtt r«n sprichwörtlich gewordenen Familienstolz der Qinntana allerdings sehr ^^Eencios Großvater war nämlich der durchaus wasch^ echte Kasttlianer Mckrquis de la Quintarm gewesen, der Äs General die Armee von Venezuela zu brillante« liegen ge­führt hatte. Wer aber Don Jnocencivs Großmutter «e Wi W£u, das wußte man nicht. Um so mehr wußte man ledoch, daß fern Vater. Don Beltrön, eines Tages von einer Expedition aus dem Inneren des Landes mit einer jungen F^u »uruLehrte, die bei jeder passenden und unpassenden Gellgenhett Handschuhe trng, und deren Haar, rote man nur zu bald entdeckte,schlecht "^Elvira, die junge Frau, schenkte ihrem

in dem, wie es sich im Laufe der Jahre herausstellte, alle Vom Mae des Großvaters vorhanden waren. Dazu war er liebens- würdig und sanft wie eine kleine Mutter. Dcm den ^MMten Vorfahren der letzteren hatte Don Jiioceneweinvielsa^ndes Gefickt geerbt. Die Form desselben war entschiede« afEmsch. die Farbe dunkel, sehr dunkel, wenn auch nicht ganz schwär», und nun gar das Haar, dasschlechte Haar!.

Don Belträn soll, wie man damals behaftete,

Eck» aussehenden Sohnes wegen an gebrochenem «erzen ge- storben fein. Seine Witwe aber ließ ihrem Sohne eine sorg- fälttge Erziehung angedeihew So kam es, daß ^-Entto als er zum Manne herangewachsen war, Weit E muttgen Augen ins Angesicht blickte und fern Schicksal mit Wurde um @C&®aracaf folgte dem Beispiel der Domra VicMa, ein« vor­nehmen alten Dame, die gesellschaftlich ^9« Swfc behandelte Don Jnocencio nebst seiner Gattin würdig und dillS- sam. Man vergaß seine gute Abkunft am väterlicher Seite mch und bemitleidete ihn der schlechten' Haare wegew

Es ist schade, zu schade", sagte man.Ern Mann von sotqren Verdiensten, solchen Kenntnissen^ Dios de "» ataal

.Aber wie war es denn möglich, so fragte die Jxäx. ocs englischen Gesandten,daß der Mann «ne Gatturfand!

Ein Mann findet immer eine Frcm

Vicenta.Die fetnige war eine ausgezeichnete Gattin, wennfie auch nicht zu unfern Gesellschaft gehörte. Schade, daß sie nicht mehr am Leben ist. Pobremta!" . j.

Aber seine Tochter? Wie steht es damit? Wer wno tne Heine Rosalita heiraten?" . , s.; tneite

Danna Vicenta seufzte und schüttelt« gedankenvoll das Nciv ^aUVAy de mi! Quien sabe? Das ist eine LrageEmMann Hnbrf immer eine Frau; schwer wird cs aber sein, für die wohlerzogene Rosalita den Emr Gatten zu fi nd«i,

SoS arme Ding sollte die Welt erst gar nicht teraiert lernen wt& den Schleier nehmen. Ich muß mit ihrem Vater ohne Verzug ^^©0$'tat bie gute Same, taktvoll, toie fie nun einmal war, aber doch sehr deutlich. Einen Augenblick lang vettor D?r Jnocencio seine Selbstbeherrschung. Er vergmib sein äe Hände und schluchzte.Mein Gottk' .^s er mtt Mer^r Stimme,ist es denn nicht genug, daß lch.WH«r muh? Sott mein armes, unschuldiges Kind aich noch leidm?'

Zärtlich wehmütig antwortete Donna Vicenta.Wem teurer Freund, so wird es wohl fein."

Ich bin so sehr vereinsamt und sehne mich «ach ihr. Sie wird infolgedessen das Kloster zu Ostern verlasssii

Gott und alle Heiligen mögen sie bchuteni umnnÄte Donna Vicenta, und Don Jlweencio fügte ein dumpfes ^men hinzu, indem er sich die Tränen <nts den Augen wicht«.