Ausgabe 
17.3.1925
 
Einzelbild herunterladen

86

ftcften. schließlich die von Fliegern freie afrikanische Küste im Süden von Kreta zu erreichen suchen. Mit Rücksicht aus dm auf dem Balkan und im Orient besonders rege Spionage unterblieb jede Benachrichtigung militärischer Behörden über dm beabsich­tigten Bewegungen des Luftschiffes.

3h Burgas, das bei beträchtlicher Wolkenbedeckung m Hohe 400 überflogen wurde, hielt man es denn auch prompt sur ein feindliches Luftschiff und alarmierte trotz stürmischen Wetters die in Barna stationierten Seeflieger. Einem Piloten dieser tüchtigen Staffel gelang es auch bald, L 59 zu überholen; er erkannte aber noch rechtzeitig die Rationalität des Schiffes. Zum Zeichen dessen ging das1 Flugzeug in die Tiefe, um dann zur Benachrichtigung der übrigen ausgeschwärmten Flieger umzukehrM.

Am Himmel machten sich mehr und mehr Schichtwolken be­merkbar. die in der Regel einem Sturm voranzum en Pflegern 3bre zerfetzten Ränder bestätigten ganz zweifelsfrei, daß als bald mit ,einer ernst zu nehmenden Windstärke gerechnet werden

Verlauf der Fahrt längs der kleinasiaftschen Bahn wi^ der schon im Schwarzen Meer heftige Gegenwind auch in der zum Sturm an; die Bewölkung nahm derart SU, daß em Zurecht­finden in dem manchmal recht engen Tal, den, L59 nntder Bahn­linie folgte, zeitweilig ausgeschlossen war. Ganze Berge von Haufenwolken türmten sich auf, aus denen Freren herausschossen, Ne sich fächerförmig nach oben ausbreiteten. Das Kumulusgewolk war teilweise mit riesigen Wolkenkappen und Halskrausen ver sehen: Alle diese Anzeichen deuteten auf das Herannahen eines ^^Schlietzttch^g^et L 59 bei Einbruch der Dunkelheit! ftl Höhe von M Hissar in ein starkes Gewitter, aus dem ein Entrinnen lmmSl?uMngcme(6et und daher höchst verdächtiger Gast schon vorher von einer Tunnelwache mit einigen Gewehrschussen be- dackt bot das über der Stadt vergebens gegen den Gewrtter- ankämpfende Luftschiff ein hochwillkommenes Ziel lur ein« aröüere Anzahl von türkischen Schützen; wie der deutlich ver­nehmbare Kugelschlag verriet, muhte das Schiff mehrere Male

erfaßten das Luftschiff starke Lustwirbel unb drehten es beidemal völlig im Kreise herum, in entgegengesetztem Sinne zu dem hart beigedrehten Seitensteuer.

Endlich zeigte sich das Hinterschiff so schwer, daß em Ber- sacken befürchtet werden muhte. Bei der Anmogftchwtt, festzu­stellen, ob die Verschiebung des Gleichgewichts lediglich auf einer Beschwerung durch aufgenommenen Regen beruhe oder vielleicht auf einem stärkeren Gasverlust infolge von Streifschüssen an Gaszellen, oder auf beidem, entschloß sich der Kommandant zur Umkehr. Durch reichlichen Abwurf brachte Bvckholt das Schiff auf Höhe 2200 und lieh dann den Kurs über die Berge hinweg auf Konstantinopel nehmen. Roch vor Mitternacht lag die Haupt­stadt des Osmanischen-Reiches zu Fußen des Lustschiffes.

Bon hier aus sollte der Luftschiffhafen von der Rückkehr des Luftschiffes verständigt werden. Doch versagte infolge Kurz­schlusses, herbeigeführt durch die eingedrungene Rässe der Regen­böen, die Funkenstattvn. Auch war eine Verständigung mit den Hafenbehörden von Konstantinopel oder mit Schiffen durch Scheinwerfersignale nicht herbeizufuhren, inzwischen trat W e- derum Sturm und Gewitter auf, Unbilden, durch die L 59 zum größten Teil über dem Marmarameer bis Tagesanbruch durch- manöveriert werden muhte. Der Kommandant machte nunnrehr den Versuch, mit nördlichem Kurs das Schwarze Meer zu ge­winnen. Doch bald war das Luftschiff von dichten Wolkmmassen eingekreist, aus denen weder durch Höhersteigen noch durch Sieferfteigen herauszukommen war. Rur einmal, für einen ein­zigen .Augenblick, konnte eine Meeresfläche gesichtet werden; jedoch war dabei nicht zu erkennen, ob es sich um das Schwarze oder AeMsche Meer handelte. Das Aus und Ab des Höhenschreibers fand von Höhe 2000 bis Höhe 350 statt; die Kurve bildete eine Wüste Zickzacklinie. , , ... ,

Von neuem aufwirbelnde Wolkenmassen sprachen dafür, daß wieder Bergland zu Füßen liegen muhte. Ein flüchtiger Blick durch ein Wolkenloch lieh schließlich einen höheren Bergrücken vermuten. Die Annahme war daher begründet, daß das Schwarze Meer sich da unten erstrecken muhte. Als nach östlichem Kurs die Wirbelbildung im Gewölk aufhörte, ließ der Kommandant auf gut Glück in die Tiefe steuern, in der Erwartung, jetzt die Westküste des Schwarzen Meeres ausfindig zu machen. In etwa 200 Meter Höhe wurde es in der Tat gesichtet, ebenso westlich ein Küstenstreifen. Um die Orientierung nicht zu verlieren, hielt der Steuermann den niedrigen Höhenkurs ein. Zwar kam das Luftschiff gegen &en aus Rordnordost blasenden Stürm nur lang­sam vorwärts und krachte oft bedenklich in den starken Böen, doch erkämpfte es sich seinen Weg dank der vorzüglichen Arbeit feiner Motoren und, was nicht zuletzt in Betracht kommt, dank der Zähigkeit der Besatzung.

Als nach bangen Stunden alles war steif vor Rässe und Kälte der Kommandant in Höhe von Burgas landeinwärts beidrehen ließ, flaute der Sturm merklich ab. And so konnte zu guter Letzt in einem günstigen Moment die Landung vor 3ambol gewagt werden. Diese glückte überraschend, trotz des bei dem Mnbrfngen des Luftschiffes tn die Halle noch ziemlich ..steifen"

A

Windes. Kurze Zeit darauf «hob sich der Sturm zu neuem Wüten.....

Der Fährmann von Mederhaufen.

Don Heinrich Bechtolsheimer.

(Fortsetzung.)

Immer höher ging es hinaus, schließlich gelangten die beiden mitten hinein in die Burgruine. Das alte Mauerwerk ragte hoch auf, das Dach darüber war längst zerstört. Michel sah mit einem raschen Blicke, daß die Ruine nur von dem verborgene Wege, den er soeben gegangen war, betreten werden konnte. Jahrzehnte- lang waren die Dornen, die die Trümmer umgaben, ^wa-ywn, und niemand hatte daran gedacht, sie zu entfernen.

wahrte Christoph in Wagentücher verpackt seine Iagdgerar- schasten,

3m folgenden fügen wir noch die tragische Szene an, in der das Funkenlelegramm das MarfnelustschisfL 59 zurückruft.

..... Dor der Einmündung des Ludjendaflusses in den Rowuma hatten sich einige landeskundige Europäer zur Ver- ügung gestellt. Dort befand sich eine portugiesische Station. Die Besatzung wurde auf 2000 Engländer oder Portugiesen geschätzt. Diesem Ziel strebte die angrissslustige Schar Lettöw-Vorbecks zu, in der Hoffnung, hier mancherlei zu finden, was seit langem entbehrt werden mußte. So nahmen Deutschlands Kämpfer Ab­schied von der letzten Scholle Deutsch-Ostafrikas, während einige Breitengrade weiter nördlich L 59 seine Bahn nach dem Makvnde- Hochland zog. .

Kehren wir zu unserem Luftschiff zuruck, das inzwischen dem Wadi Mokattem folgend, frühmorgens zwei Ahr 16° 30 nördlicher Breite bei etwa 30° östlicher Länge erreicht hatte. Schon in der Höhe des Wadis leuchtete die silberne Gabel, die der Zusammenfluß des Weißen Ril mit dem Blauen Ril bildet, am Horizont über Khartum auf. Die ehemalige Hochburg des Mahdis mußte der englischen Besatzung wegen umgangen werden; so geriet unser Luftschiff wieder in das Gebiet des 30. Längen­grades.

Der Schauplatz der wilden Derwischkämpfe lag unter dem durchfahrenen Raume Hier war es, wo es Lord Kitchener am 3. September 1898 gelang, die Truppen des Mahdi vernichtend zu schlagen. Der Mahdi Abdullah selbst fiel in dieser Schlacht, so war der Sudan wieder zurückerobert.

Die Dordsunkenstatton war längst wieder bereit; der an den Maschinenteilen entstandene Schaden war mit den Hilfsmitteln des Schiffes beseitigt worden. Dal Funkspruch des Admiral­stabes:Letzter Dtützpunft Lettvw-Vorbecks, Revala, verloren gegangen. Ganzes Makondehochland im Besitz der Engländer. Teile Lettows gefangen. Rest nördlich hart bedrängt. Sofort

umkehren!" _

Die Entfernung von Rauen bis Khartum beträgt 4500 Kilo­meter. Die Rauener Wellen hatten es fertiggebracht, ein ein­zelnes bestimmtes Körnchen im ungeheueren Luftözean aufzu­finden. RuNmehr mußte jeder Beteiligte das Schicksal der Kame­raden in Deutsch-Ostafrika als unabwendbar ansehen. Schon vor dem Eintritt der letzten verhängnisvollen Ereignisse war das von der Schuhtruppe noch gehaltene Gebiet so klein, daß eine Lan­dung nicht mehr in den Bereich der Erwägungen gezogen werden konnte. Man mußte doch auch an das zeitraubende Ausladen der Fracht, an die Gegenwirkung der feindlichen Flieger denen eigene Flugzeuge nicht entgegengestellt werden konnten rmd, was nicht zuletzt in Betracht kommt, an die Schwierigkeiten der Landung im besonderen denken. Keine Meteorologen und Funken» stattonen, die Bodenwind heraufsunken konnten, kein eingeübter Haltetrupp harrte dort des völlig unerwarteten Luftschiffes.

Lettow-Borbeck bezweifelte es heute, ob ft 59 überhaupt die Stellungen der Truppe gefunden haben würde. Weiterhin meint er, die Expeditton hätte vier. Wochen früher in die Wege ge­leitet werden müssen, um den Erwartungen zu entsprechen, die man in diese Mission setzen zu können glaubte. Darüber hinaus berichtet heute ein in Gefangenschaft geratener Offizier der Truppe Lettow-Borbecks, daß die Engländer in Deutsch-Ost­afrika auf das Erscheinen eines deutschen Luftschiffes wohlvor- bereitet waren. Sie zeigten ihm sogar die startbereiten Kampf­flugzeuge, welche die Aufgabe hatten, ein etwa in Erscheinung tretendes Luftschiff zur Landung zu zwingen. Somit wäre einer Fortsetzung der Fahrt lediglich sportliche Bedeutung zugekommen. Aber war es denn mit der Fahrt des U-BootesDeutschland etwas anderes? Der Admiralstab hatte offenbar die politische Bedeutung einer solchen Fahrt ganz außer acht gelassen. Selbst wenn das Schiff bei seiner Ankunft in Deutsch-Ostasrfka infolge der veränderten Kriegslage den Engländern vielleicht in die I Hände gefallen wäre: Was hätte das bedeutet gegenüber dem moralischen Eindruck dieser kühnen Fahrt auf die ganze Welt? . Diese Ansicht wird auch heute von Lettow-Borbeck geteilt.

Der Kommandant war indessen zu sehr Soldat, um gegen f

den Befehl zur Umkehr zu handeln, eine Tugend, die späterhin |

fein Verderben geworden ist. And so wurde der Gedanke an eine Weiterfahrt auf eigene Verantwortung mach dem Kamps- > gebiet unterdrückt und schweren Herzens zur Rückfahrt geschritten.